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    Montag, 24. September 2012
    Blogging November - 329

    Frau N: "Guten Morgen, mein Name ist Novemberregen. Meine Tochter hört auf einem Ohr nicht mehr, sieht mir nach einer Ohrenschmalzverstopfung aus. Können Sie sowas wegmachen oder gehe ich lieber gleich zum HNO?"

    Kinderarzthelferin: "Wie heißt denn das Kind?"

    Frau N.: "Mademoiselle Novemberregen - N o v e m b e r r e g e n.

    Kinderarzthelferin: "Haben wir hier nicht."

    Frau N: "Wir sind aber immer bei Ihnen."

    Kinderarzthelferin: "Wissen Sie zufällig das Geburtsdatum?"

    Frau N: "Natürlich!"

    Kinderarzthelferin: *tippeltippel* "achso, die Aynur"

    Frau N: "Nein, nicht Aynur. Mademoiselle!

    Kinderarzthelferin: "Moment bitte." *warteschleife* "Ach da haben wir sie ja. Novemberregen mit N. Können Sie in einer halben Stunde hier sein?"

    Frau N: "Nein, ich bin ja im Büro und das Kind in der Schule. Es ist auch nicht eilig, sie hat keine Schmerzen. Ein Termin diese Woche reicht völlig aus."

    Kinderarzthelferin: "Dann kommen Sie um 11"

    Frau N: "Ich brauche einen Randtermin."

    Kinderarzthelferin: "Was für einen Termin?"

    Frau N: "Zu einer Randzeit. Morgens so früh es geht oder nachmittags so spät es geht."

    Kinderarzthelferin: "Morgens sind hier immer die Notfälle."

    Frau N: "Dann nachmittags."

    Kinderarzthelferin: "Da ist heute alles voll."

    Frau N. "Dann morgen oder übermorgen oder irgendwann."

    Kinderarzthelferin: "Also heute um 14:30 Uhr."

    Frau N: "Später geht nicht? Morgen? Übermorgen?"

    Kinderarzthelferin: "Morgen 11 Uhr?"

    Frau N: "Nein, nein, dann lieber heute 14:30, von mir aus, aber das wird bei Ihnen auch gemacht? Sonst geh ich lieber gleich zum HNO."

    Kinderarzthelferin: "Bitte mit dem Kind erst hierher kommen. Sie hatte ja im März das Ohr entzündet."

    Frau N: "Gut, dann bis später."

    - - -
    14:20, leere Praxis.

    Frau N: "Hallo, das ist Mademoiselle Novemberregen mit dem verstopften Ohr."

    Kinderarzthelferin: "Ja, bitte noch kurz ins Wartezimmer."

    Frau N: "Wo wir gerade etwas Zeit haben, möchte ich einen Termin für die U10 machen."

    Kinderarzthelferin: "Die können wir nicht jetzt einfach so machen, das müssen Sie anmelden!"

    Frau N: "Das will ich doch. Einen Termin machen."

    Kinderarzthelferin: "Wann ist sie denn geboren, ah, das sollten sie so im Dezember machen."

    Frau N: "Ich weiß, können wir einen Termin machen?"

    Kinderarzthelferin: "Das ist jetzt noch etwas früh."

    Frau N: "Aber mir wäre es wichtig, einen Randtermin zu bekommen, deshalb können wir vielleicht jetzt schon was ausmachen?"

    Kinderarzthelferin: "Was für einen Termin?"

    Frau N mit Déjà-vu: "Zu einer Randzeit. Morgens so früh es geht oder nachmittags so spät es geht."

    Kinderarzthelferin: "Morgens sind hier immer die Notfälle."

    Frau N: "Dann nachmittags."

    Kinderarzthelferin: "Da wollen immer die Berufstätigen."

    Frau N: "Eben."

    Kinderarzthelferin: "Aber so 14:30 passt Ihnen gut, so wie heute?"

    Frau N: "Nein, eigentlich gar nicht, deshalb hätte ich gern für die U10 einen späteren Termin oder an einem Tag, an dem ich sowieso frei habe."

    Kinderarzthelferin: "Jetzt kann ich aber noch keine Termine für Dezember machen."

    Frau N: "Bis wohin geht es denn jetzt?"

    Kinderarzthelferin: "Also so bis Ende nächster Woche. Da ist aber nachmittags nichts mehr frei."

    Frau N: "Okay, dann nicht."

    Kinderarzthelferin: "Das ist aber schon wichtig, die U10!"

    Frau N. "Ja - nein, vielleicht, weiß nicht, egal. Jetzt machen wir erstmal das Ohr."

    Kinderarzthelferin: "Sie können dann auch gleich mitkommen - Herr Doktor, hier ist die Ayse."

    Arzt: "Mademoiselle ist das. Die kenne ich doch. Worum gehts denn?"

    Mademoiselle: "Ich habe Dreck im Ohr, in dem rechten."

    Arzt: *guckt* Aha, hmhm, jaja. Also heute werden Sie wohl auch privat keinen HNO-Termin mehr kriegen. Da machen Sie das am besten selbst."

    Frau N: "Wie bitte?"

    Arzt: "Also, Sie machen da diese Tropfen rein, dann ein paar Minuten warten, und dann lauwarmes Wasser hier in diese Pumpe und nicht zu zaghaft ausspülen, müssen Sie ein paarmal machen."

    Frau N: "Wieso machen Sie das nicht??"

    Arzt: "Ich bin doch kein Ohrenarzt."

    Frau N: "Na und? Ich bin auch kein Ohrenarzt, ich bin überhaupt gar kein Arzt!"

    Arzt: "Sie sind doch Mutter, da werden Sie doch wohl mal das Ohr spülen können."

    Frau N: "Ich will das Ohr aber gar nicht spülen, ich mach doch keinen Arzttermin um gesagt zu bekommen, ich soll das Ohr spülen, das hätte ich auch im Internet nachlesen können!"

    Arzt: *lacht*

    Frau N: *orrrr*

    - - -

    Aber: Ohren ausspülen ist eine meiner bisher verborgenen Kernkompetenzen! Den Rest des Nachmittags ergingen Mademoiselle und ich uns in Träumen, wie wir dereinst einen speziell umgebauten Truck mit Chaiselongues durchs Land fahren, in dem wir verstopfte Ohren beheben - Mademoiselle träufelt die 10 Tropfen in die Ohren der Liegenden, die dann auf Großleinwand eine Folge Petterson und Findus vorgeführt bekommen - die mit dem rechten Ohr liegen auf der einen Seite, die mit dem linken auf der anderen. Leichtfüßig gehe ich mit der blauen Pumpe zwischen den Reihen umher und spüle dezent mit körperwarmen Wasser - das jeweilige Filmchen dürfen die Patienten natürlich noch zu Ende schauen. Die Patienten zahlen mir ihre 10 Euro Praxisgebühr und erhalten im Gegenzug ihren Brocken Ohrenschmalz im Papiertaschentuch.

    Wunderbar.




    Heute vor zig Jahren:

    Wir haben uns um 10 mit Ah vor McDonald's verabredet und waren zu früh da. Als Ah und Phil mit Eltern dann kamen, schlossen wir uns ihnen an. Sie sahen beide ziemlich seltsam aus, kommunionsmäßig. Phil trug einen dunklen Blazer, ein weißes Hemd, eine schwarze, mittelweite Baumwollhose und flache Herrenschuhe. Ah hatte eine hellblaue Jeans mit Bügelfalte, seine Jeansjacke und seine Rangers an. Die Jeans war so wenig gekrempelt wie möglich. Wir stellten fest, dass Phil wie das Kommunionskind und Ah wie der Cousin aussah.

    Im Gericht war es zuerst einmal schwer, den Saal zu finden. Außerdem mussten wir aufpassen, dass der langsame Karl nicht verloren ging, Pe und ich nahmen ihn in die Mitte, weil die Mutter vom Ah wild entschlossen schien, ihn abzuhängen, und Karl murmelte die ganze Zeit „Ach, ihr Röschen, was würde ich ohne euch machen, und was würde mein Junge ohne euch tun, ach, Röschen, lasst ihn nicht fallen, er ist ein guter Junge!“

    Um 10:30 Uhr begann die Verhandlung, wir wurden nicht gebraucht und durften auch nicht mit rein weil es ja eine Jugendsache war, also warteten wir im Gang. Da war ein Polizist mit dem wir uns unterhielten und der sagte, das sähe nicht gut aus, das gäbe Arbeitsstunden, aber reichlich. Nach einer Viertelstunde kamen alle schon wieder heraus. Es stellte sich heraus, dass man vergessen hatte, die Schöffen zu laden. Nach einer kurzen Unterhaltung vor dem Gericht, bei der die Mutter von Phil allen Anwesenden Phils Vorzüge pries, fuhren alle Eltern nach Hause und wir gingen mit den Kommunionskindern in die Altstadt. Ah kaufte sich ein Harrington-Jacket, dann gingen wir zu so einem Friseur, wo er sich die Haare wieder abrasieren ließ, die er sich nur für die Verhandlung wachsen lassen hatte. Der Friseur fand, es wäre zu viel wenn drei Zuschauer bei ihm im Laden stehen, also verbredeten wir uns für in 20 Minuten vor McDonald's. Pe und ich holten uns da einen Kaffee und als Phil und Ah wiederkamen, machte Phil uns die ganze Zeit dumm an. Da er uns sowieso nervte sagte wir, wir hätten keine Lust mehr, mit ihnen was zu machen und sie sollten jetzt weggehen.. Sie waren ziemlich verwirrt, aber gingen. Wir setzten uns auf eine Mauer und besprachen alles mögliche, dann fuhren wir auch nach Hause und gingen mit dem Hund raus.

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