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    Dienstag, 11. März 2014
    Blogging November - 861

    Wie Sie wissen, ist mein Leben momentan äußerst ereignisarm, weil ich den ganzen Tag zu Hause sitze und lerne. Immerhin konnte ich dabei aber eine gewisse Spannung einbauen, indem ich mich in einer Sache eklatant verschätzt habe und nun sagen kann: das mit dem Lernen wird sportlich! Aber nun gut.

    Heute sollte ja der Klempner kommen um den Wasserhahn auszutauschen. Wenn ein Handwerker kommt, bin ich immer sehr nervös, erstens verstehe ich Handwerker oft sprachlich nicht (Dialekt), zweitens verstehe ich sie oft inhaltlich nicht und drittens war komischerweise noch nie ein Handwerker hier und hat gesagt: "Ach, alles tippitoppi kein Problem, war nie leichter, hab ich im Nu!" Sondern es ist eher immer so: "Oh. Ach. Was ist das denn... Eieieieiei. Hm. Hmhm." Das strengt mich an, weil ich vor meinem geistigen Auge dann bereits eine Kernsanierung des Hauses inklusive Kanalisation ablaufen sehe, die mich auf unbestimmte Zeit in eine Notunterkunft verschlägt. Ich weiß, das ist keine angemessene Reaktion, aber so funktioniert meine Psyche nun einmal. Und da ich um dieses Problem weiß, hatte ich mir für heute die Strategie überlegt, außer "Guten Tag, bitte, dort, möchten Sie ein Glas Wasser, vielen Dank" einfach gar nichts zu sagen und sämtliche damit nicht zu bewältigende verbale Äußerungen wie irgendwas im Fernsehen an mir vorbeiziehen zu lassen.

    Das erste Problem dabei ergab sich aber schon gleich am Anfang, es kamen nämlich zwei Personen, so dass ich - völlig vom Plan abweichend - "Oh, Sie sind zu zweit!" sagte. Und dann zeigte man mir den mitgebrachten neuen Wasserhahn, und ich sagte: "Oh, der sieht aber SEHR groß aus, passt der da hin?!", worauf mir mit "Hörensemal - nach 30 Jahren Berufserfahrung hab ich ein Auge für sowas!" beschieden wurde. Da erinnerte ich mich, dass ich ja gar nichts sagen wollte, und setzte mich stumm an den Tisch, um zu lernen.

    Nach 10 Minuten wurde es unruhig bei den Handwerkern. Sie begannen, untereinander zu flüstern. Dann wurde mir leicht angespannt mitgeteilt, dass in der richtigen Packung der falsche Wasserhahn gewesen sei, und dieser wäre nämlich: viel zu groß! Na sowas. Ich schwieg. Schnell verschwanden die Herren, ließen aber immerhin ihr Werkzeug da, und kamen eine halbe Stunde später mit einem anderen Wasserhahn zurück.

    Jetzt würde es sicher alles ganz schnell gehen, dachte ich. Alten Hahn ab, neuen Hahn dran, fertig. Nach wenigen Minuten kam der Chef aber wieder aus dem Bad und verließ die Wohung. Man hörte ihn im Auto herumkrauscheln. Dann kam er mit diversen Metallteilen zurück. Der Stöpsel würde nicht mit dem Rohr und das wäre zu alt und nicht-standard und man müsse es tauschen und so, sagt er, oder so ähnlich, ich habe mich ja bemüht, nicht zuzuhören.

    Klappergeräusche aus dem Bad. Metallisches Klirren und Schleifen, ein "klonk-klonk" aus der Wand. Dazwischen Flüstern, mittlerweile in recht scharfem Ton. Der Azubi kam aus dem Bad und merkt an, ich habe da ja die Verbindungen mit Isoband um die Schellen mal abgedichtet und man habe das abgemacht weil das ginge ja so nicht, aber nun wäre es nicht mehr dicht und die Teile nicht-standard und ob man das nochmal hinkriege wüsste man noch nicht... - ich schaute nur glasig und er wühlte hektisch in den Werkzeugkoffern. Einen warf er dabei um.

    Ohne neues Gerät kehrte er ins Bad zurück. Dort sagte jemand "Scheiße!". Der Chef stürmte heraus und verlässt knapp ohne Türknallen die Wohnung. Er kehrte mit einer Art Umzugskiste zurück und schleppte sie ins Bad. Weitere Geräusche von Metall auf Metall, es wurde wohl auch irgenwas gesägt.

    Nach knapp 3 Stunden war alles geschafft. Mein Bad sah erstaunlicherweise aus wie immer, nur mit neuem Wasserhahn. Ich unterschrieb einen Zettel, auf dem 2 Stunden Arbeitszeit, Armatur, Syphon und Flexschläuche stand und freute mich, ganz besonders darüber, dass ich die Idee verworfen hatte, den Wasserhahn selbst auszutauschen. Dank gebührt an dieser Stelle Anne Schüßler, die durch ihre anschaulich vorgetragenen Wasserhahnaustauscherzählungen an der Entscheidung maßgeblich beteiligt war.

    Eben stellte ich allerdings fest, dass es aus dem neuen Syphon in den Schrank tropft. Das habe ich aber mit dem bewährten Isoband rasch repariert.

     
    Unsere aktuelle Wasserhahnsituation sieht übrigens so aus, dass wir jetzt zwar wieder Wasser im Badezimmer haben, sogar heiß und kalt, ich aber immer noch gelegentlich so kurze Panikattacken habe, weil ich denke, dass demnächst irgendwas kaputtgeht (der Mann murmelte etwas von "nicht, dass da zu viel Druck auf der Leitung ist", hätte er mal lieber nicht gesagt), und die Wohnung unter Wasser steht und der Mann beim Anfummeln des Stöpseldingens irgendwann keine Lust mehr hatte und wir jetzt momentan eben keinen Stöpsel mehr haben.

    Die Entscheidung für die Handwerker war also total klug.
     
    Und ich habe mir eben überlegt, dass die nochmal wiederkommen und das richtig abdichten sollen. Statt ich mit Isoband (hält auch nicht so gut, steht jetzt ne Schüssel drunter). Habe auch schon angerufen. Ich erlebe ja sonst nix diese Woche.

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    Irgendwann will ich bitte vom Universum wissen, warum in Anwesenheit von Handwerkern/Techniker deren Werk prima funktioniert und alle Haken erst nach Abreise auftauchen. Mein aktueller Fall: Telefontechniker im Büro, der programmierte und bastelte, mit mir abschließend alles durchging: Prächtig. Noch am selben Abend, als ich eine der neuen Funktionen ausprobierte: Ging nicht. Auch nicht am nächsten Tag. Weiterer Technikereinsatz nötig. Wa? Rum?
     
    Das wüsste ich auch gerne. Im Büro habe ich das auch häufig - irgendwas technisches funktioniert nicht, ich lasse wen kommen, möchte den Fehler zeigen (vorher zig mal gestestet) und: es geht. Es sollte mal jemand diese Sache, die man "Vorführeffekt" nennt, wissenschaftlich untersuchen.

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