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    Samstag, 14. November 2015
    Blogging November - 1475

    Wenn man sich an einem Samstag den Wecker auf 8 stellt, muss das schon einen guten Grund haben. Meiner war: ein kulinarischer Spaziergang durch Offenbach.

    Wir starteten in einer deutsch-türkischen Bäckerei Cavus, die von 6 Brüdern betrieben wird und ins ganze Rhein-Maingebiet liefert. Hier ist sozusagen der Werksverkauf und neben dem klassichen Sortiment an Brötchen, Sahnetorten und Kreppeln gibt es Börek, Baklava, türkisches Gebäck, Sesamringe und Unmengen an Fladenbroten. Als Snack gab es hier einen Sesamring.

    Direkt neben dieser Bäckerei ist ein großer türkischer Supermarkt mit viel frischem Obst und Gemüse, Kräutern, die ich sonst immer nur auf dem Wochenmarkt finde alle Hülsenfrüche dieser Welt und ansonsten allen Zutaten, die ich schon immer für die Otto-Lenghi-Gerichte mühsam zusammengesucht habe. Ich kannte den Supermarkt (noch als Bayram-Markt, jetzt heißt er anders und ich konnte mir nicht merken, wie) zwar schon, er hat nämlich im Sommer die besten Wassermelonen, aber die kann man gleich draußen kaufen, deshalb hatte ich ihn noch nie von innen gesehen. Sehr einladende Fleischtheke, nebendran auch ein Fischgeschäft.

    Gegenüber ist die Mevlana-Moschee. Mademoiselles evangelischer Kindergarten hat mit dieser Moschee einiges zusammen unternommen wie z.B. gemeinsame Gottesdienste, Feiern und Besuche, daher kenne ich die Moschee schon. Es gibt dort auch ein kleines Restaurant, das täglich zwei Suppen, ein Mittagsgericht und diverse Snacks und Beilagen, Döner und Desserts führt. Wir probieren verschieden belegtes Pide.

    Der nächste Stopp ist ein Geschäft für kroatische Spezialitäten und Geschenkartikel von Trgovina Ivkovic, den es seit 52 Jahren gibt. Im Sortiment unter anderem Mademoiselles heißgeliebte Lane-Biscuits und diverse andere Süßigkeiten, die sie oft aus der Grundschule mitgebracht hat. Und viele verschiedene Schnäpse, sehr viel eingelegtes Gemüse und hervorragende Kartoffelwurst in scharf und nicht scharf. Faszinert war ich von der Auslage: Heiligendevotionalien (u. a. Kaffeetassen mit Jesusgesicht mit verblüffend großer Nase, daneben Plastikblumen (soweit noch nachvollziehbar), dann jedoch eine Winkekatze, Arbeitsschuhe und Nemo. Hm hm.

    Vor lauter Staunen verlieren wir fast die Gruppe, die wenige Häuser weiter in einen Hinterhof abgebogen ist. Dort liegt die Mozzarella-Fabrik L'Abbate, die seit über 40 Jahren Mozzarella, Scamorza und Ricotta herstellt und über 100 andere Käsesorten verkauft. Ein Geheimtipp sind die Mozarella-Platten, die man allerdings vorbestellen muss. Dann kann man sie belegen, rollen und in Scheiben schneiden, das sieht seh hübsch aus. Wer samstags kommt, muss ziemlich lange Schlange stehen. Wir probieren Mozzarella-Spießchen und süßen Ricotta mit Pistazienraspeln und Schokostreußeln. Sehr, sehr köstlich.

    Schon wieder gehen wir fast verloren, finden die Gruppe aber noch in derselben Straße bei Suriashni, dem ersten indischen Geschäft, das es in Offenbach gab (Mitte der 90er) wieder. Es ist so klein, dass nicht alle hineinpassen. Im Fenster liegen Spitztüten mit Henna (für Tattoos), Kosmetik, Schmuck und Bollywood-Filme. Drinnen viele Gewürze, indische Fertiggerichte, Tees und Ingwer, kleine Chilis, Okraschoten. Und es riecht unglaublich gut, denn gerade werden für uns Samosas und Pakora zubereitet, mit Minzsauce.

    Die nächste Station ist ein kleiner italienischer Supermarkt, Macelleria & Salumeria da Angelo, mit viel Fleisch/Wurst und etwas Gemüse, Obst, Nudeln, Konserven. Und sehr hübschen runden Auberginen, die angeblich leckerer sind als die normalen, länglichen - das entnehme ich einem belauschten Gespräch zwischen zwei Kunden. Von hier eine weitere wichtige Information: das neue Olivenöl wird gerade gepresst und ist in ca. 2 Wochen verfügbar. Momentan kauft man noch das gelagerte. Was nicht schlecht ist, man muss nur wissen, was man will.

    Schräg gegenüber ist Il Pasticcino, eine italienische Pasticceria & Rosticceria. Dort gibt es unter anderem stadtbekannte Arancini, viele kleine köstliche Gebäckstückchen mit Cremes und Obst und allem und sehr guten Kaffee.

    Und neben Il Pasticcino befindet sich Naane Watan, ein afghanisches Geschäft für orientalische Lebensmittel, bekannt für seine Fladenbrote. Diese dünnen, afghanischen, die werden vor Ort gebacken, gerne auch auf Bestellung, und es gibt sie in verschiedenen Varianten: Vollkorn oder Weíßmehl, klein oder groß, mit Sesam oder ohne und so weiter. Dazu gibt es Säckeweise Reis, die Säcke haben einen Reißverschluss, darüber freue ich mich, weil es so schlau gedacht ist. Daneben viele Gewürze und Gewürzmischungen und Tee und sirupartige Dinge, ein Sirup aus Wurzeln, der gesund sein soll, Rosensirup und so etwas. Der Besitzer erklärt uns, wieso er so viele verschiedene Reissorten hat und berät diejenigen, die einen Sack kaufen wollen.

    Dann nehmen wir vom Afghanen Fladenbrot mit und gehen zurück zum Pasticcino, Kaffee holen, und da Angelo trägt eine riesige Platte mit Aufschnitt herbei: Mortadella, drei Sorten Schinken, zwei Sorten Salami. Das wird dann alles verzehrt.

    Als letzte Station sind wir auf dem Wochenmarkt, den natürlich jeder schon kennt. Dort trinken wir zum Abschluss einen Apfelwein, bzw. die, deren Integration noch nicht so vollständig gelungen ist (also unter anderem: ich) oder die, die verkatert sind und keinen Magen für Konteräppler haben, einen Süßen.

    Aber meine Güte, diese unglaubliche kulinarische (und kulturelle) Vielfalt direkt vor meiner Haustür - kein Laden weiter als 15 Minutee zu Fuß entfernt. Ich empfinde das als große Bereicherung. Und bin fast etwas traurig, dass meine Schränke so gut gefüllt sind, dass ich bis auf eine Tüte Maronen keine Einkäufe machen konnte. Demnächst muss hier viel gegessen werden, damit sich das ändert.

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