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    Dienstag, 31. März 2015
    Blogging November - 1245

    Ein Tag voller Erfolgserlebnisse:

    Gleich morgens um 8 kam der Rewe-Lieferant und - was ich nicht wusste, nicht ahnte, womit ich nicht gerechnet hatte: er nahm das Leergut aus dem Flur mit. Ich hatte ja keine Ahnung, dass diese Dienstleistung auch zur Verfügung steht! Das Leergut stand nur so im Flur, also eigentlich, damit Herr N. es ins Auto verschafft und entsorgt, aber das hatte noch nicht stattgefunden, so dass dort eben eine größere Tüte mit Plastikflaschen und ein Bierkasten war. Letzterer auch noch nicht ganz leer, wie der Lieferant schon bemerkte, als ich noch von der Überraschung, dass er so beherzt zu den Flaschen griff schnappatmete. Er trinkt aber kein Bier, der Lieferant, daher durfte ich die vollen Flaschen noch schnell raussortieren, er ist nämlich mehr der Cocktail-Typ. Falls das jetzt am frühen Morgen in irgendeiner Weise eine Aufforderung gewesen sein sollte, bitte ich um Entschuldigung nicht angemessen reagiert zu haben. Ich konnte nicht weiter als bis Kaffee denken.

    Das zweite Erfolgserlebnis stellte sich gegen Mittag ein, nämlich: das Fotobuch wird fertig, rechtzeitig und überhaupt. Das war nicht so ganz klar, ich wusste nicht, ob ich ausreichend passende Bilder habe, ob sie einen roten Faden ergeben, also: ob das Material etwas sinnvolles hergibt. Aber das tut es, morgen nur noch die Feinarbeit, übermorgen nochmal einen ausgeschlafenen Blick darauf werfen, dann ist es fertig. Und dabei wird folgendes passieren: kurz bevor es fertig ist, bei etwa 98 %, werde ich denken: Ach. Das ist eigentlich doch keine so tolle Idee. Eigentlich ist das ziemlich doof. Sie wird sich nicht nur nicht freuen, sondern es das blödeste Geschenk von allen finden, so ein Alte-Tanten-Geschenk.

    So ist das tatächlich immer, wenn ich irgendetwas fast fertig habe. Eine scheinbar vernünftige Stimme im Kopf, die mit aller Klarheit "Ach, kommt, lass es, das war keine gute Idee. Schmeiß einfach alles in die Tonne!" sagt. Im Grunde könnte ich die Spezialistin in Rückziehern in letzter Sekunde sein, außer, dass ich das ja schon seit Jahrzehnten kenne und daher "Pscht! Ksch!!" antworte und lieber meinem Ich der vergangenen 98% vertraue, das schon gewusst haben wird, warum ich bis zu diesem Punkt gekommen bin. Wir ziehen das also durch, die 98 % und ich. Und auch, wenn mich diese Haltung schon auf Karaoke-Bühnen und zu überraschenden Haarschnitten geführt hat, ist das Vertrauen doch, würde ich sagen, im Wesentlichen gerechtfertigt.

    Ich werde also vollendet und mit zeitlich Luft zum Termin ein Geschenk in den Händen halten - der Zeitaspekt ist mir dabei fast so wichtig, wie die Vollendung, denn ein gutes Pferd springt war knapp, aber, ganz ehrlich: manchmal ist der Gaul auch müde. Kein youtuben nach Faltmöglichkeiten von Geldgeschenken mit Links, während Rechts die Haare föhnt, damit man nicht verspätet zum Event eintrifft, kein Karteschreiben auf wackligen Knien während der Anreise per Auto, nein, all das nicht. Ich werde vorbereitet sein, das erste Mal überhaupt, seit ich mich erinnern kann. Und wenn das das Raum-Zeit-Gefüge aushebelt, dann sei es so.

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