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    Freitag, 20. November 2015
    Blogging November - 1481

    Möglicherweise habe ich schon einmal erwähnt, dass Spiele für mich ziemlich ernst sind. Kurze Nebenbemerkung: mir scheint, ich verwende ich letzter Zeit häufig das Wort ernst/Ernst, oder zumindest gefühlt häufig, Zahlenmaterial zu meiner Verwendungshäufigkeit habe ich natürlich nicht erhoben, aber jedes Mal frage ich mich, ob es wohl groß oder klein geschrieben wird. Ich habe das jetzt nachgeschlagen, eigentlich hätte man (ich) es wissen müssen, es ist nämlich ganz und gar logisch, wenn Sie auch unsicher sind, schauen Sie hier, dann wissen Sie auch Bescheid. Bescheid groß, das muss ich nicht nachschlagen. Ganz sicher nicht! Sonst würde es auch schwierig, sonst hätten wir so eine Situation wie die, in der man immer wieder von der Wohnungstür zurückrennt, um zu schauen, ob man den Herd ausgeschaltet hat. Stellen Sie sich das mal vor, wenn ich mich hier bei jedem Wort erst vergewissere, ob ich es auch richtig geschrieben habe, und dann evtl. zweimal, um auch noch sicherzugehen, dass ich beim ersten Mal richtig geschaut habe. Und das, wo ich sowieso jetzt gerade in wenigen Minuten fertig sein muss. Früher hatte ich ja Frau Grasdackel, die mich gerne auf Rechtschreibfehler hingewiesen hat, Frau Grasdackel bitte zu Posting 1481!

    Egal, zurück zum Ernst des Spiels. Das erste Spiel, das mich nachts nicht schlafen ließ, war "Gianna Sisters", das spielte ich auf dem C64, ein Jump'n'Run-Spiel mit einem Mädchen, das mit dem Kopf Steine zerdeppern kann, auf Eulen springt und Diamanten sammelt. Ich war dieses Mädchen im Schlaf. Ich war aber auch saugut in diesem Spiel. Es war nur etwas anstrengend, weil ich bei der Eulenspringerei mit dem Bein immer gegen die Wand donnerte oder mich bei den Stößen mit dem Kopf am Schreibtisch, der direkt hinter dem Kopfende meines Bettes stand, stieß. Morgen war ich wie gerädert.

    Bald hatte ich Gianna Sisters aber durch und spielte Cosmo, ebenfalls auf dem C64, ein komisches froschartiges außerirdisches Wesen mit Saugnäpfen an den Händen. Cosmo war ich nicht selbst, aber er tauchte in meinen Träumen auf und war ständig irgendwo festgesaugnapft, wo ich gerade hingreifen wollte. Überall waren dann diese Frösche plötzlich, auch viele Nächte lang, aber besser als überall Ameisen auf dem Boden oder überall halbtote Marder auf der Landstraße, das hatte ich auch schon, dann lieber außerirdische Saugnapffrösche.

    Nicht, dass das Problem jetzt auf die Unterhaltungselektronik geschoben wird. Die nächste Sammlung an miesen Nächten bereitete mir die Siedler von Catan. Täglich 8 Stunden mit einer Freundin gespielt, während wir eigentlich unsere Magisterarbeiten schreiben sollten bzw. wollten bzw. es die einzige logische Alternative erschien. Niemand, den ich kenne, spielt so schlimm gut wie diese Freundin und so absolut erbarmungslos. Im Traum redete ich mir den Mund fusselig um Lehm oder Getreide, unternahm weite Reisen zwecks Beschaffung dieser Rohstoffe und lief mir generell die Füße wund nur um hinterher doch nichts zustande zu bringen weil sie mir immer einen Schritt voraus war. 6 Monate hat man ja für eine Magisterarbeit damals gehabt, ich glaube, ich habe in diesen 6 Monaten nicht ein einziges Spiel gewonnen. Sehr traumatisch.

    Die nächste Episode geschah mit New Super Mario Bros., gespielt auf dem Nintendo. Das Level mit den Pilzen, ich glaube, Level 3 in Welt 1 ist das (bzw. ich bin mir absolut sicher, das habe ich jetzt nicht nachgeschaut, falls Sie irgendann mal bei Günther Jauch sind und was über Super Mario Bros gefragt werden, rufen Sie auf jeden Fall mich an, ich weiß alles!). Die Pilze sind hoch in der Luft und verhalten sich wie riesige Trampoline, man kann diesen kleinen roten Klempner gar nicht richtig steuern, ständig fliegt er ganz hoch in die Luft und wenn man Pech hat, klemmt man ihn versehentlich zwischen Pilztrampolin und irgendwas obendrüber ein und er dotzt mit 320 bpm auf und ab, das bereitet mir körperliche Schmerzen, auch wenn Mario selbst unbeschadet daraus hervorgeht. Im Traum - ich kann mich im Traum normalerweise auf die üblichen Arten fortbewegen und zusätzlich auch fliegen, wobei es wichtig ist, an Straßenecken, vorzugsweise an Ampeln / Straßenlaternen senkrecht zu starten und dann dem Straßenverlauf in der Luft zu folgen, Ordnung muss sein - waren plötzlich auch überall Pilztrampoline, bzw. die ganze Welt war ein Pilztrampolin geworden, alles federte und dotzte, das waren sehr unglückliche Nächte für mich, bis ich alle Welten durchgespielt und restlos alle Münzen gesammelt hatte, vorher konnte ich nämlich nicht aufhören.

    Dann kam CandyCrush. Ständig platzende Bonbons im Traum. An Candycrush habe ich mir ein Überbein am Handgelenk erspielt, da war ich ernsthaft verärgert, also von heute auf morgen kalter Entzug. Die Träume hielten noch ein paar Wochen an, das Überbein hat sich zurückgebildet.

    Interessanterweise hab ich noch nicht von herumfliegenden Buchstaben geträumt, obwohlich ja wirklich seit fast einem Jahr exzessiv Scrabble (also: Wordfeud) spiele. Es wäre zu hoffen gewesen, dass es einfach eine Erscheinung zunehmender Reife (bei mir, nicht dass da ein Missverständnis auftritt, die reife Person bin ich!) ist. Hätte ich darüber nachgedacht, hätte ich mir das sicher so erkärt.

    Heute Nachmittag döste ich aber auf der Couch kurz weg, ich träumte nicht Spezielles, irgendwas von Koffer auspacken und irgendwo hingehen. Soweit alles harmlos, nur: der gesamte Traum hatte eine Hintergrundmusterung, wie eine Tapete, nur eben auch draußen. So ein feines, fast transparentes Bild, das sich über alles legt. Dieses Bild war: ein Backgammonspielfeld.

    Jetzt ist es so: Bei allen anderen Spielen trat dieser Effekt erst auf, als ich sie schon so halbwegs gemeistert hatte. Leider ist das bei Backgammon nicht der Fall, ich habe gerade zuverlässig verstanden, in welche Richtung ich ziehen muss, ohne, dass ich es jedes Mal nachschauen müsste. Das wird noch interessant.

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