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    Sonntag, 5. Juni 2016
    WmdedgT 6/2016

    (Was das ist und die übrigen Einträge dazu finden Sie hier)

    Der 5. begann, wie gesagt, mit einer wunderbaren Dusche nach Mitternacht und dann knapp 8 Stunden Tiefschlaf, was ich der enthusiastischen Gratulation des Fitnessdingsis am Morgen entnahm. Kurz überlegte ich, ob ich sogar noch weiterschlafe, aber momentan ist ja leider Gefahrenlage Migräne, das verlangt nach konsequentem Tagesrhythmus.

    Herr N weilte in Idomeni, ach nein, Rock am Ring war das, das Kind hatte bei einer Freundin übernachtet, ich schaute nach Neuigkeiten von beiden im Internet, trank Kaffee und las alles Mögliche, fuhr eine Runde Rad, auf dem Rückweg beim Bäcker zwecks Frühstück vorbei, dann Lesen, Katzen, Telefonieren, Schreiben und so weiter.

    Vor einer Woche hatte ich auch Rhabarber gekauft, also bestellt, beim Gemüsemann. Manche Dinge dauern bei mir länger, als ich mir vorher ausmale, so z.B. das Kochen von Rhabarbermarmelade. Das ist aber nicht schlimm. Ich stelle mir dann immer vor, ich wäre in einem Adventure - an einem Tag bestelle ich Rhabarber, ein paar Tage später finde ich ihn in der Garage, wieder ein paar Tage später sehe ich Gelierzucker im Supermarkt, heute nehme ich zufällig den Topf, in dem ich immer Marmelade koche, aus der Spülmaschine und so fügt sich alles wunderbar zusammen, ich sehe beinahe dieses kleine Funkeln und "bling", das in solchen Adventures für einen neuen erreichten Meilenstein im Spiel steht, drücke mental CTRL-S und habe Rhabarbermarmelade im Glas. Sehr lecker, aber leider sehr hässlich. Ich hatte einen Tipp bekommen, von einer alten gebeugten Frau die ich zufällig im Wald bei der Suche nach Pilzen traf und der ich den Korb trug, dann kam ein Zombie hinter einem Baum hervor und den erledigte ich mit dem Schwert, als Dank zeigte mir die gebeugte Frau ein Astloch, in dem ich diese alte Schriftrolle fand, die sich dann später als das Rezept für Rhabarbermarmelade entpuppte - also fast ganz genau so ungefähr war es jedenfalls - und da stand drin, man solle die Schalen erstmal mitkochen und vor dem Pürieren mit der Gabel entnehmen, dann würde die Farbe attraktiver. Stimmt nicht, war halt nur ein weiterer Twist im Adventure, denn entnehmen sie mal irgendwelche Schalenfäden mit einer Gabel aus einem Topf heißbrodelnder Zuckermasse. Ich verlor ein paar Lebens- und Karmapunkte. Vielleicht hätte ich noch an irgendeiner Stelle einen Teflonhandschuh aufsammeln müssen. Die Farbe ist also hässlich wie immer, der Geschmack hervorragend, wir essen einfach im Dunklen.

    Dann noch etwas, das gar nicht passiert ist: ich hatte schon genau vor Augen, wie der Bäcker beim Kauf der Frühstücksbrötchen wegen des 20-Euro-Scheins frisch aus dem Bankautomat Theater macht. Ehrlich gesagt ging ich extra deshalb vorher Radfahren, damit ich etwas entspanner reagieren kann. Ich hatte nämlich wirklich Null Münzgeld, das hab ich alles gestern beim Cocktailtrinken als Trinkgeld dagelassen. War aber gar kein Problem mit dem Schein. Meine vorweggenommene Überreaktion war bloß dem Besuch im Wäschegeschäft vor ein paar TAgen geschuldet, dort war ich nämlich um - Überraschung - Wäsche, also Unterwäsche zu kaufen. Kann man natürlich auch online, manchmal gerate ich aber in diese Gemütsverfassung, in der ich den Einzelhandel retten möchte. Ist ja auch schön, früher ging es per BH-Verbrennung gegen das Patriarchat, heute per BH-Kauf für den Kommerz. Man weiß bald gar nicht mehr, was richtig ist. Immerhin gehört der Wäscheladen einer Frau, sonst wäre jetzt alles noch komplizierter. Online ist es 10-15 Euro billiger, das sage ich gleich. Ich dachte aber, im Laden, bei dem ich sowieso täglich vorbeilaufe, ginge es schneller. Das ist leider falsch, die Frau muss bestellen. Natürlich kann sie nicht alles im Regal haben, Platz und Ladenmiete und so weiter, alles schwierig, sie hat es mir genau erklärt. Ganz genau. Aber wie gesagt, schwierig, genau wie für den Bäcker, der ja auch nicht immer genug Wechselgeld haben kann, wo soll die arme Bäckersfrau das morgens um 4 hernehmen, wenn der Mann die Brötchen aus dem Ofen holt, auch alles schwierig, dafür hab ich Verständnis, nur gibt es bei mir vor Ort sowieso nur noch Kettenbäcker, Großbetriebe, die könnten einfach ihre Kasse ordentlich auffüllen. Hatten sie aber ja auch, war ja gar nichts. Ausnahmsweise mal, möchte ich sagen, aber das wäre ja wie Nachtreten.

    Was der Bäcker und die BH-Frau gemeinsam haben? Nichts, bzw. sie haben beide etwas nicht, nämlich die Möglichkeit der Kartenzahlung. Wo kommen wir denn da hin, wenn alle immer mit Karte zahlen würden, fragte die BH-Frau entrüstet. Ins 21. Jahrhundert hätte ich fast gesagt, hab ich mir aber vernkiffen, nur in Unterwäsche bin ich etwas schüchtern.

    Das war alles natürlich gar nicht heute, aber ich erzähle trotzdem, wie es ausging. Die Frau bestellt jetzt, dann ruft sie mich an, dann darf ich mit Bargeld vorbeikommen und meine Ware holen. Immerhin bekommt man beim Offline-Kauf keinen Spam. Wobei. Gestern dachte ich ja, meine Sachen wären schon eingetroffen. Die BH-Frau hatte nämlich angerufen. Es ging aber nicht um die Abholung sondern sie sagte, irgendwie rauchiger als neulich im Ladengechäft: "Ich habe da heute auch noch eine andere Lieferung bekommen, das würde ich einigen besonderen Ladies gerne präsentieren! Es ist etwas, nun, Spezielles! Sie wissen... für die Zeit zu Zweit!" Klassischer Offline-Spam. Hoch lebe der Einzelhandel.

    Nachmittags kehrte die ganze Familie zurück, Herr N. hat sein völlig verschlammtes und zerrüttetes Zelt sowie ein paar Schuhe einfach bei Rock am Ring zurückgelassen. Falls Sie also demnächst von einem sensationellen Wurfzeltangebot hören - gerne online! - sagen Sie mir Bescheid. Das Kind hat nach jetzigem Kenntnisstand alle Sachen wieder mit nach Hause gebracht.

    Ein kleiner Tipp noch: ich habe neulich ein Video gefunden, wie man Festival-Bändchen vom Arm bekommt, ohne sie aufzuschneiden. Ich habe zwar keine Ahnung, wozu man das wollen sollte, aber in den unerwartetsten Situationen kann man genau mit solchen Inselfertigkeiten punkten. Schauen Sie also hier, die 49 Sekunden sind gut investiert.

    Was ich heute den ganzen Tag gemacht habe? Eigentlich gar nichts.


    Bingecreating-Bild dazu, gezeichnet von Umienne:

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