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    Mittwoch, 23. September 2015
    Blogging November - 1421

    Ich sehe harte Zeiten in Bezug auf das Kraulschwimmen voraus. 20 Uhr ist wirklich keine Zeit, zu der es mich noch zu Abenteuern treibt, der Herbst tut sein Übriges, es ist sehr schwierig, sich nicht einfach eine kuschlige Decke über den Kopf zu ziehen und so zu tun, als wäre irgendein anderer Wochentag.

    Wir haben es aber geschafft. Wir, und noch zwei andere, nämlich Luigi der Elektriker und Hanni oder Nanni, sagen wir: Nanni. "Nur vier!", stöhnte Luigi schon, bevor wir uns auf den Bahnen angeordnet hatten. "Puh. Boah! Oh Mann!"

    "Wir konzentrieren uns heute auf die Atmung", sagte der Kraulschwimmlehrer. "Und leider", sein strenger Blick schweifte über die Gruppe, dabei rutschte er aus, ging in die Knie und fiel fast ins Wasser, "sind die, für diese Übung besonders wichtig wäre, heute nicht da. Aber Euch wird sie auch nicht schaden!".

    Also übten wir die Atmung, und zwar erstmal jeden zweiten Zug Atmen, dann durchdenken, was daran nicht so praktisch ist, dann auf jedem vierten Zug Atmen, dann durchdenken, was daran nicht so praktisch ist, dann auf jedem dritten Zug atmen und dann durchdenken was daran so besonders gut ist, "the way to go!", sagte der Schwimmlehrer, und dann noch auf jedem fünften Zug atmen, ohne speziellen Grund, nur, weil wir es konnten. Meine Euphorie wurde nur getrübt, weil die Kraulschwimmpartnerin schon bei der allerersten Übung durch ein Missverständnis auf jedem sechsten (!) Zug geatment hatte, was zwar nicht so gut ist, aber sehr bewundernswert.

    Nachdem wir alle genug geatmet hatten, kam etwas ganz Neues, nämlich: Kraulrückenschwimmen. Das hatten wir noch nie gemacht, wobei Luigi und Nanni schon, die machen den Fortgeschrittenenkurs nämlich zum zweiten Mal. Erstmal nur die die Beine - auf dem Rücken im Wasser liegen, die Arme neben dem Körper, und Kraulbeine. Sehr entspannt! Außerordentlich entspannt! Jedenfalls auf den ersten 6-8 Bahnen, danach wird es ganz schön anstrengend und auch nicht besser, wenn man die Arme statt neben dem Körper über dem Kopf ausstrecken soll.

    Aber dann kam das Allerbeste, das, worauf ich seit Monaten hinfiebere: Entchen! Kleine, gelbe Quietscheentchen, die Kraulschwimmpartnerin ließ ihres gleich Wasser auf mich spritzen, diese Entchen setzten wir uns auf die Stirn und schwammen dann damit auf dem Rücken. Man weiß ja nie, was alles in einem steckt, auch im Altersbereich ü40 wird man manchmal noch überrascht, und zwar: Rückenschwimmen mit einer Quietscheente auf der Stirn ist etwas, das mir total liegt! Eine Kernkompetenz, die ich an mir selbst noch gar nicht wahrgenommen hatte! Angeblich gibt es ja diese Milliarden Quietscheenten, die im Schwarm auf irgendwelchen Weltmeeren heumtreiben: das ist mein neuer Safe Place. Milliarden gelbe Entchen und ich mittendrin, mit einer davon auf meiner Stirn, einträchtig treiben wir durch die Karibik.

    Irritierenderweise wussten nicht alle TeilnehmerInnen das Entchenschwimmen so sehr zu schätzen wie ich. Ich würde das ja nur noch machen. Schade, dass es keine olympische Disziplin ist.

    Besonders Luigi tat sich schwer, nämlich mit der Körperspannung, er hatte viel zu viel davon, statt milde im Wasser zu treiben ragte sein Oberkörper wie bei einem Motorboot in voller Fahrt heraus. Daher kamen wir in den Genuss, als Übung einfach ein bisschen im Wasser herumzutreiben, auch sehr angenehm, Luigi ging uns dabei aber fast verloren, er trieb in die Beckenmitte und reagierte nicht auf Rufe, fast schon wollten wir eine Ente nach ihm werfen, da raffte er sich aber doch noch aus dem Wasser wieder auf.

    Sehr unvermittelt kamen dann noch Rückenkraularme dazu, man nimmt den Arm mit dem Daumen zuerst aus dem Wasser, dreht ihn am Kopf um, so dass die Handfläche nach außen zeigt, und führt ihn mit dem kleinen Finger zuerst ins Wasser zurück. Etwas verwirrend, wenn man in der Dreidimensionalität leicht herausgefordert ist, so wie ich. Zusäzlich muss man darauf achten den Arm nicht kreuz und quer zu schleudern, sondern gerade am Ohr vorbeizuführen. Daher zuvor die Übung mit den ausgestreckten Armen am Kopf. So fügt sich alles zusammen. Der Kraulschwimmlehrer hat ein Konzept.

    "Die zweite Hälfte Atmen und die zweite Hälfte Rückenkraulen kommt dann ein andermal", sagte der Kraulschwimmlehrer. Was genau diese zweite Hälfte ist, ist mir unklar, andererseits aber auch egal: mich interessiert viel mehr die zweite Hälfte Entchenschwimmen!

    Und zum Tagesabschluss schickt die Kraulschwimmpartnerin mir sowas:

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