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    Montag, 20. Januar 2014
    Blogging November - 812

    Als ich heute Mittag in meinem gemütlichen Büro saß dachte ich, es gäbe eigentlich keine wesentliche unattraktivere Gestaltung des Nachmittags als die geplante: nämlich Mademoiselle zur Musikschule zu geleiten und dort in einem offenen Warteraum am Ende eines langen Ganges verweilen, der als Sitzmöglichkeit an der Wand angebrachte Sitzbretter mit einer Tiefe von etwa 15 cm aufweist.

    Mit mir in diesem Wartraum ist regelmäßig ein dummer 42-jähriger Herr, der ununterbrochen redet, zum Glück immerhin nicht mit mir. Die Welt behandelt diesen Herrn sehr, sehr ungerecht. Findet er. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Zweitens wartet immer mit mir eine ältere Dame mit ihrer Tochter, die Tochter ist wohl im Teenageralter und hat das Down-Syndrom und immer, wenn sie kommt, kann man nichts mehr essen, sonst möchte sie es haben und das strengt die Mutter sehr an, das möchten wir (also: der ungerecht behandelte Herr und ich und die zwei anderen, zu denen wir gleich kommen) nicht. Die anderen zwei sind eine Frau mit langem geflochteten grauen Zopf, die Hebräisch lernt und die jedes Mal ganz, ganz laut seufzt, wenn einer sich ungeordneter verhält, als man es während des Abendmahls in der katholischen Kirche tun würde, und ein Mann, der immer liest. Der kommt und geht nie sondern ist einfach immer da und liest. Vielleicht ist es auch eine Puppe.

    Dann hat der Gang 10 Türen - 4 links und 6 rechts. Tür 1 links: Akkordeon. Tür 2 links: Gesang. Tür 3 links: Klavier. Tür 4 links: Geige. Tür 1 rechts: Klavier. Tür 2 rechts: Akkordeon. Tür 3 rechts: Querflöte. Tür 4 rechts: Gitarre. Tür 5 rechts: Gesang. Tür 6 rechts: Klavier. Sie sehen das Problem.

    Was ich nicht bedacht hatte: es gibt tatsächlich noch unattraktivere Möglichkeiten, die 25 Minuten kindlichen Geigenunterrichts zu überbrücken. Indem man nämlich im Nieselregen fröstelnd auf der Straße steht, während eine Mutter, die man noch aus dem Kindergarten kennt, einen am Ärmel festhält und un-un-ter-bro-chen auf einen einredet. 25 Minuten lang, nein, länger, denn ich schickte das Kind allein in den Unterricht und kam erst weg, als es später zurückkehrte.

    Ich werde nächsten Montag dankbar auf meinem 15-cm-Wandbrett hocken.

     
    Oje.
    In der hiesigen Musikschule gäbe es nur den ganz normalen Schulflur als Wartebereich, das tut sich keiner an. Dafür lebt es sich auf dem Parkplatz gefährlich.
     
    Unsere hat gar keinen Parkplatz.
     
    Da könnte die hiesige gleich zumachen, denn das Einzugsgebiet in der Verbundgemeinde besteht aus 8 verstreuten Ortsteilen mit zum Teil eher ausbaufähiger ÖPNV-Anbindung. Und die Stradivari von mademoiselle793 muss natürlich im stets wohltemperierten Darkmobil transportiert werden und sollte tunlichst weder der Sommerhitze noch dem Winterfrost ausgesetzt werden.

    Ich frage mich manchmal ohnehin, wie hoch der Anteil des Kinder-Shuttles am hiesigen Gesamtverkehrsaufkommen ist, aber dann will ich es lieber doch nicht wissen...

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    in der hiesigen musikschule gibt es auch nur den schulflur mit ministühlen, die man sich mit rausnehmen darf, aber 60 minuten schweigend mit unansprechenden anderen müttern schaffe ich auch nicht. und die ganze geschichte ist noch viel komplizierter, aber das schreibe ich ein anderes mal. wenn die welt vergessen hat, dass du über musikschulstress berichtetest.
     
    Hat jetzt nur einen halben Tag gedauert, bis ich schulf-lur entziffern konnte. Und erzähle ruhig, ich teile meine Themen gern!

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