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    Donnerstag, 8. Januar 2015
    Blogging November - 1164

    Schon wieder nicht dazu gekommen, das Teefach aus- und sortiert und entrümpelt wieder einzuräumen. Sehr schade.

    In meinem Umfeld (ähem) wird manchmal behauptet, ich wäre etwas zwanghaft, was das Aufräumen/Wegwerfen angeht. Ich erkläre jetzt, warum das so ist.

    Es hat hauptsächlich drei Gründe.

    Der erste: Zeitersparnis.

    Auf "ich habe keine Zeit" sagte Mama N. schon immer "jeder hat 24 Stunden am Tag". Sagen wir so: meine 24 Stunden sind gut gefüllt, es bleibt - so empfinde ich das - wenig Freiraum für mich. Und deshalb, ganz klar: Jede Sekunde, die ich damit verbringe, irgendeinen Gegenstand zu suchen (außer an Ostern) ist eine zu viel. Ich möchte nichts suchen, das macht mir keinen Spaß. Wenn ich die Küchenschere brauche, soll sie in der obersten Schublade liegen. Wenn ich den Ersatzschüssel brauche, soll er im Schlüsselkasten hängen. Wenn ich das Imprägnierspray für Winterstiefel brauche (dessen Sinnhaftigkeit ich übrigens anzweifle), soll das in der Schublade mit dem Schuhputzzeug liegen. Und so weiter.

    Ich habe genug Adrenalin am Tag, ich brauche ich nicht noch den zusätzlichen Kick, vielleicht die Bahn zu verpassen, weil ich meine Zugangskarte fürs Büro nicht rechtzeitig gefunden habe. Mein erklärtes Ziel ist daher: Jeder Gegenstand soll a) seinen Platz haben (geht nicht, wenn man zu viel hat, deshalb: aussortiern) und b) jeder Gegenstand soll, wenn er nicht in Benutzung ist, an seinem Platz liegen (deshalb: aufräumen).

    Der zweite: Nutzen

    Ein schlichtes Beispiel: wir haben zwei Umzugskartons mit Kabeln im Keller. Jedoch: wann immer wir ein Kabel benötigen, gehen wir in den Laden und kaufen eins. Warum? Weil a) niemand weiß, was für Kabel genau in den Kisten drin sind und b) niemand Lust hat, im Keller zwei vollgepackte Kisten zu durchwühlen. Fazit: Dinge, von denen ich nicht weiß, dass ich sie habe und wo sie sich befinden, nutzen mir nicht. Ich kann mich nicht über sie freuen, ich kann sie nicht verwenden, sie sind sinnlos. Können also weg.

    Der dritte: Reizüberflutung

    Die ersten zwei Punkte treffen, würde ich sagen, generell auf die allermeisten Personen zu. Der dritte ist jetzt etwas Persönliches: Ich habe gerne Platz. Und ich brauche Luft um mich herum, zum Atmen, zum Leben, zum Wachsen. Ich bin niemand, der sich im kuschligen Ambiente mit Dingsdas hier und Nupsis da wohl fühlt. Ich habe es gerne klar. Denn ich fühle mich von Dingen, die ich sehe, aufgefordert. Lies mich, sagt das Buch. Schau mich an, ich bin so schön, flüstert die Blume. Hör mich an, summt die CD. Iss von mir, raunt der Obstkorb. Du wolltest doch noch, du könntest doch noch, hättest du nicht eigentlich sollen? Und so weiter. Ich kann das ignorieren, aber je mehr "Geschrei" um mich herum ist, desto mehr Energie kostet es. Ich möchte freie Flächen. Wenn ich mein Bier auf dem Couchtisch abstelle, will ich nicht vorher zig andere Sachen beiseite räumen. Ich möchte es einfach haben.

    Insgsamt also: der Überfluss, die vollen Schränke, die große Auswahl gibt mir kein Gefühl von Wohlbefinden oder Sicherheit, sondern engt mich ein. Und deshalb macht es mir so viel Freude, auszusortieren. Denn es wird Stück für Stück besser.

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    Letzter Regen: 15. Juli 2019, 23:38 Uhr