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    Samstag, 24. Oktober 2015
    Blogging November - 1450

    Es war sehr knapp heute. Fast hätte ich in der Wohnung alle Lichter ausgeschaltet, das Handy auch, mich dann im Flur auf dem Fußboden eingerollt und so getan, als wäre ich nicht da, wenn die Kraulschwimmpartnerin erst "bin da" whatsappt und dann klingelt. Eine Stunde vorher hatte ich nochvollmundig "HINTERHER werden wir es super finden" geschrieben. Wie das wohl wäre, so etwas zu machen? Leider kann ich es nicht ausprobieren, Lebensregel Nr. 10 ("Halte Verabredungen ein.") macht es unmöglich.

    So waren wir also heute schwimmen. In einem uns bis dahin fremden Schwimmbad. Im Auto hatten wir noch kurz die Hoffnung, es könne schon geschlossen haben aber nein: bis 22 Uhr auf. Dafür war es sehr leer, wir hatten eine Bahn für uns und ausreichend Platz, den aktuellen Kraulschwimmkonditionsstand auszutesten. Im Sommer war das ja mit Ach und Krach eine Bahn. Jetzt sind entspannt (also ohne Probleme mit Atmung, mit der Kraft sowieso nicht, Kraft ist im Gegensatz zu Kondition im Übermaß vorhanden) zwei Bahnen inklusive Rollwende möglich, mit Beißen ginge natürlich mehr 200-300 Meter ohne Pause, schätze ich, aber wer will an einem Samstagabend um 21 Uhr schon beim Schwimmen beißen.

    Statt dessen gingen wir in den Whirlpool. Samstagabend, 21 Uhr, ein Whirlpool nur für uns, nicht, wie sonst, vollgestopft mit Herren im besten Alter. Leider bin ich in Whirlpool nicht so gut wie in Kraulschwimmen, genau gesagt: ich bin eine Whirlpoolversagerin. Es war sehr warm. Ich saß auf dem Steinsims und starrte auf das blubbernde Wasser. Was tun? Vielleicht liegen? Das war am Kopf nicht bequem. Vielleicht im Wasser treiben? Die Blubberbläschen trieben mich ab, gegen die Kraulschwimmpartnerin. Vielleicht seitlich auf den Steinsims legen? "Was machst Du da?!", fragte die Kraulschwimmpartnerin. Sie ist sehr gut in Whirlpool. Ich meinte, aus ihre Stimme etwas Anstrengung bezüglich meiner Zappelei zu entnehmen.

    Zu meiner Erleichterung gingen wir bald wieder schwimmen. Nun hatte sich das Becken überraschend gefüllt, wir suchten uns die am wenigsten beschwommene Bahn. Ausnahmslos Sportschwimmer waren unterwegs, eine Frau schwamm auf uns zu und sagte etwas. Es klang wie "Meine". Oder "Hallo". Oder "Danke". Oder "Achtung." Irgendetwas zweisilbiges. Egal, wir schwammen los. Es hat definitiv etwas von Revier markieren, wenn man seine Bahn einkrault. Positiv zu vermerken: wir fallen unter den Sportschwimmern nicht mehr auf. Allenfalls durch unseren guten Stil.

    Nochmal Whirlpool. Man muss ja auch an seinen Schwächen arbeiten. Sehr warmes Geblubber, ich musste die Bauchatmung üben, damit mir nicht schummrig wurde. Vielleicht sind diese Precogs bei Minority Report KraulschwimmerInnen, denen im Whirlpool komisch geworden ist. Sehr laut ist es in so einem Whirlpool ja übrigens auch, man muss sich im Gespräch anschreien und die erhöhte Position des Pools trägt die Konversation durch die gesamte Schwimmhalle. Wir sprachen folglich über Botanik.

    Ob wir dann nochmal schwammen, weiß ich gar nicht, der Whirlpool hatte mein Gehirn vernebelt. Aber mit einem hatte ich Recht: Hinterher fanden wir es super.

     
    Danke für den Besuch, obwohl Sie doch schon so k.o. waren.

    Lebensregel 10: kenne und schätze ich. Ist bei mir etwas weiter vorne angesiedelt und gehört mit zu "Halte dein Wort!". Finde ich sehr 'demanding'. Ich frage mich immer wieder, ob sie vielleicht in Konflikt kommt mit einer anderen Lebensregel, die ich noch nicht genau positioniert, geschweige denn ausformuliert habe. Sie ginge so ähnlich: Geh gut mit dir um, denn dann kannst du noch lange beitragen. Nur kürzer, knackiger, mehr auf den Punkt.
    Vielleicht haben Sie unter den ersten 10 ein Angebot?

    Um die Schwimmerei beneide ich Sie. Ob ich mich dazu je aufraffe? Ich finde Wasser so nass.
     
    Die Regeln sind nicht nach Bedeutsamkeit sortiert.

    Bitte aber auch nicht allzu ernst nehmen - sie sind als Leitlinien für Situationen der Entscheidungsunsicherheit gedacht. Bei ganz klarer Sachlage sage ich schon auch manchmal etwas ab: hätte ich zum Beispiel im Laufe des Tages Fieber bekommen, wäre ich sicher nicht schwimmen gegangen.

    Insofern seh ich keinen Konflikt zwischen "gut mit sich umgehen" und "Verabredungen einhalten". Jedenfalls nicht, wenn ich vorher nachdenke, was ich zusagen möchte.

    Zu dem mit "noch lange beitragen" - die Regeln sind alt, sehr alt. Das war damals noch kein Gedanke, der mich umtrieb. Mit unter 20 fühlt man sich ja meistens unverwüstlich ;-)
     
    Klar, Regeln wachsen mit. Ich seh' sie auch eher als "Rückversicherung", wenn Kopf und Bauch im Dialog zu einer Lösung kommen, die noch ein Etikett oder eine Headline braucht.

    Unverwüstlich können wir lange bleiben. Post-Twen hält bis über 50.

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    Ich kenne jetzt also noch einen Menschen der nicht Whirlpool kann, wenn auch nur hier in diesem Internet.

    Das beruhigt mich ungemein.

    Mir wird regelmässig darin komisch und ich muss mich dann ewig lang ausruhen bis ich wieder normal denken kann. Nix für mich, ich meide das Teil inzwischen weiträumig.

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