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    Dienstag, 16. Juli 2019
    Urlaubstag 4

    Etwas früher als geplant wurde ich bereits um 1:30 Uhr nachts von M geweckt, die zu diesem Zeitpunkt schlafen gehen wollte, aber entdeckte, dass sie ihr Kontaktlinsenzeugs (also die Flüssigkeit in der die nachts schwimmen) vergessen hatte. Um diese Uhrzeit musste ich ein paar Minuten nachdenken, bevor mir eine Lösung einfiel: ich hatte selbst noch Einwegkontaktlinsen dabei (habe ich immer, man weiß ja nie). Davon öffnete ich zwei Packungen, warf die Linsen daraus weg und M konnte ihre in der so gewonnenen Flüssigkeit über Nacht aufbewahren. Endlich konnten wir schlafen.

    Das dann bis ungefähr 10 Uhr, zu diesen Zeitpunkt hatten bei meinen Eltern schon ungefähr eine Million Nachbarn und Freunde geklingelt und/oder angerufen. Ich bin ja noch nichtmals eine richtige Spätaufsteherin, 7 Uhr macht mir nichts aus, außer ich habe es gerade (wie momentan) auf Schlafen abgesehen, aber ich entstamme einer Familie von absoluten Frühaufsteherinnen. Ab 5 ist man wach - und fit.

    Zum Frühstück reichte mir Mama N. die Tageszeitung, die ich aber schon nach dem Titelblatt angewidert zurückreichte, da war nämlich links in so einer Spalte, in der auch das Wetter und die Lottozahlen und ähnlich bedeutende Ereignisse stehen das Zitat von irgendeinem Kirchentypi der sowas in der Art wie "Wir brauchen das Lächeln von echten Menschen und nicht Selfies mit Smileys" oder so ähnlich äußerte. Keine Ahnung, ob das lustig sein sollte oder irgendwie deep, jedenfalls eine Zeitung, die Klowandsprüche von Kirchentypen auf der Titelseite hat, will ich nicht lesen. Kritisch befragt, wieso sie dieses Blatt abonniert hätten, gaben meine Eltern zur Kenntnis, es sei die Tageszeitung, die die alte Nachbarin vorziehe und der würde sie eben täglich um 11 Uhr weitergegeben. Warum jetzt meine Eltern eine Zeitung kaufen, die die Nachbarin will, habe ich nicht verstanden aber es war dann auch sowieso gerade 11 Uhr und ich brachte die Zeitung ein Stockwerk tiefer, aus dem Auge, aus dem Sinn. Die alte Nachbarin wollte mir für meine Mühen Geld zustecken. Meine Nerven!

    Ich hatte für den heutigen Tag eine Aufgabe, nämlich Papa N. auf die Möglichkeit anzusprechen, hier im Haus in eine Wohnung umzuziehen, die im 1. Stock statt im 3. Stock liegt. Papa N. ist nicht mehr gut zu Fuß, das ist der Hintergrund. Die Wohnung im 1. Stock ist definitiv schön aber auch etwas Overkill - deutlich größer und auch deutlich teurer als die jetzige, aber bietet eben den Vorteil, dass das gewohnte Umfeld erhalten bleibt und trotzdem voraussichtlich noch etwas länger die Selbständigkeit, ohne Hilfe das Haus verlassen zu können. Meine Mutter und beide Schwestern hatten das Thema bereits aufgebracht aber Papa N. ist ein westfälischer Sturkopf, der mit Idioten nicht diskutiert und Idioten sind halt alle, die seine Meinung nicht teilen. Seine aktuelle Meinung ist: Umzug ist Quatsch, weil er die Treppen laufen kann und wenn er sie nicht mehr laufen kann bleibt er halt oben. "Mein Rapunzelchen" sagte ich freundlich zu Papa N. und tippte ihm auf die Glatze und wir mussten beide lachen - im Gegensatz zu meinen Schwestern und meiner Mutter werde ich von ihm nämlich nie angefaucht, vielleicht, weil ich das Nachzüglerkind bin, das kleine Küken sozusagen. Lösen konnten wir das Thema noch nicht, aber immerhin genauer herausfinden, warum er einen Umzug so sehr ablehnt, und die Gründe sind durchaus auch nicht einfach vom Tisch zu wischen. Und bieten die Möglichkeit, generell über Möglichkeiten des zukünftigen Wohnens nachzudenken, auch wenn es derzeit keinen konkreten Anlass gibt.

    Dann ein bisschen Alltag: Dinge am Computer der Eltern regeln, Fingernägel lackieren, einkaufen, dabei mit dem Fifty-Fifty-Verkäufer kurz sprechen, ich fragte ihn auch ob er A. gekannt hatte. A. war mein Freund, als ich 16/17 war, er hat sich aus dem Umfeld damals leider nicht herausziehen können, hat dann einige Zeit als Fifty-Fifty-Verkäufer gearbeitet und es ging ihm etwas besser, aber dann hat er es doch nicht geschafft und ist viel zu jung gestorben. Der Verkäufer vor dem Rewe war aber von woanders und erst seit kurzem in der Stadt.

    Am späteren Nachmittag gingen wir Essen, Einladung von Papa N. Da hatte es beim letzten Mal einen kleinen Zwischenfall mit M. gegeben, die ja Vegetarierin ist und von unseren Essensausflügen in Offenbach kreative vegetarische Küche gewohnt ist - viel asiatisch oder orientalisch eben - und daher der eher uninspirierten Auflistung von Gemüse-der-Saison-mit-Hollandaise, Gebackener-Camembert-mit-Preisselbeeren und Bandnudeln-in-Champignonsoße eines deutschen Gasthauses nicht viel abgewinnen konnte. Heimlich spähte ich mit ihr die Karte des von Papa N. gewünschten Restaurants online aus, um zu planen, ob sie ggf. schnell zu Hause noch ein Käsebrot isst und im Restaurant dann eben nur ein Dessert. Es gab aber Spaghetti mit Tomatensoße, die gehen ja bekanntlich irgendwie immer.

    Im Restaurant war es schön. Die Fahrt dahin war etwas nervenaufreibend - ich fuhr, mit Navi, wurde aber ununterbrochen von Papa N. informiert, wie man auch fahren könnte. Und wie der G. immer fährt. Der W. allerdings würde meist anders fahren. Der W2 mal so mal so. Mir schwirrte der Kopf.

    Anschließend saßen wir noch zusammen und M zeigte den Großeltern ihre Urlaubsfotos, das witzige daran ist, dass M ausschließlich Personen fotografiert hat, die Großeltern fragten nach Sehenswürdigkeiten und M erwiderte ehrlich verblüfft "aber wieso soll ich die fotografieren, die kann man doch googeln - die Leute sind doch das Wichtige!". So haben Oma und Opa jetzt ungefähr 300 Fotos von Ms Freunden gesehen, meistens aber nur mit halbem Gesicht (weil: hat man glaube ich jetzt so) oder sonst auch grundsätzlich mit irgendwelchen Filtern verziert.

    Am Abend noch eine kurze Auseinandersetzung mit Mama N., die mir ungefragt Schwester2 am Telefon herüberreichte (wer telefoniert denn überhaupt um 23 Uhr noch, das ist doch nicht normal) - also sowohl Schwester2 als auch ich waren ungefragt, Mama N. fand einfach, wir sollten mal miteinander telefonieren. Ich fand, ich hätte für den Tag schon absolut mehr als ausreichend gesprochen und außerdem kann ich solche vermittelten Telefongespräche sowieso nicht leiden, das geht ungefähr in die Richtung, wie wenn man Freundinnen anruft und die geben den Hörer an ihr Kleinkind weiter, das dann da irgendwas Unsinniges hineinbrabbelt. Das konnte ich auch nie leiden. Zum Glück brabbelte meine Schwester nichts Unsinniges, ich hoffentlich auch nicht, wir sprachen über Katzen und Harry Potter und Brexit.

    Dann gingen alle schlafen außer M und ich und wir tun jetzt ungestört Dinge.

    Montag, 15. Juli 2019
    Urlaubstag 3

    Wecker auf 9 Uhr, das ist gerade noch akzeptabel an einem Urlaubstag. Um 11 Uhr war ich fertig mit allen Vorbereitungen, hatte auch gepackt aber leider vergessen, das Kind zu wecken. Also nochmal eine Dreiviertelstunde warten (packen musste sie ja auch noch), bis es los ging zu den Großeltern.

    Hier kurzer Einschub, wie sehr ich Autofahren hasse: Hass, Hass, Hass. So eine Zeitverschwendung und außer mir natürlich nur Bekloppte auf der Straße. Favoriten heute: einmal der Reisebus, der die Steigung hoch 85 km/h schaffte, weshalb er unbedingt den LKW überholen musste, der 84 km/h schaffte und daher dabei war, den LKW zu überholen, der nur 83 km/h schaffte. Muss sein! Und der andere Reisebus, der in einer Baustelle, wo man nur 80 fahren durfte unbedingt meinte, den Reisebus vor ihm, der halt 80 fuhr, überholen zu müssen, nur war auf der Spur neben ihm halt ich, auch mit 80 (weil ich generell nicht schneller fahre, als auf den Schildern steht, wozu sollte ich das tun) und eine durchgezogene Linie war auch sowieso. War ihm aber alles egal, der zog halt rüber, immerhin sah man ihm seinen Irrsinn vorher schon an, so dass ich abbremsen und ihn reinlassen konnte. Eher musste. Ich hätte so gern Flammenwerfer auf dem Autodach. Oder kleine Atomraketen. Zur Beruhigung erklärte mir M. wieso wir möglicherweise in Wirklichkeit in einem schwarzen Loch sind, also wir alle, Sie auch, nicht nur M und ich. Danach trug sie mir zwei Beiträge zu einem Poetry Slam vor.

    Bei den Großeltern (also: meinen Eltern) angekommen, war es dann wie immer schön und anstrengend zugleich. Schön, weil ich mich immer freue, sie zu sehen. Anstrengend, weil sie immer reden wollen, also: sich irgendwo hinsetzen und reden. Ich will ja eigentlich nie irgendwo sitzen speziell zum Reden, mit gar keinem. Also wenn es ein Anliegen gibt ja, ansonsten sitze ich lieber irgendwo und mache was für mich und wenn sich ein Gespräch ergibt gut, wenn nicht auch ganz genauso gut. Aber nicht hinsetzen und so, worüber könnten wir jetzt mal reden, ahja, Thema XY. Nicht, dass meine Eltern je um Themen verlegen wären, so ist es nicht. Eher im Gegenteil, sie haben meist schon eine Liste (kein Witz! auf Papier!) mit Themen, die man mal besprechen könnte. Meine Schwester ist übrigens ganz genauso. Das ist aber nur nachmittags so, morgens und abends nicht, morgens geht man Tätigkeiten nach und kann dabei reden oder auch nicht und abends kann man seine Ruhe haben und dabei reden oder auch nicht. Oder halt auch Tätigkeiten nachgehen, meine Mutter, z.B. schneidet jetzt gerade um 23:33 Uhr eine Hängepflanze zurecht, mit Trittleiter. Und da ergibt sich für mich auch gleich ein passendes Gespräch, das mit "sag mal, was machst du da um die Zeit??" beginnt. So einfach ist das doch.

    Wo war ich. Es gab Erdbeerkuchen, sehr lecker, später gab es Nudelsalat, auch sehr lecker, am Abend fiel ich in ein Quizduell-Wurmloch, mal sehen, wann und wo es mich wieder ausspuckt.

    Sonntag, 14. Juli 2019
    Urlaubstag 1 & 2

    Gelten Wochenendtage eigentlich als Urlaubstage? Offiziell ja nicht, aber ich zähle sie mit, dann klingt der Urlaub besonders lang!

    Das geplante Ausschlafen am ersten Tag funktionierte gut, zum Glück, mitten in der Nacht sah es nämlich einmal kurz so aus, als hätten wir Magendarm im Haus, aber es war wohl nur eine Unverträglichkeit. Ich wachte gegen 11 Uhr auf, mittelmäßig erholt.

    Der Tag verging mit Erledigungen, die alle auf einen festen Endzeitpunkt ausgerichtet waren, nämlich 17:50 Uhr - Landung von M am Flughafen. Dort wollten wir sie abholen und dann gleich mit ihr weiter zu einer Geburtstagsfeier.

    So ganz ging dieser Plan nicht auf. Zwar landete das Flugzeug planmäßig, aber ich nahm am Gate zwei völlig in Tränen aufgelöste Jugendliche in Empfang - zwei, weil die Eltern der Freundin selbst ein großes Fest im Haus haben und daher das Abholen selbst nicht gut einrichten konnten. Tränen zum einen, weil die Reise sehr schön war und jetzt leider zu Ende und weil sie neue Freunde aus Hamburg gefunden hatten, die jetzt eben wieder in Hamburg sind, und zum allergrößten Teil vermutlich, weil sie seit etwa 40 Stunden nicht mehr geschlafen hatten und davor auch immer nur sehr wenig.

    Wir verfrachteten den Trupp also ins Auto, fuhren Ms Freundin nach Hause und dann zur Party - zu dem Zeitpunkt war M aber auf der Rückbank tief und fest eingeschlafen. Das hatte mit ihr auf der Party keinen Sinn. Ich setzte also Herrn N ab, drehte dann wieder um und fuhr mit M. nach Hause, wartete dort noch, während sie duschte (Umkippgefahr) und dann brauchte das Kind noch ein Debriefing/Bekuschelung auf der Couch und einen Teller heiße Suppe.

    Gegen 21 Uhr war M im Bett und ich dann auch bald auf der Party, etwas später als geplant, was aber nicht so schlimm war, weil die Party sowieso schon seit dem Nachmittag in "Schichten" verlief - also erst Leute mit kleineren Kindern/ältere Verwandtschaft und zum Abend hin eher die Partypeople - ich zähle ja jetzt nach mehreren Jahren wieder zu den Partypeople.

    Im Haus war es noch sommerlich warm, draußen angenehm frisch bis jemand auf die Idee kam, man könnte eine Feuerschale aufstellen - da wurde es meiner Ansicht nach dann warm und auch eklig, ich kann Lagerfeuer und alles, was damit verwandt ist, nicht leiden, das stinkt mir zu sehr und außerdem besteht durch das Fackeln immer leichte Migränegefahr. Nunja, man arrangiert sich. Gegen 1 Uhr waren wir wieder zu Hause, ich duschte mir den Qualm von überall ab, sogar die Brille musste noch eine Runde im Ultraschallreiniger schwimmen (bis ich mal darauf gekommen war, was, es ist, das da immer noch stinkt, hatte es eine gute Weile gedauert!), dann noch gemeinsam mit Herrn N. das schlafende Kind per Taschenlampe betrachten und große Zufriedenheit empfinden.

    Das war der erste Urlaubstag.

    Am zweiten Urlaubstag wachte ich gegen 6 Uhr morgens mit einem Irrsinnsschädel auf. Keine Migräne, keine Spannungskopfschmerzen, keine Erkältung, natürlich auch kein Kater, ich wette das war der Rauch vom Feuerschalenblabla, hoffentlich wird sowas bald wegen Klima verboten, hehe. Schmerztablette und wieder ins Bett.

    Um 10 Uhr zum zweiten Mal aufgewacht, weil von der einen Seite ein froschigkaltes Kind unter meine Decke kam und von der anderen Seite eine Katze mit kitzelnden Schnurrhaaren. Immer noch einen Irrsinnsschädel, vermutlich ansatzweise eine Rauchgasvergiftung, ich zeige die alle an, Körperverletzung. Mit dem Kind noch eine Stunde im Bett gelegen und auf den Handys gelesen, Herr N. war schon auf, es roch nach Kaffee. Sehr schön.

    M hatte ihren Koffer schon ausgepackt und so war der Rest vom Tag in Waschmaschinengänge eingeteilt: jeweils befüllte ich eine Waschmaschine, erledigte dann alle möglichen kleinen Dinge (Kühlschrank sortieren, herumräumen, Essen machen, Pflanzen gießen etc.), bis es mir anstrengend wurde, setzte mich dann aufs Sofa und las, bis die Waschmaschine fertig war. Dann Wäsche aufhängen und neue Ladung rein, selbes Verfahren. So verlief der Tag. Die letzte Ladung ist gerade im Schleudergang. Die Kopfschmerzen sind (nach noch zweimal Tabletten nachlegen) weg. Gleich wieder ins Bett.

    Freitag, 12. Juli 2019

    Dass ich heute Abend erledigt bin, hatte ich vorausgesehen, aber dass ich so erledigt bin dann doch wieder nicht.

    Der Tag begann entspannt, es ist der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub aber dank Assistentin und lange vorbereiteter Aufgabenverteilung war alles unter Kontrolle - so unter Kontrolle sogar, dass ich um 11 Uhr erstmal zum Friseur aufbrach. Mit Leihfarrad, ich dachte kurz über Leihroller nach aber war in Eile und daher nicht experimentierfreudig. Ein andermal. Beim Leihfahrrad ging der dritte Gang aber nicht so richtig, war egal aber beim Abstellen meldete ich trotzdem rasch per App den Defekt.

    Beim Friseur auch alles entspannt, ich kann zur Frisur jetzt nach drei Wiederholungen einfach "wie immer" sagen, er fragte nur nach, ob er die eine Seite unten drunter evtl. mal lang lassen solle statt anrasieren und da sagte ich halt "nein auf gar keinen Fall" und dann entschieden wir uns noch gegen Strähnchen, weil wegen der Sonne eh schon alles ausgebleicht ist. Im Winter dann wieder.

    Für den Rückweg wollte ich wieder das Leihfahrrad nehmen, es stand noch da, ließ sich aber nicht öffnen wegen "defekt". Den hatte ich natürlich selbst gemeldet, trotzdem komisch, man kann nämlich auswählen zwischen großen Defekten, die das Fahren unmöglich machen und kleinen Defekten, mit denn man trotzdem fahren kann. Ich hatte einen kleinen Defekt ausgewählt - das habe ich schon öfters mal gemacht (verbogener Korb, abgebrochener Ständer, fehlender Griff) und konnte das Rad immer danach noch verwenden. Ich bildete mir ein, dass wohl gerade ein Fahrradreparierer unterwegs war zu diesem Rad, quasi sofort schon da, so dass man es daher jetzt nicht an einen anderen Ort fahren sollte. Kurz überlegte ich, auf das Eintreffen des Fahrradreparierers zu warten und zu schauen, ob er eher der Typ Ayurveda oder eher der Typ Herablassung ist. Zum Glück konnte ich mich noch rechtzeitig regulieren, außerdem stellte vor dem Bürogebäude gegenüber vom Friseur gerade wer anders ein Leihfahrrad ab, das ich schnell übernahm.

    Auf dem Rückweg kaufte ich noch schnell für eine Kollegin und mich Mittagessen, um den letzten Arbeitstag zu feiern: Vitello-Tonnato-Sandwich Lachs-Linsen-Salat, Meatball-Salat, Mousse au Chocolat. Gespeist wurde in meinem Büro dabei machten wir Übergabe.

    Dann erledigte ich Reste - noch hier und da etwas aktualisieren, ein paar Anweisungen verteilen, Sachen elektronisch und aus Papier so ablegen, dass andere sie finden, Mails wegsortieren. Und dann verbrachte ich eine ganz unangemessen lange Zeit damit, Nahrungsmittel in meinem Büro zusammenzusuchen, um sie mit nach Hause zu nehmen - gut 3 Wochen sind lang! Angebrochene Packungen mit Trockenfrüchten und Nüssen, angefangene Müsli-Packungen, Joghurt, Himbeeren, Heidelbeeren, eine Banane, zwei Stück Käsekuchen, das Vitello-Tonnato-Sandwich war auch noch übrig, eine halbe Packung Milchschnitte, die ich selbst schon von einer Urlauberin übernommen hatte und die kein anderer wollte. Eine Tasche mit Fachlektüre, die mich interessiert, aber für die ich nie Zeit habe im Büro, raffte ich auch noch zusammen. Und dann dachte ich, ach ja, ich habe noch den einen oder anderen privaten Brief im Büro liegen, den ich morgens aus dem Briefkasten dorthin mitgenommen und dann aus irgendwelchen Gründen dort gelassen hatte, das könnte ich auch mal mitnehmen - nachdem ich den Schrank kritisch gesichtet hatte wurden daraus zwei komplette Einkaufsstoffbeutel voller Papier. Es kann nur einen logischen Schluss daraus geben: ich muss öfters Urlaub machen, dann sammelt sich gar nicht erst so viel an (denn ich mache dieses Aufräumen vor jedem Urlaub).

    Für den Urlaub habe ich einerseits nichts vor, andererseits enorm viel. Ich will unbedingt jeden Tag ausschlafen und auch immer zwischenschlafen, wenn ich müde bin, dann möchte ich jeden Tag viel lesen, ein bisschen auf dem Balkon sein (wenn es nicht zu warm ist), ein bisschen draußen herumlaufen (wenn es nicht zu warm ist), jeden Tag irgendwas in der Wohnung regeln, dessen vollendete Regelung mich erfreut und irgendwas erledigen, dessen vollendete Erledigung mich freut. Außerdem möchte ich Dinge unternehmen (welche genau ist noch unklar) und mit dem Kind und Herrn N viel plaudern (möchten die beiden vermutlich eher nicht) und die Katzen viel streicheln (völlig unklar, ob die das möchten oder nicht, das werde ich merken).

    Mit diesen Plänen im Kopf kündigte ich Herrn N an, dass ich dann jetzt wohl bald mal nach Hause kommen würde (es war schon fast 19 Uhr), darauf antworte er, dass er in einen Autounfall verwickelt war, ich bekam umgehend Schnappatmung und alle Pläne zerbrachen in Milliarden Stückchen. Als ich es dann aber geschafft hatte, seine Nummer zu wählen, klang er recht entspannt und fast gut gelaunt am Telefon, was genau geschehen war konnte ich zwar so schnell nicht herausfinden, aber es war niemand verletzt und alles ungefährlich und meine Anwesenheit wurde nicht benötigt oder gewünscht. Also nahm ich meine zig Taschen, fuhr nach Hause und versuchte, mich mental wieder in zurück in die Urlaubsstimmung zu schieben. Das dauerte allerdings zwei oder drei Stunden.

    Jetzt ist dieser Vorgang aber abgeschlossen, das Sandwich mittlerweile auch gegessen, ebenso die Himbeeren, der Joghurt und eine Milchschnitte und die Bürotasche habe ich schon entleert.

    Alles ist gut.

    Donnerstag, 11. Juli 2019

    Heute Morgen war Aufstehen mit einer richtig harten Deadline: um 8 Uhr morgens (bis voraussichtlich 12 Uhr) wurde das Wasser abgestellt. Ich hastete also um 7:15 Uhr unter die Dusche und danach befüllte ich diverse Gefäße mit Wasser. Warum weiß ich nicht genau. Wir haben das halt früher auch so gemacht, in den späten 70ern oder frühen 80ern, ich weiß nicht, warum da häufiger das Wasser abgestellt wurde, aber man ließ immer vorher die Badewanne vollaufen und ein paar Töpfe.

    Von 8 Uhr bis 9 Uhr saß ich dann gemütlich - aber mit wegen Wasser eben rationiertem Kaffee - auf der Couch. Ins Büro wollte ich heute erst später, der Gesangslehrer ist ausnahmsweise vor Ort und bot eine Stunde an. Dorthin fuhr ich dann um 9 Uhr, unerwarteterweise war die Tür zum Studio geöffnet, aber niemand da, das Licht ging auch nicht (ich glaube, dazu braucht man eine Chipkarte). Weil es regnete wartete ich aber lieber draußen als drinnen und schickte dem Lehrer daher eine Nachricht, ich sei schon drinnen, im Dunkeln, er solle sich bitte nicht irgendwie zu Tode erschrecken, wenn er kommt. Sofort erhielt ich einen sehr aufgeregten Anruf: die Pläne hatten sich geändert und bei den zig Neuplanungen der Termine hatte er mich irgendwie, nunja, vergessen. Ich musste sehr lachen.

    Also dann doch ins Büro. Dort mehr Kaffee und ausführliches Händewaschen, Wasser, tolle Sache! Ich bereitete den Urlaub vor, versuchte also, das Alltagsgeschäft der nächsten 3 Wochen in etwa zu antizipieren und umzuverteilen, außerdem räumte ich meine Schränke auf (kann ja sein, dass da wer anders dran muss), machte nochmal Kisten, nichts Spektakuläres. Aber langwierig. Naja, ich war ja auch erst spät gekommen.

    Auf dem Heimweg stand ich eine Weile nachdenklich vor dem Fahrradständer, an dem nämlich mein Fahrrad nicht angeschlossen war. Ich hatte aber das Gefühl, es sei nicht gestohlen, sondern dass mir gerade etwas Wesentliches nicht mehr einfällt. So war es dann auch: wegen der geplanten Gesangsstunde hatte ich an einer anderen Haltestelle geparkt. Ich ging also zu Fuß einkaufen und dann einmal quer durch die Innenstadt zum richtigen Fahrradständer, dann nach Hause, ein Eis auf dem Sofa, Abendessen zubereiten und dann weiter ausruhen.

    Im Internet sah ich ein Bild von einem Haus in der Abenddämmerung, draußen auf dem Balkon singt eine Amsel und plötzlich zog es so sehr an mir. Ich vermisse ruhige Abende. Ich kenne sie von früher zu Hause, am Abend wurde es stiller, das Licht blieb in vielen Räumen aus, oder wenn, dann wurde ein "kleines" Licht eingeschaltet, die Bewegungen wurden langsamer und ruhiger, wir versuchten, Lärm zu vermeiden, denn es war schließlich Abend. Jeder ging seinen Interessen nach, vielleicht lief im Wohnzimmer auch leise ein Fernseher, die Fenster standen weit auf, auch da sang häufig eine Amsel draußen. Bei mir sind die Abende ja immer randvoll mit Gerenne und Gedenke und Licht und Geräusch bis zum allerletzten Moment bis ich sozusagen noch mitten im Wort ins Bett kippe. Vielleicht kann ich im Urlaub ja wieder ein bisschen Ruhe erlernen. Vielleicht bleibt die Amsel so lang.

    November seit 4862 Tagen

    Letzter Regen: 17. Juli 2019, 00:09 Uhr