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    Samstag, 3. Oktober 2015
    Blogging November - 1431

    Der Plan war, heute den ganzen Tag auf der Couch zu sitzen, so selten habe ich die Gelegenheit dazu, dass ich sie unbedingt nutzen wollte. Allein: innere wie äußere Umstände machten es mir mehr als schwer.

    Zu den inneren Umständen: ich bin nicht leidensfähig. Erzählen Sie mir von irgendeiner misslichen Situation, ich werde Ihnen kaum bis zum Ende zuhören können, schon arbeite ich an Verbesserungsvorschlägen, meistens natürlich an komplett ungewollten. Missliche Situationen heute auf der Couch: Kaffeetasse leer (ca. 10 Uhr), Wasserflasche leer (ca. 14 Uhr), Appetit auf Schokolade (ca. 20 Uhr). Kaffeetasse leer führte zur Kaffeemaschine, soweit logisch, diese begehrte, entkalkt zu werden, Dauer laut Betriebsanleitung 40 Minuten, ich glaubte der Anleitung nicht, wie lang kann es schon dauern, 500 ml Entkalkungsflüssigkeit durch einen kopierpapierkartongroßen Kasten zu jagen - es dauerte exakt 38 Minuten, die zwei übrigen habe ich gespart, weil ich mich beim Wasserwechsel und ausgießen diverser Auffangbehälter besonders flink anstellte. Danach wollte die Maschine dann gereinigt werden, da war dann sogar ich etwas verstimmt, aber reinigen geht schnell, also auch noch gereinigt. Spülmaschine ausgeräumt, Frühstück gemacht, Wäsche ab- und aufgehängt, andere Wäsche in die Maschine gepackt, Küchentisch aufgeräumt, Betten gemacht - jetzt aber schnell zurück auf die Couch, hat ja keiner gemerkt!

    Wasserflasche leer war einfacher, aber nur fast, denn beinahe hätte ich dafür ins Büro fahren müssen, die Wasseraufprudelpatronen sind nämlich leer und der Nachschub liegt im Büro, in Anbetracht der derzeitigen Situation in Frankfurt wäre ich dann vermutlich erst in ein paar Tagen wieder auf der Couch gelandet. Man kann Leitungswasser aber ja auch unaufgesprudelt trinken, also nur schnell Hefeteig gemacht und 1kg Zwiebeln geschnitten und Speck angebraten und so und wieder die Spülmaschine und Katzenklos gereinigt, geduscht, nochmal andere Wäsche in die Waschmaschine, die Arbeitstasche aussortiert, im Bad 2 Schubladen und 1 Regalbrett aussortiert sowie eine Stiftekiste aus dem Büro und einen Karton mit diversem Zeug, die Besteckschublade ausgeräumt und ausgewischt und die lockere Tür vom Küchenschrank wieder angeschraubt und schnell zurück auf die Couch.

    Das mit der Schokolade war dann wirklich leicht. Nur noch eine Wärmflasche für das Kind, die Wäsche nochmal aufhängen, den Katzentrinkbrunnen reinigen und die Blumen auf dem Balkon gießen, ein paar Notizen zu dringenden Erledigungen der nächsten Woche machen, Weihnachsgeschenke mit meiner Schwester planen, dem Kind einen Vokabeltrainer einrichten und diverse Schulzettel unterschreiben, im Kinderzimmer ein Regal freiräumen, aussortieren, im Schlafzimmer eine Schublade und in der Küche einen Boden in einem Hängeschrank und auf dem Kühlschrank obendrauf aufräumen und schon saß ich mit Schokolade auf der Couch.

    Ich sehe ganz deutliche Fortschritte, aber gebe zu: mein Couchsitzen ist noch nicht perfekt. Perfekt, so habe ich mir überlegt, würde es wahrscheinlich nur mit Personal. Das habe ich aber nicht. Und ich besitze auch nicht die absolute Kaltschnäuzigkeit, mit der Mademoiselle mich von der Couch aus mit ihrem Handy auf meinem - während ich in der Küche Zwiebeln anbrate - anruft, weil sie weiß, dass Textnachrichten auf meinem Handy keine Mitteilungstöne verursachen, um folgendes zu sagen: "Mama, kannst du mir mal kurz ein Ladekabel bringen?" - Und auf meine mehr als perplexe Frage "Wo bist du?" ohne jegliche Regung in der Stimme "Im Wohnzimmer auf der Couch." zu antworten.

    In meiner Verblüffung brachte ich sogar das Gewünschte. Danach habe ich ein paar Stunden überlegt, ob ich mich jetzt darüber ärgere, aber dazu ist es einfach zu lustig.

    Und sowieso saß ich ja fast nur auf der Couch.

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