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    Montag, 16. Mai 2022
    16052022

    Drei höchst merkwürdige Serviceerfahrungen habe ich heute gemacht, zwei davon positiv.

    Die erste: M hat für die Schule ein iPad und weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie ein iPad mehrere Jahre ohne Zwischenfälle in einem Schulrucksack überstehen soll, habe ich dafür eine Versicherung abgeschlossen. Neulich war es dann so weit und eine Glaswasserflasche fiel auf das Display. Ich meldete den Schaden der Versicherung, die legte auch gleich einen Schadensfall an und versuchte dann fast einen Monat lang, mir einen Paketaufkleber zum Einschicken des Geräts zuzusenden. Ich sprach mit insgesamt 14 Mitarbeiter*innen des Unternehmens (zu verschiedenen Zeitpunkten, nicht per Videokonferenz), naja vermutlich noch mit 2-3 mehr, es hat kurz gedauert, bis ich anfing, Gesprächsnotizen mit Namen zu machen aber einen Paketaufkleber habe ich bis heute nicht. Dafür das Geld auf dem Konto. Die haben mir also das Geld ohne jeden wirklichen Nachweis über einen Defekt ausgezahlt, weil alles andere ihnen wohl noch komplizierter erschien (und sie auch nicht mehr mit mir telefonieren wollten vielleicht). Ich bin irritiert.

    Zweitens habe ich mein Internet umgestellt auf Kabel, also in der Theorie, in der Praxis wollte ich gestern - weil heute der Anschalttermin ist - die Hardware anschließen und die Anschlüsse passten nicht. Es lag ein erklärendes Heftchen bei mit einer 24/7-Telefonnummer, die rief ich gestern an, sprach mit einer kompetenten Person die sagte, ein Techniker (oder eine Technikerin, das war aber meine Ergänzung) müsse kommen. Ich war noch etwas emotional beschädigt von meinen Erlebnissen um Telefontechnikbesuche vor etwa 10 Jahren, damals kamen die Technikfachmenschen zu einem beliebigen Zeitpunkt, der aber niemals der (immer sehr kurzfristig) angekündigte Termin war und ich konnte mein Problem damals nur lösen, indem ich einen auf offener Straße einfing und in meine Wohnung zog. Also weinte ich fast am Telefon. Die kompetente Person war höchst verwundert, ich könne doch den Termin natürlich selbst online buchen und bekäme dazu zeitnah eine SMS. So war es auch, die SMS kam noch während des Gesprächs, es waren direkt ab morgen Termine frei mit angenehmen Zeitfenstern, ich war höchst verwundert über den Fortschritt in diesem Bereich. Ob die Person kommt, weiß ich natürlich noch nicht, habe aber das Gefühl dass ja.

    Die letzte merkwürdige Servicerfahrung war ein Telefonat mit der Assistentin einer Steuerberaterin, bei der ich dreimal hintereinander landete, weil die Steuerberaterin a) im Gespräch, b) im Termin, c) nicht am Platz war. "Dann versuche ich es in 15 Minuten wieder", sagte ich und die Assistentin begann mit "Es wäre schlauer..." und brach dann ab. "Was wäre schlauer?" fragte ich. "Nichts", sagte sie. "Ich möchte aber sehr gerne schlauer werden, bitte sagen Sie mir, wie ich das machen kann!" hakte ich nach. Die Assistentin legte einfach auf und die Steuerberaterin rief eine Minute später zurück. Habe ich nicht verstanden, fühlte sich aber im Ergebnis auch nicht allzu dumm an.

    Sonntag, 15. Mai 2022
    15052022

    Ich habe mich heute ausgeruht.

    Das ist einen eigenen Absatz wert, kommt nämlich so gut wie nie zu Hause vor, ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal dachte "hm, was mache ich denn jetzt mal" und mir das dann mit "ach - nichts" beantwortet habe.

    Der Tag begann schon erfreulich mit Ausschlafen, dann war ja Frau Herzbruch da. Ich hatte eigenes für ihren Besuch einen zweiten Sessel ins Wohnzimmer geräumt, weil wir ja ESC geschaut haben und ich nicht gern ein Sitzmöbel mit anderen teile, also nicht gerne auf Sofas sitze außer, ich bin allein darauf. Bei 6 Anwesenden Personen das Sofa für mich allein zu beanspruchen und die anderen teilweise auf Küchenstühlen sitzen zu lassen finde ich verhaltensauffällig, mir ist völlig bewusst, dass nicht nur alle anderen sondern auch ich durch den Mangel an Sozialkontakten diverse Verhaltensauffälligkeiten erworben haben, die sich eben nicht durch konstanten Kontakt mit nicht immer tolerant-zugewandten anderen zu einem geländegängigen Verhaltensmuster abgeschliffen haben sondern jetzt wie Zacken aus uns hervorragen und für Irritationen sorgen und/oder schmerzhaft abbrechen, aber so weit, dass ich Gäste einlade und dann allein auf dem Sofa lungere bin ich noch nicht. Nur so weit, dass ich einen Sessel beanspruche und die Gäste sich das Sofa teilen müssen.

    Der Sessel, also mein Sessel, ist übrigens der Supercharger, Frau Herzbruch bekam einen anderen Sessel. Der Supercharger heißt so, weil ich mich schon in diversen Erschöpfungszuständen hineingesetzt habe und es mir jedes Mal schon nach ca. 30 Minuten deutlich besser geht, nicht immer nachhaltig gut, es ist ja keine Zaubermaschine, aber so, dass ich wieder aufstehen und den Rest bewältigen kann. Wie der Sessel das macht weiß ich nicht. ER ist von Ikea und hat eine Halbliegefunktion, die ich auch ausgiebig nutze, jetzt beim Schreiben gerade nicht aber beim Lesen häufig.

    Wo war ich, bei der Entspannung heute. Heute morgen wollte Frau Herzbruch nicht im Sessel sitzen und als ich fragte, warum, erfuhr ich, dass sie nicht sprechen wollte. Wir saßen dann auf dem Balkon und sprachen, weil ich das Nicht-Sprechen ja sowieso schon durch meine Frage kaputt gemacht hatte. Irgendwann am späten Mittag brach Frau Herzbruch auf, ich duschte und danach tat ich einfah nichts. Ich überlegte kurz, hatte nämlich Lust auf einen aufgeräumten Küchenschrank jedoch nicht auf das Aufräumen, hatte Lust auf Essen aber nicht auf Kochen auf dem Balkon war jetzt Sonne, da gehe ich natürlich nicht raus, aber neben der geöffneten Balkontür stand ja das Gästebett, also legte ich mich darauf und las den ganzen Nachmittag unterbrochen von Katzenkraulen und Nickerchen und damit bin ich auch jetzt gerade erst fertig geworden.

    Was mir aufgefallen ist: mein Geist ist jetzt entspannt aber mein Körper tut überall weh, irgendwas so dezent mit Lendenwirbelsäule und der untere Nacken und als ich vorhin nach diversen Stunden aufstand waren meine Füße kurz irgendwie etwas versteift, so als hätten sie das Laufen verlernt. Mein Körper tut normal nie weh, außer er hat Fieber, das hat er aber nicht. Ob das vom bewegungslos Herumliegen kommt? Kann darüber eine Person, die das Herumliegen gewohnt ist, Auskunft geben und bitte auch darüber, was ist nun die korrekte Vorgehensweise ist? Ibuprofen?

    Das muss ich noch erforschen, wenn diese neue Gebrechlichkeit vom Herumliegen kommt, möchte ich das nämlich nicht mehr. Ich bin lieber unentspannt und schmerzfrei als ein entspanntes Wrack.

    Freitag, 13. Mai 2022
    13052022

    Es gibt einen Plan für morgen.

    Wie Frau Herzbruch schon berichtete, gehen wir morgen einkaufen und landen dabei immer im schlechten Supermarkt. Allein gehe ich nie in den schlechten Supermarkt, immer nur mit Frau Herzbruch und das, weil sie die Dattelcreme (es ist Dattelcreme, nicht Feigencreme aber wie viele Menschen kann Frau Herzbruch Datteln und Feigen nicht auseinanderhalten) möchte, die es im Feinkostladen vor dem schlechten Supermarkt kaufen möchte (und dann bei den letzten drei Besuchen nicht gegessen hat).

    Wir denken also "ok, wir fahren einkaufen und zwar erst die Dattelcreme und dann in den guten Supermarkt" und dann kaufen wir die Dattelcreme und denken "naja wenn wir eh schon hier sind, kaufen wir hier weiter ein, so schlimm kann es ja nicht sein". Ist es aber. Und noch viel schlimmer. Nicht nur mussten sowohl M als auch ich uns in diesem Supermarkt wegen Schwäche- und Schwindelanfall schonmal auf den Boden respektive ins Kühlregal legen, er ist zusätzlich noch so unglaublich schlecht sortiert, dass man immer zu viel kauft. Weil: sobald irgendetwas, das nur halbwegs dem Gesuchten entspricht ist, ins Blickfeld rückt, greift man zu, weil ja völlig unklar ist, ob man das eigentliche Produkt noch auffinden wird. Und die schon in den Wagen gelegten Produkte zurücklegen ist auch nicht möglich, weil man ihren Herkunftsort ja gar nicht mehr wiederfindet.

    Der Plan für morgen ist daher, ERST die anderen Einkäufe zu machen in dem guten Supermarkt und im Anschluss zu überlegen, ob Frau Herzbruch wirklich die Dattelcreme möchte. Falls ja kann man noch zum schlechten Supermarkt und sie da im Feinkostladen kaufen, muss in den Supermarkt aber gar nicht mehr hinein, denn es liegt ja schon alles im Kofferraum.

    Dieser Plan war für ca. 5 Minuten genial bis jemand (ich) dann sagte: "Zum Dessert könnten wir Eis kaufen".

    Es gab einen Plan für morgen.

    Donnerstag, 12. Mai 2022
    12052022

    In dem Dokument mit den unverbindlichen Contentvorschlägen (das gern noch weitergeführt werden kann, Tage, die ich übersprungen habe können natürlich auch nochmal reingesetzt werden) wird heute die Frage an mich gerichtet, was ich über diejenigen denke, die auf meine allabendliche Frage auf Twitter, nämlich: "Und(,) was habt ihr heute so gemacht?" antworten.

    Nichts, wirklich gar nichts sollte den Antwortenden egaler sein, als was ich über sie denke. In aller Regel kenne ich nur einen sehr kleinen Ausschnitt von ihnen und habe keinerlei Einschätzung ihrer Lebenswirklichkeit, genauso wie die Antwortenden nur einen Ausschnitt von mir kennen und keine Einschätzung meiner Lebenswirklichkeit haben, weshalb meine Gedanken dazu doppelt egal sind.

    Vielleicht sind Sie aber natürlich interessant, das kann sein, man ist ja neugierig, also ich jedenfalls. Nur kann ich hier keine pauschale Antwort geben, denn natürlich denke ich über alles irgendwas, nur eben ganz unterschiedliche Dinge, denn die Antworten sind ja ganz unterschiedlich. Falls Sie interessiert, was ich konkret zu einer Antwort denke, machen Sie beim nächsten Mal ein * dran, dann werde ich es darunter kommentieren, denken Sie vorher nur einen ganz kurzen Moment nach, denn eine meiner Lebensregeln ist ja "wer fragt, der hört" und vielleicht wollten Sie nur Luft ablassen und gar keine Gegenrede - ich bin Meisterin der Gegenrede, das macht mir Spaß, geben Sie mir einen (fast) beliebigen Sachverhalt und ich drehe ihn einmal um und betrachte ihn interessiert von der anderen Seite, sehr häufig drehe ich ihn auch wieder zurück, nur ist diese eher fragend-analytische Betrachtung nicht die häufig gewünschte schein-empathische Zustimmung, das habe ich schon gelernt. Ich sage "schein-empathisch", weil ich meine neugierig-umdrehend-hinterfragende Herangehensweise für mindestens genauso empathisch halte, wie bedingungslose Zustimmung, das erschließt sich nur anderen häufig nicht auf den ersten Blick.

    Möglicherweise ist die Frage - also die an mich gerichtete, was ich nämlich über die Antwortenden denke - viel pauschaler gemeint. Nicht inhaltlich sondern was ich generell darüber denke, dass geantwortet wird. Das ist wiederum sehr einfach; Es ist eine Frage, wenn man Lust hat, beantwortet man sie, wenn nicht, dann nicht. So wie ich zu vorgeschlagenen Content-Themen etwas schreibe oder auch nicht - darüber denken Sie vermutlich auch irgendwas.

    Ich freue mich über die Antworten. Das klingt jetzt zunächst etwas sehr simpel, betrifft aber meine aktuelle Sorge. Erst war meine - nun eher veraltete - Sorge, dass auf die Frage geballt sehr, sehr schlimme Antworten kommen und ich damit nicht umgehen kann. Sie wissen ja, die Frage entstand mit der Pandemie, ich weiß nicht mehr genau wann, aber recht am Anfang. Es war noch unklar was aus dieser Pandemie genau wird wie sich das Virus überträgt, ob man seine Draußen-Kleidung drinnen noch weitertragen oder seine Einkäufe abwaschen muss und ob Corona möglicherweise in kurzer Zeit ganze Zivilisationen dahinrafft. Ich hatte Angst, ganz geballt "heute sind x, y und z an Corona gestorben und ich schau jetzt mal, ob ich im Garten noch eine alte Rübe zum Essen ausgraben kann weil es kein Benzin mehr gibt um zum nächsten Laden zu fahren und die Straßen voller Leichen sind" zu hören. So kam es aber ja glücklicherweise nicht.

    Wir sind jetzt in der Situation, in der wir nur noch punktuell angststarr vor einer Wand sitzen, manche vielleicht auch gar nicht und generell gibt es wieder mehr Möglichkeiten etwas "zu machen", die mehr oder weniger intensiv genutzt werden. Die Frage, die sich eigentlich darauf bezog, in der Starre etwas zu finden, das doch geschah, das zeigt, dass das Leben weiter ging, hat sich damit eigentlich erübrigt. Und deshalb sorge ich mich jetzt (zugegeben sehr dezent) darum, dass eines Tages einfach niemand mehr antworte und ich mich für ein paar Minuten wie der Depp des Jahrhunderts fühle und die Entscheidung treffen muss, ob ich noch ein weiteres Mal (oder noch zweimal? Oder jetzt frag ich noch dreimal und dann nimmermehr?) frage, das wäre für mich eine unangenehme Situation und unangenehme Situationen schätze ich natürlich nicht. Und deshalb freue ich mich ganz pauschal gesehen über die Antworten.

    Freitag, 6. Mai 2022
    06052022

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    Letzter Regen: 16. Mai 2022, 22:42 Uhr