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    Montag, 26. Januar 2015
    Blogging November - 1182 (Projekt .txt - Gratwanderung)

    Manche Tage brennen sich ins Gedächtnis ein. Erstaunlicherweise sind das oft nicht die, die man sich eigentlich unbedingt merken wollte. Jedenfalls geht das mir so, ich erinnere mich dunkel, dass ich als Kind in verschiedenen Momenten dachte: "Das will ich mir jetzt unbedingt merken, bis zum Ende meines Lebens" (Augen zusammenkneifen und ganz fest daran denken). Worum es dabei ging, welche Erinnerung ich unbedingt behalten wollte, habe ich aber in allen Fällen vergessen. Ungefähr genauso, wie mir neulich bei einer Folge TBBT einfiel, dass ich mich ja auch damals, so mit ca. 15 Jahren mit einer Handvoll Freunden für einen zukünftigen Zeitpunkt an einem bestimmten Ort verabredet hatte, wo wir uns dann alle nochmal treffen wollten, "wenn wir alt sind", egal, was in der Zwischenzeit geschähe. Ich habe die dumpfe Vermutung, dass "wenn wir alt sind" irgendwann in meinen 30ern gewesen sein könnte, kann mich aber beim besten Willen auch noch nichtmals mehr an den vereinbarten Ort entsinnen.

    Wie gesagt, andere Tage bleiben eingebrannt. An einem war ich wohl genauso alt, wie als ich diese ominöse Verabredung traf. Vielleicht waren es sogar dieselben Sommerferien und einen Teil davon verbrachte ich mit meiner Schwester in Schottland. Wir machten eine Rucksackreise, schliefen hauptsächlich in Jugendherbergen und Bothies, fuhren per Anhalter und kletterten auf Berge.

    Letzteres war für mich ganz neu - meiner Schwester lebte damals schon in Schottland und hatte begonnen, Munros (das sind eigenständige Gipfel mit einer Höhe von mindestens 3.000 Fuß) zu sammeln ("Munro bagging"). Rund 280 gibt es davon, also reichlich zu tun und auch diese Ferien wollte sie nicht ungenutzt verstreichen lassen.

    Wir trafen uns also mit einer Gruppe anderer Bergsteiger im Glen Coe und beschlossen, die Aonach Eagach Ridge entlangzuklettern. Die Aonach Eagach Ridge ist ein Berggrat, etwa 10 km lang, und man kann auf dieser Strecke gleich zwei Munros einsammeln (Meall Dearg und Sgorr nam Fiannaidh), das war vielleicht ausschlaggebend.


    (Qualität der Fotos ist der Tatsache geschuldet, dass sie aus einem 80er-Jahre-Fotoalbum abfotografiert wurden...)

    Nun ist die Aonach Eagach Ridge ein Grat, den man definitv nicht ohne Bergwandererfahrung angehen sollte. Zum einen muss man tatsächlich auch etwas klettern, nicht nur gehen, und dann ist die Ridge auch stellenweise äußerst schmal. Und dazu ist sie mit 10 km eben recht lang - wir waren ca. 7 Stunden unterwegs. Und es gibt, wenn man einmal auf dem Bergrücken ist, kein Zurück. Wobei, es gibt natürlich schon ein /urück, aber eben auch nur das: es gibt definitiv kein seitliches Ausweichen, das sind alles Steilhänge. Einmal auf der Ridge, geht man vorwärts oder rückwärts, komme was wolle.



    Bei uns kam dann irgendwann Nebel. Das war nicht so schlimm, der Weg ist recht eindeutig, vielleicht war es sogar vorteilhaft, dass ich nicht mehr so gut nach unten sehen konnte, denn es gibt eine Stelle, die sich die "Crazy Pinnacles" nennt, dort klettert man mit dem Rücken zum Abgrund um Säulen herum und außer zwei fußbreit Gestein ist da drunter dann - nichts. Regen wäre mir an dieser Stelle wohl deutlich weniger Recht gewesen, an glibschigen Steinen kann man sich nicht gut festklammern.

    Eigentlich habe ich über all das aber gar nicht nachgedacht, denn: ich fand das alles so absolut wunderbar und habe jede Sekunde genossen. Ich habe noch immer die tiefen Steilhänge vor Augen, einen kleinen See irgendwo unten, wie die Nebelfetzen vorüberzogen, manchmal Sonne dazwischen und die verschleierten bizarren Steinformationen.



    Bergsteigen ist nie so meins geworden. Ich gehe nicht gerne bergauf und ich gehe nicht gerne bergab, damit hat sich das Thema natürlich schon ziemlich erschöpft. Ich klettere aber unheimlich gern und gucke von irgendwo oben nach irgendwo unten.

    Insofern - ja, die Aonach Eagach würde ich nochmal klettern. Am liebsten bei Schnee, aber dann natürlich auch nur mit Profis und mit Seil. Bei Schnee und Eis, denke ich, ist das sonst eine Nummer zu groß.

    [Das ist ein Beitrag zu Projekt .txt. Die übrigen Beiträge sind hier.]

     
    Ich mache dann Fotos von unten ;-)

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