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    Samstag, 11. September 2021
    11092021

    Es sollte so ein schöner Tag werden, ich war noch ganz unentschlossen, ob ich die Sockenschublade sortieren möchte oder lieber die Spülmaschine grundreinigen und hatte mich schließlich für die Steuererklärung entschieden. Und gerade war ich so richtig drin, als M mich fragte, ob ich für ihre Geburtstagsparty am Abend (außer Haus) mit ihr gemeinsam Getränke kaufen fahren könnte, also mit dem Auto.

    Natürlich konnte ich, bzw. ich wollte, wir konnten dann nicht denn das Auto machte keinen Mucks. Als es sich auf Knopfdruck nicht öffnete, dachte ich erst, die Batterie im Schlüssel sei leer und danach dachte ich, ich hätte vielleicht kurz vergessen, wie man ein Auto startet und es würde deshalb nicht gehen. Zum Glück stand der nette Nachbar mit dem Motorrad gerade auch vor seiner Garage und ich bat ihn, mal zu versuchen, ob er dem Auto mehr als gar nichts entlocken könnte. Konnte er aber auch nicht.

    Er bot Starthilfe an, das geht wohl, wenn man weiß wie, auch vom Motorrad aus, allerdings hatten wir beide kein entsprechendes Kabel, es kam noch der alte Nachbar hinzu, der hatte ein Kabel, aber nun sahen wir uns mit dem Problem konfrontiert, dass das Auto ja in der Garage stand, mit der Schnauze (oder wie das bei Autos heißt) drinnen. Herausrollen konnte man es nicht wegen elektronischer Parkbremse und die Kabel waren zur kurz für einmal quer durch die Garage. Man sprach über andere Menschen, die längere Kabel hätten oder Dinge mit Aufbocken aber ich fand, nun sollten sich Personen damit beschäftigen, denen ich für solche Fälle jährlich Geld überweise, nämlich: die Pannenhilfe. Der eine Nachbar fuhr also auf Motorradtour, der andere in den Garten gießen (bei Regen, aber wie auch immer) und ich begab mich in die telefonische Warteschleife, nebenher erlitt ich einen kurzen "ohgott wir müssen doch die Getränke kaufen und morgen sowieso auch noch wegfahren!"-Anfall, den Freundin @schanuf aber sofort mit dem großzügigen Angebot, ihr Auto auszuleihen, eindämmen konnte.

    Dann ging bei der Pannenhilfe jemand ans Telefon, ließ sich die Situation beschrieben und fand alles sehr schlecht - ich kenne diesen Trick, er dient zur Überhöhung des eigenen Arbeitsprodukts, weil es ja dann doch irgendwie geht und dann ist man Superhoschi. Und ich hasse diesen Trick so sehr, dass ich immer genau das umgekehrte mache, also nur die erste Hälfte umgekehrt, ich sage immer "ach das ist gar kein Problem" und dann gleichen sich die Taktiken wieder, dann geht es ja natürlich auch bei mir und dann bin ich zwar nicht kurzfristig der Superhoschi, der alles Aussichtslose doch irgendwie hinkriegt obwohl es so schwer und schlimm ist. Aber meine Taktik ist langfristig. Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich bin der Superhoschi, der alles hinkriegt und alles einfach findet. Ätsch.

    Jedenfalls, der Pannenhotlineherr fand alles sehr schlecht, ich musste daraufhin kurz ein Beruhigungstelefonat mit @cucinacasalinga machen, die mir versicherte, es gäbe nicht in ganz Deutschland private Garagen, in denen Autos mit defekter Batterie stehen, die man da nicht mehr rausbekommt, weil eine elektronische Parkbremse gezogen ist und denen also quasi nur noch durch Sprengung beizukommen ist. Ehrlich gesagt habe ich von sowas in Immobilienanzeigen auch noch nicht gelesen, also noch nie "mit Garage aber durch defektes Fahrzeug belegt" gelesen oder so. Als kurz darauf der Automeister persönlich anrief, um zu sagen, dass er in 5 Minuten da wäre, sagte ich also "und ja, es ist alles sehr schlecht aber jetzt kommen Sie ja und kümmern sich darum und danach ist alles sehr gut, bis gleich!"

    Pünktlich war er da und lachte die ganze Zeit, ich habe keine Ahnung, warum. Es war ein kleiner, schmaler Mensch, so passte er gut am Auto vorbei in die Garage bis zur Motorhaube und man konnte sie auch fast ganz öffnen, nicht ganz wegen Regal obendrüber, ich bot an, das Regal einfach abzureißen aber der Automeister sagte, ich solle lieber einfach die Motorhaube festhalten, damit sie ihm nicht auf den Kopf fällt. Wir wurden uns einig, dass wir dann eine wirklich schlechte Situation hätten und malten uns aus, wie das für uns beide wäre, wenn nun zum Beispiel mein Arm erlahmen würde. "Ich läge dann hier mit dem Kopf zerquetscht und halb auf diesem - was ist das, ein Rodelschlitten auf einem Kleintierkäfig? Das wäre für Sie nicht schön!" - "Und ich stünde hier und hätte die Motorhaube im Reflex sofort wieder hochgerissen aber es wäre ja zu spät und jetzt wüsste ich nicht, was ich machen sollte, soll ich sie vorsichtig auf Ihren zerschmetterten Schädel herunterlassen, damit ich an mein Handy da vorne am Tor in der Handtasche komme wegen des Notrufs? Etwas anderes bliebe mir ja kaum übrig, wenn ich schreie hört das hier doch keiner!" Das war für mich ein sehr beruhigendes Gespräch, es konnte ja alles noch viel schlimmer kommen, wir waren eigentlich noch auf der Seite des Glücks. Und sowieso war ja auch alles ganz einfach, die Automeister haben ja eine Art tragbare Batterie im Handtaschenformat, das konnte man kurz in die Garage tragen (eigentlich weiß ich das auch, ich hatte dasselbe Problem nämlich schon einmal und es wurde auf dieselbe Weise gelöst, das ist aber mehrere Jahre her und ich hatte es vergessen, kann mir ja nicht alles merken!), zapp Auto gestartet, zapp aus der Garage gefahren, zapp nicht mehr ausmachen und mindestens 30 Minuten Autobahn fahren. Mitfahren wollte er nicht, also nahm ich M mit, ich bin in letzter Zeit so übermäßig viel Autobahn gefahren, eine weitere Stunde ohne gute Unterhaltung ist nicht denkbar.

    Also fuhren wir eine halbe Stunde Richtung Bayern und dann drehten wir um und fuhren eine halbe Stunde zurück, dann Getränke holen, dann Tag um.

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