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    Donnerstag, 9. Juli 2020

    Ich hatte heute einen Abend wie ohne Corona und ich glaube, das hat mich mehr entspannt als alle anderen Entspannungsversuche bisher. Ich war mit einem Kollegen verabredet und wir schlenderten in die Stadt, um irgendwo draußen einen Tisch mit nicht allzu vielen Leuten drumherum zu finden. Dann saßen wir da, aßen, tranken und unterhielten uns. Das Besondere (und heute eben besonders entspannende) an den Unterhaltungen mit dem Kollegen ist, dass wir - aus einer Tradition heraus - jeweils zu Beginn des Treffens jeder ein Thema nennen, das keinesfalls erwähnt werden darf. Das war anfangs schwierig, mittlerweile sind wir darin recht gut geworden. Mein Thema war "Corona" und so hatte ich einen zumindest in Bezug auf die Unterhaltung komplett coronafreien Abend.

    Sowieso war es vor dem Irish Pub auch leicht, die Pandemie zu vergessen, das Ganze Szenario wirkte wie ein Sommerabend, aus dem aus unerklärlichen Gründen mal wenig los ist - so, als ob es vielleicht Montag wäre oder früher Morgen statt Abend. Die meisten Tische waren nicht besetzt, nur wenige Personen in Sichtweite, auch wenige Spaziergänger oder Radfahrer. Alles natürlich relativ zu sehen, normal ist die Innenstadt an einem Donnerstagabend eben rappelvoll, die S-Bahn auch und der Bahnsteig sowieso. Alles nicht der Fall. Das fühlte sich etwas ungewohnt an, aber nicht unangenehm.

    Ich bin jetzt sehr, sehr ausgeruht.

    Mittwoch, 8. Juli 2020

    Frau Fragmente sitzt in ihrem Schlafzimmer und bloggt, ich sitze an meinem Schreibtisch und blogge über Frau Fragmente. Wir haben heute im Schlafzimmer eine andere Perspektive, sie zeigt in den Flur. Ich dachte mir erst nichts dabei doch gerade sagte Frau Fragmente beiläufig "ich hole mir noch was zu trinken -murmelmurmel-ohwartemal-nicht-dass-du-den-falschen-Bildaussschnitt-siehst." Höchst verdächtig. Ich schreibe schnell auf, was ich sehe, nun wo die Kamera sich etwas gedreht hat: Das halbe Bett, darauf ein großer Zalando-Karton und zwei kleine New Balance Kartons, huch, jetzt hat sich das Licht ausgeschaltet, oh jetzt ist es wieder an aber sie hat die Kamera weggedreht. Nunja. Jetzt sehe ich den Schreibtisch mit dem üblich Setup (iPad, Klapptastatur, Lichterkette, Cola Zero mit Eiswürfeln) und einen Wäschekorb, darin eine weiß-gelb-rote Schachtel, Details nicht zu erkennen. Die gerade eben noch vorgeführten rot-orangefarbenen Schuhe stehen im Hintergrund mitten im Weg; Frau Fragmente ist ein kleiner Schludri.

    Was gibt es zu berichten? Eigentlich sehr viel, wenig davon aber aufschreibgeeignet. Die Tage sind wieder voll und lang derzeit, viele Gespräche, viele komplexe Situationen, viele Strategien, die aufgehen oder vielleicht auch nicht. Die Räume sind sehr weit offen, würde man im Fußball glaube ich sagen, die möglichen Optionen, in die sich die Situationen entwickeln können, liegen vor mir wie ein Netz, ich liebe es, dieses Netz zu navigieren, mein Kopf ist voll von diesen Überlegungen aber die Gedanken dazu sind noch zu breit, zu wenig konsolidiert, als dass ich sie äußern könnte. Das hat man hier in den letzen Tagen bemerkt.

    Ich muss mich daher an die kleinen Dinge halten. Im Bad ist die Fenstergardinenstange abgestürzt. Ich habe von der Freundin mit Garten Zucchini, Kohlrabi und Sommeräpfel bekommen. Die Kohlrabi ist noch unangetastet, die Zucchini ganz vorzüglich mild-nussig, die Sommeräpfel hab ich zu einem Kuchen verarbeitet und dabei habe ich das Backpulver vergessen. Mein Kopf ist voll von Netzen, Situationen und Optionen, wer kann da an das Backpulver denken?

    Huch, jetzt ist Frau Fragmente verschwunden. Also nicht nur sie selbst sondern das ganze Bild. Genug Spaß für heute? Ich sehe jetzt plötzlich mich selbst, gleich mehrfach, weil sich der Bildschirm in der Balkontür spiegelt und darin dann wieder der Bildschirm,der sich in der Balkontür spiegelt etc. Ich muss schon wieder zum Friseur, glaube ich? das kann doch gar nicht sein, ich war schon zweimal seit Corona! Ich würde in meinem Kalender schauen, nur habe in den in den letzten Monaten nicht gepflegt, erst, weil man ja sowieso keine Termine hatte und dann, weil ich aus der Übung gekommen bin. Ah, da kehr Frau Fragmente zurück und sie verlinkt jetzt irgendwas mit Musik. Wird das eine Art Kunstprojekt, ihr Blogeintrag, oder was? Ihr Glas ist jetzt auch plötzlich halb leer, wer weiß, was sie in der Zeit, in der das Bild weg war, alles gemacht hat? (Spoiler: den Schuh aufgeräumt nicht!)

    "Ich habe gar kein Thema", sage ich zu Frau Fragmente. "Ich schon!" antwortet sie. Ich habe in Wirklichkeit ganz viele Themen, aber sie sind mir dieser Tage alle zu viel, ich müsste ihnen einen größeren Teil meiner Aufmerksamkeit widmen, als ich momentan abends noch frei verfügbar habe.

    Frau Fragmentes Glas ist jetzt zu Dreivierteln leer, ich habe sie wieder nicht trinken sehen, wie um alles in der Welt macht sie das? Und ist das Bloggen beendet, wenn das Glas leer ist, ist das ein heimliches Signal, dass ich noch nie beachtet habe bisher? Heute werden wir es erfahren. Also ich, Sie nicht, ich höre nämlich an dieser Stelle auf.

    Dienstag, 7. Juli 2020

    Schlafen hilft. Ich habe jetzt zwar noch viel mehr zu tun als vorher, aber jetzt erscheint es wieder alles interessant und unterhaltsam.

    Montag, 6. Juli 2020

    Heute ist mir alles zu anstrengend und zu kompliziert, aber das liegt nur daran, dass ich immer noch nicht richtig geschlafen habe. Ich bin mir ganz sicher, nach 8 Stunden Schlaf löst sich alles in Wohlgefallen auf.

    Gute Nacht.

    Sonntag, 5. Juli 2020
    WmdedgT 7/2020

    (Alles zu WmdedgT hier.)

    Miserabler Schlaf, ich fuhr weiter Achterbahn und duckte mich vor Weltallgeschossen. Um 5 Uhr wie schwer verkatert aufgewacht, dann nochmal komatöser Schlaf bis 9:30 Uhr, immer noch bleimüde aber keine Lust mehr, weiter Zeit mit Schlaf zu verschwenden.

    Die Küche sah aus wie weiß ich nicht und ich weiß auch nicht warum. Ich war doch gar nicht da? Hatte ich abends noch irgendwas da gemacht? Offenbar. Um in den Tag zu finden, begann ich, Kirschen zu entsteinen. Vielleicht gab es auch Frühstück? Ich bin wirklich nicht sicher.

    Die Bestandteile des Vormittags bis 15 Uhr in mir nicht mehr gegenwärtiger Reihenfolge waren jedenfalls: Kirschen entsteinen (in Etappen immer mal wieder), Spülmaschine ausräumen, Duschen und ankleiden, Kistenzeug sortieren, mit Laptop im Sessel sitzen und an der Geschwindigkeit erfreuen, Kleidung sortieren, Fenster wegen Sturm schließen (mehrfach), Fenster wegen Luftbedürfnis öffnen (mehrfach).

    Ab 15 Uhr bekam der Tag Struktur. Da hatte ich nämlich Gesangsstunde, es lief heute generell ganz gut aber nach 30 Minuten war plötzlich und unerklärlich die Stimme weg. Also: fast ganz weg. Sehr befremdlich. Nach viel Wasser und Isla-Moos ging es zum Sprechen wieder, zum Singen weiß ich nicht, ich habe es seitdem nicht ausprobiert.

    Dann war online Kaffeeklatsch, ein paar Dinge erledigte ich nebenher und schwupps, schon Abend. Am Abend kochte ich die Kirschmarmelade und Bolognese und wartete dann ab, damit es dunkel wird und ich das Haus verlassen kann. Das war gerade vorhin der Fall und so fuhr ich einen Kofferraum voll mit Paketen zur Packstation, machte einen Schwenk über den Briefkasten und bedauerte, dass der Hermes und DPD-Store nicht geöffnet hatten - ein andermal die beiden dann.

    Jetzt sitze ich im Sessel, habe immer noch ganz leichte Gehirnschmerzen und mache gar nichts mehr.

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    Letzter Regen: 10. Juli 2020, 00:25 Uhr