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    Dienstag, 3. Dezember 2013
    Blogging November - 763

    Seit einigen Wochen habe ich einen Rucksack, und dieser Rucksack hat - ich sage es ohne jegliche Übertreibung - meine Lebensqualität um mindestens 1000 Prozent gesteigert.

    Sie müssen wissen: ich habe immer viel Gepäck. Das liegt nicht an mir, sondern an der Struktur meines Alltags. Ich verlasse gegen 7:30 Uhr das Haus und kehre gegen 18:00 Uhr zurück, dazwischen liegen aber mehrere Stationen. Wäre ich Autofahrer, läge also immer diverser Krempel im Kofferraum. Ich bin aber ja Bahn- und Radfahrer, und so transportierte ich meine Handtasche, einen Beutel mit Zeugs, das nicht in die Handtasche passte (Bücher, Brötchen und so), Turnsachen, Schwimmsachen, Musikschulsachen, ein Strickjäckchen (wenn man in Büroklamotten in Turnhallen sitzt, ist es im Winter recht frisch), Schals/Handschuhe/Mützen (wenn man im Winter mit all dem in der Bahn sitzt, ist es zu warm), Bücher, die in die Bücherei müssen oder gerade von dort kommen, Päckchen von/für die Post, irgendwas Ausgeliehenes, irgendwelche Einkäufe und Ähnliches eben zwischen 7:30 Uhr und 18:00 Uhr mit mir herum. Immerhin sind Mademoiselle und ich zur Zeit beide nicht in einem Alter, in dem wir auch noch komplette Wechselwäsche benötigen. Sie können sich nicht vorstellen, wie froh mich das macht.

    Neulich stieg ich irgendwann mal in die Bahn und war außerordentlich angestrengt. Ich wusste nicht warum und überlegte, wie es kommt, dass ich so unglaublich angestrengt bin, obwohl ich doch eigentlich noch gar nichts gemacht habe und gerade nur Bahn fahre. Und dann fiel es mir ein: weil ich ständig mit zig Taschen und Beuteln unterwegs bin und meine sämtliche geistigen Kapazitäten schon damit ausgelastet sind, darauf zu achten, dass ich nichts irgenwo liegenlasse. Und dann fiel mir auch die Lösung dazu ein: ich brauchte eine andere Art von Tasche. Eine große, die mir aber die Hände freilässt (für den Kaffee).

    Sofort stieg ich aus der Bahn aus und ging in den nächstgelegenen Taschenladen. "Sehen Sie hier so laufe ich herum mit all dem Zeug", sagte ich. "Ich brauche eine Tasche, in die das alles hineinkann und die zu mir und meinem Kleidungsstil passt." Die Verkäuferin führte mich zu einem Ständer mit unattraktiven Laptoprucksäcken; ich verließ beleidigt den Einzelhandel und recherchierte im Internet. Drei Stunden später bestellte ich, einen Tag später kam die Lieferung, seitdem bin ich ein rundum glücklicher Mensch.

    Heute allerdings wagte jemand, meinen heiligen Gral zu kritisieren. Ich gebe zu: der Rucksack ist groß. Weshalb ich ihn in Geschäften und in der Bahn immer absetze und in der Hand trage. Heute meinte aber ein Mann, auf offener Straße nicht an mir vorbeizukommen, genau gesagt stand ich an der Ampel und er rannte von hinten in mich hinein.

    Mann: "Ihre Tasche ist voll gefährlich!"

    Frau N: "Wieso das denn?"

    Mann: "Da kann man sich die Augen dran ausstechen!"

    Frau N: "Das ist extra so, weil ich es nicht mag, wenn mir Leute von hinten so nah kommen."

    Mann: "Das ist ja eine Unverschämtheit! Da kann man sich verletzen!"

    Frau N: "Ja. Halten Sie Abstand!"

    Mann: "Sie müssen sich eine normale Tasche kaufen!"

    Frau N: "Ach so ein Unsinn, ziehen Sie doch einfach in eine andere Stadt, dann begegnen Sie meiner Tasche nicht mehr."

    Mann: "Die Tasche kommt jetzt weg!" (zerrt an der Tasche)

    Frau N. (brüllt dem Mann ins Ohr): "HEY!!!!"

    Mann (sich das Ohr haltend): "Aua! Sind Sie verrückt?!"

    Frau N. (weiter brüllend): "JA!! TOTAL VERRÜCKT!!!"

    Mann (schnell weggehend): "Das gibt es ja gar nicht... völlig hysterisch!"


    Ts. Meine neue Tasche austauschen. Auf so einen Gedanken können nur richtig Irre kommen.

     
    Gut gebrüllt, Frau Löwin. Und falls Sie eben doch Schützin sind, dann trotzdem gut gebrüllt!

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    Mann: "Die Tasche kommt jetzt weg!" (zerrt an der Tasche)

    Im Ernst??! Also, ich denke ja schon immer, dass ich hier im Schmelztiegel der Bekloppten lebe (downtown gay city Berlin / West).

    Und dann lese ich Ihre Abenteuer, und dann denke ich mir immer wieder, dass ich offensichtlich im spiessigsten der normalsten aller Nullachtfuffzehnkieze lebe und eigentlich ueberall mehr los ist als hier.

    Vielleicht setze ich mich morgen mal mit einem Stock in die U-Bahn. Um Vergleichsdaten zu erheben.
     
    Ich meine, die individuelle Toleranz des gemeinen Berliners gegenüber dem Verhalten aller anderen ist schon aufgrund reiner Abhärtung so groß, dass sich kein Schwanz über einen Rucksack aufregen würde. Da muss man schon schärfere Geschütze auffahren. Stock in der U-Bahn reicht garantiert nicht. Das Pony in der S-Bahn hat ja auch keinen gestört.

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    Unglaublich! (der Mann)
    Super! (Sie)

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    Glückwunsch. Ich gehe nie ohne Rucksack aus dem Haus -- alles verstaut, Hände frei, Gewicht gleichmäßig verteilt. Was will man mehr? Sogar meine beiden "Handtaschen" sind kleine Rucksäckileinchen. Wenn ich in der Theaterpause ein Glas Wein trinke, will ich nicht noch was anderes festhalten müssen.
     
    Was den Rucksack als geeignetes Transportgerät angeht, gehe ich völlig konform, aber als Handtaschenersatz taugt er nicht wirklich. Ich hatte auch jahrelang sowas, und es war immer höchst unpraktisch, wenn es ans bezahlen ging. Denn, solange er auf dem Rücken ist, der Rucksack, kann man das Portemonnaie ja schlecht herausfischen. Also muss man ihn sich irgendwie umständlich vor den Bauch halten oder irgendwo abstellen. Nein, eine ganz normale Handtasche, die locker über der Schulter hängt, bietet da letztlich doch wesentlich mehr Freiheit für die Hände.

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    Könnten Sie vielleicht mal ein Foto vom Rucksack posten? Ich sterbe vor Neugier und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man sich an einem Rucksack die Augen ausstechen kann. Noch dazu an einem, der zum Kleidungsstück einer Frau mit Punkte-System für Jacken passt...
     
    Man kann sich daran doch gar nicht die Augen ausstechen, der Mann war einfach nur bekloppt.

    Der ist von Vaude und heißt "Rügen". In schwarz/grau.
     
    Ach so. Puh!
    Endlich wieder beruhigt schlafen können. Das wird schön.

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