Im Bahnhof heute morgen blinkte vor dem U-Bahn-Eingang rot das Schild, das besagt, man solle bitte nicht weitergehen. So ein Persönchen mit ausgestreckten Armen in einem Kreis. Dennoch strömten wie Lemminge alle die Treppe hinunter zum Bahnsteig. Ich habe es nicht verstanden.
Später eine sehr schöne Situation. Ich muss ja eine Stelle nachbesetzen und heute kam dafür eine recht gut passende Bewerbung von einer Frau, die denselben Nachnamen trägt wie die, die gekündigt hat. Und denselben Anfangsbuchstaben vom Vornamen. Wie superpraktisch ist das denn? Niemand muss sich einen neuen Namen merken, ich muss noch nicht einmal das Türschild ändern lassen und sogar die Netzwerk-ID bleibt gleich! Win-win-win! Außerdem bietet es so viel Raum für beiläufige Scherze. Es erinnert mich an die schönen Zeiten als ich mal drei Florians zusammen in einen Raum setzte und einmal, das war zugegebenerweise nicht so nett, Philip, Phillip und Philipp sowie Frederick, Frederic und Frederik. Mir scheint, heute heißen die jungen Menschen, die ins Praktikum zu uns kommen, wieder unterschiedlicher. Dafür sehen sie ähnlicher aus. Oder vielleicht ist das auch nur meine Perspektive mit ein paar Lebensjahren mehr Abstand.
Bezüglich Frau S, also der alten (die gekündigt hat) Frau S und der neuen (die sich beworben hat) Frau S, kann ich mir auch einen Psychothrillerbeginn vorstellen. Vielleicht ist es dieselbe Person! Wir gingen ja nicht ganz im Guten auseinander, will sie sich rächen? Oder eine Zwillingsschwester? Die Bewerbung ist ohne Bild aber ich habe gelinkedint und man könnte eine Ähnlichkeit in die Bilder interpretieren. "Unsere" Frau S hatte laut ihren Erzählungen den Kontakt zu ihren Geschwistern abgebrochen. Vielleicht sind die Frauen S wirklich Geschwister aber wissen nicht, dass die eine schon einmal bei uns war. Viel Material für Filme!
Geärgert habe ich mich heute auch, über eine Bekannte, die sich von WhatsApp verabschiedete mit einer recht lapidaren Nachricht, man könne sich ja einen anderen Messenger installieren. Es ist nicht so, dass ich nicht auch andere Messenger installiert hätte. Was mich piekst ist die Beiläufigkeit solcher Verlautbarungen, in meinen Augen immer verbunden mit dem Luxus, sich nicht um jemanden kümmern zu müssen, dem Wechsel von irgendwas nicht leicht fallen; keine Verantwortung für jemanden zu tragen, dessen Angelegenheiten man mitregeln muss. Da spricht es sich leicht lapidar. Und ich frage mich, warum ich überhaupt noch nie eine Nachricht in der Art von "du, ich möchte weg von WhatsApp aber gern den Kontakt zu Dir halten - wie kann das am besten funktionieren, was nutzt Du sonst so?" bekommen habe.
Auf dem Rückweg wollte das Fahrrad vor der Kälte kapitulieren, naja nicht das ganze Rad, nur die Kettenschaltung, die so bedrohlich knackte, dass ich einen Bruch befürchtete und dann doch lieber schob. "Nein, Herr, die Kettenschaltung bricht nicht, es ist ein Band von meinem Herzen, das da lag in großen Schmerzen". Ich habe jetzt einen Dauerohrwurm vom Eisernen Heinrich. Zum Glück schmerzt mein Herz aber gar nicht, ich bin nur etwas angestrengt und sehne mich nach Urlaub. Noch sieben Arbeitstage bis dahin.
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(Alles zu WmdedgT wie immer bei Frau Brüllen)
Ich schlief sehr tief, ohne Unterbrechung und lang. Normalerweise wache ich irgendwann zwischen 6 und 7 Uhr von selbst auf, das ist für mich ein guter Zeitpunkt passend zum Arbeitsbeginn. Heute wachte ich erst um 8:15 Uhr auf. Das war unerwartet. Mein Köper glaubt wohl, es sei schon Urlaub.
Allein, er irrt. So machte ich mich etwas schneller als sonst fertig, kaufte auf dem Weg ins Büro noch neues Brot, neuen Käse und einen Strauß Tulpen und kam dann mäßig spät an. Zunächst drehte ich eine Runde durch die Stockwerke um allen, die jetzt wieder da waren, ein gutes neues Jahr zu wünschen und ein paar Informationen zu verstreuen. Dann hatte ich ein längeres Telefonat mit einer möglichen neuen Dienstleisterin - das Gespräch verlief für mich interessanter, als ich erwartet hatte und dauerte daher eine gute halbe Stunde.
Im Anschluss standen 6 neue Personen bei mir im Raum, die ihren ersten Arbeitstag hatten und herumgeführt wurden. Ich wurde auch besichtigt und nutzte die Gelegenheit, um mir Gesichter und Namen einzuprägen und zu erinnern, dass ich für 16 Uhr einen gemeinsamen Termin eingestellt hatte.
Plötzlich war schon Mittag und ich wurde zum Essen abgeholt, meine Einwände "keine Zeit, kein Hunger, keine Lust" wurden schlicht abgewiegelt. Die Kantine ist schon wieder teurer geworden. Ich aß eine Vorsuppe, wurde enorm müde und beschloss, mit einem Espresso gegenzusteuern. An der Kaffeemaschine traf ich den Chef, der fragte, ob wir unser für morgen geplantes Treffen vorziehen könnten auf jetzt sofort. Aber natürlich. Wir saßen eine halbe Stunde zusammen, bemerkten dann, dass die Zeit nicht reicht, doch er hatte einen anderen Termin und danach ich einen, also verabredeten wir uns für 17 Uhr noch einmal.
Mein Termin war, wie schon gesagt, das Begrüßungsgespräch mit den 6 neuen Personen. Ich hatte mir alle Namen gemerkt, auch die passenden Gesichter dazu! Wobei es relativ einfach war, denn die drei Männer sahen sehr unterschiedlich aus. Die Frauen ähnelten sich (alle lange, glatte, eher helle Haare), aber eine trug eine Brille und eine war deutlich älter als die anderen. Easy-peasy. Für das Gespräch habe ich eine Checkliste, es gibt einen recht großen Teil mit Regeln und wenn ich den einleite mit "Sie müssen die Regeln und ihre Hintergründe vollständig verstanden haben, bevor Sie beurteilen können, ob eine begründete Ausnahme zulässig ist", merken die Schlauen immer kurz auf. So jedenfalls meine eine unwissenschaftliche Beobachtung über die letzten fünf Jahre hinweg. Es sind nicht unbedingt die Netten, nicht unbedingt die, mit denen man es leicht hat, aber es sind die Schlauen.
Heute war im Termin auch eine Mitarbeiterin dabei, die mich bei diesen Gesprächen während meines Urlaubs vertreten soll. Mit der Checkliste wird das gut klappen. Sie würde die Gespräche auch gern komplett und für immer übernehmen, das möchte ich aber nicht, denn sie sind meine beste Gelegenheit, einen Anknüpfpunkt zu den Neuen herzustellen, einen ersten Eindruck zu bekommen und einen Türöffner zu haben, damit sie sich später auch zu mir trauen, wenn es irgendwelche Themen gibt, die auf meiner Ebene liegen. Die Mitarbeiterhin hingegen hat zahlreichen Anknüpfpunkte und war mit allen Neuen am Nachmittag schon per "Du" - ich nicht, ich bleibe beim "Sie".
Danach ging es mit dem Chef weiter, wir fanden in allen Punkten eine Einigung und in mehreren auch eine gute.
Als ich wieder an meinem Schreibtisch ankam, hatte ich irrsinnigerweise über 50 neue Mails. Man könnte meinen, die Leute mailen sich irgendwann zu Tode, fairerweise muss ich aber dazu sagen, dass mein Aufgabengebiet im letzten Jahr einfach nochmal deutlich breiter geworden ist und deshalb noch zig weitere Abteilungen und Teams mich bei allem, was sie für wichtig halten, einkopieren. Auch wurde mir wieder klar: je breiter die Aufgaben gefächert sind, desto weniger tief können sie gehen. Das ist mir sehr recht, ich bin ja das personifizierte Pareto-Prinzip. Und genau deshalb muss ich auch diese neuen zwei Personen einstellen, für die ich jetzt ein Budget bekommen habe und die bestimmte Themen mehr in der Tiefe behandeln.
Dann kam noch eine Mitarbeiterin mit erhöhtem Gesprächsbedarf, schwupps war es sehr spät und ich war zu müde, um mit dem Rad nach Hause zu fahren. Wobei ich mit dem Rad hätte fahren können - am Morgen auf dem Hinweg schmerzte der Arm, den ich mir ja gestern erneut verletzt hatte, noch ziemlich, am Abend quasi gar nicht mehr. Dafür war es stockdunkel und irgendwas um -5 Grad und mein Weg geht an einem unbeleuchteten Flussufer entlang. Ich nahm ein Uber.
Zu Hause weitere Komplikationen: die Zutaten der HelloFresh-Box stimmten nicht mit dem Rezept überein. Herr N und ich wurden kreativ, das Essen - ein Curry - zog schön durch, während ich mich noch mit Fragmente und S. online traf. Eigentlich war es ein Buchclubtreffen, doch keine von uns war vom Buch ausreichend angetan, um es bis zum Ende zu lesen. So unterhielten wir uns ein wenig und suchten das nächste Buch aus.
Nun war ich wirklich außerordentlich müde und wollte mich in den Sessel setzen. Dabei kam es zu einem Wärmeflaschenunfall, so dass ich viel dynamischer aus dem Sessel aufstand - ja, aufsprang - als üblich und das natürlich unter abstützender Zuhilfenahme beider Arme. Also auch des kaputten. Das war sehr ungünstig, wobei: Ich habe jetzt beschlossen, das als normale Phase des Heilungsverlaufs zu betrachten. Das kenne ich von Verletzungen so: erst ist alles fürchterlich, ich habe Schonhaltung und verspanne mir alles, dann wird es langsam besser, so dass ich die Verletzung vergesse, also gar kein bisschen mehr vorsichtig bin und mich ein paar Mal erneut ein bisschen verletze, bevor die Heilung das Vergessen irgendwann überholt. Wenn der Schmerz bei der Erstverletzung bei 100% war, war er vorgestern Abend, also 2 Monate später, bei 5%, gestern morgen, nach dem erneuten Unfall dann bei 60 % und heute Nachmittag, nach nur etwa 36 Stunden bei 10 %. Jetzt ist er bei 50 % und sollte sich morgen schön weiter herunterpendeln, ich gehe davon aus, bis zum entgültigen Verschwinden werde ich ihn noch zwei- oder dreimal durch Unbedachtheit wieder hochjagen, aber, wie gesagt: normaler Heilungsverlauf. Es lohnt nicht, sich zu grämen.
Allerdings habe ich, glaube ich, eine Brandblase an der Wade. Das schaue ich mir morgen genauer an, jetzt bin ich müde und gehe schlafen. Noch 8 Arbeitstage bis zum Urlaub!
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2026 schreibt sich gut. Ich rechne damit, mich in den nächsten 362 Tagen selten in der Jahreszahl zu irren. Diese Annahme ist natürlich nicht ohne Hintergrund.
Denn das Jahr 2025 begann - und lief komplett durch! - mit etwas, das eigentlich eine Kleinigkeit sein sollte und dann total eskalierte, wie gesagt noch immer nicht gut ist. Gemeint ist Frau Herzbruchs Operation und ihre Folgen. Die Perspektive von Frau Herzbruch ist bekannt und die relevantere. Für mich ergänzend wichtig ist, dass ich schon durch die vorherigen Jahre - nach fast einem Jahr Krankenhausrealität mit Herrn N und anschließend knapp drei Jahren mit Mama N. - eine ausgeprägte Achillesferse in Bezug auf Krankenhausthemen entwickelt habe, deutlich über ein erwartbares Maß hinaus. Entsprehend dachte ich wirklich: "Die wollen mich doch verarschen!" Leider nicht.
Daneben war mein persönliches 2025 sehr voll, übervoll.
Beruflich läuft es. Ich habe ein bisschen gebraucht, um zu verstehen, dass es einen riesigen Leerraum, eine Art Machtvakuum, gibt, in dem ich einfach tun kann, was ich für richtig halte (oder natürlich gleichermaßen, was ich für falsch halte, should I be so inclined!). Dennoch war ich damit im Vergleich früh dran, außer mir hat es entweder überhaupt noch niemand bemerkt oder zwar bemerkt doch nicht darauf reagiert. Ich habe ein sehr großes Spielfeld zur Zeit. Manchmal ist es ein wenig einsam.
Ich war unfassbar viel unterwegs. Ich habe eine zweijährige Weiterbildung abgeschlossen. Ich habe das Kraulschwimmen geknackt. Insgesamt habe ich sehr viel gemacht, also eben im wirklich Wortsinn selbst gemacht und so gut wie nichts unternommen, bei dem ich passiv unterhalten werde. Ich war nicht im Kino. Ich war immerhin bei einer Comedy-Veranstaltung und auf einem Konzert - im Gegensatz dazu habe ich aber drei Konzerte selbst gesungen, im Chor natürlich, dennoch finde ich das Verhältnis ungewöhnlich. Vielleicht möchte ich 2026 zu meiner Unterhaltung auch öfter mal andere etwas machen lassen. Während ich dass schreibe, werde ich schon leicht innerlich nervös, denn was, wenn die das nicht so machen, dass ich gut unterhalten bin? Vielleicht unterhalte ich mich doch besser selbst?
Gesundheitlich war das Jahr für mich kein Selbstläufer. Da waren zum einen die unendliche Zahngeschichte, die vermutlich im Februar 2026 nach 10 Monaten und über 20 Terminen endlich ihren Abschluss finden wird. Dazu ein eskalierter Mückenstick, besser gesagt Kriebelmückenbiss, der Antibiotikum erforderte und zum Jahresende noch eine gezerrte Schulter, von der ich noch immer etwas habe. Dafür keine relevante Infektionkrankheit - ein Wochenende lang hatte ich mal eine laufende Nase, aber es gab nichts, das mich aufs Sofa gezwungen hätte. Das finde ich auch bemerkenswert, denn ich war rund 30.000 km in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und habe dabei viel Husten und Niesen gehört.
Im Herbst habe ich bemerkt, dass ich mich ingsgesamt übernommen habe. Genau zu diesem Zeitpunkt, als alles zu viel wurde, hätte ich beinahe noch eine Lebensrettung unterbringen müssen, denn es gab einen Treffer in der DKMS-Datenbank. Doch dann traten zwei Glücksfälle ein: zum einen wurde eine noch besser geeignete Spendeperson gefunden und ich durfte das Erlebnis "Stammzellenspende" vorüberziehen lassen, zum anderen wurde bei meinen Voruntersuchungen ein wirklich eklatanter Vitamin-D-Mangel festgestellt. Der Mangel ist noch nicht der Glücksfall, die darauf folgende Behandlung desselben hingegen schon, denn nach ein paar Wochen merkte ich einen deutlichen Energieschub, der noch immer anhält.
Angesichts der Viel-zu-viel-Situation versuchte ich, abzubremsen, doch nun ergab sich eine berufliche Konstellation, in der kein Abbremsen möglich war und bis jetzt nicht ist. Wir werden das gründlich aufräumen, die Vereinbarungen dazu sind getroffen, die Wege benannt und die Mittel bereitgestellt, bis zur Umsetzung wird es aber natürlich noch ein wenig dauern. Und so versuche ich aktuell, bis zu meinem Urlaub in der 2. Januarhälfte (den um Weihnachten herum musste ich absagen) ohne Crash durchzukommen. Momentan sieht es gut aus. Doch um diesem Chaos noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen, hat es nun Papa N. ins Krankenhaus verschlagen. Auch da sieht es aber glücklicherweise nach etwas mehr Stabilität aus als zunächst angenommen - sowohl bei Papa N als auch meiner Krankenhausthematik, die mittlerweile therapeutisch begleitet wird.
In den letzten sechs Jahren saß ich an vier Silvestern an Krankenhausbetten. Ich möchte das nicht mehr, es reicht. Und gleichzeitig habe ich die letzten sechs Silvesters auch morgens auf der Feier mit Schanuf verbracht und abends auf der Feier mit Herzbruchs. So gerahmt lässt sich sehr vieles aushalten.
Den Urlaub - noch 13 Tage, 9 Arbeitstage bis dahin - möchte ich nutzen, um mich gut für alles, was 2026 bringt, gut aufzustellen. Äußerlich durch Ordnung und Vorbereitung – Unterlagen, Steuern, Reparaturen. Innerlich durch Schlaf und Gutgehenlassen.
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Ach, sieh an, ich habe zuletzt am 8. gebloggt. Ich hätte geschworen am 5., dabei ist es gar nicht so lange her!
Heute ist WmdedgT - alles dazu wie immer bei Frau Brüllen.
Ich wachte um kurz nach 6 auf, nochmal weiterschlafen lohnte nicht. Es ist viel zu tun im Büro, die Person, die die Finanzen macht, war drei Wochen ausgefallen und ich habe ihre Abwesenheit kompensiert, dadurch sind meine eigentlichen Tätigkeiten im Wesentlichen liegen geblieben. Ich lief zu Fuß zur Bahn, das Fahrrad steht seit einigen Tagen an einer anderen Station, da an der üblichen wegen Weihnachtsmarkt kein Platz ist. Man kann alles mögliche entdecken, wenn man morgens zu Fuß durch einen geschlossenen Weihnachtsmarkt flaniert. Der Reibekuchenstand reibt die Kartoffeln zwar selbst, kauft sie aber in menschenbeingroßen Plastikhülsen eingeschweißt schon vorgeschält ein.
Im Büro zunächst einmal das Übliche: eine Runde durch die Etagen, dann durch die Mails gehen und alles, das sehr schnell geht, erledigten, den Rest terminieren. Schon war es 10 Uhr. Bis 12 Uhr dann größere Themen, am Mittag hatte ich eine Mitarbeiterin zum Essen eingeladen, es ist Zeit der Jahresendgespräche und ihr Bereich läuft seit Jahren entspannt und störungsfrei vor sich hin, so dass wir wenig Kontakt und auch wenig zu besprechen haben. Da bietet es sich an, die Gelegenheit zu einer gemütlichen Stunde bei gutem Essen zu nutzen.
Zurück im Büro eine weitere größere Sache, dann ein weiteres Jahresgespräch, ich bin damit nun bei 3 von 20. Und liege ganz gut in der Zeit. Die ersten drei hatte ich alle als "einfach" vorhergesehen und das waren sie auch, sozusagen zum Aufwärmen für die, bei denen ich wirklich gut sortiert sein muss.
Danach ließ meine Konzentration sehr nach, die letzten Wochen fordern ihren Tribut und zusätzlich habe ich mir eine Schulterverletzung zugezogen (Unfall im Haushalt, konkret, an der Waschmaschine), die mich zwar nur noch wenig einschränkt, aber wohl noch eine Fehlhaltung bewirkt, denn ich habe sehr häufig einen verspannten Nacken und Schultergürtel, heute hatte ich zusätzlich noch keinen Schal dabei, das war dumm.
Morgens hatte ich es mir zum Ziel gesetzt, so rechtzeitig aus dem Büro aufzubrechen, dass ich vor der Chorprobe (19:45 Uhr) noch einen Abstecher nach hause machen kann und um die Zielerreichung wahrscheinlicher zu machen, hatte ich die Chornoten gar nicht mitgenommen. Der Plan ging auf. Als ich aus der Bahn stieg, beschloss ich aber, die Chorprobe ausfallen zu lassen. Ich war in dieser Woche jeden einzelnen Abend unterwegs und am letzten Wochenende habe ich Geburtstag gefeiert, also auch nicht wirklich im Sessel gesessen. Wobei mir gar nicht nach sitzen war, sitzen kann ich auch in der Chorprobe. Mir war nach weiterer Bewegung und ich ging statt nach Hause ein wenig spazieren und genoss dabei den Winter: ein Spaziergang ohne jegliche Gefahr, dass mir zu warm wird, da ich keinen Schal hatte, fröstelte ich sogar ganz angenehm ein wenig. Es war dunkel, alles ein wenig weichgezeichnet mit Lichtern hier und da. Es war für mich exakt die richtige Entspannungsmaßnahme, im Winter im Dunkeln durch Innenstadtstraßen zu spazieren. Wobei formal ja noch Herbst ist.
Zu Hause erwartete mich neben Herrn N und einer hungrigen Katze ein kleines Trocknungsgerät im Bad, das eine Fachfirma dort heute Morgen wegen des Wasserschadens von irgendwann neulich aufgestellt hat. Ich erinnere mich nicht mehr, wann das war, es war eine andere Lebensphase mit anderem Wetter. Das Trocknungsgerät stört nicht, die Geräusche sind zu vernachlässigen, sowieso halte ich mich ja nicht so oft im Bad auf. Ich werde mich bis auf das weisungsgemäß tägliche Ausleeren eines kleinen Behälters nicht damit befassen. Irgenwann wird es wieder abgeholt und dann auch schon sehr schnell vergessen sein.
Herrn N hatte ich als Abendessen Kartoffelpufffer (die aus den vorgeschälten Kartoffeln) mitgebracht, mir selbst eine Tüte gebrannte Mandeln. Mit dieser Tüte setzte ich mich in den Sessel, um den Tag ausklingen zu lassen - in der Hoffnung, so auch einen sanften Einstieg ins Wochenende zu finden, bei Vollbremsung nach einem 3-Wochen-Sprint neige ich zu Migräneanfällen. Vielleicht kann ich die auslassen, wenn ich heute schon ein wenig sitze, dann morgen recht früh aufstehe und Dinge tue, und erst gegen Mittag wieder in den Sessel zurückkehre. Sozusagen ein Einschleichen in die Entspannung, ohne dass die Neuronen gleich durchdrehen.
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Gestern hatte ich einen schlauen Moment, als ich nämlich abends fertiggearbeitet hatte und mir überlegte, dass ich ein komisches Gefühl im Kopf und eine leichte Unsicherheit in Bezug auf räumliche Verhältnisse habe und daher lieber nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehme. Das Schlausein ging leider nicht den ganzen Weg: zwar ließ ich das Rad stehen und nahm ein Uber, allerdings nicht nach Hause sondern direkt zur Chorprobe, die bis 22:30 Uhr ging. Das wäre anders vermutlich besser gewesen.
Ich hatte erst einen Fahrer zugewiesen bekommen, dessen Ankunftszeit dann von 4 Minuten auf bis zu 17 Minuten hochzählte, bis ich die Reißleine zog und umbuchte. Zum neuen Fahrer sagte ich nebenher, dass wohl um den Bahnhof herum sehr viel los sei und er besser eine andere Strecke nähme, der Fahrer vermutete dann allerdings, der andere Kollege habe die Fahrt nicht machen wollen und daher "Stau gespielt", das würde man manchmal tun, um Fahrten nicht ausführen zu müssen, ohne dass der Chef denkt man sei faul.
"Auch egal, jetzt sitze ich ja hier und wir fahren, ich wünsche dem Kollegen einfach alles Gute!", sagte ich und der Fahrer sagte "Man merkt, dass Sie ein gläubiger Mensch sind!" Kurz war ich irritiert. Dann fiel mir ein, dass mein Fahrziel ja eine Kirche war. Ich beschloss, die Situation unaufgeklärt zu lassen. Ich bin schon schlimmeres genannt worden als "gläubiger Mensch". Die Fahrt über versuchte ich mich in meine Rolle einzufühlen: ein gläubiger und auch vergebungsvoller Mensch, gegen 19:45 Uhr vom Büro aus unterwegs in eine Kirche, um dort ein Abendgebet zu sprechen. Es fühlte sich ruhig und kontrolliert an, wie eine Person, die weiß was sie tut und warum. Sehr schön. Am Zielort sang ich Arvo Pärt statt zu beten und selbst das war nicht kontrolliert, denn eigentlich hatte ich aufgrund der Stimmsituation nach Schnupfen nur zuhören und passiv lernen wollen, nicht singen. Aber das hatte ich vergessen. Wie gesagt, die Schlauheit reichte nicht den ganzen Weg.
Zu Hause reichte Herr N mir Abendessen an doch ich schlief dabei ein - im Sessel mit Teller auf dem Schoß, so dass er mich wachrüttelte und ins Bett schickte. Heute morgen um 4 wachte ich dann mit einem ausgewachsenen Migräneanfall auf, nahm Schmerzmittel, schlief weiter, wachte zu einer ganz leichten Besserung gegen 10 Uhr wieder auf, nahm Lebensmittel- und Frühstückslieferung entgegen und verbrachte eine Stunde wach im Sessel, bevor ich wieder einschlief, um 14 Uhr erneut aufwachte und dann endlich Triptan einzunehmen.
Dann war mir zwei Stunden schwindlig,also irgendwie ein Tag für die Katz, die es genoss, dass ich so viel im Sessel saß und sie neben mir schlafen konnte. Alles, was ich für heute geplant hatte, blieb liegen: Betten neu beziehen, die ganze Wäsche waschen, Katzenbrunnengrundreinigung, Küchenschränke obendrauf wischen, zwei große Pakete auspacken und verräumen, und diverser Papierkram, den ein Haushalt so abwirft. Weder wollte der Körper sich über Zeitlupentempo hinaus bewegen, noch war der Verstand bereit für irgendeine kognitive Performance.
So beschloss ich, einen ausgedehnten Spaziergang zu machen und das Fahrrad abzuholen. Dabei kam ich an diversen Läden vorbei, die sich für Einkäufe von Adventskalendermaterial für M und meine Schwester eigneten. Für M habe ich jetzt alles für 26 Türchen beisammen (ich habe mich nämlich verzählt, wie gesagt, kognitive Performance schwierig) und für meine Schwester immerhin 9 Türchen.
Woran ich auch vorbeikam: ein Mann, der mich gleich an der ersten Straßenecke - also noch in Offenbach - ansprach: ich sähe so aus, als wüsste ich über alles Bescheid. Ob ich ihm sagen könnte, wie lange in Frankfurt auf der Zeil die Kaufhäuser geöffnet seien, er müsse für eine Feier morgen noch eine Hose kaufen und fragte sich, ob es noch lohne, loszufahren (es war 17 Uhr). Ich konnte ihm sagen, dass er bis mindestens 20 Uhr noch fündig werden kann, erwartete dann eigentlich ein Umschwenken des Gesprächs auf irgendein abseitiges Thema, doch das geschah nicht. Der Mann bedankte sich und ging Richtung S-Bahn.
Jetzt sitze ich schon wieder im Sessel. Die Katze findet es gut.
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Ich habe einen Indikator, der mir zeigt, ob ich mental ausgeglichen bin: Wenn ich morgens an einem Fuß den Socken und den Schuh in einem Durchgang ohne zwischendurch abzusetzen oder zu kippeln im Stehen anziehen kann (ggf. inklusive Schnürsenkel), dann ist alles top. Je mehr ich wackele, desto unausgeglichener bin ich.
Heute schlug der Indikator völlig fehl. Ich bin nämlich sehr ausgeglichen, habe jedoch vom Schwimmen gestern noch Wasser im Ohr und dann geht mir immer der Gleichgewichtssinn flöten. Schon allein deshalb kann ich nicht mehrfach pro Woche schwimmen gehen, ich würde nur noch taumeln.
Ich nahm heute zwei Termine wahr. Der erste war der spannendere. M hat eine alte Kleinbildkamera, an der sie sehr hängt und die ist ihr leider neulich heruntergefallen. Seitdem löst sie nicht mehr aus. Es ist keine Kamera, die man irgendwie einschicken oder in einen Kameraladen bringen könnte, die reparieren so etwas nicht.
Also informierte ich mich online und fand in Frankfurt einen Menschen, der mir geeignet erschien. Die Internetrezensionen weckten mein Interesse: "unangenehmer Typ", "unfreundlicher Umgang", "respektlos und unverschämt" aber auch "fachlich absolut versiert", "in echter Profi und Fachmann", "Gentleman alter Schule" und schließlich zusammenfassend "ein Individualist" und "ein Original".
Ich war sehr gespannt, wie ich mich mit dem Herrn verstehen würde, schon seit Wochen, so lange dauerte es nämlich, bis ich hingehen konnte. Denn er hat nur an drei Tagen pro Woche geöffnet und dann nicht morgens, nicht mittags und auch nicht abends, sondern zwei Stunden mitten am Vormittag und zwei Stunden mitten am Nachmittag.
Heute war der große Tag! In den ersten Minuten des Gesprächs hatte ich meinen Robert-Frost-Moment, sah die Gabelung zu den beiden Wegen, auf denen es weitergehen könnte, sehr klar vor mir. Da ich mental so ausgegleichen war, konnte ich mich mit dem Herrn gut einschwingen, letztendlich plauderten wir eine Dreiviertelstunde. Ob die Reparatur gelingen wird, ist noch offen, doch er versucht es und ich bin überzeugt: wenn er es nicht kann, gibt es niemanden auf der Welt, der das kann.
Der zweite Termin war am Abend: Friseur oder Friseurin, das ließ sich vorher nicht erkennen, das Buchungssystem ist eigensinnig. Vor Ort stellte ich fest, dass es heute der Friseur war, zum ersten Mal seit langem wieder. Und zum ersten Mal überhaupt hatte ich einen Abendtermin, er war schon sehr erschöpft und ging erstmal raus "einen durchziehen", damit er sich wieder konzentrieren könne. Ich verschickte in dieser Zeit ein paar Wordfeud-Einladungen - gestern vor dem Einschlafen hatte ich versehentlich eine Spielanfrage angenommen, eigentlich spiele ich ja gar nicht mehr, also: spielte ich ja gar nicht mehr. Keine 24 Stunden später hänge ich wieder komplett am Haken.
Jedenfalls konnte der Friseur sich dann trotz Müdigkeit noch einmal aufraffen und ich bin wieder gut geschoren. Während des gesamten Haareschneidens plauderten wir über Filme und Serien, was für mich eine Art Kommunikationsexperiment war, da ich bekanntlich weder Filme noch Serien schaue. Ich wollte mal ausprobieren, wie weit ich mit Sekundärwissen, das ich aus überhörten Unterhaltungen und aus mitgelesenen Konversationen in Social Media erworben habe, komme. Nun weiß ich: für ein Friseurgespräch reicht es locker aus, ich konnte ihm ein paar Tipps geben, denen er nachgehen wird und ein paar Filme überzeugend kritisieren. Andererseits: vielleicht machte der Friseur selbst auch ein Experiment. Eine Person, die den ganzen Tag mit allen möglichen Leuten Smalltalk machen muss, verfolgt dabei ganz sicher immer irgendwelche Ziele, die nur ihr selbst bekannt sind. Sonst würde sie ja wahnsinnig.
Abends noch eine Mail eines Mitarbeiters im beruflichen Postfach, die ich nur als kurzsichtig und reaktiv - kurz: dumm - bezeichnen kann. Ich weiß nicht, wie ich darauf reagieren soll, ohne gleich die ganze Welt zu erklären. Gleichzeitig weiß ich auch nicht, wie ich sie ignorieren könnte. Ein Dilemma.
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Der Fünfte, wie schön (auch das noch)!
Ich wachte recht früh auf, um 20 nach 6 ungefähr, und hätte noch weiter schlafen können, doch mir war nicht danach. Für "ab 8" hatten sich Personen vom Heizungsbauunternehen angekündigt zwecks "Hydraulikabgleich", was immer das ist. Sie verspäteten sich ein wenig, wegen eines Notfalls, wie sie erklärten, kamen aber doch früher, als ich erwartet hatte, denn der Zettel im Hausflur sagte "zwischen 8 und 12 Uhr" und ich hatte zwar angerufen um zu sagen, sie sollten bitte zuallererst zu mir kommen, weil ich Arbeiten von zu Hause hasse, und sie hatten das auch zugesagt, doch ich bin ein erstaunlich pessimistischer Mensch was Zusagen von Handwerksbetreiben betrifft. Woher kommt das wohl? Ich vermute, es ist eine Art Übertragungspessimismus durch sogenannte Terminvereinbarungen von Telefon- und Internetanbietern.
Jedenfalls, die Herren kam schon gegen halb 9, sie waren lustig und sie hatten gute Vorschläge, von mir aus hätten sie länger bleiben können. Da jedoch alles schnell ging, war ich schon um 10 im Büro. Die Budgetphase ist vorbei, ich habe wieder Luft zum Atmen. Gestern hatte ich für Ordnung in meinem Raum gesorgt, also auf dem Schreibtisch, in den Schränken und Regalen und überhaupt generell alle Gegenstände einer kritischen Sinnfrage unterzogen und zum Beispiel eine Palme jemand anderem angedreht. Es sah in Videocalls nämlich immer so aus, als wüchse die Palme aus meinem Kopf. Und ein anderer Standort bot sich nicht an. Zusätzlich war das Gießen für mich ein Problem, ich goss sie mit Resten aus meinen Sprudelwasserflaschen und dabei spritzte immer etwas an die weiße Wand und ich musste die Abwischen, alles sehr unerfreulich, sowieso die ganze Sache mit dem Gießen. Und wie ich die Palme so betrachtete wurde ich gewahr: es ist wohl die letzte Möglichkeit, sie loszuwerden ohne sie zu fällen. Denn sie ging bis 30 cm unter die Decke, nicht mehr viel Platz bis zu den Sprinklern, gerade wenn man sie - wie wohl notwendig, denn hochheben kann man sie ja nicht mehr - auf einem Wägelchen transportieren will. Ich ließ sie ein paar Räume weiter zu drei Personen bringen, die ein Pflanzenasyl haben.
Nach dem Aufräumen gestern konnte ich seit heute wieder den Blick nach Außen richten und Abläufe ordnen. An ein paar Stellen rappelte es etwas. Meine immer noch etwa anderthalb Oktaven tieferliegende und sehr raue Stimme verlieh der Sitaution eine gewisse Atmosphäre. Meine Anregungen wurden dann sehr schnell umgesetzt, sofort sichtbar und spürbar.
Gegen 19 Uhr verließ ich das Büro und fuhr zum Schwimmbad. Zum Üben. Im Kraulschwimmworkshop gab es Übungskärtchen und die Trainerin empfiehlt, die Übungen gründlich durchzuarbeiten, und zwar mindestens zweimal pro Woche mit voller Konzentration auf ein paar wenige Fokuspunkte und ansonsten nicht wie sonst kraulzuschwimmen, weil das neu erlernte sonst vom alten Stil überschrieben wird. Das etwa drei Monate lang. Ich habe das für mich mal hochgerechnet, zweimal pro Woche schwimmen gehen 3 Monate lang sind 26 Übungseinheiten. Dabei ist es unwahrscheinlich, dass ich jede Woche zweimal schwimmen gehe, dazu habe ich zu viele andere Interessen. Gleichzeitig habe ich aber ein gutes Körpergedächtnis und lerne erfahrungsgemäß auch sehr gut durch Visualisierung - beim Gesangsunterricht zum Beispiel, was ja auch eine körperliche Angelegenheit ist, habe ich manchmal überhaupt gar keine Zeit zum Singen und doch reichlich Zeit zum denken, zum Beispiel in verspäteten Zügen. Dann denke ich genau durch, was ich wie singen würde und worauf ich achten würde und vieles davon klappt dann auch in der nächsten Gesangsstunde. Also habe ich bezüglich des Schwimmens mit mir jetzt 30 Übungstermine ausgehandelt, bevor ich das Wunder eines perfekt elegant-gleitenden Schwimmstils erwarte.
Heute war 1/30 und ich befasste mich hauptsächlich mit Übungen zur Arm-Recovery und zum Timing, daneben ein wenig Atmen. Zur Entspannung zwischendrin schob ich ein paar Übungen zur Wasserlage ein, die mir sehr leicht fällt, ich liege von Natur aus so im Wasser, wie es für den Schwimmstil sein soll. Weil ich ja nur üben und nicht richtig schwimmen wollte, blieb ich ganz an der Seite des Beckens - es waren zum Glück keine Parfümdamen anwesend. Die äußere Bahn teilte ich mir mit einer stark frierenden Frau (erkannte ich an Zittern und blauen Lippen) und einem Mann, der ausdauernd und konzentriert Brust schwamm.
Mittlerweile sitze ich im Sessel. Zur weiteren Übung wollte ich mir noch ein paar Videos anschauen, musste dieses Vorhaben aber abbrechen. Das geht mir alles zu sehr in eine quasi religiöse Richtung mit dem entsprechenden Ausschließlichkeitsanspruch. Das ist nicht mein Ding. Ich möchte einfach nur so schwimmen, dass es für mich gut funktioniert, ob dann irgendwas noch ein paar Zentimeter höhe oder tiefer oder in ein paar Grad mehr oder weniger in irgendeinem Winkel ist, interessiert mich nicht. Wie bei dem allermeisten denke ich mir auch bei einem Schwimmstil, dass 80% Zielerfüllung vollkommen ausreichen.
(Alles zu WmdedgT wie immer bei Frau Brüllen.)
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Nun. Den 1. November habe ich verpasst. Und den 2. auch. So ist das nun einmal derzeit.
Ich habe natürlich nur verpasst, zu bloggen. Erlebnisse habe ich keine verpasst, ganz im Gegenteil. Stand letzter Eintrag war ich kurz vor den Toren Hamburgs, als ich ausstieg, dachte ich zunächst einmal „Ach sieh an, doch irgendwie eine andere Mode als in Frankfurt!“ Dann fiel mir ein, dass Halloween war. Die mitternächtliche Reise vom Hauptbahnhof nach Altona war ganz unspektakuär und das Intercity-Hotel eine gute Wahl. Mein Fenster ging direkt auf einen Bahnsteig, ich hätte gern die ganze Nacht hinausgeschaut und alles beobachtet, nur gab es leider nichts zu Beobachten, niemand da, nur ein paar Tauben, also ging ich schlafen, schließlich standen große Ereignisse bevor.
Am nächsten Morgen wachte ich auf und war voller Tatendrang. Meine Nase leider auch, sie hatte sich entschlossen, permanent zu laufen. Sehr unangenehm. Ich kaufte in einer Apotheke Nasenpray ein, freute ich dabei, dass ich gerade eigentlich nasensprayclean bin und daher nicht eine Situation habe, in der ich in verschiedene Städte fahre, um meine Vorräte ohne unangenehme Gespräche abzudecken sondern einfach nur für eine akute Situation ein Spray benötige. Ich wurde ganz ausführlich beraten und über die Risiken der Nasensprayverwendung aufgeklärt und statt zu sagen, dass ich das Negativbeispiel in persona bin und man mich als Mahnmal in der Apothekenzeitschrift interviewen und abbilden könnte, kaufte ich einfach auch noch eine kleine Tube Nasensalbe.
Dann ging es in ausnehmend guter Gesellschaft zum Frühstück in einem Lokal und von da in die Wildnis zum Kraulschwimmworkshop. Auf den Wegen hielt ich Ausschau nach Dingen, die bemerkenswert anders sind, die Wege waren leider kurz und doch sah ich gleich einen Mann mit Mütze und Gummistiefeln auf einem Fahrrad, die Angelrute konnte man sich dazu sofort vorstellen, ich erinnerte mich sofort, dass Herr Buddenbohm schon häufiger beschrieben hatte, dass er Menschen begegnet, die so aussehen, als seien sie Statisten in seinem eigenen Film (er hat es bestimmt anders ausgedrückt, aber so habe ich es mir gemerkt) und nun, dieser Mann war Statist in meinem Hamburg-Film.
Ich sah insgesamt mehrere Menschen in Gummistiefeln und sehr viele Menschen mit Mützen. Auch abseits von Halloween gehen die Moden zwischen Hamburg und Frankfurt auseinander. Im Vergleich sah ich auch mehr große Menschen, besonders mehr große Frauen. Und Personen, die nicht Deutsch sprachen, sprachen in Hamburg häufiger slawische Sprachen als in Frankfurt eher der türkisch-arabisch-iranische Sprachraum ist.
Der Kraulschwimmworkshop hat sich absolut gelohnt. Es gab theorie, dazwsichen waren wir zweimal für gut zwei Stunden im Wasser und es wurden viele Videoaufnahmen gemacht und detailliert ausgewertet. Ich habe eine Menge Dinge verstanden und kann jetzt einüben, sie umzusetzen. Meine größte Erkenntnis – deutlich zu sehen auf einer Videoaufnahme: ich muss den Mund zum Atmen nicht über die Wasseroberfläche bringen, denn mein Kopf bildet eine Bugwelle, mein Mund ist im Wellental, so dass ich atmen kann, obwhol er eigentlich unterhalb der Wasseroberfläche ist. Und mein größtes Erstaunen: ich war zu keinem Zeitpunkt angestrengt oder außer Atem. Meine ersten zwei Kraulschimmkursen in Frankfurt vor ungefähr 6 Jahren fand ich enorm anstrengend, hatte am nächsten Tag eigentlich immer Muskelkater oder zumindest schwere Arme und Beine. Das war jetzt nicht so, im Gegenteil, ich war erholt und entspannt und hätte abends gut nochmal schwimmen gehen können!
Statt dessen war ich aber schon wieder an Bahnhöfen und in Zügen. Ganz erstaunlich: die Gegend um den Hamburger Hauptbahnhof wirkt um Mitternacht viel pittoresker als am frühen Abend. Gegen 18 Uhr war dort etwa soviel Geschrei und Gewühl wie am Frankfurter Bahnhof. Lustig fand ich, dass es nur einmal über die Straße und ums Eck vom Bahnhof eine Tankstelle gibt. Of all places! Die Zeit bis der Zug kam ging schnell um, es gibt in Bahnhöfen immer so viel zu entdecken. Hamburg hat schöne Emporen über den Gleisen, man könnte aus dem ersten Stock der Wandelhalle (falls dieser Teil noch zur Wandelhalle gehört, das war mir nicht ganz klar) zum Volk sprechen. Ob das hin und wieder jemand tut? Eventuell under influence? Das kann ich mir gut vorstellen. Ich war auch ganz ohne Influence kurz versucht, es hat so eine Atmosphäre dort.
Rund 48 Stunden nach Abreise war ich schon wieder zu Hause. Und da bleibe ich jetzt auch zunächst einmal!
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Es ist ganz merkwürdig, morgens aufzustehen und einen normalen Tag vor sich zu haben. Also einfach ins Büro zu gehen, ohne Termine back-to-back, ohne Reisen durch die Gegend und Abendtermine, die überhaupt nicht mehr zum Tag passen.
Heute hatte ich mir keinen Wecker gestellt. Gegen halb acht saß ich unschlüssig im Sessel, legte dann zwei Körbe Wäsche zusammen. Kein Koffer, keine Handwerker, nur Routine. Immerhin kam die Putzhilfe. Um 8 brach ich auf ins Büro, um 20 nach 8 kehrte ich schon wieder zurück nach Hause, denn Handy und Zugangskarte lagen dort noch. Um 9 war ich dann am Arbeitsplatz und arbeitete einfach so Dinge ab, ohne ständig unterbrochen zu werden. Ich kündigte einigen Teams an, dass ich jetzt wieder mehr Zeit habe und mich mehr involvieren werde. In den Gesichtern sah ich gemischte Gefühle.
Ich hatte sogar Zeit für eine Mittagspause. Es gab Gemüsepakora, geröstete Pastinakenwürfel und gekochte Möhren. Sehr lecker!
Am Morgen hatte ich ein leichtes Kribbeln in der Nase verspürt, am Nachmittag wechselte diese zu leichtem Halskratzen. Ich nehme derzeit keine Erkältungskrankheiten an, ich gehe ja übermorgen zum Kraulschwimmworkshop. Mittlerweile ist auch das Halskratzen verschwunden. Vielleicht habe ich morgen früh dann kurz etwas Husten, das ist der übliche Ablauf bei Erkältungen bei mir: Nase, Hals, Lunge. Normal jeweils zwei Tage, wenn sich das dieses Mal in zwei Stunden pro Station äußert, ist das in Ordnung.
Am Abend war ich kurz im Supermarkt. An den Einkaufswagen stand ein Mann, der kein passendes Geldstück hatte. Ich löste ihm einen Einkaufswagen mit meinem Einkaufswagenbefreier. Da kam die Security und sagte, ich dürfe das nicht, es sei verboten. „Ich glaube, Sie reden Quatsch“, sagte ich, und dass ich jetzt einkaufen gehe und wenn ich fertig bin nochmal vorbeikomme, bis dahin könne er gerne nach einem Gesetzestext oder einer Hausordnung suchen, die verbietet, anderen Kunden oder Kundinnen einen Einkaufswagen zugänglich zu machen. Als ich später an der Kasse stand, drehte ich mich nach der Security um und nickte kurz um anzudeuten, dass ich gleich da bin. Als ich fertig eingepackt hatte, war die Security verschwunden. Tja.
Die morgige Reise habe ich gerade eben – bis 23 Uhr ging das noch – in Teilen geändert. Ich wollte ursprünglich in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofes übernachten, weil ich dort halt ankomme. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass ich am Samstag in Altona frühstücken möchte. Und dann schickte mir das Hotel eine Nachricht, die sich leider durch unglückliche Formulierungen in meinem Kopf verkantete und ich kam auf die Idee, umzubuchen. Ein kurzer Check ergab, dass die Hotels in Altona günstiger sind und die Wegstrecke S-Bahn nach Altona und dann zu einem möglichen Hotel nur sehr geringfügig länger ist als die zu dem Hotel, das für Hamburg Hbf geplant war. Mit dem angenehmen Vorteil, dann morgens schon am richtigen Ort aufzuwachen.
Stand heute denke ich, ich reise lieber morgen Abend gegen 23 Uhr noch ein paar Stationen weiter als übermorgen gegen 9 Uhr. Gute Wünsche, dass ich mich da nicht irre, werden entgegen genommen.
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Heute ist der Tag, an dem ich zum ersten Mal aus einem Gespräch mit dem Chef ging und das Gefühl hatte, dass – wie sage ich – die Gesprächsführung bei mir lag. Konventionell würde man sagen: dass ich das Gespräch gewonnen habe. Ich glaube aber nicht, dass man Gespräche gewinnen kann oder sollte, Gespräche sind zum Austausch da. Früher ging ich mit einem Anliegen hinein und kam mit einem anderen (meist gegenteiligen) hinaus. Irgendwann begann ich, mir einen Zettel mit dem ursprünglichen Anliegen in die Hosentasche zu stecken. Der große Moment war, als ich noch im Raum bemerkte, dass es mir schon wieder entglitt. Seitdem versuche ich kontinuierlich, das, was ich will erst gar nicht mehr aus dem Blick zu verlieren und so nicht zwingend mit einer Zusage, aber genauso wenig zwingend mit einer Einigung auf etwas anderes aus dem Gespräch zu gehen sondern eben mit zwei unterschiedlichen Positionen, die ausgetauscht wurden und dadurch dennoch nicht gleich werden. Ich glaube, mein Chef mag das nicht, ist kein Fan der ausgetauschten Differenz.
Im Verlauf des heutigen Termins hat er mir – wie mir aber erst im Nachhinein klar wurde – zwei- oder dreimal eine Art „Verbündung“ über Nebenthemen angeboten, ich habe sie jedes Mal ignoriert. Was nichts mit ihm zu tun hat, ich bin eben kein Fan der Verbündung, auch wenn ich das Prinzip verstehe, eine Art von psychologisccher Sicherheit zu schaffen um dann entspannter die Differenzen beleuchten zu können. Nur denke ich, niemand von uns benötigt diese psychologische Sicherheit und die Art, wie sie mir angeboten wurde, war ein bisschen, naja, unterkomplex. Das Gespräch endete ohne Auflösung. Bzw. er brach es ab – er könne jetzt nichts weiter dazu sagen, müsse erst über das Gesagte nachdenken. Ich bin gespannt, wohin das führt. Also nicht das Nachdenken sondern die Situation, die sich da heute ergab.
Heute ist auch der Tag, an dem ich zum ersten Mal einen Spaghetti-Kürbis zubereitet habe und meine Güte, was für ein Quatsch! Also lecker war es durchaus. Ich buk den Kürbis erst halbiert im Ofen (dauerte fast eine Stunde), währenddessen briet ich Zwiebeln, Knoblauch, einen Rest Hackfleisch, Pilze und Blattspinat an, holte dann das Fruchtfleisch aus den Kürbishälften (wobei ich mich fragte, wie andere Leute das so machen, die Dinger sind ja viel zu heiß, um sie anzufassen und viel zu rutschig, um es ohne Festhalten zu machen?), mischte es mit dem anderen Zeug und noch mit Schafskäse und dann füllte ich das alles in die Kürbisschalenhälften zurück und überbuk es mit Parmesan. Wir aßen dann aus den Kürbisschalenhälften, natürlich auf einen Teller gelegt.
Ich sehe hier viele Möglichkeiten, den Prozess zu vereinfachen zum Beispiel indem ich wieder wie sonst Hokkaido kaufe und in Spalten auf dem Blech backe, dann mit dem Rest vermische und von Tellern esse.
Ansonsten: meine beiden Reisetage gingen gut rum, in Stuttgart habe ich im Manufactum Brot und Butter sehr gut gefrühstückt (tatsächlich auch Brot und Butter) und war dann zum Arbeiten in der Stadtbibliothek, sehr schön da, Bibliotheken haben sich auch sehr verändert, seit ich zum letzten mal in einer war. Allerdings war es da unfassbar warm, hat Stuttgart Geothermie oder was ist da los? Ich fühlte mich hinterher komplett ausgedörrt. Zum Glück hat es draußen geregnet, sonst wäre ich wohl vertrocknet.
Zwischenzeitlich hat die Zahnärztin auch die Fäden aus dem Mund gezogen, dieser Schritt fand mit 5 Tagen Verzögerung statt, weil ich es halt zeitlich nicht einrichten konnte vorher. Das war am Dienstag. Also gestern? Es kommt mir so vor, als sei diese Zahn-OP schon mehrere Wochen her und das Fädenziehen mehrere Tage. Jedenfalls erhielt ich auch die Freigabe, meinen Alltag ab sofort wieder ganz normal aufzunehen, auch alles wieder zu essen, nicht nur Schlabber. Sofort ging ich abends schimmen und knabberte danach beim Lesen rohe Möhren.
Jetzt noch zwei Tage ganz normal arbeiten. Normalität kehrt ein. Ich fand heute in einem Call sogar Zeit, mir die Nägel zu lackieren, die – ich könnte mir vorstellen, wegen der allmählichen Behebung des Vitamin-D-Mangels – gar nicht mehr beim bloßen Anschauen absplittern. Und dann geht es zum Kraulschwimmworkshop nach Hamburg, hurra hurra!
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Ich habe die Schutzfolie auf dem Handy erneuert. Die alte war an zwei Stellen gesprungen, schon seit Monaten, so lange, dass ich schon zweimal neue Folien bestellt habe, weil ich mich beim zweiten Mal nicht mehr erinnern konnte, dass ich es bereits getan hatte. Das Aufkleben stresst mich sehr, weil ich immer Staub oder Luftblasen darunter habe, ich habe den Gedanken, dass ich mir ein spezielles Labor für diese Tätigkeit irgendwo einrichten müsste und einen Tag erwischen, an dem ich ganz besonders gut drauf bin - ruhige Hände, ruhiger Geist. Gestern ertappte ich mich bei diesen Gedanken. Ich wurde ein wenig traurig, dass ich wohl nie wieder eine neue Folie auf das Handy machen kann, denn weder sehe ich die Laborsituation vor mir noch die Sache mit der Ruhe. Ich könnte natürlich M fragen, sie ist ja nun ausgezogen und es gehört, denke ich, zum guten Ton, dass Kinder dann gelegentlich am Wochenende zum Essen kommen und Technikprobleme der Eltern lösen, und sei das das Aufbringen einer Schutzfolie. Ich horchte in mich hinein, so hat es mir die Therapeutin aufgetragen, und kam zu dem Ergebnis: I don't feel it. Also wusch ich mir die Hände, machte die alte Folie ab, wischte beherzt mit den Minitüchlein "wet" und "dry" einmal drüber, brachte die Folie in einem Rutsch auf und alles war perfekt. Unklar, was mir jemals daran Schwierigkeiten bereitet hat. Egal.
Gestern war Ruhetag, beruflich nichts mehr zu erledigen, privat auch nichts Superdringliches, also nichts, das ausgerechnet an diesem Wochenende stattfinden müsste. Ich schlief aus bis kurz vor 10, saß dann im Sessel bis kurz vor 12, um 13 Uhr war ich mit M bei der Augenbrauenzupferin verabredet, sie kam direkt von einem "Nails" Termin dorthin. Ich hingegen hatte nur Anschlussangelegenheiten, nämlich eine kleine Einkaufsrunde: Blumen, Brot, eine bestimmte Bodylotion, Tomatenmark. Es ist wahr: das Tomatenmark ist im Haushalt fast aufgebraucht. Wir haben einen unfassbaren Bedarf an Tomatenmark, ich kann das gar nicht richtig erklären, Ms Freund*innen finden es auch sehr befremdlich, in ihren Familien ist das anders. So bestelle ich bei jeder Lebensmittelbestellung per se schon einmal 5 Tuben Tomatenmark mit. Wir haben eine große braune Papiertüte, darin ist ausschließlich Tomatenmark. Also normalerweise. Jetzt nicht mehr, denn weil M nur ausgezogen ist, habe ich beschlossen, Vorräte zu reduzieren, ich brauche erst einmal alles auf und kaufe dann bedarfsgerechter nach. Das erste, was aufgebraucht war: Tomatenmark.
Blumen sind für mich jetzt wirklich schwer zu finden, also die Kombination "gefällt mir" und "katzensicher". Noch einen Monat muss ich herumbringen, dann endlich Adventskranz. Ich behalf mir dieses Mal mit bunten Rosen.
Als ich am späteren Nachmittag zurückkam, wollte ich endlich die Fallobstwiesenäpfel, die ich als Dankschön für die sehr kurzfristige Genehmigung eines Urlaubstages für die Ernte eben dieser bekommen hatte, zu Kuchen verarbeiten. Streuselkuchen. Weil ich noch ein halbes Päckchen Vanillpuddingpulver von irgend etwas anderem übrig hatte, schütte ich das in die Apfelmasse, so dass sie ein wenig gebunden wurde und der Boden dadurch etwas knuspriger. Sehr lecker!
Danach wollte M einmal mit mir gemeinsam die Bulgur-Frikadellen von Herrn Grün machen, damit sie genau weiß, wie das geht. Dieses Rezept ist also nun auch in der nächsten Generation verankert. Wir machten eine doppelte Portion, diese zusammen mit der Hälfte des Apfelkuchens sowie ein Schraubglas mit Waschmittel schleppte M wie kleines Eichhörnchen in ihren Bau.
Was ich sonst noch tat, weiß ich gar nicht, es war pötzlich 21 Uhr und ich war unglaublich müde, also ging ich einfach schlafen.
so ging ich einfach schlafen.
Eigentlich wollte ich nur sagen: das Handy fühlt sich jetzt sehr fremd an. Die Haptik stimmt nicht mehr. Mehrfach habe ich schon ohne gucken in der Tasche danach gesucht und befüchtet, es sei verloren, weil ich es zwar ertastet hatte, aber nicht erkannte.
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Als ich morgens aufwachte, war ich sehr müde. Es war auch noch dunkel - das habe ich lange nicht mehr erlebt. Und als ich mir meinen Kalender für den Tag anschaute, war schnell klar, dass ich keine Zeit für den Weg ins Büro haben würde.
Ich loggte mich also am heimischen Schreibtisch ein und ließ während des Duschens etc. schon einmal alle Updates durchlaufen. So wurde ich nach 7:30 Uhr dann nur noch zweimal für einen Neustart unterbrochen.
Die unaufschiebbaren Aufgaben heute waren die Nachricht an den Vermieter zur Nebenkostenabrechnung und die Fertigstellung der Budgetplanung. Mit dem Vermieterschreiben war ich mittags fertig, zahlreiche Nebentätigkeiten, die nicht auf meinem Mist gewachsen waren, hatten für Verzögerung gesorgt. Dann war erst einmal Mittagspausenitalienischstunde und im Anschluss kam der Gesangsslehrer zu Besuch.
Erst um 16 Uhr war ich wieder am Schreibtisch - vorher wäre es aber auch nicht sinnvoll gewesen, denn das einzige, was noch fehlte, war Rückmeldung von verschiedenen Personen in den USA. Die hatten bis dahin ja noch geschlafen. Ein paar Stunden und unendlich viele Telefonate später machte ich eine weitere längere Pause und fuhr mit dem Rad zur Chorprobe. Auch wenn die Fäden noch nicht gezogen sind, fühlt sich der Mund ausreichend gesund zum Singen an. Dass sie noch drin sind, ist eher organisatorischen als medizinischen Umständen geschuldet: Sie hätten gestern entfernt werden können, da war ich aber in London. Heute war die Zahnärztin nicht da, Montag bin ich wieder nicht verfügbar – also bleiben sie bis Dienstag drin. Dann aber wirklich.
Die Chorprobe tat gut, ich dachte beim Singen nicht an Zahlen. Allerdings stellte ich fest, dass meine Stimme ein wenig belegt ist. Es wäre ein recht günstiger Zeitpunkt, eine Erkältung zu bekommen - noch günstiger natürlich, keine zu bekommen, aber wenn es eben sein muss, ist es jetzt nicht katastrophal, ich habe bis nächsten Samstag keine mir wichtigen Pläne, die körperliche Fitness erfordern.
Zurück zu Hause dann wieder an den Schreibtisch und um kurz vor Mitternacht war dann alles fertig und ich schickte es ab. Jetzt fehlt noch der Compensations-Teil, zu dem hatte ich von vornherein mitgeteilt, dass ich die Deadline nicht halten kann, da der Chef bis dahin nicht verfügbar ist. Eine Antwort habe ich darauf nicht bekommen. Allerdings hatte ich ja auch gar nichts gefragt, insofern OK.
Und - das fällt mir gerade erst auf: die Chaostage sind jetzt vorbei. Der Compensation-Teil ist eher ein halber Tag, natürlich ist jetzt sehr viel zu erledigen, das die letzten 2 Wochen liegengeblieben ist aber der ganz große Brocken ist weg. Jetzt kann alles ausplätschern und ab November - meinem Lieblingmonat - erwarte ich Tiefenentspannung!
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Die Nacht war durchwachsen, man konnte im Hotel die Fenster nicht öffnen und obwohl ich die Klimaanlage laut Anzeige auf angenehme 18 Grad gebeten hatte, war es viel zu warm. Und die Bettdecke wieder so groß, dass es schwierig war, Körperteile hinauszustrecken, ohne Gefahr zu laufen, unter dem Gewicht eines Deckenberges elendig zu ersticken. Gegen 5 Uhr wachte ich zum ersten Mal auf, weil ich geträumt hatte, meine Wange sei da, wo die Zahn-OP war, angeschwollen. Ich untersuchte das im Spiegel und ja, irgendwie ist man ja morgens um 5 immer verquollen und das Gesicht nicht so ganz grade. Ich konnte beim Bestasten aber nichts spüren und sowieso tat auch nichts weh, also beschloss ich, weiterzuschlafen und wachte erst um 8 zum zweiten Mal auf.
20 Minuten nach dem Aufwachen war ich dann auch schon mit allem fertig, denn was soll man machen in so einem Hotelzimmer? Am längsten von allem hatte es gedauert, den Föhn zu finden (in einem der Nachttische). Dann machte ich mich auf den Weg ins Büro, nun kam ich aber wirklich zu meinem Spaziergang, der am Vortag ja leider ausgefallen war. Ich bemerkte: England riecht für mich nach Röstaromen – nach Kamin und nach Toast. In London weniger als in anderen Gegenden, aber durchaus auch.
Unterwegs bekam ich einen Anruf vom Fahrradladen, sie wollten das Rad von Herrn N zurückbringen und fragten mich, ob es „jetzt“ passen würde. Völlig auf dem falschen Fuß erwischt fragte ich zurück, welcher Wochentag denn sei und welche Uhrzeit. „Geht es Ihnen gut?“, fragte der Fahrradmensch und ich erklärte, dass ich einfach nur gerade ganz wo anders sei, geografisch wie mental. Also nannte er mir Wochentag und Uhrzeit und wir fanden ein gutes Arrangement.
Im Büro waren meine Mitreisenden alle schon da – der eine sogar seit 7 Uhr, ich war völlig irritiert und dann beruhigt, denn sie mussten alle noch Arbeiten am Budget vornehmen, die ich ja am Sonntag schon gemacht hatte. Den Vormittag über ließen wir uns dann Neuigkeiten zeigen: neu ausgebaute Flächen, neue Möbel, neue Technik, neuen SWAG, was es eben so alles in einem Büro zu zeigen gibt. Und besuchten die Bereiche, mit denen wir viel zusammenarbeiten. Dann war gemeinsames Mittagsessen, ich beschloss, dass Fish&Chips ein zahnfreundliches Essen ist. Der Backteig war allerdings ziemlich knusprig – aber meine Güte, die OP ist jetzt eine Woche her, da wird das ja wohl eher mehr als weniger zugeheilt sein. Beim Mittagessen bekam ich eine Nachricht, dass mein Flug storniert wurde, zum Glück konnte das Reisebüro mich umbuchen auf einen zwei Stunden früheren – was bedeutete, dass ich eigentlich sofort losmusste. Traurig war ich nicht, denn ich hatte den Vormittag über bemerkt, dass es mir nur noch mit unverhältnismäßig großer Mühe gelang, meine Rattenfängerpersönlichkeit aktiv zu halten.
Also beschloss ich, nachdem ich am Tisch eingecheckt hatte, noch aufzuessen und dann ein Taxi zu nehmen. Dann war noch Stau und ich kam ein weiteres Mal sehr knapp am Flughafen an – und hatte wieder Glück, die Sicherheitskontrolle war quasi leer und dann hatte der Flug sowieso Verspätung und ich saß noch über eine Stunde einfach nur herum. Und beim Herumsitzen fiel mir auf, dass ich mich gar nicht vor dem bevorstehenden Flug fürchtete. Das hatte ich schon auf dem Hinweg nicht, es da aber einfach auf Zeitmangel zurückgeführt. Jetzt hatte ich durchaus Zeit für Angst, spürte sie aber nicht in mir. Ich spürte nur leichte Freude, bald frei von jeglichen Aufgaben oder Gesprächsanliegen ein einstündiges Nickerchen machen zu können.
Im Flugzeug saß allerdings ein älterer Herr neben mir, der zum einen eine sehr schöne Jacke trug und zum anderen Kreuzworträtsel machte. In Rostock habe ich durch Violinista meine Liebe zu Kreuzworträtseln entdeckt, also zu der etwas verschlungeneren Variante. Der Herr löste solche Rätsel auf Englisch, wir kamen ins Gespräch und er schilderte mir einige Problemfälle. Viel konnte ich allerdings nicht beitragen. Nur „narwhal“ und „Pompeii“. Dann schlief ich doch ein, während ich über eine weitere Frage nachdachte.
Meinen Handgepäckskoffer hatte ich aufgeben müssen – die Maschine war komplett ausgebucht und so wurden diejenigen, die in Frankfurt keinen Anschluss mehr erwischen mussten, am Gate gebeten, das Gepäck aufzugeben. Nach der Wanderung durch den Flughafen setzte sich das Gepäckband aber gerade in Bewegung, und mein Koffer war gleich der zweite, der ausgespuckt wurde. Nachdem der Taxifahrer dann erst in die falsche Richtung davonfuhr und dann auch noch nicht richtig zuhören wollte, stritten wir, bis er mir sein Handy nach hinten gab, damit ich die Adresse ins Navi eingebe. „Haben Sie echt ein Bild von sich selbst auf dem Sperrbildschirm?!“ kam aus meinem Mund, bevor ich es verhindern konnte. Es hätte ja auch ein geliebter Zwillingsbruder sein können. War es aber nicht. „Naja ich finde das Bild ganz gut, das war direkt nach Friseur!“, wand sich der Fahrer ein wenig. Warum auch nicht, ich mache ja auch fast jeden Tag ein BeReal. Nach dem etwas unglücklichen Start war die – nun ja recht lange Fahrt – dann doch angenehm.
Und dann war es Zeit für den Sessel!
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Selten bin ich so unvorbereitet gereist. Morgens um 8 den Koffer gepackt, um 8:30 kam die Leckortung, um 9 Uhr saß (stand) ich im Zug ins Büro. Dort war wieder "Tag der Anliegen" - Personen meckern darüber, dass andere Personen ständig meckern und es sind halt alle möglichen Leute krank und alle möglichen Leute finden das doof. Meine These ist, dass die Auslastung einfach zu niedrig ist, wäre sie höher, wäre keine Zeit zum meckern und doof finden. So geht es mir ja. Ich habe dem Alltag gegenüber derzeit eine freundlich-gelassene Neutralität, weil ich wirklich nicht noch Energie aufwenden kann, mich über Unabänderliches aufzuregen. So hatte ich vor diesem Flug auch keine Flugangst. Einfach mangels Zeit dafür.
Um 12:45 Uhr wollte ich eigentlich los Richtung Flughafen, kam aber erst um 13:15 aus dem Turm und hatte um 13:45 einen Security-Slot gebucht. Der Taxifahrer fuhr Schleichwege und wir plauderten über seine kürzliche Reise nach Russland - er fand es nicht schön dort, natürlich tolle Häuser in den großen Städten doch die Wohngebiete sehr trostlos und schmutzig und zusätzlich waren die Menschen dort zu ihm überwiegend unfreundlich, er vermutet, weil er kein Russisch sprach. Drei Wochen lang sei er in den Frühstücksraum gegangen und habe "Good Morning!" geschmettert und nie kam eine Antwort. Ich fragte natürlich, wie er auf die Idee gekommen war, ausgerechnet in Russland Urlaub zu machen. Er verstand meine Frage nicht. Ich wurde konkreter: was ist mit der gesellschaftlich-ethischen Perspektive und was mit der Sicherheitslage? Er verstand weiterhin nicht. "Überall ist doch immer irgendwas", sagte er. Ich nahm das als Erinnerung mit, wie selbstverständlich man die eigene Sicht für die naheliegende hält, und dass andere natürlich ebenso denken – nur eben aus einer ganz anderen Richtung heraus.
Am Gate fand ich endlich Zeit, nachzuschauen, in welche Hotel ich nun eingebucht wurde und wo die abendliche Feier stattfindet und wie ich dahin kommen könnte. Einen Fahrer hatte ich abgelehnt, die Strecke von Heathrow nach London City mit dem Auto zu fahren, ist nur etwas für geduldige Menschen. Die Bahn ist viel schneller und als ich sah, dass die Picadilly Line quasi vor dem Hotel hält, freute ich mich sehr. Zur Abendveranstaltung wollte ich dann laufen, denn sie fand eine halbe Stunde entfernt statt und das Wetter war angenehm.
Zunächst einmal wurde ich aber schon auf dem sehr kurzen Weg ins Hotel fast überfahren, weil ich nämlich vergessen hatte, dass in England Linksverkehr ist. Und noch etwas hatte ich vergessen, und war deshalb höchst irritiert, als mein Kalenderwecker losbrummte, als ich gerade nass aus der Dusche kam: Zeitverschiebung! Und die Einladung für abends war ohne Zeitzonenlogik eingestellt worden, so dass sie auf 19 Uhr beharrte, obwohl hier 18 Uhr die korrekte Zeit gewesen wäre. So fehlte mir eine volle Stunde und statt 30 Minuten gemütlich zu Fuß zu gehen sprintete ich zurück zur U-Bahn, diesmal Central Line, wie ich im An-den-Schildern-vorbeilaufen herausfand. Man kann in London sehr gut intuitiv U-Bahn fahren, es ist sehr übersichtlich und gut beschildert und um Fahrkarten muss man sich nicht kümmern, nur das Handy mit irgendeinem Zahlungsding vor eine Säule halten.
Das Essen war hervorragend, ich hatte als Vorspeise gratinierten Ziegenkäse, als Hauptgericht eine gebratene Blumenkohlscheibe mit Kapern und karamellisierter Butter und als Dessert einen Lemon-Meringue-Pie. Alles auch mehr oder weniger zahntauglich. Wein ließ ich weg, ich mag ja keinen Wein - hier ein etwas irritierendes Erlebnis, denn als ich dem Kellner gesagt hatte, er könne das Glas abräumen, schlossen sich noch drei Personen an. Ich sagte kurz, dass es mich nicht stört, wenn andere Wein trinken - darum ging es aber nicht, alle drei sagten, sie würden eigentlich sowieso keinen wollen und wollten nur nicht die einzigen sein. Nun. Ich bin oft gerne die einzige mit irgendwas. Eine andere Herangehensweise, scheint mir.
Nach dem Essen übergaben wir die Abschiedsgeschenke. Die Kuckucksuhr, die ich mitgebracht hatte, sorgte für Freude. Aus Belgien gab es wirklich eine riesige Menge Pralinen, es ist sehr gut, dass ich nicht noch weitere Süßigkeiten mitgebracht habe.
Jetzt bin ich in einem völlig überdimensionierten Hotelzimmer, das ich eigentlich gern angemessen bewohnen würde, doch habe ich wirklich nur Minimalgepäck dabei, also vermutlich gar nicht ausreichend Gegenstände, um auf jeder Ablagefläche irgendwas abzulegen. Und ich verbringe hier ja auch nur ungfähr 8 Stunden.
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