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    Mittwoch, 14. November 2012
    Blogging November - 380

    Die Katzen leben sich gut ein. Allerdings wissen sie vermutlich noch gar nicht, mit wem sie hier überhaupt zusammenleben.

    Als die Katzen ankamen, war die gesamte dreiköpfige Familie Novemberregen anwesend - alles andere wäre angesichts der kritischen Würdigung der Lebensumstände durch die Tierheimfrau natürlich auch gar nicht möglich gewewen. Herr N. reiste dann aber bald ab, an seiner Stelle kam eine Nachbarin mit zwei Kindern für den Nachmittag. Abends waren Mademoiselle und ich allein, am nächsten Tag kam Herr N. zurück und die Tiere waren verwirrt, gewöhnten sich aber schnell an ihn. Montag kam erst ein Gastkind für den gesamten Nachmittag und abends Frau Herzbruch, die ja auch gleich zwei Tage blieb. Heute war den gesamten Vormittag die Putzfrau da und nachmittags kam auch wieder ein Kind mit. Es gab also bisher an keinen zwei Tagen dieselbe Personenkonstellation in diesem Haushalt.

    Wenn ich meiner Mutter am Telefon von unseren Besuchern erzähle, wundert sie sich immer ein wenig. Das ist sehr amüsant, hat sie mir doch irgendwann einmal beiläufig erzählt, dass sie in der Kindergarten- und Grundschulzeit meiner Schwestern sowohl (zeitlich versetzt) mehrere Pflegekinder als auch eine psychisch erkrankte Bekannte aufgenommen hatte. Als ich dann kam, wurde ihr das zu anstrengend - was sie aber nicht davon abhielt, für die nächsten Jahre noch die drei Kinder meiner Tante zu uns zu holen, der es nicht gut ging. In meiner Grundschulzeit kamen dann zwei Mädchen immer mit mir nach Hause, deren Eltern beide arbeiteten. Und drei Kinder vom Spielplatz, nämlich Mehmet, Mesut und Musafir, die wie kleine Kletten an meinem Vater klebten und so von ihm mittags immer mit in die Wohnung getragen wurden. Und Mauro, der war in der Klasse meiner Schwestern und hatte immer Hunger. Und natürlich Aramis.

    Als ich auf die weiterführende Schule wechselte, zogen nacheinander zwei Freunde meiner anderen Schwester bei uns ein. Der eine war angehender Chirurg und lagerte öfters Körperteile zur weiteren wissenschaftlichen Untersuchung in unserem Eisschrank - darf man sowas heute noch (bzw. durfte man das damals eigentlich)? Egal. Dann kamen Leute aus anderen Ländern. Zuerst eine Zugbekanntschaft meiner mittleren Schwester, ein französisches Mädchen namens Sylvie. Durch Sylvie habe ich das linguistische Phänomen der "falschen Freunde" kennengelernt, denn mein Vater - Bäcker - bot ihr ein "baiser" an. Baiser heißt auf Französisch aber meringue, das weiß ich durch den resultierenden Aufruhr schon seit meiner Grundschulzeit. Weitere Erinnerungen habe ich an Sylvie nicht, nur, dass sie in der Wuppertaler Schwebebahn vor Angst so laut kreischte, das ich Kopfschmerzen bekam.

    Gut erinnern kann ich mich hingegen an Chris, einen Kanadier auf der Flucht vor dem Wehrdienst. So habe ich das jedenfalls verstanden, man könnte heute sicher ergoogeln, ob es in den 80ern notwendig gewesen sein könnte, aus Kanada vor dem Wehrdienst zu fliehen. Damals ging das nicht, aber rein optisch hätte es gepasst. Chris war Hippie und rauchte komische Dinge bei uns, deshalb musste er nach ein paar Monaten weiterziehen. Ich glaube, Chris wurde - ebenso wie der Monsieur - von meiner ältesten Schwester eingeladen. Der Monsieur war ein älterer Herr aus Frankreich und blieb etwa ein halbes Jahr. Er sprach mit mir immer Latein, weil ich Latein schon in der Schule hatte und Französisch eben nicht. Wo er herkam und wo er hinging habe ich leider vergessen.

    Im Übrigens spielte sich das alles auf genau der Hälfte der Wohnfläche ab, die wir hier zu dritt mit den zwei Katzen und Frau Herzbruch teilen. Ich muss meine Mutter unbedingt bei nächster Gelegenheit daran erinnern, dass Kinder bekanntlich selten nach anderen Leuten kommen.




    Heute vor zig Jahren:
    Ruhetag. Ich rufe Ah an, aber der ist nicht da. Sonst nichts besonderes.

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