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    Freitag, 3. April 2020

    Als erstes mal werde ich morgen lang schlafen. Ich plane nicht, vor 10 Uhr aufzustehen. Dann werde ich 1-2 Stunden mit Kaffee auf dem Sofa sitzen und den Kreislauf langsam hochfahren lassen. Brötchen zum späten Frühstück, danach werde ich ein Buch lesen.

    Am Nachmittag gehe ich spazieren und mache einen Mittagsschlaf - in welcher Reihenfolge entscheide ich spontan. Fest steht, dass ich zum Mittagsschlaf einfach so wegdämmern werde, weil ich versuchen werde, entspannt fernzusehen, was mir aber nicht gelingten wird, denn ich schlafe ja ein. Vielleicht wechsle ich nach dem ersten Einschlafen und Hochschrecken ins Bett.

    Um 17 Uhr habe ich eine Verabredung, danach mache ich Abendessen. Dabei rufe ich meine Eltern an und nach dem Abendessen werde ich auf dem Sofa, bzw. im Sessel, weiterlesen, bis ich wieder müde bin.

    Donnerstag, 2. April 2020

    Heute Morgen verschlafen, alle waren schon wach nur ich nicht und ich habe einfacht nichts gehört.

    Dieses Wochenende werde ich ein Wochenende haben, ich schwör!

    Mittwoch, 1. April 2020

    Frau Fragmente sitzt an ihrem Esstisch-jetzt-Homeoffice-Tisch und bloggt, ich sitze an meinem Schreibtisch-jetzt-Homeoffice-Tisch und blogge über Frau Fragmente. Ich sehe sie heute von der anderen Seite, sie hat die Kamera umgestellt, um mir "eine neue Perspektive zu eröffnen" und was ich als erstes sehe, ist die offene Spülmaschine. Ich werde weiter nichts dazu sagen.

    In der Küche ist aber auch noch ein Dings, das grün leuchtet. Was mag es sein? Es ist an der Mikrowelle oder neben der Mikrowelle, das Bild ist etwas pixelig, vielleicht ist es die Uhr an der Mikrowelle und wenn ja, hat Fragmente sie auf Sommerzeit umgestellt? Ich kann es nicht erkennen. Ein Korb ist noch in der Küche zu sehen und eine Zwiebel glaube ich, ein Glas mit irgendwas (Pesto? Marmelade) und ansonsten ist die Küche aufgeräumt, sie ist weiß und wirkt auf die Entfernung sehr sauber.

    Das erinnert mich daran, dass ich gerade mein Bad geputzt habe. Das habe ich seit etwa 15 Jahren nicht mehr gemacht und ich habe es nicht vermisst, werde das auch zukünftig nicht vermissen, die Tätigkeit hat mich rundum unzufrieden zurückgelassen. Aber egal, jetzt ist es sauber und jetzt läuft die Waschmaschine und auch die Spülmaschine und es ist ja eigentlich alles gut.

    Frau Fragmente hat das Kerzensortiment auf der Fensterbank des Fensters, das ich noch nie bewusst live gesehen habe, aufgestockt. Am Ende Stimmungs- oder Duftkerzen. Man weiß doch wirklich nie so viel über die Leute, wie man denkt.

    Frau Fragmente wird heute über einen bunten Strauße an Themen schreiben. Sie hatte auf Twitter gefragt, worüber sie bloggen könnte, und wählt nicht eine der Antworten aus, sondern bedient alle Interessen. Sehr geschickt. Mich wollte sie auch sofort vereinnahmen, trug mir Themen an, "das wäre doch auch mal interessant, wenn Du darüber schreiben würdest, nicht wahr?" sagte sie motivierend. Wir werden sehen.

    Zum einen wird Frau Fragmente heute überlegen, was sie eigentlich beruflich macht. Das sei ihr gar nicht so ganz klar, findet sie, sie wüsste nur, dass sie immer irgendwas macht und dafür auch Anerkennung erfährt, aber was ihre Rolle eigentlich ist, ist ihr unklar. Mir ist das hingegen relativ klar. Ich sehe Frau Fragmente als Business Enabler. Sie sorgt dafür, dass andere Leute möglichst störungsfrei ihrer Arbeit nachgehen können. Ob diese Störungen technischer, menschlicher oder fachlicher Natur sind ist dabei egal. Bei den Mitarbeitern behebt sie diese Störungen eher laufend, reaktiv, wenn sie ihr auffallen oder thematisiert werden und von ihren Chefs übernimmt sie störende Themen in Form von (teilweise antizipativen) Projekten. Ich finde das ganz eindeutig und auch logisch. Ich könnte auch besser arbeiten, wenn Frau Fragmente mir Störungen aus dem Weg räumen würde. Bin gespannt, ob sie das selbst auch noch erkennt, oder ob sie sich auf eine ganz falsche Fährte begibt, was ihre Arbeit betrifft.

    Ich selbst bekomme in meine berufliche Tätigkeit wieder etwas mehr Ruhe hinein. Es ist immer noch mehr als 100%, aber nicht mehr viel drüber. Die Corona-Krise verursacht nur noch ungefähr 1/3 Mehrbeit (und davon das meist im Bereich "Verzögerungen durch veränderte Abläufe und schlechtere Infrastruktur), jetzt ist aber natürlich viel anderes liegen geblieben und teilweise dringend geworden. Ich denke - und hoffe - das wird in den nächsten Tagen bis Wochen noch ein wenig abflachen. Ich würde gern mal wieder ein Buch lesen.

    Sowieso bin ich zunehmend genervt, und zwar (neben der Frisur) besonders vom Sprachgebrauch. Ich gehe mittlerweile an die Decke, wenn ich irgendwo "aufgrund der aktuellen Situation" oder "wegen der derzeitigen Umstände" lese und wünsche mir das etwas konkreter. Sowieso scheint mir Corona derzeit ein Grund für absolut alles zu sein, besonders auch für eigene Deppig- und Schludrigkeiten. So hörte ich heute z.B., dass jemand seine Online-Gehaltsabrechnung "in der aktuellen Lage" nicht abrufen könne und ich sie ihm daher bitte zuschicken sollte. Jemand anders konnte sich mit mir "aufgrund des aktuellen Geschehens" weder wie vereinbart zum Telefonat treffen noch vorher absagen. Ich fragte natürlich in beiden Fällen mit abnehmender Besorgnis genau nach und darf verraten: es handelte sich um ganz normale schlechte Organisation und nicht um eine Viruserkrankung. Ganz generell befürchte ich aber, wenn ich mich so umschaue, dass Corona nicht nur die Lunge sondern sehr oft auf den Kopf befällt und sich in jeden Gedanken frisst. Niemand hat mehr interessante Themen. Auch deshalb würde ich gerne mal wieder einfach ein Buch lesen.

    Tippelditipp macht Frau Fragmente, und neben ihr liegt ein Stift, so wie wir sie im Büro haben. Faber Castell Finepen blau. Ob sie den vor zig Jahren mitgehen lassen hat? Natürlich ganz sicher nicht. Und oh, da sehe ich gerade, sie hat auch ein ergonomisches Mauspad aber hat es falsch herum da liegen? Wie kommt das? Der Fidget-Spinner liegt auch wieder da, sie hat ein Glas mit Cola (light vermute ich) auf einer kleinen gelben Serviette und unter ihrem großen Bildschirm ist noch ein Dings, eine Art Kästchen, vielleicht ein Kurzzeitwecker? Dann wäre da ein Kurzzeitwecker zusätzlich zu der umgedrehten Sanduhr, ich schrieb letztes Mal über sie, dieses Mal wurde sie nicht umgedreht, was möglicherweise damit zusammenhing, dass wir einen ruckeligen Start hatten heute: Frau Fragmente war schon um 20 Uhr mit ihrem Tagwerk fertig, ich (wegen Bad putzen) aber erst um 21 Uhr, schaltet pünktlich das Hangout am Privatrechner, hatte aber die Webcam noch am Arbeitsrechner, Frau Fragmente verlangte dann nach Zoom statt Hangout, Zoom muss ich aber am Arbeitsrechner einrichten, ich wechselte also die Geräte, erinnerte mich dann, dass ich bereits Host in einem anderen Meeting war, bei dem ich aber nicht wirklich präsent sein musste, assignte daher dort einen anderen Host, eröffnete das neue Meeting mit Frau Fragmente am Arbeitsrechner, konnte ihr den Link aber weder über Twitter noch über Whatsapp schicken (weil beides nicht auf dem Arbeitsrechner installiert), schickte es mir selbst an die private Mailadresse und von da weiter an Frau Fragmente, loggte mich am Privatrechner im Meeting ein und machte meine private Mailadresse im Fragmentemeeting zum Host, loggte mich aus dem Arbeitsaccount wieder aus, kroch unter den Tisch um das heruntergefallene Webcam-Kabel zu suchen, steckte alles um - zapp, 6 Minuten vergangen. Vielleicht hat Frau Fragmente deshalb die Sanduhr nicht umgedreht. Die Zeit ist aber jetzt, würde ich sagen, um.

    Dienstag, 31. März 2020

    Ich bin noch nicht dahinter gekommen, was das virtuelle Homeoffice mit @cucinacasalinga so überaus angenehm macht, also mal von der angenehmen Person abgesehen. Ich glaube, es hat damit zu tun, dass ich mich allein zu schnell in Dingen verliere, zu tief abtauche, zu sehr in den Sog gerate. Ich habe sozusagen das Gegenteil eines Konzentrationsproblems: ich komme aus dem Flow nicht mehr raus, bzw. erst, wenn ich ausgelutscht umfalle. Ich brauche ein bisschen Leben um mich herum, wenn ich für mich zu Hause Sachen erledige, höre ich öfters Radio, aber das geht beruflich nicht, weil ich so viel telefoniere. Jemand auf einem kleinen Bildschirm, der selbst auch telefoniert, Papiere zur Hand nimmt, die Brille auf- und absetzt, ab und zu aufsteht und weggeht und wiederkommt, das alles mit abgeschaltetem Ton, funktioniert für mich offensichtlich auch sehr gut.

    Montag, 30. März 2020

    Ich wollte heute eine kleine Liste von 10 Personen abtelefonieren und habe es nur bis zu Nummer 6 geschafft, weil wirklich sobald ich ein Gespräch beendet hatte, mein Telefon wieder geklingelt hat. Gut, vier geplante Telefontermine hatte ich auch, aber die lagen über den Tag verteilt, ich war sicher, ich könnte halt zwischendrin mal 10 Leute anrufen. Konnte ich aber nicht. Brrmmm, brrrrm - oder so, ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wie das Telefonklingeln am Computer sich anhört? Verblüffend, das fällt mir gerade erst auf. Ich muss da morgen mal drauf achten.

    November seit 5124 Tagen

    Letzter Regen: 03. April 2020, 23:22 Uhr