"Cola mit Zero?" fragt der freundliche Kellner die Frau am Nebentisch und ich zuckte. Sofort schreie ich "Liebe Frau nur ein paar Jahre älter als ich oder vielleicht auch nur mehr in der Sonne gewesen, bitte halten Sie einen Moment inne, diese Millisekunde, damit Sie jetzt nicht automatisiert wie ein Sprachmodell antworten, Sie sind allein hier und nicht nebenher am Telefon und lesen auch nicht, Sie müssen keine Sidequests wie Bestellungen automatisiert abwickeln, bitte, bitte nehmen Sie sich diese Millisekunde, die Situation zu verstehen, die sprachliche Ungewöhnlichkeit zu genießen und dann ganz schlicht das zu bestellen, was Sie möchten." Vor der Frau auf die Knie sinke ich quasi.
Aber es ist zu spät. Sie kennen das, wenn das Leben sich wie eine Filmszene vor Ihnen ausbreitet und Sie "Cut!", "Cut!!", "CUT!!!" brüllen wollen und wutentbrannt den Regiestuhl durch den Raum werfen, das Set tobend verlassen.
Die Frau hielt nicht inne, sie sagte "ja, nee, äh, meinen Sie...?" und der Kellner sagte "was? also... - achso...", Füllworte und Ellipsen umschwirrten meinen Kopf wie Fruchtfliegen und ich war davon genervt. Ich war gelangweilt von der Vorhersehbarkeit, angeekelt vom zähen folgenden Gesprächsverlauf. Und natürlich am allermeisten traurig um die liegengelassene Chance.
Natürlich hatte ich außerdem nur innerlich geschrieen.
Zu den positiven Aspekten des letzten Urlaubstags: ich trank eine Birnen-Salbei-Limonade und konnte plötzlich wieder Birne schmecken. Wie toll ist das denn, das Schmecken ausgerechnet mit Birne wieder zu beginnen? Ich liebe Birne!
Ich fühle mich jetzt auch wieder sicherer. Vorgestern oder so, irgendwann kurz nach Fieber, räumte ich den Kühlschrank auf. Ich konnte weder schmecken noch riechen, es wäre der optimale Zeitpunkt gewesen, mich zu vergiften, entweder für andere oder natürlich auch versehentlich durch mich selbst. Ich betrachtete abgelaufenen Frischkäse, er hatte keine verdächtigen Stellen, ich roch - nichts, ich probierte vorsichtig und es hätte auch Niveacreme oder Deckweiß sein können, keine Ahnung. So hielt ich mich bei allem strikt ans Mindesthaltbarkeitsdatum, das man natürlich auch erst einmal finden und erkennen muss. Und ihm dann noch vertrauen.
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Ich brauchte Zahnseide, um den Kameraschutz von meinem Handy wieder abzukriegen. Zahnseide!! Seit Wochen sagt immer mal wieder jemand bedauernd „oh, du hast deine Kamera gesplitttert“ – habe ich aber gar nicht, es ist nur der Schutz und der ging nicht mehr ab. Durch die ständigen Versuche fing schon der gesamte Kamerabaustein (oder wie auch immer man das nennt) an, sich beim herumfummeln vom Rest der Rückseite zu heben. Heute dann – ganz aus eigener Denkkraft, weder Google noch sämtliche KI-Modelle hatten irgendeine hilfreiche Idee, Föhn und Kreditkarte, dass ich nicht lache! – kam mir der Einfall mit der Zahnseide. Halleluja.
Wobei ich schon fast bereit war, das Handy an sich aufzugeben. Es fällt nämlich ununterbrochen herunter. Egal, wo ich bin, innerhalb von einer Stunde fällt das Handy mindestens zweimal, außer ich habe es in der Hosentasche natürlich. Die ganze Welt lacht mich schon aus. Fragmente und ich haben das wissenschaftlich untersucht, sie ist ja Doktorin der Naturwissenschaften. Das Handy bewegt sich von selbst. Man legt es auf eine (für andere Handys hinreichend gerade) Fläche ein paar Zentimeter vom Tischrand entfernt, führt ein Gespräch und – wenn man es aus dem Augenwinkel beobachtet, sieht man es genau! – das Handy robbt millimeterweise zur Tischkante und stürzt sich hinunter. Auch Papa N. im Pflegeheim habe ich das gezeigt. Das Versuchsergebnis gilt damit als reproduzierbar. Das Handy mobbt mich. Allerdings ist es mittlerweile ja schon ungefähr tausend Mal von Tischen gefallen und hat noch immer keinen Defekt, das hat berührt irgendwas in mir. Vermutlich werde ich traurig sein, wenn es kaputt geht.
Ansonsten: Um 13 Uhr erhob ich mich aus dem Sessel, um die Erkältung hinter mir zu lassen und wieder einem normalen Alltag nachzugehen. All das Geschirr, das ich von Papa N übernommen habe, ist nun in meine Küche integriert. Das „gute“ Geschirr sozusagen, wobei ich es täglich benutzen möchte. Das darf als ansage verstanden werden. Jetzt ist nur noch das Werkzeug zu sichten und einzuordnen. Und danach muss natürlich meine gesamte Wohnung mit Anhängen (Garage, Keller) einmal komplett gesichtet und durchsortiert werden, denn von vielen Gegenständen werde ich jetzt zu viele haben, die können andere besser brauchen als ich. Aber das hat Zeit. Vielleicht mache ich das im nächsten Urlaub.
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Ich hatte exakt drei Fälle definiert, in denen ich im Urlaub gestört werden darf: 1. Das top geheime Mega-Projekt XY realisiert sich kurzfristig (das hätte ich nicht verpassen wollen), 2. der Turm stürzt ein, 3. jemand stirbt.
Die Nachricht, die gestern Nachmittag kam, war keine gute, und so war ich dann heute im Büro (das nicht eingestürzt ist), um ein paar Dinge in Bahnen zu lenken. Es war alles top vorbereitet, daher brauchte ich die veranschlagten 1,5 Stunden noch nicht einmal, ich war nach weniger als 30 Minuten fertig und nutzte die verbleibende Zeit, um noch ein paar Personen zum Zusammensitzen beim Mittagessen einzuladen.
Ich konnte mich ehrlich gesagt nur schwer aus dem Büro losreißen. So ein schöner, aufgeräumter Raum, alles ganz frisch geputzt. So viele Menschen mit ganz vielen Anliegen. Und ein kleiner Stapel Post lag da. Briefpost ist ja selten geworden. Ein Brief fiel mir ins Auge, er war nämlich in einem Umschlag von unserem Firmenbriefpapier, allerdings in einer Variante, die wir seit zwei Jahren nicht mehr verwenden. Diesen einen Brief schaute ich mir trotz Urlaub näher an. Und siehe da, offenbar findet auch die Post, dass Briefpost selten geworden ist, und hat deshalb vorgesorgt: Briefe aus dem Jahr 2024, die nicht zugestellt werden konnten, wurden einfach bis 2026 aufgehoben, um nun als Rückläufer ausgeliefert zu werden.
Da ich einmal unterwegs war, erledigte ich einen kleinen Einkauf gleich mit, so muss ich morgen nicht raus, wenn ich nicht will. Es könnte gut sein, dass ich dennoch will, ich fühle mich nämlich genesen.
Im Sinne der Vernunft setzte ich mich nach diesem Ausflug erst einmal wieder in den Sessel. Vielleicht auch, um mir keine unangenehmen Vorträge nahestehender Personen einzuhandeln. Bis ich dann am Abend zum Chor aufbrach. Natürlich nicht, um zu singen, das geht nun wirklich noch nicht. Nur um die Noten für das neue Programm abzuholen und ein paar Unterlagen für die Buchhaltung. Das Radfahren tat sehr gut, gleichzeitig war es gut, dass der Weg kurz war. Ein längerer hätte noch nicht gut getan.
Auch das ist vermerkt.
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„Die beste Krankheit taugt nix“, pflegte Mama N. immer zu sagen. Ich stimme dem zu. Unter allen denkbaren Erkrankungen wäre meine wohl ganz vorne mit dabei von denen, die man sich aussuchen würde, wenn es denn eine sein müsste. Keine dollen Schmerzen oder Einschränkung der Selbstständigkeit, keine Medikamente oder Anlass zur Sorge notwendig und allgemein der Ausblick, sich in zwei Wochen schon nicht mehr daran zu erinnern. Das ist top unter den möglichen Krankheiten, zumal unter denen, die ich mir schon ausgemalt hatte, als ich mich ein kleines bisschen unwohl fühlte. Ich hatte ja kurz vorher den Balkon verschönert und daher kurz überlegt, ob ich mir durch Kontakt mit Vogelkot evtl. Vogelgrippe eingefangen habe oder durch das Wühlen in den Blumenkästen vielleicht Tollwut (wobei ich da Tollwut mit Tetanus verwechselte und gegen letzteres bin ich natürlich geimpft, außerdem trug ich Gartenhandschuhe). Und beides gleich auf die Katze übertragen habe, der ging es ja auch schlecht. Und ob man das dann eigentlich auch Zoonose nennt, Herr Drosten sprach ja immer nur von Übertragung vom Tier auf den Menschen, nicht umgekehrt, ich fühlte mich unterinformiert. Und beschloss, Google zu konsultieren, dabei kam mir der Gedanke, ich könnte auch das Fieberthermometer konsultieren, das gab gut Aufschluss zu meinen wirren Gedanken und ich schlief einfach wieder ein.
Nachts wurde ich gegen zwei von der schreienden Katze geweckt, sie hatte nämlich wieder Hunger. Ich freute mich und konnte beruhigt sofort nach Fütterung wieder einschlafen. Dass sie morgens um 6 auf mir herumhopste und weiteres Futter forderte, freute mich immer noch ein bisschen. Ich habe ja nichts vor und kann den ganzen Tag schlafen.
Das tat ich dann aber nicht, weil ich mich unerwartet verbessert fühlte. Das Fieber war weg und blieb weg und alles andere war rückläufig, das größte Thema ist jetzt, dass meine Ohren irgendwie zu sind (wobei das mehr Herrn Ns Thema ist, ich schreie halt einfach immer „Was??“ „Was???!“ „SAG MAL LAUTER!!“) und dass mir beim Husten die Bauchmuskeln schmerzen. Vielleicht führt das noch zu einer durchtrainierten Rumpfmuskulatur, das ist ja auch nicht verkehrt.
Den Vormittag über schaute ich einen Film, den mir das ZDF in die Timeline spülte, nämlich „Olivia“ – er hat mir gut gefallen, ich schaute gleich auf Youtube nochmal Olivia Jones auf dem NPD Parteitag an. Danach stand ein zweistündiger Mittagsschlaf an.
Erfrischt und erholt bereitete ich Nudelsalat zu – ich schmecke sehr wenig, die Textur ist aber sehr angenehm. Ebenso von Quark mit den frisch eingetroffenen Crowdfarming-Blaubeeren. Später unternahm ich noch einen kleinen Spaziergang, das war besonders schön und wohltuend für alles, was mit Atmen zu tun hat.
Ich glaube, morgen bin ich wieder gesund!
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Es ist eine absolute Zumutung, ich bin tatsächlich krank. Halsschmerzen, Fließschnupfen, Husten, der mich zerreißt und eine wärmere Körpertemperatur als üblich. Das hatte ich in dieser Form zuletzt vor mehreren Jahren und, was gestern Nacht geschah und was mir überhaupt noch nie passiert ist: ich wachte nachts um 3 auf (ich wachte sowieso irgendwie alle 1,5 Stunden auf) und hatte so Hunger, dass ich etwas essen musste. Es gab einen Notfall-Müsliriegel aus der Bürotasche, vermutlich schon abgelaufen, ich habe selten kulinarische Notfälle, darauf kommt es jetzt natürlich auch nicht mehr an.
Den Vormittag verbrachte ich im Sessel, mittags unternahm ich einen kleinen, ganz langsamen Spaziergang, um neue Taschentücher einzukaufen. Und Schokoriegel, falls ich nochmal nachts aufwache und Hunger habe. Naja und dann nahm ich halt mit, was noch so fehlte, Olivenöl, Brot, Mandeln, Tofu (gab es wieder) und zwei Eisbecher, einen für Herrn N und den anderen habe ich in den Gefrierschrank gestellt, weil ich bei Rückkehr erst einmal schlafen musste. Da steht er noch. Vielleicht wird er ein Mitternachtssnack.
Zu allem Übel ist die kleine Katze auch angeschlagen. Heute Nacht hat sie sich zwar über mein ständiges Herumlaufen gefreut und auch Futter erbettelt, später (als ich wieder schlief) dann aber erbrochen und jetzt mag sie nichts mehr fressen. Ich hoffe, das gibt sich in der nächsten Nacht. Leckerchen nimmt sie, es scheint also keine ganz dramatische Situation zu sein und sie trinkt auch.
Ms These ist, dass ich die Katze sich unwohl fühlt, weil ich zum einen krank rieche und grauenhafte Hustgeräusche mache, zum anderen ständig in der Wohnung bin und nach ihr schaue, was sie so nicht kennt und vielleicht total verunsichert. Wir haben abgemacht, dass ich also heute nur vor dem Schlafengehen nochmal Futter hinstelle und mich dann bis morgen früh nicht mehr befasse, keinesfalls die Katze nachts zur Kontrolle an ihren Schlafplätzen aufsuche.
Morgen früh beurteilen wir die Situation erneut, die der Katze und meine. Ich hoffe, keine von uns beiden muss zum Arzt geschafft werden, das fände ich unglaublich anstrengend.
(Vielen Dank für die Podcast-Empfehlungen – es wäre der optimale Zeitpunkt, sie alle zu hören, aber ich kann die Augen kaum lang genug offenhalten, um einen auszuwählen. Ich bin aber schon sehr gespannt!)
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Geschlafen bis halb 6, dann die Katze gefüttert, dann nochmal bis kurz vor 9 geschlafen. Der Hals fühlte sich deutlich fitter an, ich hatte sogar eine Singstimme! Dafür nun Husten, okay.
Den Vormittag über las ich und befasste mich mit der Wäsche, dann brach ich auf, um ein Paket aus Bobbys Kiosk abzuholen (an M adressiert – ich schrieb mir selbst eine Vollmacht), dann zur Apotheke, um diese schleimigen Halstabletten zu kaufen für das nächste Mal Halsschmerzen, zum Bäcker, um Herrn N Brötchen mitzubringen und in einen Supermarkt wegen neuer Tulpen. Zwischendrin kam ich an einem Laden vorbei, der ein Shirt für Violinista im Fenster hatte. Neulich habe ich schon in meinem eigenen Kleiderschrank so ein Shirt gefunden, also so eins, in dem ich Violinista sehe und gar nicht mich selbst (und ich habe es ihr mittlerweile auch aufgedrängt). Vielleicht sollte ich Kleidungsscout für andere Personen werden. Während ich das dachte und dabei amüsiert das Shirt betrachtete, sah ich weiter hinten etwas für mich, ging hinein, probierte an und kam mit einer pink-lastigen Tüte wieder heraus. Noch bin ich ganz überzeugt von meinem Einkauf, ich hoffe, das ist nicht nur Urlaubslaune.
Anschließend kaufte ich noch Blumen und Bubble-Tea, der Bubble-Tea fiel mir zwei Straßen weiter leider aus der Hand, tja, so ist das manchmal, der Gedanke zwei Straßenzüge lang, ihn später zu trinken, war schon einmal sehr schön.Ermattet sank ich zu Hause in den Sessel und schlief ein Stündchen. Ich erwachte mit Schnupfen. Ich sage es, wie es ist: dieses Entspannen bekommt mir nicht!
Während ich das Abendessen kochte – Pasta mit weißen Bohnen und Thunfisch – unternahm ich einen 4-fach-Test, ohne Treffer. Ich schwanke zwischen Freude, dass ich nichts habe, dass man berücksichtigen müsse und Empörung, dass mein Körper eine schnöde Erkältung nicht ordnungsgemäß abgewehrt hat.
Abends war noch Leserunde, ich war etwas unkonzentriert, ich hatte den Link über mein Arbeits-Zoom eingerichtet und war daher auf dem Arbeits-Laptop eingeloggt, was zu lauter hereinploppenden Nachrichten führte. Das war schlecht geplant.
Jetzt ist der Laptop wieder zugeklappt, ich sitze wieder im Sessel, die Katze hat sich zurückgezogen, weil sie meinen Husten doof findet. Ich gehe gleich schlafen.
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Als ich heute aufwachte, war ich sofort sehr zufrieden, die Halsschmerzen hatten sich nämlich nicht zu einer Krankheit ausgebreitet sondern waren im Hals geblieben – etwas weiter nach hinten/unten gerutscht, nicht sonderlich beachtenswert. Die Nase ist komplett unbeeinträchtigt, was für mich neu ist. Erkältungen beginnen bei mir üblicherweise in der Nase. Allerdings habe ich derzeit eine akute Phase der Nasensprayabhängigkeit, vielleich hat sich das auf den nahenden Infekt positiv ausgewirkt, so dass die Nebenhöhlen frei geblieben sind. Zu irgendwas muss ja auch eine Nasensprayabhängigkeit gut sein. Jedenfalls war heute der Beginn des Ausruhurlaubs geplant, also blieb ich noch im Bett. Es war sowieso erst 6 Uhr.
Ich probierte nochmal, einen Podcast zu hören. Im Auto klappt das ja mittlerweile recht gut, vielleicht kann ich das auf „im Bett“ ausweiten, zumal ich ja schon ausgeschlafen war. (Hier ein kurzer Einschub, Sie können mir gerne Podcasts empfehlen. Wichtig: kein männlicher Host, schon gar nicht zwei männliche Hosts. Und nichts mit Verbrechen.) Hat aber nicht geklappt, ich schlief wieder ein und wurde erst zwei Stunden später wieder wach.
Ab da ging der Tag komplett für die Chorbuchhaltung drauf. Daran hatte ich dieses Jahr nämlich noch gar nichts gemacht, zusätzlich werden im Januar die Mitgliedsbeiträge und regelmäßigen Spenden eingezogen, es hatte sich also etwas angesammelt. Jetzt ist der Rückstau erledigt, das restliche Jahr wird wieder eine halbe Stunde pro Monat ausreichen.
Nebenher schnurrte die Waschmaschine und die Spülmaschine, ich überzog die Betten frisch, nahm Pakete für die ganze Nachbarschaft an und erledigte Familientelefonate. Die Meisen frästen sich währenddessen auf dem Balkon durch vier Meisenknödel.
Gegen 18 Uhr beschloss ich, dem ruhigen Tag einen ruhigen Abend folgen zu lassen. Kein Kino für mich heute, ich muss gelegentlich Husten, das ist im Kino unangenehm.
Morgen werde ich das Haus wieder verlassen. Entweder, weil ich ganz fit bin oder, weil ich in der Apotheke Halsmedikamente kaufen muss. Vielleicht ergibt es sich dann, dass ich beim Optiker vorbeischaue und mich nach einer neuen Brille umsehe, oder im Rewe den leckeren Kokosjoghurt kaufe, den ich gestern bei Schanuf probierte und den ich momentan gar nicht brauche, weil noch ausreichend anderer Joghurt im Kühlschrank ist, schon über das MHD und daher essbedürftig. Aber die Erbsenmilch von Fly könnte ich kaufen, die war auch gut. Ein bisschen Luxus im Urlaub muss schon sein.
Und wenn ich mich wirklich fit fühle, fahre ich zum Wertstoffhof und entsorge Balkonsichtschutz und Isomatten, statt sie wie eine zerlegte Leiche, portioniert in Müllsäcken, nachts auf verschiedene Restmülltonnen zu verteilen.
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Als ich heute Morgen aufwachte, wusste ich sofort, dass mir heute der Sinn nach eher sitzenden Tätigkeiten steht. Also ließ ich die Pläne, schwimmen zu gehen, fallen.
Vor dem Frühstück buk ich zwei Apfelkuchen, den einen für hier zu Hause, den anderen, um ihn nachmittags mit zu einer Verabredung zu nehmen. Zwischendrin bereitete ich die Chorbuchhaltung vor. Ich habe dieses Jahr noch keine Buchungen gemacht, weil ich mit der Abwicklung von Papa Ns Wohnung etc. keine Zeit hatte. Da jetzt natürlich einiges aufgelaufen ist, sortierte ich erst einmal Monatsweise.
Dann war es auch schon Zeit, den zweiten Apfelkuchen außer Haus zu tragen, nämlich zu Schanuf, die mir die neue Dackeldame vorstellte. Sehr lieb, wir verstanden uns auf Anhieb und kuschelten später sogar. Ich vermisse das erste Dackelchen sehr, das zweite ist ihm kein bisschen ähnlich, so dass ein ganz neue Zuneigung wachsen kann. Das war eine große Erleichterung.
Der Kuchen ist hervorragend gelungen. Ich hatte griechischen Joghurt als Topping mitgebracht, den brauchte es aber gar nicht. Reproduzierbar ist der Kuchen nicht, denn es handelte sich um Resteverwertung: unterschiedliche Sorten angeschrumpelte Äpfel in großer Menge und im Teig Reste von gemahlenen Mandeln und Nüssen.
Auf dem Heimweg begann mein Hals zu kratzen und in den letzten Stunden hat sich ein leichtes Hüsteln dazugesellt. Ich bin gespannt, was das werden soll. Eine Erkältungskrankheit habe ich nicht auf der Urlaubsliste und bin unsicher, ob ich sie willkommen heißend umarmen würde. Bisher ist es aber eigentlich nichts. Ich glaube, wenn ich mehr beschäftigt wäre, würde ich das alles gar nicht merken.
Da ich aber ja sowieso geplant hatte, ab jetzt eher Schreibtischkrams zu erledigen und Bücher zu lesen, lasse ich das einfach mal auf mich zukommen in der Annahme, dass meine Pläne nicht allzu sehr behindert werden.
Am hergerichteten Balkon habe ich mich heute mehrfach erfreut. Gerade eben wieder, jetzt ist nämlich Wind aufgekommen und das Geräusch von Wind im bisherigen Sichtschutz ging mir (und der Katze) immer fürchterlich auf die Nerven. Jetzt ist dieses Geräusch Vergangenheit!
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Heute war der Balkon an der Reihe. Ich hatte mir eine genaue Einkaufsliste geschrieben, damit ich nicht zu viel kaufe. In diesem Jahr habe ich nämlich diverse Kräuter von meiner Schwester übernommen, sie hatte die geschenkt bekommen aber brauchte sie nicht. Meine Kriterien für Balkonpflanzen sind überschaubar: hübsch oder nützlich und in jedem Fall nicht giftig für Katzen. Also nahm ich die Kräuter: Lavendel, Rosmarin, Bohnenkraut, Salbei und Petersilie.
Kaufen wollte ich drei Tomatenpflanzen (Wunsch von Herrn N) und drei blühende Pflanzen, eine taugliche Auswahl stand auf dem Zettel. Und dann hatte ich mir morgens noch die Kästen angeschaut und befunden, dass sie recht spröde geworden sind, also wollte ich möglichst auch neue Kästen, die vor allen Dingen gut hängen und möglichst auch noch gut aussehen.
Ich fuhr in einen Pflanzenmarkt, der mir mehrfach empfohlen wurde, weil Familienbetrieb und gute Qualität etc. Naja ich werde keine Stammkundin. Das Parken war schon schwierig, dann war im Markt alles sehr eng gestellt und man musste sich ständig mit Leuten absprechen, um vorbeizukommen. Beratung oder Service gab es eher nicht so, ich interessierte mich für Balkonkästen, die in einem oberen Regal ganz hinten waren und fragte, ob mir da jemand helfen könnte. Eine Leiter wurde versprochen, kam aber in der nächsten Viertelstunde nicht, so dass ich das Interesse verlor. Es gab sowieso nur andere Größen, als ich suchte und auch keine guten Kombinationsgrößen (ich brauchte 80 cm, es gab 50er und 60er und 100er), man müsse für Kästen früher im Jahr kommen, wurde mir gesagt und individuelle Bestellungen werden nicht gemacht, das lohnt nicht.
Ich nahm das zur Kenntnis und verwarf die Idee, das Projekt über Wochen zu strecken. Es gäbe eine Version davon, in der man im März Kästen kauft, im April pflanzt und im Mai Erde nachlegt. Das ist eine denkbare Lebensphase. Dieses Jahr gehört nicht dazu. Dieses Jahr sollten es nochmal die alten Kästen werden und dann nächstes Jahr, falls ich mich noch nicht bereit fühle für ein mehrwöchiges Balkonprojekt, würde ich meine ganz eigene Individualbestellung vornehmen.
Die Pflanzen waren sehr schön und auch gut versorgt, das gefiel mir und außerdem gab es Dahlien, die ich sehr mag.
Wieder zu Hause packte ich alles aus und entsorgte erst einmal den Sichtschutz vom Balkon, der mich schon lange stört. Ich will keinen Sichtschutz, ich will Sicht. Dann begann ich, die Kästen von den Halterungen zu lösen und gleich beim ersten zerbröselte mir der Rand zwischen den Fingern.
Ich stieg mit absoluter Contenance wieder ins Auto und fuhr in einen großen Baumarkt in der Annahme, dass es dort zwar vermutlich keine schönen Kästen gibt, aber dafür die passenden Größen. Ich lag richtig. Es gab außerdem noch Kabelbinder und weiße Wandfarbe, das brauche ich auch, die Wandfarbe für das Garderobenprojekt bei meiner Schwester, das sich ja auch über mehrere Wochen zieht, ich bin also schon ganz nah dran. Die Kabelbinder brauchte ich für das Katzennetz, eigentlich brauchte ich auch noch Katzennetz selbst für eine Ecke, die durch den entfernten Sichtschutz freigelegt worden war. Katzennetz gab es im Baumarkt nicht, also vermutlich nicht. Die Person, die ich fragte, empfahl Moskitonetz. Naja ich denke nicht. Eine freundlicher Mensch aus dem Internet bot mir bereits einen Katzennetzrest an. Letztendlich konnte ich mir aber selbst mit dem Netz helfen, an einer anderen Stelle überschüssiges Netz wegschneiden und es mit den frisch gekauften Kabelbindern in der Lücke anbringen.
Die Kästen sitzen, die Pflanzen sitzen darin, die Balkonregenrinne ist ausgesaugt und der Balkon geschrubbt. Unter einem Schränkchen fand ich ein Vogelnest, zum Glück verlassen. Ganz schön mutig von den Vögeln, auch wenn die kleine Katze zu rund ist, um unter den Schrank zu passen. Das Vogelhäuschen hingegen war schmutzig aber leer, ich unterzog es einer Grundreinigung, vielleicht kommt ja noch jemand.
Mit dem Balkon bin ich jetzt sehr zufrieden, das nächste Mal neue Kästen brauche ich in schätzungsweise 3 Jahren. Ich habe mir für Januar 2029 in den Kalender geschrieben, über das Thema erneut nachzudenken.
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Gestern beschloss ich am Morgen, dass ich endlich die defekte Kaffeemaschine, die seit ein paar Monaten in einen Karton verpackt im Flur steht und, wie es dann halt immer kommt, bereits in die Einrichtung integriert wurde, nämlich teilweise als Sitzplatz für die kleine Katze und teilweise als Abstellplatz für Schuhe von Besuch (wenn der die Schuhe ausziehen möchte), zum Wertstoffhof zu bringen. Als ich die Kaffeemaschine ins Auto geladen hatte, fand ich, es sei irgendwie blöd, mit einem leeren Fahrzeug zum Wertstoffhof zu fahren, wenn doch der Keller noch voll mit Gerümpel ist. Also packte ich noch einen alten Balkontisch, 8 große Eimer Wandfarbe, ein Röhrenfernseher, zwei Autoradios, einen Anrufbeantworter, drei Router, eine Tüte mit Lacken und einen Kanister altes Motoröl ein.
Der Effekt war überwältigend: Im Keller ist jetzt ein Weg bis ganz hinten frei, ich komme an alles dran, was das weitere Aufräumen sehr erleichtern wird. Insbesondere stieß ich auf ein Isomatten-Nest, gleich vier Stück von den ganz alten Schaumgummidingern, mit denen ich zuletzt zelten war, als ich jünger war als M jetzt. Die kommen als nächtes weg.
Ich bin gern auf dem Wertstoffhof (verabscheue aber die Vorbereitung des Hinfahrens), denn ich bin jedes Mal wieder amüsiert über die mit Begeisterung gelebte Unfreundlichkeit der Leute dort, die ab einem gewissen Punkt in absolute Herzlichkeit umschlägt.
Die übliche Frau hielt mich am Tor an um zu fragen, was ich denn dabei habe und versuchte dann, mir auszureden, irgendwas davon tatsächlich dazulassen. Holz abgeben kostet Geld, Farben und Öl sind Sondermüll und das geht nur Samstags vor 14 Uhr, Elektroschrott „haben wir schon ganz viel“. Ich hielt dagegen, dass ich keinesfalls wieder zurückfahren würde, eher müssten sie mich mit dem Auto gleich mitverschrotten, weil ich mich keinen Millimeter von der Stelle bewege. Das wäre noch mehr Aufwand. Zähneknirschend wurde ich durchgelassen.
Der Mann am Elektroschrottresen fand dann natürlich noch Platz für meine Sachen, der Mann am Holzcontainer wollte kein Geld und während ich den verschlossenen Sondermüllcontainer inspizierte rief mir die Frau vom Eingang zu, das Schadstoffmobil sei genau heute unterwegs und dort könne ich den Rest abgeben, wenn ich das Mobil finde, die Haltepunkte stünden online. Aber sowieso sollte ich in die großen Eimer erstmal reinschauen, getrocknete Farben wären nämlich normaler Hausmüll, weil ja dann offensichtlich keine Lösungsmittel mehr drin sind.
Die Farben waren tatsächlich alle vollkommen vertrocknet, die Frau half mir, die Eimer in einen Restmüllcontainer auszuleeren und nahm sie dann mit. Mir blieb nur noch der Ölkanister.
Das Schadstoffmobil war für 12:30 Uhr an einer mir bekannten Straßenecke angekündigt, es war erst 10:30 Uhr, also fuhr ich in die Autowaschstraße. Dort war alles perfekt wie immer. Als ich das Ticket löste, wurde ich auf 40 Minuten Wartezeit für die Innenraumreinigung hingewiesen. „Das macht nichts, ich habe Urlaub!“ sagte ich, worauf der Kassierer „Haben Sie denn im Urlaub nichts Besseres zu tun?“ fragte. Natürlich nicht. Was gibt es besseres als Autowaschstraße?
Anschließend erwischte ich das Schadstoffmobil und dann fuhr ich noch Einkaufen, mittlerweile war es auch 14 Uhr und ich ziemlich ausgehungert. Mit meinen Erlebnissen und Einkäufen kehrte ich nach Hause zurück, frühstückte spät aber ausgiebig und ging dann wieder ins Bett, um nochmal zwei Stunden zu schlafen.
Heute ging es gleich weiter mit dem Regeln von Dingen. Ich besuchte Papa N im Pflegeheim und war danach mit der Tochter seiner ehemaligen Nachbarin verabredet, die ein neues Handy hat, das sie nicht in Gang setzen kann. Wir hatten uns schon zweimal getroffen, um das Problem zu lösen, kamen aber nicht weiter, da sie beim ersten Termin weder PIN der Simkarte noch Entsperrcode des Handys wusste und beim zweiten kein einziges ihrer Passwörter für irgendwas anderes. So hatte ich ihr Hausaufgaben aufgegeben und dieses Mal hatte sie eine ausgedruckte Passwortliste dabei. Heute kamen wir gut weiter, ich zeigte ihr an ein paar Beispielen, wie sie Apps installiert und sich dort einloggt, dann ließ ich sie selbst weitermachen. Die Zeit nutzte ich, um die Spülmaschine meiner Schwester, in deren Wohnung wir uns getroffen hatten, zu reparieren. Sie pumpte nicht mehr ab, Ursache war eine Kürbiskernschale, die sich unter das Sieb gemogelt hatte. Und dann füllte ich noch zwei größere Löcher in der Wand, aus denen einen Garderobe herausgebrochen war, mit Blitzzement, damit wir beim nächsten Besuch – da bringe ich dann die Bohrmaschine mit – die Garderobe wieder befestigen können.
Als das alles erledigt war erhielt ich einen Anruf von M, dass das bei ihr befindliche Auto nicht anspringt und unglückerweise in einer Parklücke mit Schnauze zur Wand und von beiden Seiten eingeparkt steht. Zudem mit angezogener elektrischer Parkbremse, sehr misslich. Ich bin diesem Problem jetzt schon mehrfach begegnet und bin unsicher, ob elektrische Parkbremsen generell eine gute Idee sind. Jedenfalls ist im Auto von Herrn N, das ich fuhr, eine Starthilfe-Powerbank, die ich auf dem Rückweg nach Hause bei M vorbeibrachte. Das weitere Prozedere beobachtete ich nicht mehr, es wird einem Haufen Physikstudierenden bestimmt gelingen, die richtigen Kabel an die richtigen Stellen anzuschließen, ganz sicher sogar besser als mir.
Für meinen Geschmack habe ich mich jetzt auch ausreichend mit Reparaturen und Entsorgungen befasst. Morgen werde ich den Balkon bepflanzen und mich danach wieder mehr auf tippende Tätigkeiten einschwingen.
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Für Wasch- und Spülmaschine gibt es nun keine Warteschlange mehr und alle Terminvereinbarungen, die aktuell sinnvoll sind, sind erledigt.
Mittags war ich im Kino. Ich wollte gern einen Film sehen und zu Hause gelingt mir das bekanntlich nicht, weil ich dann entweder einschlafe oder ganz kurz etwas anderes erledige und nicht mehr zum Fernseher zurückkehre. Das zweite fällt im Kino weg, das Einschlafen meistens auch, zumal ich heute sehr gut ausgeschlafen hatte.
Ich sah Horst Schlämmer sucht das Glück. Da der Humor von Hape Kerkeling mir liegt, hoffte ich auf gute Unterhaltung. Meine Hoffnung wurde weder enttäuscht noch übererfüllt. Die Zeit verging schnell, ich war von nichts abgestoßen und fand einige Passagen ganz charmant.
Beim Studium des Kinoprogramms und durch die vor dem Film gezeigten Trailer entdeckte ich noch mehr Filme, die ich mir gut anschauen könnte, nämlich unbedingt Glenkill, dann Project Hail Mary und der Super Mario Galaxy Film. Vielleicht gehe ich einfach alle zwei Tage ins Kino während des restlichen Urlaubs. Ich wohne so, dass ich zu Fuß hinspazieren kann und je nach Uhrzeit gibt es Karten ab EUR 6,99. Popcorn habe ich heute schon gegessen, die brauche ich das nächste halbe Jahr nicht mehr.
Nach dem Kino ging ich schwimmen. Ich glaube, meine übliche Schwimmzeit (ab 19 Uhr) ist besser als die heutige (17:30), es war nämlich noch ein Kinderschwimmkurs im Gange. Zusätzlich waren sehr viele Plantschherren – also Männer, die sich mit dem Wasser prügeln, um voranzukommen – anwesend. Das Kreisschwimmen beherrschten sie nicht, das Ausweichen zunächst auch nicht, sie erlernten es aber dann, als ich zweimal gegen einen geschwommen war. Ich weiche natürlich auch aus, aber wenn man links und rechts jemanden auf gleicher Höhe neben sich schwimmen hat, dann geht das nicht, dann muss die einzelne Person, die von der anderen Seite kommt, vorausschauend agieren, statt auf die Mitte zuzuhalten. Hinterher lief dann alles sehr smooth.
Am Schwimmbad hing ein Zettel mit dem Datum, an dem das Hallenbad schließt und das Freibad (das aber woanders ist, ich war dort noch nie) öffnet. Ich wollte mir das Datum merken, habe mir aber nur „nächste Woche noch nicht“ gemerkt. Nun muss ich darauf vertrauen, dass ich bis Ende nächster Woche nochmal schwimmen gehe, damit ich das genaue Datum feststellen kann. Aber eigentlich habe ich vor, mindestens so oft schwimmen zu gehen, wie ins Kino.
Morgen ist zunächst einmal ein häuslicher Tag eingeplant. Die Putzhilfe kommt, sie möchte den Fensterputzroboter nochmal vorgeführt bekommen. Ich erwarte zwei Lieferungen und werde vermutlich den Geschirrschrank umräumen, um Papa Ns Porzellan zu integrieren. Auch kann ich mir vorstellen, mich an den Schreibtisch zu setzen und die Steuererklärung sowie die Chorbuchhaltung zu machen.
Noch immer habe ich Dauerohrwürmer von den Songs vom letzten Wochenende, bin zugleich versucht, gleich den nächsten Workshop wieder zu buchen. Geht das alles wieder weg?
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Das hatte ich mittlerweile vergessen: wie überzeugend sich Urlaub anfühlen kann.
Ich wachte auf und hatte keine Lust mehr, zu schlafen. Das war um 8 Uhr. Schon um 11 hatte ich alle Telefon-Erledigungen, die auf meiner Liste für diese Woche standen, abgehakt. Und um 13 Uhr waren die Kisten und Taschen aus Papa Ns Wohnung, für die ich mental die ganzen zwei Wochen eingeplant hatte, sämtlich gesichtet und entweder sofort in meinen Haushalt integriert oder in eine Schlange für Spül- oder Waschmaschine eingereiht. Letztere lief heute schon fünf Mal.
Das einzige, das noch anstrengend wird, ist das Thema „Werkzeug“. Ich habe Papa Ns Werkzeug komplett mitgenommen, habe auch eine Grundausstattung im Keller und das, was man regelmäßig braucht (und was sich so ansammelt) in der Wohnung. Diese verschiedenen Werkzeuglager möchte ich zusammenfügen und sinnvoll sortieren. Ob ich im Keller bis zum Werkzeug überhaupt durchkomme, ist allerdings fraglich. Und dann muss ich alles hochtragen, im Keller sortieren ist ausgeschlossen.
Das Werkzeug in der Wohnung ist in einem Schrank, den ich hasse. Er hat eine Rolladen-Schließung und ich träumte schon einmal, dass eine Katze darin geköpft wurde und einmal, dass der herunterrasselnde Rolladen mir die Hände amputiert hat. Schon das Geräusch lässt mich schaudern. Vielleicht kann ich etwas umsortieren, so dass in den Schrank etwas kommt, das man seltener benötigt als Werkzeug. Nur was?
Um 13 Uhr brach ich mit Herrn N auf, um unseren neuen Hausarzt kennenzulernen. Die bisherige Hausärztin ist in den Ruhestand gegangen und hat uns eine Nachfolgepraxis empfohlen. Dort hatten wir beide einen Termin, meiner wurde allerdings abgesagt. Nicht so schlimm, weil ich sowieso kein Anliegen hatte außer die Karte einlesen und die Daten aufspielen zu lassen. So ging ich mit Herrn N hin in der Hoffnung, dass die Praxis mich effektiv und effizient gleich mitverwaltet. Genau so war es.
Ursprünglich war es mein Plan, mich bei einer Ärztin in dieser Praxis aufnehmen zu lassen. Nun war Herr N aber bei dem Arzt und ich fand ihn so sympathisch und überzeugend, dass ich einfach gleich dort bleiben werde.
Zurück zu Hause machte ich gleich zwanzig Verabredungen für die nächsten zwei Wochen aus. Ich habe jetzt Sorge, dass der Urlaub zu Ende ist, bevor ich alles, worauf ich Lust habe, machen konnte! Und hier sind noch keine Termine wie „neue Brille aussuchen“, „Knirschschiene nachschleifen lassen“, WC-Spülkasten austauschen dabei. Um die kümmere ich mich erst morgen.
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Gestern Abend legte ich mich früher ins Bett als Violinista. Das ist erwähnenswert, weil sie viel lieber und häufiger im Bett liegt als ich, doch gestern war mein Körper müde. Mein Kopf noch nicht, und da das Bett sowieso im Wohnzimmer stand und Violinista dort auf der Couch lag konnten wir uns noch unterhalten. Was sie dabei genau machte, weiß ich nicht, denn ich trug schon meine Schlafmaske. Das habe ich für mich in den letzten Monaten als super entspannend herausgefunden: einfach mal vorübergehend eine Sorte von Sinneseindrücken aus dem Spiel nehmen. Für das Gespräch teilweise etwas hinderlich, denn nicht immer konnte ich Violinistas Tonlage exakt einschätzen, Gesichtsausdruck und Haltung fehlten gelegentlich, aber dann fragte ich nach.
Später, als Violinista auch im Bett lag, erschreckte ich mich kurz sehr. In fremden Betten ist meine größte Sorge stets, das Handy könnte in einer unerwarteten Ritze für immer verschwinden. Zwecks Risikoanalyse tastete ich daher – wie gesagt, mit Schlafmaske – nach dem Spalt zwischen Violinistas und meiner Matratze. Plötzlich fiel mein ganzer Arm inklusive Schulter ins Nichts! Bei dieser unerwarteten Abwärtsbewegung rutschte mir auch die Schlafmaske von den Augen und ich sah, dass sich zwischen uns eine riesige Kluft aufgetan hatte. Die Matratzen, sehr weich und bouncy, hatten sich halbrund um unsere Körper gelegt, so dass zwischen uns diese Gletscherspalte entstanden war, in der nicht nur Handys sondern ganze Körper versinken konnten. Ich bin froh, dass nicht noch ein vorheriger Gast dieses Airbnbs daraus hervorstieg.
Ansonsten schlief ich gut.
Das gewünschte Egg Benedict fanden wir in Köln und auf dem Weg dorthin schaltete Violinista Kölsche Lieder ein, Brings und so weiter, man kann alles sofort mitsingen. Und als Milljö „Noh Huss, noh Huss, noh’m Leuchturm met zwei Spitze hin“ sangen und exakt in diesem Moment der Kölner Dom am Autobahnhorizont auftauchte, hatte Violinista Gänsehaut und ich war auch ganz gerührt.
Vielleicht werde ich auch krank. Seit dem Egg Benedict bin ich unfassbar müde und fröstelig. Oder vielleicht ist das Entspannung. Dieses Gefühl kenne ich ja nicht so gut.
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Zwei Personen kamen uns über Nacht abhanden. So konnten am Ende nur acht von uns ihren Song begleitet von Schlagzeug und einer Nord Stage 4 auf der Bühne vor Publikum zum Besten geben. Das hat erstaunlich viel Spaß gemacht, sowohl das Singen als auch das Zuhören. Vielleicht machen wir das nochmal. Wir waren in ein besonderes Wochenende geraten: die langjährige Leiterin des Programms wurde in den Ruhestand verabschiedet, sehr tränenreich, wir waren auch sehr gerührt, obwohl wir sie ja nur 48 Stunden noch gar nicht gekannt hatten. Wie sowieso überhaupt niemanden aus dem ganzen Trupp an Menschen, die dennoch nach dieser kurzen Zeit alle völlig vertraut miteinander waren. So dass ich jetzt in diesem Moment äußerst verwundert bin, dass ich von niemandem den Nachnamen weiß und sie daher gar nicht googeln kann.
Anschließend machten wir erst einmal Sightseeing. Das geht ja nicht, dass man in Remscheid ist und gar nichts besichtigt. Wir fuhren umgehend nach Solingen und verzehrten „Belgische Kaffeetafel“ in erstaunlich schlechter Qualität direkt an Schloss Burg. Dafür gab es eine echte Dröppelminna! Dann besichtigten wir noch die Müngstener Brücke, es fuhr sogar ein Zug darüber. Und zogen dann ins Airbnb ein, weniger schlicht als das Zimmer im Tagungshaus. Dafür keine Bar im Keller, nunja, wir haben ja noch zwei Flaschen Champagner.
Essen haben wir nicht. Ich dachte kurz über eine Bestellung nach, aber Violinista hat eine ganze Ikea-Tasche voll Chips und Keksen dabei, eine Sorte ekliger als die nächste. Wir probierten uns durch, ich aß am Ende Maronen (selbst mitgebracht) und Russisches Brot. Morgen gibt es ja wieder Frühstück, hoffentlich in guter Qualität, Egg Benedict wäre toll, also falls jemand in/um Remscheid von einem Lokal weiß, das hervorragend Egg Benedict zubereitet, freue ich mich über Tipps.
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"Wenn ich aus dem Bad komme, bin ich nackt", sagte Violinista heute morgen, recht früh, zu mir. "Warum sagst Du mir das? Soll ich dann gucken?" fragte ich zurück. So begann der Tag.
Ich war zu diesem Zeitpunkt schon geduscht und umgezogen und ein wenig frühstückshungrig - nicht, weil es meine übliche Frühstückszeit war (es war 8:00 Uhr), sondern weil ich Dinge erleben wollte. Es gibt sehr viel zu erleben hier!
Violinista und ich teilen derzeit ein schlichtes Zimmer in einer Bildungsakademie. Wie ich gerade vorhin sah, teilen wir das Zimmer ebenfalls mit einer Stechmücke. Ich richte gerade mein Verhalten so aus, dass wir hoffentlich bald nur noch zu zweit sind.
Seit gestern Nachmittag singen wir hier. Wir kamen - obwohl ich mich ja sehr bemühe, mich wieder in einer pünktlichen Lebensphase zu verankern - fast zu spät und stolperten daher schon in die erste Übungseinheit, ohne unser Gepäck in das schlichte Zimmer gebracht zu haben. Im Workshop sind 10 Teilnehmer*innen, fast alle singen sehr schön und morgen gibt es ein kleines Konzert. Gesungen wird Good Luck Babe (Version von Sabrina Carpenter), Walzer für Dich (Pur), Granada (Augustín Lara), Model Mädchen (Julia Engelmann), Always Remember us this Way (Lady Gaga), Million Reasons (Lady Gaga), Der alte Mantel (Eigenkomposition), The Story (Brandi Carlile), ein Song, der mir gerade nicht einfällt und eben Stone Cold (Demi Lovato).
Bis dahin wird es aber noch mindestens zwei Mahlzeiten und einige Erlebnisse geben, die Violinista und ich in der zum Debriefing gebuchten Anschlussnacht im Airbnb erörtern. Bei zwei Flaschen Champagner, die eigentlich schon getrunken sein sollten, aber man kommt ja zu nix.
Violinista kündigt bereits jetzt zahlreiche Richtigstellungen zu diesem Eintrag in den Kommentaren an. Ähnlich, wie wir heute Nachmittag schon eine Differenz hatten. Nicht persönlicher Natur, nur in der Interessenlage, und zwar, weil ich mich heute nicht zu einer Besprechung der Thematik, ob Violinista sich morgen die Haare wäscht und wenn ja, wann, motivieren konnte. Etwas zu spät fiel mir ein, dass ich nicht mehr "das ist mir egal" sagen wollte sondern "das würde ich situativ entscheiden". Violinista ist meine Berichterstattung hier nicht exakt genug. Und ich habe noch nicht einmal den Anspruch, Bericht zu erstatten. Wir können das nicht auflösen, nur aushalten.
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Zwei Personen kamen uns über Nacht abhanden. So konnten am Ende nur acht von uns ihren Song begleitet von Schlagzeug und einer Nord Stage 4 auf der Bühne vor Publikum zum Besten geben. Das hat erstaunlich viel Spaß gemacht, sowohl das Singen als auch das Zuhören. Vielleicht machen wir das nochmal. Wir waren in ein besonderes Wochenende geraten: die langjährige Leiterin des Programms wurde in den Ruhestand verabschiedet, sehr tränenreich, wir waren auch sehr gerührt, obwohl wir sie ja nur 48 Stunden noch gar nicht gekannt hatten. Wie sowieso überhaupt niemanden aus dem ganzen Trupp an Menschen, die dennoch nach dieser kurzen Zeit alle völlig vertraut miteinander waren. So dass ich jetzt in diesem Moment äußerst verwundert bin, dass ich von niemandem den Nachnamen weiß und sie daher gar nicht googeln kann.
Anschließend machten wir erst einmal Sightseeing. Das geht ja nicht, dass man in Remscheid ist und gar nichts besichtigt. Wir fuhren umgehend nach Solingen und verzehrten "Belgische Kaffeetafel" in erstaunlich schlechter Qualität direkt an Schloss Burg. Dafür gab es eine echte Dröppelminna! Dann besichtigten wir noch die Müngstener Brücke, es fuhr sogar ein Zug darüber. Und zogen dann ins Airbnb ein, weniger schlicht als das Zimmer im Tagungshaus. Dafür keine Bar im Keller, nunja, wir haben ja noch zwei Flaschen Champagner.
Essen haben wir nicht. Ich dachte kurz über eine Bestellung nach, aber Violinista hat eine ganze Ikea-Tasche voll Chips und Keksen dabei, eine Sorte ekliger als die nächste. Wir probierten uns durch, ich aß am Ende Maronen (selbst mitgebracht) und Russisches Brot. Morgen gibt es ja wieder Frühstück, hoffentlich in guter Qualität, Egg Benedict wäre toll, also falls jemand in/um Remscheid von einem Lokal weiß, das hervorragend Egg Benedict zubereitet, freue ich mich über Tipps.
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Um die Spannung vorwegzunehmen: ich habe es dieses Mal geschafft! Keine Urlaubsabsage in letzter Minute, keine Dramen, keine außergewöhnlichen Vorfälle. Ich habe jetzt Urlaub. Und das ist gut, denn die letzten Tage waren schon sehr auf dem Zahnfleisch abgerockt.
Fast hätte ich es morgens gar nicht ins Büro geschafft. Im ersten Anlauf hatte ich den Fahrradschlüssel vergessen, im zweiten Anlauf das Handy, dann war ich schon ordentlich genervt. Am Vormittag erwarteten mich zwei Personalgespräche, eine zwei Übergabegespräche, eine Videokonferenz (Deutschland-Belgien-Frankfreich) zum aktuellen Umsetzungsstand des Projekts „e-Rechnung“, eine Videokonferenz mit dem Steuerberater zu einer Scheinselbstständigkeitsthematik, ein Telefonat mit dem Versicherungsmakler zum Thema „Stichtagesregelung“ und eine IT-Videokonferenz zur der Idee, eine Etage technisch von allen anderen abzukoppeln.
Dann war es auch schon 13 Uhr und ich lief los zum Frisiersalon. Ich gehe jetzt seit ca. 8 Jahren in diesen Salon und heute war eine Premiere: bisher hatte ich nämlich immer gesagt, dass mir egal ist, was sie machen. Das ging letztes Mal schief, da dachte der Friseur nämlich, wir könnten auch mal weniger kurz ausprobieren und unter dieser Idee hatte ich die letzten Wochen gelitten. Teilweise befürchtete ich, auf dem Weg zu einem Mullet zu sein, teilweise sah ich schon einen sehr braven Bob entstehen. Beides mögliche ich nicht. Deshalb hatte ich Bilder mitgebracht, die die gewünschte Friseur zeigten und alle im Salon amüsierten sich, dass auf den Bildern ich selbst war. Halt mit vorherigen Schnitten, die ich in diesem Salon bekommen hatte und ich gut fand. Das schien mir total sinnvoll, weil das ja realistische Projekte sind – die Kompetenz ist im Salon vorhanden und mein Haar/Gesicht passen auch zum Schnitt. Andere Leute scheinen Bilder von Prominenten mitzubringen als Vorlage. Das finde ich viel amüsanter. Aber gut.
Zusätzlich ließ ich mir einen Leave-in Conditioner empfehlen. Meine Haare leiden nämlich trotz ihrer Kürze unter dem neuen Hobby Schwimmen, also konkret unter dem Chlorwasser, und sind ständig elektrisch aufgeladen. Eine Zeit lang hatte ich ein richtig gutes Spray gegen sowas, Bamboo irgenwdas, das wurde leider vom Markt genommen. Dann hatte ich eine Zeit lang ein recht gutes Spray, eine Rossmann-Hausmarke, das wurde auch vom Markt genommem. Drei weitere Spraysorten, die ich ausprobierte, waren enorm schlecht, sie verbappen die Haare und riechen penetrant. Also ließ ich mir etwas empfehlen, das den haptischen und olfaktorischen Test bestant und bestellte es noch aus dem Salon heraus.
Zurück im Büro gab es noch ein Team-Meeting und dann kam ich dazu, meine Inbox leerzubeantworten, letzte Abwesenheitsinfos zu verschicken, die Pflanze zu gießen und Sachen aus dem Kühlschrank einzupacken. Ich verließ das Büro zwar etwas später als geplant, aber zur Abendverabredung kam ich nicht zu spät. So beginnt sie also nun, meine neue, wieder pünktliche Phase!
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Gleich vorweg: das Schwimmen abends habe ich nicht geschafft. Ich wäre erst gegen 20:30 Uhr am Schwimmbad gewesen. Das Schwimmbad schließt um 21:30 Uhr und ich möchte mich wirklich nicht beim Schwimmen beeilen.
Ich ärgere mich nicht darüber, denn der Tag war so verrückt wie schon lange keiner mehr. Am Vormittag dachte ich noch, eine arbeitsrechtliche Sache wäre außergewöhnlich irre. Doch der Tag steigerte sich.
Ein weiterer kleiner Höhepunkt war der Besuch des Architekten, den ich wirklich sehr schätze. Wir saßen am Konferenztisch, er mit Plänen, ich mit Plänen, so dass ich aufstand und sagte „ich setze mich mal neben Sie, das ist glaube ich sinnvoller“. Der Architekt antworte – ganz offensichtlich in einem Moment geistiger Umnachtung – „ja, ich beiße nicht!“
Ich habe vor ungefähr einem halben Jahr eine sehr schöne Situation erlebt. Am Frankfurter Hauptbahnhof bat eine fremde Person einen Freund von mir um Geld. Die fremde Person war mehrere Köpfe kleiner, deutlich schmächtiger und auch allgemein in einem eklatant weniger vitalen Zustand als der Freund, leitete ihre Ansprache dennoch mit den Worten „keine Angst, ich tu nichts!“ ein. Der Freund antwortete nach einem Moment Stille in einem Tonfall, der 99% Gelassenheit und 1 % Amüsement enthielt: „Davon ging ich aus“.
Das habe ich mir gemerkt und antwortete dem Architekten genau so, nach exakt dem selben Zeitmaß Stille und im selben Mischverhältnis. Dann schwiegen wir eine Weile, bis der Architekt „Entschuldigung“ sagte.
Das war aber noch immer nicht das Highlight an Crazyness. Denn mein Arbeitstag endete mit einem Drohanruf – nicht gegen eine Person an sich sondern gegen den Arbeitgeber als Unternehmen gerichtet. Auch, wenn der Anruf in Inhalt und Vortrag nicht überzeugte, müssen natürlich Maßnahmen eingeleitet werden und das kostete Zeit, die dann für das Schwimmen nicht mehr zur Verfügung stand.
Also. Ein Arbeitstag noch!
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Der 3. Arbeitstag vor dem Urlaub fand ganztägig in einer Konferenz außer Haus statt. Gestern dachte ich noch, das ist alles etwas viel und ich werde mit niemandem sprechen können, aber das war eben auch nach nur 4 Stunden Schlaf. Heute war es super. Es gab viele Stehtische und Frühstück, Mittagessen und Kaffeekuchen fanden an diesen Stehtischen statt, so dass man immer den Tisch wechseln und viele Leute kennenlernen konnte.
Was mir auffiel: Viele Frauen machen, wenn sie in einen Vortrag zu spät kommen oder zwischendrin aus irgendeinem Grund hinausgehen, in überzeichneter Form hastige Tippelschritte oder Schleichbewegungen. Männer nie. Einer, der zu spät kam, unterbrach sogar den Vortragenden mit einem Lauten "Hallo zusammen!" Ich hatte insgesamt viel Freude daran, diese Dynamik (und weitere) zu beobachten. Es machten natürlich nicht alle Frauen Tippelschritte. Aber eben auch kein einziger Mann.
Bei jedem Gang zur Toilette freue ich mich zum einen über die Aussicht (48. Stock) und haderte dann mit meiner Frisur. Ich hatte nämlich für 17 Uhr einen Friseurtermin gehabt, aber ihn am Sonntag abgesagt, denn am Sonntag war ich mit meiner Frisur außerordentlich zufrieden. Schon Montag aber nicht mehr, keinesfalls und heute morgen versuchte ich, irgendwie den Sonntag nochmal zu reproduzieren aber es gelang mir nicht. Die Haare müssen ab. Ich erklickte mir online den nächsten freien Termin (Donnerstag), war am Nachmittag aber so weit, dass ich im Salon anrief und fragte, ob sie eventuell gerade nichts zu tun haben. Das war nicht der Fall, sehr schade.
Statt dessen ging ich zum Augenbrauenzupfen, das hätte auch noch eine oder zwei Wochen Zeit gehabt aber ich sah durch das Fenster meine Lieblingszupferin, die lange nicht da gewesen war. Es ergab sich eine lustige Situation, aus irgendeinem Grund - ich weiß ihn nicht, das Gespräch war erst in einer Sprache, die ich nicht verstehe - ging es darum, ob man rückwärts gehen kann oder nicht und ich wurde dann (auf Deutsch) einbezogen und ja, natürlich kann ich rückwärts gehen! Eine Frau im Salon aber nicht, also meinte sie, und so gingen wir alle auf die Straße (Fußgängerzone) um das Rückwärtsgehen zu zeigen oder auszuprobieren, also fünf Frauen, davon vier mit Henna auf den Augenbrauen und eine mit Wachs auf der Oberlippe. Das war sehr lustig. Die eine Frau konnte wirklich nicht rückwärts gehen, wir hielten sie an den Armen, damit sie ein bisschen üben kann.
Auf dem Heimweg sah ich, dass das Eiscafé wieder geöffnet ist. Also kaufe ich Eis und schwatzte mit der Besitzerin, die dort schon ist, so lange ich mich erinnern kann. Sie erzählte, sie sei froh, zurück zu sein, es sei gar nicht mehr schön in Italien, seit ihr Mann verstorben ist - das war vor drei oder vier Jahren. Nun sei sie dort immer ganz allein. Ich fragte, warum sie denn dann überhaupt im Winterhalbjahr nach Italien fährt und nicht einfach hier bleibt. "Weil ich das schon immer so gemacht habe!", sagte sie resolut.
Dann unterhielt sie sich mit ihrem Sohn auf Italienisch. Der Preis für die Kugel Eis ist nämlich leicht gesunken, dafür gibt es jetzt "Premium-Sorten", die mehr kosten - z.B. alles mit Pistazie oder mit Nüssen. Man muss sich also gut merken, was genau gekauft wird und dann rechnen und das fand die Eisverkäuferin "un'idea stupida" und sagte ihrem Sohn, der dieses Verfahren wohl erfunden hatte, er müsse dann jetzt den ganzen Tag neben ihr stehen und mir ihr abrechnen. Ich freute mich, dass ich das alles verstehen konnte.
Später war ich noch im Supermarkt und kaufte eine Dose Kichererbsten, dabei bezahlte ich mit einem 100-Euro-Schein. Hintergrund ist, dass in der Ankündigungsmail für das kommende Gesangswochenende stand, man "empfehle" Bargeld für die Nutzung von Getränke- und Snackautomat sowie für die Bar mitzubringen.
Die Wortwahl finde ich komisch. Wenn man auch anders zahlen kann, ist mir uńklar, warum Bargeld empfohlen wird, an Automateń ist die Zahlung mit Scheinen, wie sie nunmal aus Bankautomaten kommen, meist ja nicht so einfach, man müsste also wenn, dann wohl "Münzgeld" empfehlen, wenn überhaupt eine Empfehlung für ein Zahlungsmittel angemessen ist. Anders ist der Fall natürlich, wenn man nur bar zahlen kann, dann würde ich erwarten, man schreibt "an unseren Automaten und in der Bar ist nur Barzahlung möglich".
Angesichts dieser Unsicherheit googlete ich sofort, ob ein Supermarkt dort in Laufnähe ist. Das ist nicht der Fall. Somit könnte ich mir aussuchen, ob ich auf Violinista zwecks Fahrt zum Supermarkt angewiesen bin oder ob ich auf Violinista angewiesen bin, um mir mit Bargeld (das sie nämlich immer hat) auszuleihen. Beides schränkt mich ein bisschen in meinen Optionen ein, falls ich mich möglicherweise mit ihr überwerfen und erst kurz vor der Heimfahrt (sie fährt mich nämlich) dramatisch wieder versöhnen will. Nicht, dass ich das allgemein vorhätte, doch warum den Handlungsspielraum unnötig verengen.
Ich zog also einen Geldschein aus dem Bankautomat, an dem ich heute vorbeikam und wollte ihn dann beim Kauf der Dose Kichererbsen (die ich tatsächlich benötige) in passenderes Bargeld für Snackautomaten umwandeln. Dabei wurde ich gemustert wie eine höchst suspekte Person und es wurde noch eine weitere Supermarktperson herbeigerufen, um den Schein einer Prüfung zu unterziehen. Ich "empfehle" Bargeld zum Einkauf im Supermarkt also jedenfalls nicht.
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Heute wurde ich zum zweiten Mal gefragt, ob ich es in Erwägung ziehen würde, den Urlaub zu verschieben.. Beim ersten Mal hatte ich nur gelacht. Dieses Mal wurde die Sorge geäußert, dass eine bestimmte Sache schief gehen könnte, wenn sie nicht meiner Aufmerksamkeit unterliegt. Nun, dann wird sie schief gehen. Es würden viel, viel mehr Dinge schief gehen, wenn ich den Urlaub jetzt nicht nehme. Das erklärte ich aber so nicht, ich sagte nur "Nein".
Ich bin für den Urlaub gut im Zeitplan. Ein paar wirklich wichtige Dinge gibt es noch, für die es aber zu früh ist, sie müssen bis Donnerstag warten. Heute befasste ich mich mit lange Aufgeschobenem. Es gibt ja viele Dinge, die durch Zeitablauf irrelevant werden. Es gibt aber auch Dinge, die durch Zeitablauf einfach dringlicher werden. Um solche handelte es sich. Dann gab es noch eine Kategorie Dinge, für die andere involviert werden müssen. Die können das aber nicht routinemäßig bearbeiten, denn es sind alles irgendwelche erklärungsbedürftigen Sonderfälle. Und für Erklärungen braucht man eben Zeit, wenn man mündlich erklären will, sogar gemeinsame Zeit und auch Energie, um nicht auszurasten, wenn das Gegenüber die Sache dann nicht im angemessenen Zeitrahmen durchdringt oder abzublocken versucht oder sonstwie komplizierter macht, als sie ist oder bisher schien. Letzte Wooche hatte ich diese Ernergie nicht, heute schon, also sind all diese Themen jetzt unterwegs.
So ging der Tag gut herum, das hatte ich morgens gar nicht erwartet, denn die Nacht war zerrüttet, ich schätze, ich bin nur auf gut 4 Stunden Schlaf gekommen.
Morgen steht ein ganzer Tag Konferenz an, Mittwoch noch zwei längere Termine und Donnerstag die letzten Aufräumarbeiten und Übergaben. Das große Projekt ist momentan gut eingetaktet, also so, dass in den nächsten drei Wochen nicht allzu viel passiert.
Ich freue mich sehr!
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Lose Gedanken beim Runterkommen:
Ich hatte schon wieder eine gute Kleinanzeigenerfahrung. Und zwar holte Christoph einen riesigen Stapel alter Handtücher bei mir ab, die mir seit über einem Jahr einen Wäschekorb blockieren und den Zugang zur Wäschekiste. Ich fürchte, für Christoph war die Erfahrung nur mittel (obwohl er mir 5 Sterne gab), denn im ersten Anlauf habe ich ihn vergessen und mich nicht wie vereinbart gemeldet. Der Arme. Dann war er beruflich in Limburg und nun hat es nach über eine Woche geklappt, für mich kam es darauf nach über einem Jahr jetzt natürlich nicht mehr an und doch fragte ich mich, was er mit meinen Handtüchern macht, das sich nicht mit weniger Aufwand auch anders machen lässt. Die Antwort ist: Autos polieren. Und er braucht alle Handtücher, die er bekommen kann.
Mehr als dieser Umstand beschäftigt mich, dass ich ihn vergessen hatte. Das ist untypisch für mich und geht gleichzeitig in einen Bereich, der mir an mir seit längerem negativ auffällt. Ich bin nämlich unpünktlich geworden. Viele Jahrzehnte meines Lebens war ich immer zu früh, eine Viertelstunde halt, das habe ich genossen. Ich konnte vor allem, was vereinbart war, noch kurz runterkommen, mich sammeln ging in alle Termine und Verabredungen sortiert und entspannt. Das ist verloren gegangen. Ich bin jetzt im Normalfall wenige Minuten zu spät, mein Handy ist voll von Nachrichten (von mir geschrieben) mit "Ich bin im Aufzug!!", "Nur noch 1 Haltestelle!!!", "Biege gleich um die Ecke!". Ich überlege, wie das kommt. Es ist nicht so, dass mir das gut tut, auch wenn ich zwischenzeitlich gelernt habe, das runterkommen und mich sammeln und sortieren und entspannen in einem Wimpernschlag zu erlernen, einem etwas längeren und bewussteren als dem üblichen Wimpernschlag, also so ca. 4 Sekunden, doch ich glaube, alle meine Verabredungen, beruflich wie privat, nehmen mich nach diesen 4 Sekunden nicht anders wahr als sie es vor Beginn meiner unpünktlichen Phase getan hätten.
Trotzdem möchte ich unbedingt zurück in das leicht überpünktliche Leben. Ich könnte gleichzeitig bei meinem 4-Sekunden-Wimpiernschlag bleiben und die restlichen 14 Minuten 56 Sekunden nutzen, um herumzuschauen oder in einem Buch zu lesen oder den Meldodien in meinem Kopf zu lauschen, mal ganz abgesehen davon, dass es ein anderer Status ist, für einen Termin gelassen lächelnd bereitzustehen als kurzfristig derangiert um die Ecke zu stürmen.
Ich glaube, der Grund ist, dass meine Pläne und Tätigkeiten zu sehr auf Kante gemacht sind, weil es in der letzten Zeit zum einen sehr viele Dinge gab, die ich erledigen "musste" (also jedenfalls, wenn ich nicht noch lästigere und zeitraubendere Konsequenzen auf mich nehmen wollte) und gleichzeitig nicht bereit war, auf eins der vielen Dinge, die ich wollte zu verzichten. Ich brauche ja das Gewollte als Ausgleich zum Gemussten, sonst ist das Leben nicht so richtig gut.
Wenn meine These stimmt, dann habe ich jetzt wieder eine gute Chance auf ein Leben in Pünktlichkeit!
Nur für Christoph kommt das zu spät.
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Heute haben wir die Schlüssel zur Wohnung von Papa N an den Vermieter zurückgegeben. Alle, denen ich in der Woche zuvor von diesem anstehenden Ereignis erzählte, machten ein ernstes Gesicht und sagten Dinge wie „Ohje“ und „Das ist sicher schwierig“. So wie auch schon in den letzten 8 Wochen, in den wir alles sichteten, sortierten und ausräumten.
Für mich war es bisher nicht schwierig, ich war aber natürlich auf der Hut, ob es heute schwierig sein könnte und forschte in mich hinein. Ich hatte die Wohnung, nachdem viele Möbel in Ms Umzugswagen verschwunden waren, noch nicht dementsprechend leer geräumt gesehen. Das hätte komisch sein können. Und ich stellte es mir komisch vor, zum letzten Mal die Tür zu schließen. Dann andererseits auch nicht, man schließt ständig irgendwelche Türen zum letzten Mal, macht es sich nur nicht bewusst und kann natürlich alles mit Bedeutung aufladen, wenn man dazu neigt. Ich neige dazu nicht. Aber die Tür zum Elternhaus ist dann ja vielleicht doch, naja, wir werden sehen, dachte ich mir.
Die leer geräumte Wohnung war nicht komisch, nur noch ein Stück fremder als sowieso schon. Es war alles ganz einfach. Ich weiß gar nicht, wer die Tür letztendlich ins Schloss zog, meine Schwester oder der Vermieter oder ich. Es war egal.
Das Wetter war auch sehr sanft zu uns, kein strahlender Sonnenschein, aus dem man irgendwie in Aufbruchstimmung „Break Forth, O Beauteous Heavenly Light“ angestimmt hätte und auch kein strömender Regen, quasi der Himmel weint, all das nicht, es war leicht bewölt, ab und zu Sonne, einmal ein paar Minuten Nieselregen doch da saßen wir schon unter dem Dach der Pizzeria und stießen an.
Auf dem Rückweg machte ich noch einen Stopp auf dem Autobahnparkplatz Pfaffenbach West, um eine halbe Stunde im Sitzen zu schlafen.
Ist das also erledigt. Ich war seit dem Jahreswechsel, also in den letzten 16 Wochen, 22 Mal dort, rund 11.000 Autokilometer, erst in verschiedenen Krankenhäusern, dann häufige Besuche zum Einleben im Pflegeheim, dann zum Wohnungsauflösen. Wenn ich mir überlege, dass es in den letzten Jahren mein größtes Überforderungsszenario war, dass Papa N. nicht mehr in seiner Wohnung bleiben kann, bin ich überrascht, wie smooth das gelaufen ist. Ich habe keinen Schwimmtermin und kein Chorkonzert ausfallen lassen und nur sehr wenige Verabredungen verschoben.
Das haben wir echt gut hinbekommen! Und ich hoffe, meine Lebensphase des Schlafens auf Autobahnparkplätzen ist damit auch beendet.
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Am Vormittag 4 Stunden Mietvertragsverhandlungen. Wir sind ein Stück weiter, aber auch erst maximal auf der Hälfte des Weges würde ich sagen.
Mittags kündigte ich den bevorstehenden Urlaub büroweit an und begann, ein paar Abläufe in die richtigen Bahnen für meine Abwesenheit zu lenken.
Nachmittags war Zeugs. Zwei Verträge machen, ein paar Leute anrufen und Dinge besprechen, Fragen stellen und Fragen beantworten, was man so macht.
Dann eine Idee, die das eine große Projekt einfach mal 1,5 Jahre vorziehen würde. Finde ich super, mal sehen, ob das klappt. Wenn ja werde ich eine Zeit lang unendlich genervt sein, weil alle, die ich dazu brauche, über die Änderung des Zeitplans jammern. Da muss ich mir vorher was ausdenken, entweder wegen des Jammerns oder wegen des Genervtseins, mal sehen, wozu mir eher etwas einfällt.
Sehr schön war der Heimweg per Rad. Ich fahre momentan nämlich immer mal andere Wege, das begann, weil auf dem kürzesten Weg eine sehr unangenehme Kurve ist. Da fährt man erst längere Zeit ein wenig bergauf und muss dann mit dem Radweg an einer großen und sehr belebten Kreuzung eine Rechtskurve nehmen, die aber so eng ist, dass man eigentlich absteigen muss, das Rad hochheben und um 45 Grad drehen und dann weiterfahren. Das machte man natürlich in der Regel nicht, man fährt einen weiteren Bogen. Das ist, wenn die Ampel grün ist, wegen der Leute, die zu Fuß gehen, nicht möglich. Und wenn die Ampel rot ist, ist es ja erstens verboten und geht zweitens auch wegen der Autos nicht. Man macht es also "irgendwie, wie es gerade passt" und meistens passt es nicht so ganz. Und danach geht es nochmal ein Stück eine Brücke hoch.
Weil kürzlich Eichensprozessionsspinnermaßnahmen (glaube ich) zu einer Sperrung eines Uferabschnitts führten, fuhr ich über eine andere Brücke und das war viel besser. Bei der nächsten Fahrt wollte ich das wieder tun, nahm aber eine Brücke zu früh und das war wieder schlecht, wegen Trambahnschienen. Heute nahm ich absichtlich noch eine frühere Brücke, um mal zu schauen. Das war erst sehr gut und dann sehr schlecht, der Weg führte mich nämlich direkt über die Zeil und da sind morgens unendlich viele Lieferfahrzeuge.
Auf dem Rückweg fuhr ich heute auch anders, weil im Sommer so viele Leute sinnlos am Flussufer herumlatschen und mir im Weg sind. Der neue Weg war erst ganz wunderbar, dann traf ich eine falsche Entscheidung und er wurde etwas blöd. Ich werde das weiter austüfteln, der Sommer beginnt ja erst und sowieso werde ich im Sommer neu austüfteln müssen, denn dann ist natürlich Schatten unterwegs besonders wichtig.
Übrigens stießen heute vor mir ein Rollerfahrer und ein E-Bike-Rennfahrer zusammen. Es sah wild aus. Beide standen auf und posteten als erstes ihre Verletzungen auf Instagram. Daher fuhr ich weiter in der Annahme, dass sie ohne meine Hilfe zurechtkommen. Mit Instagram kenne ich mich sowieso auch nicht so richtig aus, ich habe heute da Nachrichten von vor 4 Wochen entdeckt.
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Am sechstletzten Arbeitstag vor dem Urlaub sah es für einen kleinen Moment so aus, als würde ich doch noch die Contenance verlieren. Aber ich konnte den kleinen Moment zwischen Reiz und Reaktion, der uns Freiheit gibt – im Wesentlichen natürlich Freiheit von uns selbst – noch ein wenig ausdehnen und dann noch ein bisschen und dann hatte ich den Impuls wieder unter Kontrolle.
Morgens war der Architekt da und dann der Vermieter und alles dauerte viel länger als geplant, dadurch verpasste ich den verabredeten Anruf vom Möbelhändler, der mir skizzieren wollte (bzw. sollte), wie die Logistik funktioniert je nachdem, ob die Rechnungsstellung für eine Möbellieferung aus der Schweiz in die USA an eine deutsche oder an eine amerikanische Rechnungsadresse erfolgt bzw. wie es bei einer Zwischenvariante mit Weiterverkauf von D nach USA aussieht, also die Knackpunkte EU-Umsatzsteuer und unsere Rolle im Importprozess.
Und dann waren noch drei Verträge zu unterzeichnen, die ich vorher lesen musste, weil ich leider noch mit keiner Person zusammenarbeite, bei der ich blind unterzeichnen kann. Im Gegensatz zu meinem Chef, der Glückliche.
Dann war Mittag und ein Willkommenslunch. Ich hätte mich gerne unterhalten lassen doch so ging es sich nicht aus und ich musste für den Gesprächsfluss sorgen. Ächz.
Am Nachmittag ein kleines Pasta-Tief, das ich mit der Beschäftigung mit Zahlen (Gehaltsabrechnung) überwand. Und damit, mittlerweile routiniert Unterstützung abzulehnen, bei Fragen nämlich, die auch jemand anders beantworten kann. Das gehört zur Urlaubsvorbereitung. Es muss (wieder) eingeübt werden, andere Personen als mich zu fragen, denn es handelte sich sämtlich um Themen, mit denen ich gar nichts zu tun habe, bei denen zwischen zwei Personen keine ordentliche Absprache stattfand und nun eine von beiden erhoffte, diese Absprache statt dessen mit mir treffen zu können. Alles keine dramatischen Themen, nichts wird wirklich schief gehen, es ist nur (möglicherweise) unangenehm für die Fragenden, dass sie die Aufgabe nicht erledigen können, ohne nochmal zurück ins Gespräch zu gehen. Vielleicht auch erst morgen, weil die betreffende Person nicht mehr erreichbar ist. Ich will die Unannehmlichkeit nicht ersparen, denn ich halte sie für wichtig.
Auf dem Heimweg kurzer Stopp zum Tulpenkauf, dann zunächst einmal im Sessel eine Runde eingeschlafen. Die kleien Katze und Herr N schliefen auch, es war sehr harmonisch.
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Alle Pläne für heute scheiterten, denn ein ganzes Team wurde von "Magendarm" dahingerafft. Fast ein ganzes Team. Last Woman Standing ist "Neue Mitarbeiterin 2". Da sie ja am Anfang des Monats krank war, war heute gerade erst ihre erste Arbeitswoche um, so dass ich etwas Hemmungen hatte, sie gleich ein ganzes Team vertreten zu lassen. Ich setzte mich also zu ihr - nachdem ich alle Türklinken und sonstige Touchpoints desinfiziert hatte.
Wir hatten dann viel Spaß und einen recht wilden, aber auch zufriedenstellenden Tag. Ich war bei vielen ihrer Fragen zu Arbeitsabläufen überrascht, dass ihre dazu noch niemand eine unkomplizierte Lösung verraten hatte. Sie war überrascht, wie viel ich telefoniere.
Am Vormittag hatte ich noch zwei Termine, der erste war mit einem Versicherungsmakler, den ich einbestellt hatte, weil mir die Versicherung an einem einzigen Tag über 60 Briefumschläge mit insgesamt mehr als 20 cm Post zugestellt hatte. Das möchte ich nicht und hatte keinerlei Absicht, das alles durchzulesen und zu sortieren, das hatte ich dem Makler - telefonisch natürlich! - mitgeteilt und dass er dafür eine Lösung finden möge. Seine Lösung war, dass er vorbeikommt und das alles durchsieht und sortiert und eine Zusammenstellung macht. Was ich für eine hervorragende Idee halte, denn niemand hier wird 60 Rechnungen/Gutschriften für einen einzigen Sachverhalt bearbeiten.
Das Treffen war mittelmäßig erfolgreich, was nicht am Makler lag und nicht an meiner Unterstützung durch zur Verfügung stellen von Textmarkern, Büroklammern und Kaffee. Es lag daran, dass noch ungefähr ein Drittel der zugehörigen Unterlagen fehlte, also nochmal 20 Briefe. Der Makler wird sich kümmern, dass ich nicht weiter behelligt werde.
Der zweite Termin war ein Vortrag zu Transaktionen im Verteidigungssektor, das war sehr, sehr interessant.
Am Abend ging ich schwimmen. Es war ein hervorragendes Schwimmerlebnis. Zunächst schwamm ich ohne die Kurzflossen, das war schon supergeschmeidig und als ich dann nicht mehr so viel Lust hatte, nahm ich die Flossen dazu und hatte das Gefühl, durch das Becken zu fliegen.
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Ein sehr ruhiger Tag. Wir mussten uns alle noch von gestern erholen.
Bei mir kam nichts so richtig in Fluss. Die erste Tageshälfte ging, dann war mir zu warm, ich war hungrig und würde sehr, sehr müde. Also brach ich am späteren MIttag zu einem Spaziergang auf, der jedoch auch nichts besser machte. Ab 16 Uhr war ich damit befasst, „gleich zu gehen“. Es ist gar nicht so einfach, die Sachen zusammenzuräumen und alle Programme zuschließen, wenn man unkonzentriert ist, ständig beginnt man doch wieder etwas, verfranst sic hier und verzettelt sich dort, dann ruft wieder jemand an oder es kommt eine Mail und man kann ja nochmal kurz. Und so weiter. Gegen 18 Uhr schaffte ich es, das Büro zu verlassen.
Der Heimweg weckte mich auch nicht auf. Die erste Hälfte legte ich mit der Bahn zurück, die zweite mit dem Rad, dabei suchte ich noch drei Geschäfte auf für dringend benötigte Sachen, nämlich zum einen Bargeld (für Papa N), zum zweiten Leckerli (für die Katze) und drittens Tulpen, für mich, die gab es aber nicht mehr bzw. nur noch in einem Entwicklungsstatium, in dem der Kauf nicht mehr lohnend ist.
Neben immer noch viel Müdigkeit stellten sich auf dem Rückweg Ganzkörperschmerzen ein. Dieses Symptomatik habe ich auf meinem Notizzettel unter „Migräne!“ vermerkt. Es fühlt sich aber kein bisschen nach Migräne an. Es fühlt sich auch nicht nach Magendarm an, das im Büro umgeht (4 Betroffene) und auch nicht nach grippalem Infekt, der ebenfalls im Büro umgeht (3 Betroffene). Es fühlt sich an wie Müdigkeit und Schmerzen nach einem körperlich sehr anstrengenden Tag. Den hatte ich aber keineswegs, ich hatte einen reinen Rumsitztag. Und immer, wenn ich überlege, was mir jetzt wirklich gut tun würde, dann ist das nicht etwa Bett oder heiße Dusche oder sowas, sondern: schwimmem.
Ich bin gespannt, was daraus wird. Schwimmen gehen werde ich morgen.
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Am 9. Arbeitstag vor dem Urlaub dachte ich morgens, achja, es löst sich alles gut auf, ich werde in den nächsten Tagen alle mittleren Themen abschließen und alle großen Themen in die richtige Richtung schubsen und alle kleinen Themen umleiten, alles sehr entspannt. Und ging mit Fragmente zum Lunch.
Als ich zurückkehrte, ging es jemandem nicht gut, die Person wollte sich ein wenig hinlegen und dachte dann – wohl weil es ihr ja nicht gut ging – auch wirklich nicht gut nach, schloss die Tür von innen ab und ließ den Schlüssel stecken. Als die beauftragte Person eine halbe Stunde später die Lage evaluieren wollte, fiel das auf. Auf Anrufe, Rufen und Klopfen (später: gegen die Tür hämmern) keine Reaktion. Also wurde ich involviert und beschloss Dinge, es wurde erst sehr hektisch und dann sehr laut und dann sehr professionell. Dann war alles unter Kontrolle. „So lernt man sich kennen“, sagte die neue Mitarbeiterin, die zum Kreise der unmittelbar Involvierten gehörte. Sie sah nicht abgeschreckt aus.
Viel mehr war dann nicht. Nach so einer Aktion funktioniert mein Gehirn nicht zum Abarbeiten mittlerer und kleiner Themen, das muss ich hinnehmen und habe auch Verständnis dafür. Wir saße also zusammen, tranken Kaffee und freuten uns, als der benachrichtigte Notfallkontakt aus dem Krankenhaus berichtete, dass die Situation stabil ist und nichts dagegen spricht, dass sich alles wieder zum Guten wendet.
So ist es auch hier bei einem kleinen Abenteuer geblieben. Ich schätze das sehr. Wie gesagt, nur kleine Abenteuer dieses Jahr!
Ich fuhr Uber nach Hause, weil ich mir nicht vorstellen konnte, noch mehr Zeit unter vielen Menschen (also in der Bahn) zu verbringen, erwischte allerdings einen Fahrer, der noch bevor ich angeschnallt war „Und, wie geht es dir?“ fragte. Mein Gehirn war überfordert, die Situation einzuordnen, also fragte ich nach ob jetzt einfach eine gesellschaftliche Konvention erwünscht sei oder ein längeres Gespräch, woraufhin der Fahrer anbot, Musik anzumachen. Er schaltete spanischen Rap ein, Morad, das hatte ich neulich schonmal, da hatte ich den Fahrer gefragt, ob er spanisch spricht, worauf er antwortete, er käme aus Afghanistan. Der Fahrer heute kam aus Osnabrück, also frage ich, ob er eventuell Struwen kennt (ok, Osnabrück ist schon Niedersachsen aber ja doch noch recht nah an Münster dran), kannte er aber nicht. Er sei wegen der Arbeit hier, sagte er, man habe ihm das Angebot gemacht und es würde ihm in Frankfurt besser gefallen als in Osnabrück, er würde vermutlich bleiben. Spanisch spricht auch er nicht.
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Die ersten paar Taschen sind ausgepackt. Eine enthielt Haushaltsverbrauchsgegenstände wie Gefrierbeutel, Backpapier, Müllbeutel. Das kann man ja weiterverwenden. Die weiterne beiden enthielten Geschirr, das nun gerade durch die Spülmaschine läuft und Geschirrtücher, die durch die Waschmaschine liefen. Irgendwo zwischendrin bog ich falsch ab und sortierte meinen Kleiderschrank aus, obwohl ich von Papa N gar keine Kleidung übernommen habe. Nein, das stimmt nicht. Ich habe einen Wollmantel in Fischgrät aus den 50ern übernommen. Der wurde aber nur ausgepackt und an eine Kleiderstange gehängt, bei Gelegenheit wird er in die Reinigung gehen. Er ist von Papa N und steht mir hervorragend.
Jedenfalls, der Kleiderschrank. Es hatten sich ein paar Kleidungsstücke in den unteren Enden der Stapel verstetigt, so, wie es halt passiert, wenn man es jeweils wieder zurücklegt und doch lieber zu einem anderen Kleidungsstück greift. Teilweise hatte sich entweder die Kleidung oder mein Körper verformt, jedenfalls passte es nicht mehr zusammen, insbesondere stellte ich vermehrt unangemessen angewachsene Ausschnitte und bei Hosen Schlackern hinten an den Oberschenkeln fest, beides nicht kleidsam. Die allermeisten Shirts mit Muster mussten auch gehen. Ich bin da irgendwann in den letzten Jahren mal einem Irrtum unterlegen. Und es gab ein Problem mit der Farbe blau: eine Serie an blauen Shirts hatte sich über einige Wäschen hinweg in ein strahlendes royalblau verwandelt, was mir leider gar nicht steht und auch nicht zum Rest der Garderobe passt, ich brauche geämpftes Blau. Ich hatte mich an einer Umfärbung versucht, nur um damit bei einem kalten blaulila zu landen, was ebensowenig geht. Und natürlich der Jeans-Gamechanger: nachdem ich mich mühsam an Skinny-Jeans gewöhnt hatte, gibt es jetzt wieder Bootcut und damit wirklich keinerlei Anlass, die mitterweile recht ausgeblichenen schwarzen Skinny-Jeans nochmal nachzufärben. Halleluja. Kein Clownsfüßealarm mehr!
Mehr geschah nicht, denn einen Mittagsschlaf gab es auch noch, das lag am Gesangslehrer, der mir einen Link zu seinem neuen Podcast geschickt hatte. Der Link führte zu meiner Verwirrung zu einem Video, und während ich darüber nachdachte, wo genau die Linien zwischen Podcast, Interview, Talkshow etc verlaufen, war ich auch schon eingeschlafen. So wie immer bei Podcasts, außer ich sitze im Auto, dann rege ich mich auf, oder außer die Stimmen sind unangenehm. Es ist also eigentlich ein Qualitätsmerkmal, wenn ich beim Podcast einschlafe.
Heute habe ich mal was ganz anderes gemacht. Man möchte sich schließlich nicht mit repetitiven Tätigkeiten langweilen. Heute habe ich mich daher von 6 Uhr bis 23 im weitesten Sinne damit befasst, dass Dinge aus Papa Ns Wohnung zu M, zu meiner Schwester und zu mir gelangen.
Zu diesem Zweck holte ich morgens zwei Freunde von M ab und fuhr mit ihnen im Auto zu einer Autobahnraststätte, wo wir uns mit M und drei weiteren Personen trafen. Es gab Kaffee und Snacks. Wir wechselten die Autobesetzungen und fuhren 250 km. Es gab mehr Snacks. Dann wurden Dinge in einen der beiden PKW gepackt, während M mit Begleitung einen Transporter bei einem Autovermieter abholte. Dort hinein wurde schließlich alles andere geladen, das mitsollte. Dann gab es erst einmal Pizza.
Anschließend wurde der PKW mit den Sachen drin zu meiner Schwester gefahren, dort Dinge in den Keller und in die Wohnung geräumt und andere Dinge aus dem Keller in den PKW geräumt. Es gab nun Eis.
Wir fuhren nun mit drei Fahrzeugen 250 km zurück, ich musste zwischendrin ein 15-Minuten-Schläfchen an einem Rasthof machen. Bei mir zu Hause trafen wir wieder zusammen, 1/3 der Dinge aus dem Transporter wurden hier in die Wohnung gebracht. Dann fuhren wir nochmal 40 Minuten zu Ms Wohnung, der Rest der Dinge wurde dorthin gebracht.
Der Transporter wurde zurückgebracht, dann noch die beiden PKW ausgeladen, einen davon fuhr ich dann wieder nach Hause. Während ich das aufschreibe, habe ich mich kurz erschreckt, dass ich offensichtlich zwei Personen unterwegs vergessen habe. Doch dann erinnerte ich mich sofort, dass sie morgens gesagt hatten, das sie nicht mit zurückfahren. Ich habe auch nur eine Nachricht bekommen, dass nochmal für alle Essen bestellt wurde.
Jetzt sitze ich im Sessel und bin sehr, sehr, sehr müde. Und freue mich auf morgen, da werde ich die „Beute“ auspacken und in meinen Haushalt integrieren!
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