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    Samstag, 9. November 2019
    Chor, Pfau und Kännchen

    Sehr, sehr gut geschlafen, nichts hat mich aufgeweckt, von etwa Mitternacht bis 9 Uhr. Ich denke, es lag an mir: dass die Katzen nicht versucht haben, mich vor dieser Uhrzeit zu wecken, ist so gut wie ausgeschlossen. Aber ich ließ mich nicht wecken. Meine ganz eigene hervorragende Schlafleistung!

    Der Vormittag verging damit, Herrn N in der Klinik abzuholen und danach mit ihm den Wochenendeinkauf zu machen. Während der Autofahrt hatte ich im wesentlichen zwei Gedanken, die ich für mich nicht zufriedenstellend klären konnte. Erstens: wenn ich ein Elektroauto hätte, wo würde ich das eigentlich aufladen, ich habe ja keinen Stromanschluss in der Garage und - von diesem Gedanken ausgehend - wenn es jetzt diese tollen E-Auto-Subventionen gibt, wo sollen die ganzen Leute ihr Auto aufladen, die ja meistens nicht nur keinen Strom in der Garage sondern gleich gar keine Garage haben? Und auch keinen festen Stellplatz sondern ihr Auto halt einfach am Straßenrand abstellen? Was mir ja sowieso ein Dorn im Auge ist, dass diese Autos überall einfach so herumstehen, aber das ist nun einmal die aktuelle Tatsachenlage und ich sehe nicht, wie das mit dem Aufladen funktionieren soll. An speziellen Ladesäulen dauert das Laden, so weit ich weiß, ca. 20-30 Minuten. Ich sehe irgendwie nicht, dass man - so wie "mal kurz noch tanken" - regelmäßig zu einer Ladesäule führt und dort 20-30 Minuten verbringt? Übersehe ich da was?

    Mein zweiter unbefriedigender Gedanke kam mir, als im Radio von der Männerfußballbundesliga berichtet wurde und ich dann fragte, ob es auch eine Frauenfußballbundesliga gibt - dass es sie gibt erinnerte ich dann recht zeitnah aber neben der Existenz warf mein Gehirn nichts weiter dazu aus, Frauenfußballbundesligaergebnisse werden im Radio nicht durchgesagt, oder? Warum?

    Zu Hause dann Zeug verräumen und ein spätes Frühstück, danach schlief ich nochmal kurz ein und dadurch wurde es etwas hektisch, um 15:30 Uhr musste ich nämlich bei der Chorprobe sein und wollte der Familie Essen hinterlassen. So ungefähr ging es sich dann auch doch noch aus, ganz und gar pünktlich wäre ich gewesen, wenn ich nicht noch ein Milchkännchen von oben auf einem Glascontainer gerettet hätte. Erst ging ich vorbei aber dann drehte ich um, es ist ein wirklich schönes Milchkännchen, außer, dass ein blödes Herz daran baumelt aber das kann man sicher entfernen, dann ist es ganz schlicht und weiß und schön geformt. Es stand neben einer weißen Spardose aus demselben Material, die Spardose hatte die Form eines Schweins und darauf stand "Zur Hochzeit". Ich nehme sehr an, jemand hat auch das Milchkännchen zur Hochzeit bekommen und wollte es nicht. Jetzt ist es bei mir.

    Sowieso war heute Tag der aufgesammelten Dinge, später im Gemeindesaal der Kirche entdeckte ich unter den gebrauchten Büchern, die man dort gegen Spende nach Gutdünken in ein Sparschwein (rot, steht nicht "Zur Hochzeit" drauf) mitnehmen kann, Isabel Bogdans "Der Pfau". Ich habe den Pfau aus den unterschiedlichsten Gründen noch nicht gelesen, kaufe auch sowieso (auch aus den unterschiedlichsten und sehr, sehr guten Gründen) generell keine Papierbücher mehr, aber ich konnte den Pfau da nicht liegen sehen, also ist er jetzt auch hier.

    Michkännchen und Pfau also, für jemanden, der seit Anfang 2019 Gegenstände nur noch im absoluten Notfall einkauft, ist das schon fast ein Halbjahreskontingent.

    Chorprobe mit Orchester also von 15:30 bis 19:00 Uhr, daran schloss sich gleich die Generalprobe an, Ende war um 21:30 Uhr. Sehr kalt geworden, nach Hause gefahren, die restlichen Einkäufe aus dem Auto geräumt, das kranken Kind ein bisschen versorgt, mit letzter Kraft auf die Couch.

     
    Zur E-Auto-Frage:
    Die Subventionen richten sich eher an die ländliche Mittelschicht denn an die innerstädtischen Straßenrandparker: also an Leute, die ein Haus haben, in der Garage oder auf ihrem Hof parken und ggf. sogar noch eine Solaranlage aufs Dach packen können. Darüber hinaus gibt es in einigen neueren Mehrfamilienhäusern Lademöglichkeiten in der Tiefgarage. Es gibt auch Arbeitgeber, die Lademöglichkeiten auf Firmenparkplätzen anbieten.

    Ich habe auch schon über den Kauf eines E-Autos nachgedacht und dazu folgendes recherchiert:

    - so oft laden muss man gar nicht: die Reichweite liegt je nach Modell zwischen 200 - 400 km (also ca. 1x/Woche laden?)
    - das Angebot an E-Autos ist... seltsam. Es gibt Luxus-E-Autos (Tesla), es gibt SUVs als E-Autos (WTF?), die Auswahl an Kleinwagen als E-Autos ist aber begrenzt
    - in der Anschaffung sind E-Autos ziemlich teuer. Opel Corsa kostet als Benziner ca. 15.000€ und als E-Auto ca. 30.000€.
    - wenn der Strom für die E-Autos aus Kohlekraftwerken oder Atomenergie kommt, hat man dann was gewonnen?

    Mir scheint das Konzept also noch nicht richtig ausgereift. Bei genauerem Nachdenken sind E-Autos ja auch nur ein Tropen auf den heißen Stein (Planeten?). Es bräuchte eine Abkehr vom Individualverkehr mit Autos/Lastwagen hin zu (kostenfreiem?) eng getakteten öffentlichem Verkehr, LKWs auf die Schiene etc. Aufgrund der engen Verzahnung von Automobilindustrie und Politik in Deutschland ist ein solcher Paradigmenwechsel in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten aber unwahrscheinlich.
     
    Ich denke auch, das ist nicht ausgereift. 200-400 km ist halt weniger als halb/einviertel so weit, wie ich mit vollem Tank komme. Dann fahre ich von meinem Mittelschichthaus auf dem Land zu meinen Eltern 250km entfernt in der Stadt und dann? Man kriegt da ja eh schon keinen Parkplatz, wie soll man dann noch einen Parkplatz mit Ladestation kriegen? Ich denke, es gibt keine gute PKW-Lösung, weil die PKW schlicht das Problem sind. Eine Abkehr vom Individualverkehr befürworte ich komplett, sehe hier aber eine mental gerade gegenläufige Entwicklung, denn in meiner Wahrnehmung halten viele Menschen im öffentlichen Raum den anderen ja schon rein durch sein "nicht-wie-ich-sein" kaum aus bzw. oft reicht die bloße Existenz, also dass der andere Geräusche macht, Raum einnimmt, nach etwas riecht.

    Dem Punkt mit dem Tropfen auf den heißen Stein kann ich nicht folgen und halte das nur für eine akzeptable Leitlinie, wenn man die Wahl hat: fahre ich heute Rad statt Auto oder schalte ich heute ein Kohlekraftwerk ab. Diese Wahl haben die allermeisten nicht, was soll also der Vergleich, das ist in meinen Augen nur ein Gedankenspiel, um sich aus der Verantwortung zu ziehen. Jede Handlung oder Unterlassung hat Konsequenzen, nichts ist egal.
     
    >Jede Handlung oder Unterlassung hat Konsequenzen, >nichts ist egal.

    Das ist ein guter, kluger Satz.
     
    Ich möchte den aber bitte nicht moralapostelisch verstanden wissen, auch nicht als den Anspruch, immer alles "richtig" zu machen. "Richtig" in Anführungszeichen, weil richtig im einen Zusammenhang falsch im anderen sein kann, meist ist es komplex, selten einfach und selbst wenn, dann ist es eben auch menschlich, unperfekt zu sein. Nur ist es eben nicht egal.

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    Als evtl. nützliche Information: Auf der Bürgerversammlung meines innerstädtischen Wahlbezirks erfuhr ich am Donnerstag, dass es hier mehr Ladeanschlüsse als E-Autos gibt. Parkplätze sind rar, davon wurden zur Förderung der E-Mobilität einige zum Stromladen eingerichtet, und nun meckern Anwohnende, dass die ja fast immer leer stünden, also verschwendeter Parkraum.
    Daraus folgere ich: Rütteln Sie an ihren Bezirksvertretern, stellen Sie Anträge auf Ladestationen.
     
    Danke, ja, das muss man dann wohl machen - ich formuliere hier bewusst "man", ich nicht, ich will ja, dass Privatautos allgemein abgeschafft werden ;-)

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    E-Auto & Frauenfußball
    FFM hat im Gegensatz zu Stuttgart eine gruselige E-Auto-Lade-Option. Eine uns beiden bekannte Dame in S fährt E-Smart. Selbst die Mittelstrecken-Fahrt zu mir, wird aber im Benziner unternommen.

    Momentan würde ich sagen, dass E-Autos im Rhein-Gebiet für Pendler geeignet ist, die zuhause (am Eigenheim?) laden können. Für Langstrecke gibt es dann oft einen Zweit-Benziner.

    Im Radio gab es gestern einen Bericht, dass es entgegen des vermeintlichen Trends zu weniger Autos, MEHR Autos gibt. Carsharing wird oft von Auto-Besitzern als Zweit-Wagen verwendet (erklärt, warum ich oft keinen Flitzer finde) - Fahrgemeinschaften beschneiden die Individualität.

    Spannendes Thema - aber nur E-Auto als Lösung zu bedenken, löst glaube ich das Problem nicht.

    Frauenfußball:
    Natürlich gibt es eine Liga - in Deinem Nachbarortchen, wo Du auch arbeitest, gibt es sogar einen nicht ganz unerfolgreichen Verein :-)
    Aber leider ist das ein immer noch total unpopulärer Sport - ich habe STUNDEN damit zugebracht, mit Menschen zu diskutieren, dass das kein Sport sei - das Feld für die Frauen zu groß sei - das eh alles Lesben seien und es eben deswegen kein Interesse gibt, weil es schlicht "schlecht" und "langweilig" sei.
    Ich hingegen sehe weniger Fouls, weniger Drama dafür mehr Spiel und kann nicht bestätigen, dass die Frauen ein kleineres Feld brauchen. Ist aber genauso wenig Massentauglich wie Spielstände aus der Rugby-Liga - auch die gibt es ;-)
     
    Sehr frustrierend, beides, das mit den Autos sowieso, immerhin aber: ich habe mich seit ewig gefragt, wie es kommen kann, dass ein Mensch zwei Autos braucht. Aber jetzt wird es natürlich klar, wenn Auto 1 nur 200 km am Stück fahren kann braucht man für weitere Strecken Auto 2. Alle bekloppt. Das mit dem Carsharing verstehe ich noch nicht, als Zweitwagen für was für einen Erstwagen, für ein E-Auto?

    Frauenfußball ähnlich frustrierend, es könnte mir eigentlich egal sein, schließlich interessiert mich Fußball an sich ja schon nicht, aber ich glaube, ich fühle mich wohler, wenn ich ab jetzt zu Männerfußball immer speziell Männerfußball sage.
     
    Bei mir heißt das stets "nur Männerfußball" und von allem, was ich über Fußball weiß, ist, dass die Frauen deutlich erfolgreicher waren bisher.

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