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    Samstag, 20. Juni 2015
    Blogging November - 1327

    Ich werfe gern weg und ich trenne mich schnell und leicht von Dingen. Heute zum Beispiel habe ich im Vorbeigehen ein paar Schuhe, ein halbes Regalbrett Bücher, etwa 10 Teile aus dem Kleiderschrank und einen Korb mit Sammelsurium entsorgt. Das heißt aber nicht, dass ich auch einige Gegenstände, die im Alltag keinen Nutzen haben, über Jahre hinweg aufbewahren würde.

    Manche dieser Erinnerungsstücke sind in den Haushalt integriert, wie zum Beispiel das Küchenradio, das meine Eltern in den 70ern verwendeten, ein kleines Topfset, in dem - das weiß ich von Fotos - früher mein Brei zubereitet wurde (das sind jetzt Blumenübertöpfe, die Lackierung enthält irgendwas möglicherweise Giftiges, weiß man heute) oder das Essbesteck, das ich zur Kommunion bekam.

    Andere werden aber einfach nur aufbewahrt und zwar in einem kleinen, hellblauen Plastikaktenkoffer, wie er in den 80ern totschick war.

    Darin befindet sich zum Beispiel Folgendes:



    Ein Bild aus dem Kindergarten von einem Koffer mit Dingen darin, die mir wichtig sind. Ein Koffer mit wichtigen Dingen in einem Koffer mit wichtigen Dingen - keine Sorge, das wird jetzt hier nicht so beängstigend wie die Hasselhoff Rekursion.

    Ich muss 5 gewesen sein, ich war nämlich nur ein Jahr im Kindergarten. Aber man sieht deutlich: Malen ist nicht mein Ding. Zum Glück wurde aber zusätzlich schriftlich festgehalten, welche Gegenstände mir denn mit 5 Jahren wichtig waren. Besonders erstaunlich finde ich dabei die zwei Schnuller, ich hatte nämlich nie einen Schnuller. Interessant ist sicherlich auch die Möhre, große Freude habe ich heute an den Samenkörnern und natürlich an dem Kistenteufel. Merken Sie sich die Knöpfe für später vor, darauf kommen wir noch zurück.

    Weiter sind darin ein paar Gegenstände:



    Mein Federmäppchen aus der Grundschule, die ersten Schuhe, die erste Uhr (bzw. der Rest davon) und der Stein meines ersten Rings. Meine Lieblingsgeldbörse und ein Engel, der immer über meinem Bett hing (woher er kam, weiß ich gar nicht). Ein Brett, von dem ich als Kind immer Abendbrot gegessen habe und ein Stück von dem Stoff, aus dem die Vorhänge im Puppenhaus waren.

    Dann noch Zettel. Ein paar ausgewählte:



    Meine Fechtlizenz. Ein Blatt von meinem Lieblingsbriefpapier. Etwas Korrespondenz - teilweise nett, teilweise nicht so. Der Beweis, dass ich mal ein Mixtape bekommen habe. Ein Versprechen, das nie eingelöst wurde.

    Noch mehr Zettel. Noch viel mehr, hier nur noch ein paar:



    Berechnungen von Papa N. für meine Wohnung. Hinweise von Mama N., die zu erklären zu weit geht. Meine verzweifelten Versuche, unter der Anleitung meines Großonkels, der seinen Lebensunterhalt nach dem Krieg mit Postkartenzeichnen verdiente, ein Schwein zu malen. Wenn ich sage, ich kann nur Buchstaben, dann ist das keine Koketterie.

    Meine Milchzähne (abgesehen von denen, die ich noch im Mund habe) und Sand von als ich das erste Mal am Meer war (Mittelmeer, mit 12 oder so - ich war eigentlich vorher schon am Meer, an der Ostsee, aber daran kann ich mich nicht erinnern, da war ich noch sehr klein).

    Und die Knöpfe. Als Kleinkind saß ich oft bei Mama N., wenn sie nähte, und meistens wollte ich die Kiste mit den Knöpfen sortieren. Sie schenkte mir ein Taschentuch von Papa N., an das ich die, die ich besonders schön fand, selbst annähen durfte.

    So viel zum Koffer.

    Dann gibt es noch diese drei hier: Teddy, Freddy und Schlappi.



    Teddy ist der große Bär, er ist so alt wie ich und lag für mich bereit, als ich zur Welt kam. Er hatte mal eine Spieluhr im Bauch, daran erinnere ich mich nicht, auch nicht daran, dass wir sie rausoperieren mussten, ich weiß es nur wegen seiner Narbe.

    Freddy ist der kleine Bär, woher er kommt weiß ich nicht, aber er ging mit mir zum Kindergarten. Einmal habe ich meine Kindergartentasche vergessen und Freddy steckte noch drin. Papa N. ging extra abends zur Schlafenszeit mit mir zum Kindergarten, damit ich durch die Glasscheibe schauen und Freddy Gute Nacht winken konnte.

    Schlappi gab es in einer Drogerie, als ich etwa 6 war. Mama N. wollte ihn mir nicht kaufen, sie fand, wir hätten mehr als genug Kuscheltiere. Ich erwarb ihn vom Taschengeld (6 Mark!) und seitdem waren Schlappi und ich unzertrennlich. Er hat eine Delle im Rücken, weil er mein Kopfkissen wurde. Mit den langen Ohren konnte man gut Tränchen abwischen.

    Teddy, Freddy und Schlappi schlafen derzeit in Mademoiselles Bett.

    Im Keller ist noch eine Kiste mit Briefen, die meisten von Herrn N., dem Webmeister und Pe. Und natürlich die ganzen Sachen von und für Mademoiselle. Aber darüber gibt es für mich nichts zu erzählen, das ist nicht meine Geschichte.


    (Diesen Beitrag gibt es auf Wunsch von Katja. Katja sagt mir die richtige Zahl für die Überschrift, ich sage ihr, was sie wissen will. Was für ein Deal.)

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