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    Mittwoch, 21. Oktober 2015
    Blogging November - 1447

    Erschreckend! Neueste Studien zeigen: 4 von 6 Erwachsenen können keinen Purzelbaum unter Wasser!

    Diese alarmierenden motorischen Defizite wurden heute im Kraulschwimmkurs offenbar. Es ging in der letzten Stunde des Kurses "Kraulschwimmen Fortgeschrittene" um die Rollwende. "Wassergewöhnung" hatte sich die Kraulschwimmpartnerin gewünscht, auch ich wäre der Übung "Baumstamm" nicht abgeneigt gewesen. Es war ein harter Tag, meine Nahrungsaufnahme bestand im Wesentlichen aus viel schlechtem Kaffee im ICE, dann Weißwein (mag ich sowieso nicht wie jeder weiß) im Büro und ein paar Handvoll Chips. Ich saß/stand/trieb zum ersten Mal ernsthaft zähneklappernd im Wasser.

    Die Übung der Rollwende begann aber tatsächlich wie Wassegewöhnung: man machte sich mit angezogenen Beinen, darum geschlungenen Armen und Kopf auf die Brust zu einem Päckchen und trieb so, Gesicht nach unten, Rücken nach oben, mehrere Sekunden lang im Wasser. Man darf nicht vergessen: wir haben Personen im Kurs, die noch vor kurzem "Ich kann es nicht haben, wenn mein Mund nass wird!" oder "Ich habe Angst unter Wasser!" sagten.

    Als alle gut wie ein Päckchen treiben konnten, ging es weiter. 6 Züge kraulen, dann eine Rolle im Wasser, dann weitere 6 Züge kraulen, wieder eine Rolle, etc. Hier traten die größten Schwierigkeiten zutage. Viele Erwachsene können heutzutage keine Rolle mehr. Skandalös!

    Der Kraulschwimmlehrer bemühte sich redlich mit Tipps: man solle sich im Wasser mit ausgestreckten Armen leicht vorbeugen - so, als ob man zum Beispiel ein Häschen fangen wolle! An dieser Stelle erstaunte die Bildsprache sogar mich. "Kannst Du das mit dem Häschen fangen nochmal vormachen?", verlangte die Streberoma. Der Kraulschimmlehrer beugte sich häschenfangend am Beckenrand. "Was alle immer falsch machen, also jeder Kurs, immer", freute er sich dann, "ist, nach der Rolle den Brustschwimmbeinzug zu machen. Ihr macht das auch alle falsch. Alle! Wir sind hier im Kraulschwimmkurs. Macht Kraulbeine. Alle nochmal!"

    Als nächstes wurden geübt, die Rolle im Wasser vor dem Beckenrand zu machen. Dabei sollte jede/r den richtigen Abstand herausfinden, um später liegend mit angewinkelten Beinen mit den Füßen an den Rand zu komme, um sich abstoßen zu können - zunächst einmal auf dem Rücken. Dabei verlor ich einmal auf so wundersame Weise die Orientierung, dass ich jetzt eine sehr schmerzhafte Beule am Kopf habe. Nach und nach fanden aber alle heraus, wo die Rolle ungefähr stattfinden muss.

    Es folgte die Übung des Abstoßmomentes der Rollwende. Zu diesem Zweck hielten wir uns am Beckenrand fest, ließen dann los, sackten also etwas ins Wassser, stießen mit den Beinen ab und drehten uns in dieser Bewegung um 180 Grad um die Körperachse auf den Bauch. "Unter Wasser oder über Wasser drehen?" fragte die Streberoma. Unter Wassser.

    Es blieb nun nur noch, diese Elemente zu verbinden: Anschwimmen, zum richtigen Zeitpunkt Rolle mit Häschen fangen, dabei schon halb und im Abstoßen von der Wand ganz auf den Bauch drehen, unter Wasser gestreckt gleiten, Kraulbeine, Kraularme. Der Kraulschwimmlehrer machte es auf dem Trockenen vor. Eine der lustigsten Sachen, die ich in letzter Zeit gesehen habe.

    Das übten wir alle noch ein, es gelang den meisten ganz gut.

    "Das war die letzte Stunde", sagte der Schwimmlehrer dann. "Euch vier" - er deutete auf die Streberoma, die nette Frau, die Kraulschwimmparterin und mich - "sehe ich im nächsten Fortgeschrittenenkurs". Und Euch" - er deutete auf Luigi und Nanni - "äh - nicht." Luigi und Nanni hatten den Fortgeschrittenenkurs schon zum zweiten Mal gemacht. Öfter darf man nicht.

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