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    Dienstag, 13. November 2018
    Flaschenpost

    Papa N: Kannst du mir am Samstag was bei der Flaschenpost bestellen? 3x das günstigste Alt und 4x das Wasser, das wir immer haben, 0,7 Liter in Plastikflaschen.

    Frau N: Klar. Ich ruf dich dann an, wenn ich wach bin und dann bestelle ich. Oder brauchst du es zu einer bestimmten Zeit?

    Papa N: Nee, ist ganz egal, ich bin den ganzen Tag zu Hause.

    Frau N: Ok.


    Samstag, 8:30 Uhr, Telefon, Frau N wird aus dem Tiefschlaf gerissen.

    Frau N: Hnng?!

    Papa N: Ja, guten Morgen, hast du noch nicht bestellt?!

    Frau N: Nein, ich hab ja noch geschlafen!

    Papa N: Was, um diese Zeit? Ach ja es war ja Zeitumstellung.

    Frau N: Was hat das jetzt mit Zeitumstellung und außerdem war die vor Wochen, ich schlafe halt samstags länger.

    Papa N, beiseite: Frau, hörst du, die schlafen noch!

    Frau N: Na jetzt nicht mehr. Ich bestelle dann jetzt.

    (Legt auf - will bestellen - Onlineshop der Flaschenpost öffnet aber erst um 9 Uhr.)

    Frau N: Die machen erst um 9 auf.

    Papa N: Dann hast du ja noch ein halbes Stündchen!

    Frau N: Gnnh.

    (Legt auf, stellt Wecker auf 30 Minuten, wird vom Wecker aus dem Tiefschlaf gerissen, bestellt, schläft sofort wieder ein.)


    9:30: Frau N wird durch das Telefon aus dem Tiefschlaf gerissen.

    Frau N: Hnng?!!

    Papa N: Also jetzt kam gerade die Bestellbestätigung.

    Frau N: Ah.

    Papa N: Du hast mir das Hansa-Alt bestellt.

    Frau N: Ja, das war das billigste.

    Papa N: Das mag ich aber nicht, das schmeckt wie ein Pils.

    Frau N: Aha. Das zweitbilligste ist das Oettinger.

    Papa N: Das mag ich auch nicht. Ich will eigentlich Gatz.

    Frau N: Dann bestelle ich dir Gatz, sag das doch gleich.

    Papa N: Das Wasser hast du auch falsch bestellt.

    Frau N: Wieso das?!

    Papa N: Das sind Literflaschen aber wir wollten 0,7 Liter.

    Frau N: Aber ihr habt immer Plastik, weil das sonst zu schwer ist, und es gibt nur 1 Liter in Plastik.

    Papa N: Aber was wir hier haben ist immer 0,7.

    Frau N: Das weiß ich jetzt nicht, aber ist ja auch egal.

    Papa N: Also egal ist das nicht, (beiseite) hier, Frau guck doch mal, ist das 0,7 oder 1 Liter, also mir sieht das nach 0,7 aus (murmelmurmel)

    Frau N: Aber es ist doch egal! Es gibt halt jetzt nur das eine!!

    Mama N aus dem Hintergrund: Was fauchst du denn so, hast du zu wenig geschlafen?

    Frau N: Also ich ändere jetzt das mit dem Bier und das mit dem Wasser lasse ich so und dann kommt das demnächst, ok?

    Papa N: Ok.

    (Frau N schließt Bestellung ab und verfällt wieder in Tiefschlaf)


    10:15: Frau N wird durch das Telefon aus dem Tiefschlaf gerissen.

    Frau N: Hngg!

    Papa N: Es ist schon alles da, ist das nicht toll, das hat ja wieder gut geklappt! Danke Schatz!

    Montag, 12. November 2018
    Frau Direktorin

    Ein höchst seltsamer Tag. Es gab nur ganz oben und ganz unten, Euphorie und Katastrophen, dazwischen nichts. Und alles noch nicht aufgelöst. Es ist ein wenig anstrengend. Zwischendrin kam noch eine mysteriöse E-Mail: "I agree to the title change, congratulations!" Erst Stunden später hatte ich Gelegenheit, dem Sinn dieser Mitteilung nachzuforschen, und Sie dürfen mich jetzt "Frau Direktorin" nennen.

    Sonntag, 11. November 2018
    Vorschau

    Morgen beginnt nochmal eine sehr, sehr volle Woche, mit (im Job) den Resten der Budgetplanung, einer groß angelegten Trainingsaktion mit rund 50 Personen in wechselnden Kombinationen in rund 40 Sessions und einer kleinen Vor-Weihnachtsfeier und (privat) zwei Tagen Besuch, einer kleinen Feierlichkeit und einer Wochenendreise.

    Aber danach, danach!!

    Samstag, 10. November 2018
    Mantel

    Heute habe ich meinen Mantel weggeworfen, damit ich ihn nicht mehr anziehe. Es braucht manchmal die ganz großen Gesten.

    Den Mantel kaufte ich vor ungefähr 5 Jahren, es war ein Schnäppchen. Schwarz, ganz klassischer Schnitt, hübsches Innenfutter. Zwei Jahre lang war der Mantel der Mantel, dann begannen sich die Taschen innen aufzulösen, so dass der Mantel sich in einen einzigen großen Aufbewahrungssack verwandelte, den man zufällig auch noch über die Arme ziehen und vorne mit Knöpfen verschließen kann. Sowas kann praktisch und gewollt sein (siehe hier), aber kann auch - und das sind nach meiner Einschätzung die meisten Fälle - sehr nerven. Das Nerven nahm mit der Zeit überhand. Ein Jahr später riss dann auch noch die Tasche von außen ein und seit diesem Winter hatte der Mantel "plötzlich" (meint: es fiel mir plötzlich auf) Pilling. Also so Geweberöllchen überall dort, wo man mit den Armen entlang schwenkt beim Gehen.

    Ich habe noch drei weitere Mäntel, die ich alle ganz toll finde, aber nie trage. Einen bekam ich von meiner Schwester geschenkt, sie hat das merkwürdige Problem, dass sie sich häufig Oberbekleidung kauft und erst nach einigen Monaten feststellt, dass die Ärmel zu kurz sind. Meine Arme sind etwas kürzer als die meiner Schwester, so komme ich hin und wieder zu schönen neuen Kleidungsstücken. Die anderen beiden Mäntel kaufte ich mir selbst, den einen, weil ich dachte, man könne nach mehreren Jahren doch durchaus mal einen Mantel kaufen, wenn sich doch einer anbietet, der ausnehmend gut gefällt und sowieso kann man ja auch mal einen Mantel kaufen, der nicht schwarz ist. Also kaufte ich einen in sehr dunkel-dunkelgrau. Den anderen schickte mir der Stylist von diesem Online-Shop, ich hätte mir nie im Leben so einen Mantel von der Stange genommen, aber dazu ist der Stylist ja gut, ich liebe es, wenn man mir das Nachdenken abnimmt und behielt diesen Mantel. Der Mantel ist creme-weiß.

    Seit ein paar Tagen ist das Wetter jetzt so, dass man möglicherweise einen Mantel tragen kann - jedenfalls, wenn nur ein T-Shirt drunter ist und man ihn offen lässt. Ich nahm also, genau wie in den letzten Jahren, einen der neuen Mäntel und dachte "Ach ja schön, der neue Mantel, den ziehe ich jetzt mal an." und dann dachte ich sofort, genau wie in den letzten Jahren: "Aber nicht gleich heute, heute trage ich lieber nochmal den alten Mantel, das ist jetzt gerade praktischer. Morgen trage ich dann den neuen Mantel. Ganz sicher. Vermutlich."

    Heute ertappte ich mich bei diesem Gedanken und hatte sofort die Nase voll und warf daher den alten Mantel in die Mülltonne, um mich aus der mentalen Alter-Mantel-Geiselhaft zu befreien.

    Und zapp, trug ich heute Abend den neuen, creme-weißen Mantel und fühlte mich sehr gut darin.

    (Und zapp, hängte an der Garderobe jemand einen Damenhut dazu, soweit so gut, es gefällt mir, dass man dem Mantel einen Hut zutraut, aber der Hut war hässlich und zapp steckten in der Tasche meines Mantels selbstgestrickte Handschuhstulpen in bunt, das ging zu weit, Handschuhstulpen ich bitte Sie, wir sind doch nicht auf einer Polarexpedition!)

    Lange Tage

    Manche Tage sind so lang, so voll und so verworren, dass man sie am Abend gar nicht mehr bis zum Anfang zurückverfolgen kann. Es gibt keinen Faden der Logik de Abfolge der Ereignisse, an dem man sich entlanghangeln könnte. War es heute Nachmittag oder am Morgen oder gestern, wer weiß das schon, vielleicht ist es auch egal.

    Donnerstag, 8. November 2018
    Gut!

    Ein Tag mit guten Nachrichten, sehr guten Nachrichten, nur kann ich Sie leider nicht hier teilen, denn die einen sind noch nicht offiziell und die anderen wurden mir im Vertrauen mitgeteilt. Insofern kann ich keine Beweise dafür liefern, dass das ein guter Tag war, Sie müssen mir einfach vertrauen.

    Andererseits war auch ein merkwürdiger Tag, ich war am späten Nachmittag noch einkaufen, unter anderem in der Apotheke, dort traf ich eine Frau, die sich eine Salbe gekauft hatte, die auf den Rücken muss. Diese Frau kannte aber niemanden, der ihr die Salbe auf dem Rücken hätte auftragen können, also was tut man logischerweise in einer solchen Situation? Genau: mich ansprechen.

    Die Frau war vorbereitet, neben der Salbe hatte sie auch in der Drogerie Einweghandschuhe gekauft, wir gingen also in die Damentoilette und ich half ihr mit der Salbe. Wobei ich dann kurz überlegt - denn die Salbe war jetzt nichts, wozu man zwingend Handschuhe benötigt hätte - ob es unangebracht ist, die Handschuhe zu verwenden, weil es ja den Eindruck erweckt, man könne diese Frau nur mit Gummihandschuhen anfassen, aber andererseits war es ja genauso gut möglich, dass die Frau gar nicht von irgendwem Fremden ohne Handschuhe angefasst werden mochte. Einen Moment lang drehte sich mein Kopf ob dieser insgesamt unerwarteten Situation und den nun zu treffenden Entscheidungen, aber dann erinnerte ich mich, dass ich ja gar nichts entscheiden musste, das war ja schon geschehen: die Frau hatte Salbe, Anliegen und eben Handschuhe. Man muss nicht ständig das Rad neu erfinden.

    Passend zu diesem Tenor habe ich im Büro momentan einen Zettel am Bildschirm hängen, darauf steht:

    a) Das ist wohl so.
    b) Das wird noch bekannt gegeben.

    Diese beiden Sätze sind eine Anweisung des Oberchefs zur Beantwortung von Fragen, die mir möglicherweise in der nächsten Zeit gestellt werden. Weil ich mir Unsinn schlecht merken kann, habe ich mir die Sätze aufgeschrieben und werde - sollte eine der beiden erwarteten Fragen an mich gerichtet werden - getreulich den passenden Satz a) oder b) nach kurzem Blick auf den Zettel vortragen.

    November seit 4617 Tagen

    Letzter Regen: 14. November 2018, 08:09 Uhr