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    Montag, 12. Oktober 2015
    Blogging November - 1439

    Die Probleme, heute Morgen ein Frühstücksbrötchen zu kaufen, begannen eigentlich schon gestern: als nämlich der Pizzalieferdienst für irgendwas über 20 Euro nicht auf 50 rausgeben konnte. Muss man das verstehen? Ich denke nicht. Zumal er auch immer jammert, wenn man mit Karte zahlen möchte.

    Heute morgen dann, unterwegs, erörterte ich mit mir selbst intensiv, welchen Bäcker ich aufsuchen möchte. Es gibt nämlich zwei in derselben Straße, beide haben keine wirklich guten Brötchen, das kann ich ja beurteilen, aber die vom einen sind einen Tick besser als die vom anderen. Dafür ist der Verkäufer ein Ekel. Oder: Wir haben in den letzten 10 Jahren keine gute Gesprächsebene miteinander gefunden. Ich habe also selten Lust, dort einzukaufen, jedes Mal nehme ich mir vor, den Verkäufer einfach zu ignorieren, aber jedes Mal fällt ihm etwas Neues ein, das mich ärgert. Meistens gehe ich extra hin, um nicht nicht hinzugehen.

    So entschied ich mich auch heute, mich nicht von einem idiotischen Verkäufer vergraulen zu lassen, ging zur Bäckerei mit den etwas besseren nicht so guten Brötchen und stand vor einem leergeräumten Ladengeschäft mit verschlossener Tür. Da gibt es keine Brötchen mehr, auch keinen doofen Verkäufer, ich verspürte etwas Mitleid (wo ist er jetzt? was macht er nun?), aber auch gleichzeitig Ärger (keine Closure, die Situation wird für immer ungelöst bleiben).

    Also ging ich zum anderen Bäcker, dort sagte ich, bevor ich etwas bestellte: "Ich habe leider nur einen 50-Euro-Schein, können Sie darauf rausgeben?" - "Nee", sagte die Verkäuferin. "OK", sagte ich. Damit wäre es eigentlich gut gewesen, finde ich. Die Verkäuferin war anderer Ansicht und begann einen Vortrag, über die unverschämten Kunden, die mit großen Scheinen kommen, keinerlei Empfinden dafür haben, wie das mit dem Wechselgeld ist, sich nicht in die Situation der Verkäuferin hineinversetzen können, oder es ist ihnen einfach völlig egal. Alles ja für mich nicht zutreffend, sehr wohl habe ich schon in Bäckereien verkauft und auch über das Problem mit dem Schein nachgedacht, daher ja meine Frage überhaupt, aber vom Oberchef habe ich gelernt: Nie rechtfertigen. Also sagte ich: "Nee - eigentlich bin ich extra damit gekommen, um Sie zu ärgern, ich will gar nicht wirklich was kaufen!", drehte mich um und ging.

    Und zwar in die Cafeteria des Rapunzelturms, dort gibt es auch Brötchen und ich kann sie per Codekarte bezahlen. Mit den Damen in der Cafeteria läuft es zwar bekanntlich auch nicht immer gut, aber ich hatte heute keinen Kaffee von anderswo und das Beklopptenpotenzial natürlich auch schon in Bäckerei 2 ausgeschöpft, das Risiko eines Zusammenstoßes in der Cafeteria erschien mir kalkulierbar.

    Der Einkauf verlief auch reibungslos. Aber dann habe ich überreizt:

    Frau N: Eine Frage noch - mir ist aufgefallen, dass auf den Laugenstangen und Croissants und so immer Käse und Putenbrust ist. Gibt es die auch in vegetarisch und ich bin nur immer zu spät dran? Oder gibt es das gar nicht?

    Cafeteriafrau: Das gibt es nicht und das gab es auch noch nie!

    Frau N: Ach, schade. Könnten Sie das mal als Anregung weitergeben?

    Cafeteriafrau: Sie können doch einfach die Putenbrust runternehmen und wegschmeißen.

    Frau N: Nein, das möchte ich nicht, das schmeckt dann auch danach.

    Cafeteriafrau: Das hätten Sie wohl gern, dass ich Ihnen Ihre Laugenstange extra belege!

    Frau N: Nein, das möchte ich gar nicht, ich möchte nur, dass Sie das als Anregung weitergeben.

    Cafeteriafrau: Das seh ich aber gar nicht ein!

    Frau N: Müssen Sie auch nicht. Weitergeben reicht.

    Cafeteriafrau: Nä, das mache ich nicht. Da müssen Sie sich in Ihrem Büro an wen wenden, der was zu sagen hat, dann können die mit meiner Chefin sprechen, da können Sie sich ja beschweren. Wenn da irgendjemand Leitendes bei Ihnen die Zeit zu hat.

    Frau N: Ach, diese Person bin ich ja praktischerweise selbst. Dann mache ich das gleich vom Büro aus.


    Hab ich aber nicht. Ich hatte keine Zeit. So lange ich keine einzelnen Brötchen von Amazon ins Büro bestellen kann, werde ich mir aber vielleicht in nächster Zeit besser zu Hause ein Butterbrot streichen und mitnehmen.

     
    "Hab ich aber nicht. Ich hatte keine Zeit."

    Fantastisch! :D
     
    Genau! Sowas von voll aus dem Leben, der letzte Absatz. Aber auch der ganze Beitrag. Mir ist, als wäre ich nur fünf Minuten nach Frau N. in die gleichen Läden gegangen und hätte dort die gleichen Dialoge erlebt. Was dann ja auch die schlechte Laune des Personals erklären würde.

    Übrigens: Das mit der selbst geschmierten Stulle praktiziere ich inzwischen seit Jahren. Aus Gründen.

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    Wie hat die Cafeteriafrau eigentlich reagiert, als Sie sagten, dass Sie praktischerweise selbst die leitende Person sind?
     
    Gar nicht. Die Frau arbeitet in einem Bankenturm, da meint jeder, er sei irgendwas Leitendes. Eine Profilneurose ist sozusagen die Eintrittskarte.

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    Sie haben was vergessen:

    Alle irre.

    Gern geschehen.
     
    Ach, ja, danke :-)

    Ich hatte heute Frühstücksbesuch von der Kraulschimmpartnerin. Sie brachte die Brötchen mit. Ein Glück für mich.

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    >Sie können doch einfach die Putenbrust runternehmen >und wegschmeißen.

    Urrgh. Tiere quälen, um sie nachher wegzuwerfen, ist ja irgendwie noch schlimmer, als sie zu essen. Ich hoffe, dass Sie die Zeit zur Weitergabe der Anregung vielleicht doch noch finden.

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    Tsss … & da sagt man immer, die Berliner wären maulig o_Ô
    Aber diese Art Dialoge mit der Cafeteriaristin des Rapunzelturms kenn ich aus den Daily in der Springerpassage :D
     
    Berliner sind nicht maulig, haben nur keine Zeit/ Lust, vor dem Kern der Konversation dem Gesprächspartner Honig ums Maul zu schmieren. (Der unverhohlen aufgesetzten Sch*ßfreundlichkeit schwäbischer Verkäuferinnen würde ich jederzeit einen Berliner Busfahrer vorziehen. Der ist wenigstens ehrlich.)
     
    Ich war im Mai in Berlin und im Jahr davor im Herbst (glaube ich) - beide Male waren dort wirklich niemand unfreundlich zu mir. Auch kein Taxifahrer. Nicht scheißfreundlich, sondern normale Frage, normale Antwort. Mehr brauche ich gar nicht.
     
    :-) Pragmatisch sind wir ;-)

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    Können Sie bitte in Anlehnung an die vorangegangenen Diskussionen betreffend dem fremden Kaffee das nächste mal mit fremdem Vegi-Brötchen einen Kaffee kaufen gehen? Ich wüsste gerne, ob die neue Konstellation weitere Diskussionen schürt und ob Sie irgendwann Cafeteria-Verbot erhalten (inklusive Ganoven-Foto an der Wand, versteht sich) ;)

    Und wunderschönst auch die Einsicht mit der vorhandenen Grundausstattungs-Neurose. Wirklich sehr gelungen.

    ***
     
    Ich bin ja gar keine Vegetarierin, ich mag nur nichts Geräuchertes. Und die belegten Brötchen beim Starbucks sind mir zu teuer.

    Aber Sie haben Recht, das wäre interessant. Vielleicht spare ich mal auf einen Versuch hin.
     
    Fragen Sie doch einfach beim nächsten Starbucks-Besuch ob Sie lediglich eine Tüte haben können - da können Sie dann ihre Privat-Stulle drin transportieren - geht ja lediglich ums Prinzip und nicht ums Geldausgeben :)

    Ich bin gespannt auf den Versuch.

    ***

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