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    Dienstag, 14. Mai 2019

    Wecker auf 7, aber eine halbe Stunde davor aufgewacht und als erstes den kindlichen Zeh begutachtet. Nunja. Sah besser aus als gestern, schmerzte laut Kind auch weniger und im Ruhezustand gar nicht mehr, aber er sah auch wirklich nicht so aus, als sei es eine gute Idee, 9 Stunden damit herumzulaufen. Ich bot dem Kind an, sich heut selbst homezuschoolen - ausreichend Themen (siehe: Hausaufgaben für 9 Fächer, Üben für 8 Klassenarbeiten, 50 Jahre auswendig lernen) gab es ja. Für gegen Mittag erbat ich Bericht, ob wohl ein Arztbesuch mit dem Zeh angezeigt sei. Dann ging ich ins Büro.

    Im Büro musste ich allen Ernstes etwas zu "Arbeitszeit" erklären - nicht etwa Auszubildenden oder Studenten oder so sondern ganz normalen Menschen. Eine größere Veranstaltung verlief erfolgreich. Ein paar Themen wurden auf den Weg gebracht. Die Bewerberin von Dienstag zog ihre Bewerbung zurück, weil sie denkt, dass sie eher eine Stelle sucht, die ein wenig anders ausgelegt ist. Das erleichterte mich - ich dachte nämlich dasselbe und wäre, hätte sie weiter Interesse signalisiert, in die Bredouille geraten, mir möglicherweise anzumaßen, besser beurteilen zu können, was sie will, als sie selbst. Ansonsten ein angenehm ruhiger Tag mit vielen Erledigungen und zwischendrin führte ich noch zwei Gespräche der Sorte "uahh", also solche, bei denen man Kollegen etwas sagt, das sie wissen sollten, aber das niemand gerne anspricht.

    Das Kind meldete zu Mittag eine Besserung der Befindlichkeit des Fußes und Appetit auf Bolognese mit "diesen Spaghetti aber in breit und flach". Also Tagliatelle. Bevor ich dafür einkaufen ging - der Kochplan hatte eigentlich Nudeln mit Tomatensoße vorgesehen, aber gewünschtes Essen bereite ich immer zu und wenn der Appetit auf Bolognese so groß ist, dass die Vegetarierin eine Ausnahme macht, erst recht - konnte ich noch für zwanzig Minuten (das ist Rekord bislang!) den Nachfolger vom Oberchef sprechen, bevor er wieder für mehrere Tage verreist. Die Dinge, die er mir hinterlässt, werden mich aber für deutlich länger, als seine Abwesenheit andauert, gut beschäftigen.

    Zu Hause angekommen, überzeugte mich die "Besserung" an Ms Fuß nicht, aber sie lief durch die Wohnung, nicht wirklich mit Abrollen über die Zehen sondern eher auf der Fußkante, aber wohl dabei immerhin schmerzfrei. Der Zeh lässt sich auch in alle Richtungen bewegen und als ich später einen Salbenverband anlegte, war er nicht sonderlich schmerzempfindlich. Wir haben nun vereinbart, dass morgen noch abgewartet werden kann, aber wenn Freitag keine deutliche Besserung eingetreten ist, muss der Fuß zum Arzt. Ich kann solche Verletzung nachweislich schlecht einschätzen - als ich selbst mir Kreuzband, Innenband und Meniskus gerissen hatte dachte ich ja beim Aufwachen aus der Narkose noch, dass der Operateur nun sicher berichtet, wie er sich geirrt hat und es doch halt nur ein blauer Fleck war. Nunja.

    Für das Kind ist Sport für den Rest der Woche abgesagt, für mich nicht, ich ging genau dort nämlich am Abend hin. Mit steigender Wehmut in Bezug auf den Kampfsport - es ist natürlich auch ganz nett, bei einer Art Gymnastikkurs, der in einer Kampfsporthalle stattfindet, immer mal wieder wie so jemand ohne Impulskontrolle gegen einen Sandsack zu treten oder eine Gummifigur zu boxen, aber deutlich schöner ist es schon, wenn man nur das tun kann statt Gymnastik. Vielleicht muss ich meine Entscheidung noch einmal überdenken.

    Wieder zu Hause erbat M noch ein klassenarbeitsvorbereitendes Gespräch über den brutalen Strategen Bismarck und seinen Kaiser Wilhelm I., der mir von ihm immer angetan und angestrengt zugleich erschien ("Es ist nicht leicht, unter einem solchen Kanzler Kaiser zu sein").

    Morgen gerne weniger von allem.

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