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    Mittwoch, 5. August 2020
    Wmdedgt 8/2020

    (Alles zu Wmdedgt hier bei Frau Brüllen)

    Ich erwachte zu früh, nämlich gegen 7 Uhr, im Hotelzimmer. Also beschloss ich, weiter zu schlafen und erwachte erneut relativ spät (gegen 10 Uhr) am selben Ort.

    Es war Abreisetag. Für drei Nächte reist man mit wenig Gepäck, also dauerte Duschen und "alles in den Koffer werfen" nur etwa eine halbe Stunde. Wir checkten aus, packten den Koffer ins Auto und gingen vor der Rückfahrt noch ausgiebig Frühstücken - ein sehr schönes Buffetfrühstück, das im Innenraum des Lokals an einer offenen Fensterfront aufgebaut war; sitzen konnte man draußen.

    Dabei wunderte ich mich erneut über Wespen. Immer sind sie so unnötig aufgeregt und hektisch. Sie wollten gern Marmelade und Honig und damit sie nicht immer aufs Brot fliegen, stellte ich ihnen jeweils einen kleinen Klecks weiter hinten auf dem Tisch bereit. Das haben sie mit ihren kleinen Insektengehirnen sogar recht gut begriffen, aber vor lauter Gier ertrank dann eine fast im Honig und eine fast in der Marmelade. Ich musste sie retten, dann saßen sie den Rest des Frühstücks bei uns auf dem Tisch und putzten sich ausgiebig. Können Wespen einen Zuckerschock bekommen? Ich stellte mir vor, selbst in Honig zu fallen und alle Überreste am eigenen Körper aufessen zu müssen. Dann war mir schlecht.

    Wir reisten ab. Autobahn, knapp 500 km, sehr, sehr, sehr, sehr langweilig! Das ist natürlich besser als eine spannende Autofahrt, aber noch besser wäre gar keine Autofahrt, meine Nerven lagen völlig blank vor Langeweile und ich fragte mich ununterbrochen, warum ich keine andere Reiseform ausgewählt hatte. Dafür gab es natürlich Gründe, sogar auch gute, aber manchmal hat man eben nur die Wahl zwischen verschiedenen blöden Optionen und muss dann die unter Berücksichtung aller Faktoren noch am wenigsten blöde auswählen. Das war die Autofahrt. Eine interessante Sache gab es immerhin: auf einem Toiletten-und-Eis-Stopp begegnete mir das bisher überzeugendste Hygienekonzept einer Gaststätte (im weiteren Sinne), nämlich: bei einem Autohof-MacDonalds. So durchdacht, konsequent und schlüssig habe ich es bisher noch nirgendwo gesehen. Alle Türen standen offen, es gab einen vorgezeichneten Einbahnstraßenweg zu den zentralen Punkten (Bestell- und Abholtheke, Toiletten), nur jeder dritte Tisch war insgesamt freigegeben aber schon draußen am Eingang stand ein Mitarbeiter, der freundlich auf Masken hinwies und erfragte, ob man vor Ort essen wollte oder mitnehmen. Bei "vor Ort" wurden sofort die Kontaktdaten erfasst, empfohlen, draußen zu sitzen, ein Tisch zugewiesen und gebeten, dass nur eine Person der Gruppe die Bestellung aufgibt, die Tische, Stuhllehnen und Bestell-Touchpads wurden alle paar Minuten gereinigt.

    Um 17:30 Uhr kamen wir zu Hause an, dann wurde es sehr wirr, denn währen ich Kind und Katzen begrüßen wollte, klingelten alle Telefone immer gleichzeitig. Auf dem Handy war es Frau Herzbruch, die mir alle 10 Minuten ankündigte, in 5 Minuten da zu sein und parallel klingelte das Festnetztelefon mit Anrufen von Mutter und Schwester wegen dringender Angelegenheiten - weil beim Festnetztelefon aber der Akku so gut wie leer war (der haussittende Teenager hatte diesem Gerät natürlich keine Beachtung geschenkt, es lag während unserer Abwesenheit nicht in der Station sondern irgendwo in der Küche) und gleichzeitig am Handy auch der Akku leer war, sich die Aufladegeräte aber an entgegengesetzten Enden der Wohnung befanden und ich das auch nicht mehr ändern wollte, weil ich ja immer davon ausging, "in 5 Minuten" abgeholt zu werden, lief ich viel herum

    Etwa eine halbe Stunde später war es dann so weit, ich klatschte mit dem Herzbruch'schen Kind im Treppenhaus ab und Frau Herzbruch und ich fuhren gemeinsam zu einer Verabredung mit Frau Kaltmamsell und Herrn Rau. Wir kehrten in ein israelisches Restaurant ein, das heimlich auch vegan war. Heimlich bedeutet in diesem Fall: es stand nirgendwo so konkret, man konnte es sich aber anhand der Speisen erschließen und wenn man einmal auf die richtige Fährte gekommen war, schon auch nachträglich aufgrund der Speisekarte, die bei manchen Gerichten eine Zutat als "meat" bezeichnete, an anderen Stellen sehr undeutlich über die genauen Zutaten blieb.

    Wie es immer bei solchen Treffen ist, reicht die Zeit nie, um über alles zu sprechen, worüber man schon immer mal sprechen wollte, zapp, war der Abend um, gegen Mitternacht kamen wir nach Hause, also Frau Herzbruch und ich, nachdem wir länger benötigt hatten, einen hoffentlich halbwegs passenden Abstellplatz für das Auto zu finden, das habe ich zwischenzeitlich auch komplett vergessen, wie mühsam dieser Part eines Autoausflugs immer ist.

    Den Abend ließen wir am Küchentisch mit einem Granatapfelsekt, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, ausklingen.

    Dienstag, 4. August 2020

    Mein Urlaub, jedes einzelne Mal:

    Tag 1: Oh, ist das alles aufregend hier, ich will dies und das und jenes machen, hui, alles fremd und spannend und ein bisschen anstrengend, sich so gar nicht auszukennen.

    Tag 2: Super hier, ich habe die totale Orientierung und weiß, wie es läuft und mache heute a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z

    Tag 3: Joah. War schön hier. Heute noch entspannen, dann gern wieder heim.

    (Vielleicht bin ich mehr so der Rundreise-Typ mit Ortswechsel alle 3 Nächte.)

    Montag, 3. August 2020
    Das Grüne Gewölbe

    Ich habe heute das Grüne Gewölbe in Dresden angeschaut, also eine Schatzkammer, in der ungefähr Mitte des 16. Jahrhunderts Kurfürst Moritz begann, wertvolle Dinge und wichtige Unterlagen zusammenzutragen. Die historischen Gegebenheiten kann man leicht googeln, die will ich hier nicht nacherzählen, hier geht es natürlich wie immer nur um meine Eindrücke.

    Das wirkte schon wie so ein kleiner Drachenhort. Ein Raum voll mit Bernsteindingen, einer mit vergoldetem Silber, einer mit Bronze, einer mit Elfenbein, eine ganze Wand mit Skulpturen aus Seeschnecken, eine andere aus Straußeneiern, aus Kokosnüssen, Rhinozerushorn und natürlich viele, viele Edelsteine. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es auf mich beeindruckend wirkte oder schon skurril, weil es einfach viel zu viel war, viel zu viel auf einmal aber auch an jedem einzelnen Teil, würde man so ein Teil in einen Spielzeugladen legen könnte jeder, der vorbeikommt, denken "nunja, ist klar, Spiezeug halt, so übertrieben sehen echte edelsteinbesetzte Becher natürlich nicht aus!" Doch, tut sie.

    Das war der eine Eindruck. Viel zu viel, Irrsinn, völlig absurd, möglicherweise schon obszön.

    Der nächste Gedanke: man musste früher seinen Reichtum ja auf diese Art lagern, oder es war zumindest naheliegend. Bankkonten im heutigen Sinne gab es nicht (und auch heute hat man ja - wenn man hat - natürlich Goldreserven), Bitcoin erst recht nicht. Dann erinnerte ich mich, wie in der ganzen alten Literatur ja auch immer reich verzierte Waffen hin- und hergeschenkt werden oder auch mal Pokale, Kelche, Schalen, Broschen und natürlich Ringe. Beowulf fiel mir ein, der Herrscher dort ist nicht umsonst der "Ringgeber".

    Und zuletzt: letzten November (2019) wurden ja in das grüne Gewölbe eingebrochen und elf Stücke geraubt. Und ich frage mich: was macht man denn damit? Das kann man doch nirgendwo verkaufen, jede/r weiß genau, wo es herkommt. Aber nur, um so einen Rockknopf im Nachttisch zu haben, geht man doch dieses Risiko nicht ein? Oder wird man das doch los, in Privatbesitz oder hat es sogar im Auftrag gestohlen?

    Sehr, sehr spannend. Ich hoffe, das klärt sich noch und es gibt dann einen Film oder eine gute Doku darüber.

    Und über Wirecard dann bitte auch.

    Sonntag, 2. August 2020

    Gestern, vorgestern, die ganze letzte Woche habe ich allen möglichen Personen in allen möglichen Kontexten erklärt, dass es nie da regnet, wo ich gerade bin. Man kann sich nach meinen Urlaubsplänen richten, wenn man Schönwettergarantie möchte oder sich einfach in derselben Stadt aufhalten wie ich. Da, wo ich bin, scheint dauernd die Sonne und ich hasse es.

    Heute wachte ich zu Nieselregen auf und fuhr dann stundenlang durch Sturzregen auf der Autobahn. Nie schneller als 80, die Wolke offenbar immer genau über mir. Nach 400 km wurde der Himmel heller, ich hielt zum Verschnaufen mal kurz an, sofort prasselte es wieder los. Ich führte die Sintflut einmal halb durch Deutschland, bildete mir schon ein, die neue Elbeflut zu verursachen, fragte mich, wie die Tiefgarage des Hotels abgesichert sei und ab wenn eine Pfütze so tief ist, dass man nicht mehr durchfahren kann.

    Ich vereine nun drei Gefühlslagen in mir. Erstens: ich fühle mich total verarscht. Zweitens: ich finde das Wetter prima. Drittens: ich bin leicht besorgt - was, wenn es nicht mehr aufhört zu regnen?

    Samstag, 1. August 2020

    Entschuldigung, aber nein. Dieses Blog findet bei Temperaturen über 30 Grad Celsius nicht statt.

    November seit 5251 Tagen

    Letzter Regen: 07. August 2020, 17:48 Uhr