• Privatbloggen an: novemberregen @ gmail.com
  • | Twitter: @novemberregen
    Mittwoch, 9. September 2015
    Blogging November - 1407

    "ICH WILL DEN SUPERMAN-ARM SEHEN!!!" brüllte der Kraulschwimmlehrer durch die Halle. Wie war es dazu gekommen?

    Ich muss sagen, 20 Uhr ist für mich nicht so die geeignete Zeit, um zum Schwimmkurs aufzubrechen. Die Nachbarin, die mich im Hof sah, fand meine Erklärung auch unglaubwürdig: "Gehts du noch aus, unter der Woche?!" - "Nee, ich geh bloß schwimmen." - "Schwimmen?!! Mit der Frisur?!" Wieso man jetzt mit abgeschnittenen Haaren nicht schwimmen sollte, erschließt sich mir nicht, sowieso schwimmt es sich mit kurzem Haar tendenziell besser als mit langem. Aber die Haare beschäftigen die Leute. "Was hast du wieder gemacht??", rief mir gestern erst eine Freundin aus dem fahrenden Auto zu. Dabei fuchtelte sie mit den Händen um die Ohren, so, wie es die Leute neuerdings angesichts meiner Frisur tun. Und eine andere Mutter im Schulsekretariat heute sagte: "Sie machen mit Ihren Haaren ja auch einfach immer, was Sie wollen!" Naja, was auch sonst.

    Also, 20 Uhr, kein Bock, das Haus nochmal zu verlassen, die Kraulschwimmpartnerin in ihrer Eigenschaft als Karrierefrau verhindert, aber Lebensregel Nr. 10: "Halte Verabredungen ein". Große Hoffnung setzte ich noch auf die Schweinebratenverletzung, mit einer suppenden Wunde kann man natürlich nicht ins Schwimmbad, aber der Daumenstumpf ist so weit verheilt, dass dieses Argument selbst mir fadenscheinig erschien.

    Im Schwimmbad eine kurze Situation. "Ich habe nur noch gerade Nummern, ist das schlimm?", sagte die Frau an der Schlüsselausgabe. "Ähm - ich bevorzuge generell Primzahlen, aber wenn die 2 schon weg ist komme ich auch zurecht", antwortete ich. "Machen Sie Spaß?", fragte die Schlüsselfrau. "Ich weiß nicht, machen Sie Spaß?", fragte ich zurück. "Ich kann Ihnen noch die 69 geben", sagte die Schlüsselfrau. Ich konnte dem Gespräch jetzt keinen Sinn mehr entnehmen, war aber ja auch zum Schwimmen da und nicht, um über Zahlen zu sprechen, also nahm ich den Schlüssel, lächelte freundlich und ging langsam rückwärts davon.

    In den Umkleiden fiel mir dann auf, dass alle ungeraden Zahlen in der oberen Schrankreihe sind und alle geraden unten. Damit hatte sich nun einges aufgeklärt, wenn auch nicht alles. Personen, die in einen Sportverein gehen, schaffen es sicher auch noch, sich zum Schrank herunterzubeugen. Andererseits, man wundert sich, ich sah in meinem ehemaligen Fitness-Studio auch schon Leute mit dem Aufzug zwischen zwei Stockwerken hin- und herfahren um danach auf einem Gerät Treppen zu steigen. Und Herr N., der bekanntlich viele Kilometer in der Woche läuft, erwähnte heute morgen, dass er eher nicht die Gemüsekiste aus der Garage mitbringen könne, wenn das Auto für mich im Hof stehen lässt, denn dann käme er an der Garage ja überhaupt nicht vorbei. Vielleicht übersehe ich was. Da die Gemüsekiste aber jetzt in der Küche steht und ich noch nie Personen im Schwimmbadgang heulen und toben sah wegen einer geraden Schranknummer, übersehe ich vielleicht auch nichts.

    Wie auch immer - im Becken war Platzmangel, daher statt Einschwimmen eher sowas wie Aquajogging, aber im Kurs hatten wir dann ja unsere beiden reservierten Bahnen. Anwesend war der Elektriker, die nette Frau, Hanni und Nanni, die unbekannte Person und ich. Die Streberoma fehlte. Wir arbeiteten intensiv am Armwinkel. Und zwar durch, wie der Schwimmlehrer sagte, "koordinativ-motorische Spielereien, die total viel Spaß machen". Sowieso war der Schwimmlehrer diese Woche besser gelaunt. Der Rest vom Schwimmkurs hing dafür durch, also: alle außer ich. 6 Bahnen schwimmen war angesagt, nach einer hampelten alle am Beckenrand und warteten auf Feedback. "Jetzt zurück" lautete dieses, nach Bahn 2 hampelten wieder alle, "jetzt zurück", nach Bahn 3, und so weiter. Fast langweilte ich mich, aber dann schwamm ich einfach weiter und ließ sie hampeln. Haben wohl alle nicht so streberhaft geübt in den Ferien wie die Kraulschwimmpartnerin und ich. Ha!

    Die koordinativ-motorischen Spielereien gingen so: 1 Bahn Kraulabschlag, 1 Bahn normal Kraulschwimmen, 1 Bahn Kraulabschlag mit Antippen in der Achsel, 1 Bahn normal Kraulschimmen mit Antippen in der Achsel, 1 Bahn Kraulabschlag mit Antippen am Oberschenkel (bei ganz nach unten gestrecktem Arm) und Achsel, 1 Bahn Kraulschwimmen mit Antippen am Oberschenkel und Achsel, 1 Bahn Kraulabschlag mit Antippen an Oberschenkel, Achsel und Kopf (Vogelzeigen mit dem Daumen), 1 Bahn Kraulschwimmen mit Antippen an Oberschenkel, Achsel und Kopf.

    Nach der Armbeugung kam - solche Parallelitäten machen mich glücklich - die Armstreckung, und zwar die nach vorn. Dazu eine Übung, wie man es falsch macht, die Übung kam auch im Anfängerkurs schon einmal vor, und zwar zwei Bahnen die Arme ganz nach Außen ziehen vorne und dann zwei Bahnen die Arm ganz nach innen, über die Körpermitte, und dann vier Bahnen richtig, also ganz gerade nach vorn gestreckt.

    Und dann, als letzte Übung, 4 Bahnen beim Atmen speziell drauf achten, den unteren Arm nicht zu verlieren, also nicht zur Seite wegzuziehen, sondern quasi darauf zu liegen. So wie Superman, wenn er fliegt. "ICH WILL DEN SUPERMAN-ARM SEHEN!", brüllte der Kraulschwimmlehrer durch die Halle. Und wie Superman schnellten wir alle durchs Wasser. Mit Anemonenfüßen.

    November seit 4617 Tagen

    Letzter Regen: 14. November 2018, 08:09 Uhr