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    Dienstag, 19. Februar 2013
    Blogging November - 477

    Heute habe ich mich mit einem Bettler (gibt es heutzutage dafür ein politisch korrektes Wort, das man verwenden müsste?) gestritten, der nämlich so vor der Tür des Supermarktes stand und seine Hand aufgehalten in die Tür streckte, dass man da nicht ohne Reaktion durchkam. Es hat mich gestört. Ich habe auf dem Weg hinein nichts gesagt, habe ihn nur angelächelt und bin um die Hand herumgegangen, aber auf dem Rückweg ist mir der Kragen geplatzt und bevor ich überhaupt nachgedacht hatte, sagte ich schon "ich finde das enorm schlecht, dass Sie hier so stehen, das ist zu viel, das ist aufdringlich, gehen Sie mir jetzt bitte aus dem Weg."

    Wenn die Sachen doch einmal im Leben einfach sein könnten. Sind sie aber selten - der Herr war anderer Ansicht, und wir mussten streiten, ob ich Armut nicht sehen möchte, Leute wie ihn, ob mich das stört. Natürlich stört mich Armut, ich fände es schöner, wenn niemand arm wäre, es stört mich insofern auf einer abstrakten Ebene, wenn Leute betteln, auf einer persönlichen, also, dass ich das den Leuten zum Vorwurf mache, häufig nicht, außer eben, ich fühle mich von einer Person konkret bedrängt, dann stört es mich auf einer sehr persönlichen Ebene, die aber nichts mehr mit Armut sondern mit Bedrängen zu tun hat. Der Mann fand meine Einlassungen irrelevant es wäre nur recht, wenn jeder Einkäufer ihm den Euro aus dem Einkaufswagen gäbe, den würde man ja nicht brauchen, sonst hätte man ihn nicht reinstecken können.

    Wir konnten das nicht gut klären, ich musste schon die Einkaufstaschen abstellen, um beim Reden besser fuchteln zu können (die Schulter!!), der Mann fuchtelte mit seiner Weinflasche, es schwappte, wir wurden beide ungehalten und dann kam der Sicherheitsdienst und schickte den Mann weg.

    Das fand ich dann auch wieder alles schlecht. Es könnte doch wirklich mal einfach alles einfach sein!




    Heute vor zig Jahren:
    Schule ist blabla, Pe ist immer noch krank. Nachmittags Geigen, Badminton und Hausaufgaben und bla.

     
    Ganz nebenbei hätte sich der Herr damit ganz locker ein Ordnungsgeld einhandeln können - und noch ärmer werden will er ja eigentlich nicht, denke ich mir (Okay, das war jetzt politisch unkorrekt - ändert aber nichts an der Nötigung, die de facto auch rein objektiv bestanden haben dürfte. Wenn man um eine Hand herumlaufen muss, um den Laden überhaupt zu betreten, und wenn diese Hand sich permanent dort befindet, ist das definitiv ein Fall, in dem man berechtigt die Polizei rufen kann.).

    Vor dem Supermarkt stehen immer ein Haufen Punks - die sitzen da, saufen, an schlechten Tagen pöbeln sie die Leute an, sind aber meist ganz friedlich und niemals offensiv: Sammelbuchse steht auf dem Boden vor dem Lagerplatz der Hunde. Ist mir persönlich generell zwar unangenehm, weil ich eh ein kleiner Schisser bin und so ziemlich vor allem und jedem Angst habe, aber die Rampe zum Eingang des Supermarktes ist komplett frei - und der Herr, der die Obdachlosenzeitung verkauft, macht auch immer höflich Platz (Obwohl ich den da eine Ewigkeit nicht mehr habe stehen sehen - wird sich einen neuen Standplatz gesucht haben.).

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    Also wenn man dem Unterschichtenfernsehen glauben darf, dann nennt man Bettler und Penner heutzutage "Arbeitssuchende".

    Ansonsten Respekt vor deiner Diskussionsbereitschaft, ich hätt dem ja eher die Tür reingedrückt.

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