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    Sonntag, 11. Februar 2018
    Kurz zwei Garderobenthemen

    Kurz zwei Garderobenthemen, von denen ich das eine so gekonnt gelöst habe, dass ich furchtbar zufrieden mit mir bin und diesen Trick mit Ihnen teilen möchte, was mir heute einfiel, als ich über ein zweites Garderobenthema nachdachte, dass ich für mich noch nicht lösen konnte.

    Neulich irgendwann, also so vor etwa einem Jahr, war ich nämlich beruflich schick unterwegs, mit Kleid und Feinstrumpfhose und auf einem "Anlass". Nun sind Feinstrumpfhosen nicht die robustesten Kleidungsstücke und ich bin nicht der allervorsichtigste Mensch, was in dieser Kombination häufig Laufmaschen ergibt. Ich bin deshalb unentspannt, wenn ich bei einem "Anlass" keine Ersatzstrumpfhose verfügbar habe.

    Zum gewählten Outfit gehörte aber nur eine sehr kleine Handtasche, eine Clutch, es passt gerade mal Handy, Kreditkarte und Hotelzimmerkarte hinein. Noch nichtmals mehr ein Taschentuch! Und schon gar keine Ersatzstrumpfhose. Sehr schwierige Situation, aber ich löste das höchst kompetent, indem ich einfach ein kleines Loch in das Futter der Tasche meines Mantels riss, die Ersatzstrumpfhose hineinfädelte und im Saum des Mantels glattstrich, ohne, dass es irgendwie auffällig gewesen wäre. Im Bedarfsfalle hätte ich an der Garderobe kurz um meinen Mantel gebeten und wäre damit im "Bathroom" verschwunden. Es gab aber keinen Bedarfsfall, fast schon schade.

    Was es natürlich weiterhin gab, war das Loch im Futter der Manteltasche - ich dachte, ich würde es gleich in derselben Nacht noch im Hotelzimmer wieder zusammennähen, aber irgendwie kam es anders weil New York ja niemals schläft, und so hatte ich heute beim Veedelszoch in einem südlichen Düsseldorfer Stadtteil immer noch einen Riss im Manteltaschenfutter.

    Dieser Riss kam auch hier gelegen, denn Ona Herzbruch befürchtete, so viele Süßigkeiten zu erhaschen, dass sie nicht alle in seine Plastiktüte passen. Ich konnte ihn beruhigen, dass ich notfalls mit einem ganzen Mantelinnenleben voll Platz für weitere Süßigkeitenaufbewahrung zur Verfügung stehe. Auch hier trat dieser Bedarf letztendlich nicht auf, allein die Möglichlkeit beruhigte aber alle Anwesenden.

    Und heute beim Veedelszoch reflektierte ich auch über mein zweites Garderobenproblem. Und zwar gehe ich jährlich zu dieser Veranstaltung aber habe leider nie ein Kostüm, auch für andere Verkleideveranstaltungen (z.B. Halloween) nicht. Schon seit längerem suche ich das perfekte Kostüm, das ich ab sofort und bis in alle Ewigkeit zu jedem Verkleideanlass tragen kann. Dieses Kostüm muss die folgenden Kriterien erfüllen:
    - es muss bei Wärme und Kälte tragbar sein ohne dass es nervt
    - es funktioniert ohne Schminke oder Kopfbedeckung
    - man muss aufs Klo gehen können ohne sich umständlicher als normal zu entkleiden
    - man muss seinen üblichen Krempel ohne, dass es das Gesamtbild beeinträchtigt, sicher mit sich führen können
    - man muss es an ca. 363 Tagen im Jahr unkompliziert und platzsparend aufbewahren können
    - ich kann mich zumindest ansatzweise damit identifizieren

    Beste Möglichkeiten bisher Arztkostüm: sehr unkompliziert und völlig unproblematische Lagerung von Kittel, Latexhandschuhen und Stethoskop, aber bedenken in Bezug auf Besitzmitführung und Kältetauglichkeit. Oder Königinnenkostüm - höchster Identifikationsfaktor, auch kommt man sich beim Winken gleich nicht mehr blöd vor, aber vermutlich raumgreifendere Lagerung und möglicherweise kein guter Tragekomfort, ggf. sogar Krone erforderlich.

    Ich suche weiter.

    Montag, 5. Februar 2018
    WmdedgT 2/2018

    (Was das ist, ist bestimmt mittlerweile bekannt. Die ganzen Links dazu wie immer hier bei Frau Brüllen.)

    Ah, ja, was hab ich den ganzen Tag gemacht, das wüsste ich auch mal gerne. Weckerklingeln war um 6, bzw. der Wecker von Herrn N klingelte früher, aber mein genialer Plan in dieser Hinsicht ist aufgegangen. Es hat mich nämlich genervt, dass ich ständig von Herrn Ns Wecker mitaufwache, also habe ich ihm zu Weihnachten einen Wecker geschenkt, der garantiert ganz anders klingt, als meiner. Meiner klingt nämlich "biep-biep-biep biep, biep-biep-biep biep." Und er von Herrn N. klingt "EXTERRRRRMINATE!!!" Wirklich sehr unterschiedlich. Meine These: ich werde nach einiger Zeit den Wecker von Herrn N ausblenden können, weil dieses Geräusch nichts mit mir zu tun hat. Und so kam es. Anfangs war es noch schwierig (das "EXTERRRRRMINATE!!!" ist recht laut), aber seit etwa zwei geht es, bedenkt man, dass Herr N noch bis zum 8. Januar Urlaub hatte und daher morgens niemand EXTERRRRRMINATE!!! brüllte, habe ich nur 10 Werktage gebraucht, um EXTERRRRRMINATE!!! zu überhören. Ich bin ziemlich gut in sowas.

    Dann war irgendwas, keine Ahnung mehr was, dann stieg ich aufs Fahrrad und konnte mich gleich zu einer weiteren Cleverness beglückwünschen: dass ich nämlich beim letzten Fahrradkauf eines mit Rücktrittbremse gewählt habe. Weil bei den derzeitigen Temperaturen die Handbremsen eingefrieren. Ist mit zusätzlicher Rücktrittbremse aber ja egal.

    Im Büro angekommen ordnete ich mich kurz und dann rief auch schon der Oberchef an, denn wir hatten noch ein Thema von letztem Freitag offen. Ich kann Ihnen nicht allzu viel darüber erzählen, aber ganz grob begann es mit einem Käsebrot und endete mit wechselseitigem Gefauche von "ich brauche nichts und niemanden und Sie schon gar nicht". Als ausreichend Frustration aufgebaut war - da werden die Parteien verhandlungsbereit, habe ich gelernt - trafen wir eine Entscheidung, rutschen sie noch zwei-, dreimal in verschiedene Richtungen hin- und her und dann was alles bestens und wir beide wach und gut gelaunt.

    Danach war eine Schulung, achja, dazu muss ich ausholen. So um Mitte November herum hatte ich gejammert, hier oder auf Twitter, ich weiß es nicht mehr, dass ich nicht so recht weiß, wie ich mit den Jahresendgesprächen für Mitarbeiter umgehen soll, weil man doch eh immer schon alles bespricht, wenn es anfällt, und nicht bis Dezember aufbewahrt. Ich fragte also, wie man so etwas gut und sinnvoll machen kann. Die Tipps, so sagte ich glaube ich, würde ich zusammenfassen, das habe ich dann komplett vergessen aber hier sind sie also:
    - Personen mit ausreichend Vorlauf einladen (bei mir: 1-2 Wochen)
    - Genug Zeit freihalten (die Gespräche dauerten sehr unterschiedlich lang, zwischen 10 Minuten und 1,5 Stunden)
    - Über den Ort Gedanken machen (alle wollten in mein Büro kommen, nicht in einen Besprechungsraum)
    - Sich vorbereiten, was man sagen will (das war schwierig, weil ich ja, wie erwähnt, eher immer alles sofort sage. Praktischerweise finden aber zum Jahresende ja auch immer noch andere Ereignisse statt: Budgetplanung, strategische Ausrichtungen, Personalplanung und so weiter. Das passte zeitlich gut und daraus ergaben sich individuelle Themen, die nicht im Alltag schon abgehandelt waren)
    - Erwartungsfreies Zuhören (das ist auch erstaunlich schwierig, aber man kann es üben)

    Und um jetzt den Bogen zu schließen: eines der Themen der Jahresgespräche war Schulungsbedarf / -wünsche, ich hatte dafür eine größere Position im Budget untergebracht und heute begann der erste Teil der Serie.

    So gegen 14:30 Uhr war ich wieder in meinem Büro, eine neue Mitarbeiterin gab es auch noch, ansonsten nichts Wesentliches und um 15:30 verließ ich das Büro, fuhr noch einkaufen (Handbremsen immer noch gefroren) und dann nach Hause, das übermüdete Kind mit Kreppeln aufpäppeln und zum Training verabschieden und die Katzen auf dem Balkon lüften, außerdem setzte ich schnell Tomatensoße an, es stand nämlich im Raum, dass ich später noch einmal zu einem Geschäftsessen aufbreche und so gäbe es auch in diesem Fall irgendwas zu essen daheim.

    Um 17:30 Uhr hatte ich dann Gesangsunterricht, allerdings verquatschen wir uns, weil ich ja vor drei Wochen sehr spontan in einen Kirchenchor eingetreten bin und nächste Woche das Vorsingen habe, ob ich da überhaupt wirklich mitmachen darf, und daran war der Gesangslehrer natürlich sehr interessiert. Plötzlich war es 18:15 und ich schaltete schnell den Gesangslehrer aus (der Unterricht ist per Skype) um zu schauen, ob ich um 19 Uhr noch am Büro erwartet würde. Das war nicht der Fall und so zog ich mir zu diesem Zeitpunkt dann erstmal die Schuhe aus.

    Dann Zeugs: Einkäufe verräumen, Post öffnen, Zeug aus Taschen sortieren, Spülmaschine einschalten, Termine absprechen, Katzen füttern, nichts von Belang. Gegen 19 Uhr kam Herr N., gegen 20 Uhr das Kind, dann Abendessen und jetzt Sofa.

    Freitag, 5. Januar 2018
    WmdedgT 1/2018

    (Was das ist dürfte hinlänglich bekannt sein. Die übrigen Einträge dazu hier bei Frau Brüllen.)

    5.1. heute, ich bin immer noch neujahrsbeschwingt, muss aber leider seit dem 2. schon wieder arbeiten, der Rest der Familie aber nicht, daher kein Stau morgens im Bad und der Wecker klingelt erst um 6:30 Uhr. Erfreulicherweise treffe ich Mademoiselle nicht - wie in den Tagen zuvor - noch am Computer an. Nicht, dass ich durchzockte Nächte generell verurteilen würde, aber morgens gerade aufgewacht und verschlafen meinem Kind in Straßenkleidung zu begegnen überfordert mich noch ein bisschen.

    Um kurz nach 8 treffe ich im Büro ein, ich sitze momentan bei einer neuen Mitarbeiterin deren eigentliche "Betreuung" zur Zeit Urlaub hat. In den letzten Tagen habe ich zwar festgestellt, dass sie meine Hilfe schon gar nicht mehr braucht, aber es ist trotzdem eine gute Gelegenheit, zu checken, ob die Einarbeitung funktioniert hat und wie alles so läuft, ohne dafür extra einen Gesprächstermin auszumachen.

    Wir arbeiten so vor uns hin, ich habe einen ziemlichen Herumrenntag. An manchen Tagen sitze ich stundenlang ununterbrochen am Tisch und bastele an Dingen herum, an anderen ergibt es sich so, dass ich eigentlich andauernd von A nach B laufe, um etwas zu besprechen oder abzumachen oder anzuweisen oder herauszufinden. Ob es ein Muster, eine Logik gibt, wie sich diese Tage verteilen, habe ich noch nicht herausgefunden. Zu meiner großen Überraschung bin ich mittags mit allen Dingen, die dringlich sind, fertig. Das gab es lange nicht mehr. Ich habe aber um 15 Uhr und um 16 Uhr noch jeweils eine Telefonkonferenz und muss daher noch bleiben, also nutze ich die Zeit, um aufzuräumen, ein paar Leute zu sehen, die ich lange nicht mehr gesehen habe und dann meine Unterlagen, Tastatur, Kaffeetasse, Keksdose und so weiter wieder in mein eigenes Büro zu räumen.

    Auf dem Weg habe ich noch eine lustige Aufzugbegegnung. Vor den Aufzügen wartet ein Herr chinesischer Herkunft mit mir - dass er chinesischer Herkunft ist, weiß ich sicher, da er mir seinen Ausweis zeigt und sich namentlich vorstellt und mir mitteilt, er wäre bestrebt, seine Deutschkenntnisse zu verbessern und zu diesem Zweck ein Gespräch mit mir über das Wetter erbittet. Dem komme ich natürlich nach. Wir sprechen über das Wetter, besonderen Gefallen findet er an den Worten "füüüürchterlich" und (mit Grabesstimme gesprochen) "grauenhaft". Draußen im Regen verabschieden wir uns.

    Die S-Bahn kommt fast sofort, ich habe morgens in der Bahn ein neues Buch angefangen, "Die verbesserte Frau" von Barbara Kirchner, es ist schon gleich am Anfang sehr spannend, ich lese also auch auf der Rückfahrt wieder. Den Fußweg von der S-Bahn nach Hause unterbreche ich kurz, um noch einzukaufen, denn ich habe Lust auf Backofenpommes mit Majonaise und dazu Erbsen und Möhren aus der Dose als Abendessen und nichts davon haben wir vorrätig.

    Zu Hause angekommen hat Mademoiselle mit Besuch das Wohnzimmer besetzt, ich sitze also mit Herrn N am Küchentisch und lese weiter, bis relativ gleichzeitig Herr N zu einer Geburtstagsfeier aufbricht und auch der Besuch nach Hause geht. Mademoiselle und ich setzen uns auf die Couch und schauen zwei Folgen Dr. Who - ich bin bekanntlich keine große Fernsehschauerin, aber mit Dr. Who haben sie mich gekriegt. Mit den zwei Folgen heute habe ich immerhin schon die erste Staffel abgschlossen (schnief), zu schauen begonnen habe ich nach der Operation von Bein.v2. Ich werde also, wenn ich das hochrechne, noch etwas länger was zum Schauen haben.

    Nach der zweiten Folge ist es kurz vor neun, ich füttere noch schnell die Katzen und schmeiße eine Ladung Wäsche in die Maschine. Zwischen den Jahren habe ich - aus Faulheit, nicht aus Aberglauben - nicht gewaschen und nun ist tatsächlich die Situation eingetreten, dass sich die Wäschekiste nicht mehr schließen lässt, es ist also dringlich geworden.

    Danach habe ich eine Telefonverabredung mit dem Herrn Schizophrenisten und wir scheitern erneut an der Rettung der Welt.

    Nun ist es 22:30 und höchste Zeit für die Backofenpommes (der Alltagsrhythmus ist uns insgesamt etwas durcheinandergeraten momentan). Dann vielleicht noch eine Folge Dr. Who und dann Ausschlafen!

    Dienstag, 2. Januar 2018
    Frosneus!

    Eine der Sachen, die ich zum Jahreswechsel am Liebsten mache, ist: den Wandkalender in der Küche für das neue Jahr vorbereiten. Schön ist es immer, Geburtstage zu übertragen, auch schön, Geburtstage nicht zu übertragen, denn manchmal sortiere ich auch Personen aus, Geburtstage von Verstorbenen werden aber weiter eingepflegt, habe ich dieses, nee, letztes Jahr beschlossen.

    Und dann die ganzen Termine, die schon feststehen. Reisen, Veranstaltungen, Einladungen und so weiter, ein Friseurtermin steht auch schon drin, das gibt mir das Gefühl, in der Welt verankert zu sein. Dieses Jahr sind wir viel unterwegs, das steht schon einmal fest, allein bis Mai verreise ich dreimal ohne Familie, das Kind wird, so wie es aussieht, fünf Urlaubsreisen antreten - das ist doch Irrsinn! - und Herr N zahlreiche Kurztrips unternehmen.

    Besonders im Magen liegt mir bekanntlich der Sommerurlaub. Wie wir aus dem letzten Jahr wissen, hasse ich es, Sommerurlaub zu suchen/planen/buchen und ungefähr ab dem 2. Januar, wenn alle anfangen, davon zu reden, macht mich das Thema zunehmend nervös. Aber: dieses Jahr nicht. Ich war nämlich gester n besonders schlau und habe einfach für eine Woche ein Hotel an der Ostsee gebucht. Das Hotel kenne ich nicht, den Ort kenne ich nicht, ich habe keine Ahnung von nichts, aber ich weiß: im Zweifel, wenn sich kein Familienmitglied mehr weiter um diese Thematik kümmern mag bis zu den Sommerferien, werden wir immerhin eine Woche an die Ostsee fahren können. Und falls die große Erleuchtung doch noch kommt, ist das unbekannte Hotel am unbekannten Ort bis sehr kurz vorher stornierbar. Ich fühle mich wie Schweinchen Schlau.

    Was noch.

    Auf ein klassisches Konzert möchte ich gern gehen dieses Jahr denn ganz zufällig habe ich mich neulich erinnert, wie gerne ich klassische Musik höre. Dafür ist im Kalender definitiv noch Platz. Auch für das Fußballspiel, dass ich mit Frau Violinista hoffentlich endlich besuchen werde.

    Was noch.

    Letztes Jahr hatte ich mir vorgenommen, 26 Bücher zu lesen. Alle zwei Wochen eins erschien mir realistisch. Tatsächlich bin ich auf ein paar mehr gekommen, hier können sie sie anschauen. Dieses Jahr nehme ich mir dann gleich 34 vor, denn weniger lesen als im Vorjahr, wer könnte das wollen? Bücher trage ich natürlich nicht in den Kalender ein, aber ein kleiner Stapel liegt schon auf dem Nachttisch bereit (neben den zwei riesigen Stapeln neben dem Nachttisch, aber das sind mehrere Male 34 Bücher).

    Kurz hatte ich aber noch überlegt, ob ich im Kalender eine Spalte freihalte (es ist noch eine frei), um dort jeden Tag aufzuschreiben, was ich aussortiert habe, um mich dann ständig daran zu erfreuen (heute zum Beispiel: ein Bettlaken mit Loch). Das erschien mir dann aber doch etwas zu zwanghaft. (Lieber schreibe ich es hier auf.)

    Weitere Termine werden noch folgen: für den zweiten Teil der Reparatur der Balkontür (nur noch schön machen) und für einige andere handwerkliche Dinge, die ich in kompetentere Hände abgeben möchte, als wir hier zur Verfügung haben.

    Jedenfalls, jetzt hängt der Kalender, alles hat seine gute Ordnung, das Jahr kann starten.

    Freitag, 29. Dezember 2017
    Unerwartete Anstrengungen

    Ich möchte diesem Text vorwegschicken, dass ich normalerweise überzeugte Anwenderin bin und mich mit den Belangen von Computern nicht befassen möchte. Sie sollen still vor sich hinfunktionieren und mich nicht belästigen.

    Es begab sich aber zu jener Zeit, dass das Betriebssystem (Windows) auf meinem Netbook nach einem Update verlangte, das es nicht selbsttätig durchführen konnte, weil der Festplattenspeicherplatz nicht ausreichte. Es verlangte, ich möge Platz schaffen. Dazu sah ich mich aber nicht im Stande, denn ich speichere schon gar nichts außer den notwendigen Programmen auf der Festplatte, diese ist halt - wegen eines zugegebenermaßen schlechten Einkaufs, der damals aber Gründe hatte - sehr, sehr klein. Ich deinstallierte also noch ein paar Programme, eigentlich alle bis auf Browser, Virenscanner und Betriebssystem, aber es reichte nicht. Kein Update.

    Ich beschloss, das Problem an den Verursacher zurückzuspielen (also: Microsoft) und chattete ein Stündchen mit Microsoft-Marwin. Von Microsoft-Marwin verlangte ich eine Lösung, das Update per USB-Stick zu installieren, also einen Link zu einer entsprechenden Datei, mit der das dann geht. Von dieser Möglichkeit hatte ich im Internet gelesen. Nicht alles im Netz sei wahr, schrieb mir Marwin jedoch, oder zumindest müsse man die Umstände einbeziehen, jedenfalls gäbe des die von mir gewünschte Möglichkeit dieses Mal tatsächlich leider nicht. Es gäbe aber eine andere Möglichkeit, nämlich, die Daten zu sichern (was bei mir einfach ist: ich habe keine willentlich gespeicherten Daten auf der Festplatte) und dann das Betriebssystem zu löschen und per USB-Stick komplett neu und auf die neue Version aufzusetzen. Wir sprachen das Verfahren mehrmals durch, Marwin schickte mir alle notwendigen Links und Anweisungen, ich bedankte mich und wir verabschiedeten uns. Und dann stellte ich fest, dass ich keine Lust dazu habe, dieses Verfahren bei jedem zukünftigen Update durchzuführen.

    Zwischenzeitlich hatte ich natürlich auf Twitter bereits gejammert und hilfreiche Tipps über die Wonnen des Einbaus einer größeren Festplatte erhalten, war jedoch auch schon zu dem Schluss gekommen, dass das alles irgendwie nicht lohnt (denn ich hatte damals - aus Gründen - nicht nur schlecht, sondern immerhin auch sehr billig gekauft). Schon war ich entschlossen, sofort einen neuen Rechner zu kaufen, erlag aber dann der Multioptionsparalyse. Möglichst groß oder möglichst klein oder gar ein Tablett mit Bluetooth-Tastatur oder eventuell ein Chromebook? Ich hatte schon vergessen, was ich eigentlich wollte, mit dem Rechner und überhaupt auch so.

    Auf das Chromebook war ich aber neugierig geworden und dachte mir, vielleicht könnte ich sogar das vorhandene schwächelnde Netbook als Pseudo-Chrombook verwenden? Google sagte, ich kann, in dem ich ein Fake-Chrome-OS auf einem USB-Stick installiere und als Betriebssystem verwende. Das wollte ich natürlich sofort ausprobieren, scheiterte aber zunächst einmal an der Erstellung des Sticks. Weiteres googeln ergab: das Programm arbeitet ungern mit SanDisk zusammen, ich hatte natürlich einen SanDisk-Stick verwendet. Aber ich hatte noch andere, also nochmal. Ging aber auch nicht. Ich verschob weitere Versuche auf den nächsten Tag.

    Heute morgen dann bemühte ich den großen PC mit Lankabel, und der konnte auch den Chrome-OS-Bootstick erstellen, hurra hurra. Den Vormittag verbrachte ich dann mit der Suche nach der richtigen Taste, um ins BIOS vorzudringen und dort das USB-Laufwerk zum booten freizugeben. Keine der gängigen Tasten brachte Erfolg. Dann ganz am Ende aber die naheliegende erste Lösung (F2), die ich zuerst wohl nur zum falschen Zeitpunkt gedrückt hatte. So weit, so gut.

    Das Netbook bootete nun von USB und das Fake-Chrome-OS installierte sich, erkannte aber meine Tastatur nicht. Googeln ergab: das ist öfters so, man empfielt die Verwendung einer Bluetooth-Tastatur. Nennen Sie mich zickig, aber ein Gerät mit bereits eingebauter Tastatur nochmal mit einer externen betreiben wollte ich nicht. Also den Stick wieder gelöscht und formatiert. Ging aber nicht. Windows erkennt die Dateien des Fake-Chrome-OS nicht so richtig, der Stick war zwar formatiert aber hatte keinen Speicherplatz. Nun also wieder Google: ein anderes Formatierungsprogramm herunterladen, halt mal herumprobieren - eins von HP tat es dann.

    Jetzt hatte ich mir überlegt, dass ich - wenn ich bereit bin, eh nur browserbasierte Dinge zu tun - ja auch wieder Linux nutzen kann. Linux hatte ich so von den 90ern bis über die Jahrtausendwende mal und fand es sehr unkomfortabel. Möglicherweise hat es sich aber ja verbessert und wie gesagt, für alles, was im Browser stattfindet ist mir das OS eh relativ wurscht.

    Durch fortwährendes Gejammer erhielt ich auch auf Twitter direkt einen Link zu wie man alles macht, es scheint zwar mittlerweile unzählige Ubuntu-Varianten zu geben, aber ich nahm natürlich die erste in der Liste, nur Spitzenreiter für mich.

    Alles ging glatt bis gar nichts mehr ging. Der große Computer fuhr herunter, das Licht ging aus, das Internet war weg. Stromausfall in der gesamten Wohnung mit Ausnahme von Bad und Flur. Inklusive Warmwasser.

    Ich sah mich veranlasst, meine Bemühungen um das Netbook für eine Weile zu unterbrechen, um den Sicherungskasten zu überprüfen und dann die Hausverwaltung und dann einen Elektriker anzurufen und dann auf der Couch zu sitzen und auf dessen Eintreffen zu warten.



    Später am Tag: es geht nun - strommäßig betrachtet - alles wieder (Halleluja!). Ob der Ubuntu-Stick geht, weiß ich nicht, da ich natürlich nicht weiß, ob das Image noch vor dem Stromausfall fertiggestellt war. Das hat man davon, wenn man Fortschrittsbalken nicht lückenlos überwacht. Optimistisch gestimmt stecke ich den Stick ins Netbook, stelle aber fest, dass das Image ganz offensichtlich nicht fertig war. Also alles noch einmal von vorn.

    Dann ist der Stick fertig, das Netbook läd aber trotzdem beharrlich Windows. Alle Einstellungen überprüft, sieht aber alles richtig aus. Trotzdem läd es Windows, auch beim zweiten und dritten Mal. Dass das an von mir fehlerhaft vorgenommenen Einstellungen liegt, glaube ich nicht so recht. Schließlich war es mir ja auch mit dem Fake-Chrome-OS gelungen, vom Stick zu booten, da kann an den Einstellungen jetzt nicht allzu viel falsch sein. Ich mache also wieder einen neuen Stick. Der wird im BIOS gar nicht erst als solcher erkannt.

    Jetzt habe ich keine Lust mehr, gehe wieder mit Buch auf die Couch und werde einfach alles so, wie es ist, verwenden bis es nicht mehr geht und dann (wie immer) das kaufen, was sich als erstes anbietet.

    Man- oder Womansplaining ist an dieser Stelle aber natürlich ausdrücklich willkommen.

    November seit 4472 Tagen

    Letzter Regen: 01. März 2018, 21:41 Uhr