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    Dienstag, 28. September 2021
    28092021

    Was sehr hilft gegen das Überdrehen ist, alles Mögliche mit Wecker zu tun.

    Wie heißt das eigentlich, wenn man das Gegenteil eines Konzentrationsproblems hat? Wenn man in dem, was man macht, völlig versinkt, sich völlig darin auflöst, das Essen, Trinken, den Körper vergisst - gut, dass er selbstständig atmet, immerhin! - sich selbst vergisst und nur durch Zufall irgendwann wieder zu sich kommt, zitternd und unterzuckert und es ist plötzlich dunkel draußen? Es ist eine Art Flow, aber kein entspannt plätschernder Bach sondern Weißwasser. Diese Art der Konzentration ist furchteinflößend, sie verschlingt mich und lässt keine Luft mehr für die Welt neben dem aktuellen Objekt des Interesses.

    Und da hilft der Wecker. Erst habe ich ihn nur gestellt, um Meetings nicht zu verpassen. Dann auch, um den Feierabend nicht zu verpassen und dann auch, um die Mittagspause nicht zu verpassen und jetzt auch einmal am Tag zwischendrin einfach so, für einen Kaffee und einen Blick aus dem Fenster.

    Das Abtauchen ist noch genauso tief, aber jetzt ohne den großen Schreck zwischendrin "ohgott was ist passiert, wo bin ich und wie spät ist es", ohne die latente Unruhe, etwas zu vergessen oder zu verpassen. Ich habe jetzt die Erlaubnis, mich zu verlieren, jedenfalls bis der Wecker wieder klingelt und das entspannt mich. Bestimmt kommt irgendwann wieder eine Phase, in der ich ganz natürlich ab und zu auftauche. Und bis dahin dient der Wecker als Sicherheitsnetz.

    Montag, 27. September 2021
    27092021

    Gegenüber vom Bahnhof war immer ein Kiosk. Ein etwas größerer, zeitweise war er auch ein Kiosk mit Internetcafé, dann gab es aber ja überall Internet und niemand ging mehr dafür in einen Kiosk. Er wurde zum Kiosk mit DHL, dann zum Kiosk, in dem geraucht wurde, dann zum einzigen Kiosk im Umkreis, der Jever führte, weshalb ich dann doch wieder hinein ging, obwohl darin geraucht wurde.

    Corona, vermutlich, brach ihm das Genick oder vielleicht auch nur irgendwas während Corona, das weiß ich nicht, jedenfalls steht er seit einem guten halben Jahr leer, ist innen ausgeräumt, die große Fensterscheibe verdreckt zusehends.

    Fast jeden Tag komme ich dort vorbei und werfe einen kurzen Blick hinein in der Hoffnung, dass sich etwas Neues dort tut (mein heimlicher Traum: Eiscafé!), so heute auch, ich wechselte die Straßenseite, um einen Blick zu werfen, ging weiter, blieb stehen, besann mich kurz, drehte wieder um und schaute nochmal.

    Im Kiosk steht jetzt ein Bett, ich meine, durch den Dreck auf der Scheibe erkennen zu können, dass es ein Boxpringbett ist. Gut, Wohnraum ist knapp, möglicherweise dient der Kiosk nun als Unterkunft für Studierende, das war mein erster Gedanke, man kann vor das Fenster ja noch Gardinen machen. Allerdings sah ich dann, dass auf dem Bett ein Teddy saß. Ein wirklich riesiger Teddy, sicherlich größer als ich, ich würde schätzen in der Länge eher auf der 2-Meter-Seite von 1,80 und in der Breite so, dass das Bett dem Teddy definitiv nur zur Alleinnutzung dienen kann. Der Teddy, wie gesagt, saß auf dem Bett. Am Kopfende, mit dem Rücken an die Wand gelehnt, die Beine vor sich ausgestreckt.

    Ich stand und starrte, neben mir blieben zwei junge Männer stehen und starrten auch, wir sahen uns gegenseitig an, ratlos. Dann gingen wir alle grußlos in unterschiedliche Richtungen davon.

    Werde dranbleiben an der Teddy-Sache und berichten!

    Sonntag, 26. September 2021
    26092021

    So, Wahl vorbei, wobei, eventuell wählen Sie in Berlin ja auch noch, was weiß man. Jedenfalls ist ein weiterer Programmpunkt des Jahres abgehakt, jetzt müssen sie sehen, was sie daraus machen. Ich erwarte nichts.

    Ich bin weiterhin damit befasst, mich herunterzubremsen. Heute war das ganz gut, den allergrößten Teil des Tages habe ich damit verbracht, Dinge nicht zu sagen und nicht zu schreiben und den restlichen kleinen Teil saß ich im Café - also davor, Außenbereich, ich sehe mich allenfalls im Innenbereich eines 2G-Cafés, aber sollte hier irgendwo eines sein, verstecken sie das gut und ich bin auch seit langem in keiner Gastronomie mehr nach irgendwas coronamäßigem gefragt worden, so dass mich die Konzepte allgemein nicht überzeugen. Ich sitze deshalb vor den Lokalen und wenn es dazu irgendwann wieder zu kalt ist gehe ich halt nicht hin. Außer, wie gesagt, wenn eins groß 2G an der Tür stehen haben sollte, dann würde es mir sogar sehr nützen, beruflich darf ich ja niemanden nach dem Impfstatus fragen, aber ich ein Café einladen darf ich ja schon. Man behilft sich.

    Wo war ich - ach ja, abbremsen. Geht im Café gut, habe ich festgestellt, der Kopf ist ordentlich damit beschäftigt, alles mögliche zu betrachten und zu beobachten, der Körper ist relativ stationär und es gibt nichts, was es für mich zu regeln gäbe.

    Freitag, 24. September 2021
    24092021

    Dinge, die gegen das Überdrehen helfen: Schwimmen, Kino, vor Mitternacht schlafen gehen, Wasser trinken, den Raum wechseln.

    Dinge, die nicht helfen: Musik, Spazieren.

    Dinge, die ziemlich egal scheinen: Koffein, Zucker

    To be continued.


    Jetzt ist Wochenende. Ich wünsche mir momentan ein Wochenende, an dem ich beide Tage zu Hause verbringe und mir spontan überlege, was ich machen möchte. Das nächste Wochenende dieser Art ist aber voraussichtlich Mitte November. Mit ein bisschen Glück könnte auch noch Mitte Oktober eins kommen. Ich bleibe optimistisch!

    Morgen werde ich von 7 Uhr bis 1 Uhr nachts unterwegs sein, davon rund 7 Stunden im Auto. Es ist so ziemlich mit das Absurdeste in diesem Jahr, dass ausgerechnet ich ständig stundenlang und tausende Kilometer weit mit einem Auto herumfahre. Ich will nie Autofahren, ich wollte nie Autofahren, ich lehne Autos generell ab. Die ersten Wochen habe ich ziemlich unter meiner Autofahrverachtung und Autofahrlangeweile gelitten und die verlorene Lebenszeit und die unnützen Kilometer immer wieder im Kopf in anderen Kombinationen zusammengerechnet und sie für insgesamt einfach sehr schlimm befunden. Das habe ich jetzt aufgehört. Es ist eben gerade so, unter mehreren schlechten Lösungen ist es die beste. Jetzt mache ich mir einen Spaß daraus, herauszufinden, wie lange ich einfach gar nichts tun kann außer Autofahren. Also: nichts hören, nichts singen, nichts essen oder trinken, nicht mit mir selbst reden und auch nicht telefonieren, nur die Tätigkeit des Autofahrens ausüben. Rekord bisher 128 km, danach musste ich anhalten und schreiend um den Wagen rennen. Dennoch kam mir die neu erworbene Fähigkeit schon zugute: Ich hatte heute eine Situation, in der mir eine Person ihre Unzufriedenheit per Blickduell vermitteln wollte. Nun weiß ich aber ja, dass ich 128 km lang starren und nichts tun kann. Und morgen vielleicht schon 157 km lang. Alles easy, es waren letztendlich glaube ich noch nichtmals 20 km, jedenfalls musste ich hinterher nicht schreiend um einen Schreibtisch rennen.

    Viel mehr beschäftigt mich, was ich morgen nach den 157 km mache. Möchte jemand telefonieren?

    Donnerstag, 23. September 2021
    23092021

    Es hat sich heute offenbart - vorerst nur mir - dass das letzte Quartal, das beruflich immer das anstrengendste von allen ist, dieses Jahr nochmal deutlich anstrengender wird. Und zwar durch gleich drei voneinander völlig unabhängige Dinge. Eins davon habe ich vermutlich abgeschmettert, vielleicht kommt es aber auch nochmal zurück. Das zweite ist gut aber kommt zeitlich ungelegen. Das dritte ist in jeder Hinsicht uninteressant aber findet halt statt. Ich bin außerordentlich gespannt, wie das ausgehen wird - momentan scheint es komplett unmöglich, aber es funktioniert ja doch immer alles irgendwie, also vermutlich auch das letzte Quartal 2021.

    Ich werde jetzt schon anfangen, Abendverabredungen zu machen. Das ist mein Trick für pünktlichen Feierabend.


    Ansonsten: heute war die Putzfrau hier. Es war nicht sehr schmutzig, warum weiß ich nicht, vielleicht waren wir viel unterwegs, ich erinnere mich nicht genau. Jedenfalls, wenn nicht viel generell zu Putzen ist macht sie dann einfach immer irgendwas. Macht, dass Backofen, Waschmaschine oder Spülmaschine aussehen wie neu, pflegt Pflanzen, tut irgendwas auf dem Balkon oder sortiert etwas in Schränken. Das ist dann immer ganz toll - ich kommte nach Hause, freue mich über die saubere Wohnung und denke mir nichts weiter dabei. Die ganze Woche über benutze ich dann aber verschiedene Dinge oder öffne verschiedene Türen und freue mich dann plötzlich, weil ich entdecke, dass dort etwas schön gemacht wurde. Es ist wie Ostereiersuche für Erwachsene. Immer, wenn ich was finde, schreibe ich der Putzfrau dann eine Nachricht und sie schreibt zurück, ob ich noch weitersuchen soll oder ob ich alles gefunden habe.

    Viele, die ich kenne, zucken an dieser Stelle zusammen, weil sie nicht möchten, dass Schranktüren geöffnet und ggf. die eigene Ordnung verändert wird. Mir ist das alles völlig egal; so lange die Dinge grob am selben Ort bleiben, spielt es für mich keine Rolle, wie sie angeordnet sind und geheime Dinge gibt es bei mir in der Wohnung nicht. Ich glaube, geheime Dinge gibt es bei mir ganz generell nicht. Wer immer will könnte jederzeit in meine Wohnung oder mein Telefon oder meinen Laptop schauen oder mir beim Arbeiten über die Schulter, es wäre mir (persönlich, beruflich gäbe es andere Hemmnisse) wirklich komplett egal. Vielleicht ist das langweilig. Mir ist Verstecken aber schlicht zu anstrengend.

    Heute habe ich bisher entdeckt, dass nun alle Putzlappen ordentlich gerollt in der Schublade liegen und dass die Taschentuchpackungen, die sonst immer kreuz und quer in einen Schrank gestopft sind, dort nun ganz ordentlich aufgereiht wurden.

    November seit 5667 Tagen

    Letzter Regen: 28. September 2021, 21:53 Uhr