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    Mittwoch, 8. März 2017
    Gewonnen

    Eine Viertelstunde lang mit mir debattiert, ob ich zum Sport gehe, ich hatte nämlich seit heute morgen um 4 Uhr hartnäckige Kopfschmerzen, die sich auch von Tabletten unbeeindruckt zeigen, irgendwas von Verspannung, gut möglich, dass Bewegung da hilft, herumsitzen half jedenfalls den ganzen Tag schon einmal nicht. Aber so kalt und so regnerisch draußen und so wenig Lust auf noch mehr Menschen, die ja auch nicht nur mit verbalem sondern auch noch mit körperlichem Kontakt. Aber auch keine Lust, das ausfallen zu lassen. Bei mir gilt ja die Regel "im Zweifel ja", also ging ich los, ich nahm mir noch schnell den pinkfarbenen Regenschirm, die Sporthose hatte ich auch schon an, das sollte nicht alles patschnass werden.

    Der Regenschirm ließ sich unten nicht richtig öffnen, zum nochmal umkehren fehlte aber die Zeit. Irgendwann war er halb offen, mein Kopf steckte im Schirm wie in einer umgedrehten Tulpe mit traurig hängenden Blättern, denn mindestens 5 Metallstreben waren sowieso auch durchgebrochen. Keine Ahnung, wieso wir so einen Schirm überhaupt noch haben, ich könnte schwören, der war neulich noch in Ordnung aber vielleicht hatte ich da auch den grauen oder den blauen, jetzt steckte ich jedenfalls mit dem Kopf in einer traurigen pinkfarbenen Tulpe.

    Die Hose war dann auch schon nassgeregnet und wurde immer länger (das haben nasse Hosen so an sich) und dadurch immer nasser, klar. Aber ich werde trockene Füße behalten, dachte ich mir, kurz bevor die Zehen in den Schuhen nass wurden dachte ich mir das. Dann dachte ich, dass es sehr unangenehm ist mit nassen Zehen, so komische nasskalte Punkte, sehr unangenehm, sicher wäre es besser, wenn, dann richtig nasse Füße zu haben. Ich jammerte vor mich ihn, flüsterte im Rhythmus meiner Schritte "jammer, jammer, Vorschlaghammer" (ich neige beim Jammern zu Aggressivität, depressiv-passives Jammern liegt mir nicht). Jam-mer jam-mer Vor-schlag-ham-mer jam-mer jam-mer Vor-schlag-ham-mer jam-mer jam-mer Vor-schlag-ham-mer jam-mer jam-mer Vor-schWAPPlatsch, in eine Riesenpfütze getreten, jetzt waren beide Füße ganz nass, nein, das war doch nicht besser.

    Hose nass, Schuhe nass, es war noch nicht alles verloren, kein Grund, umzukehren, ich beschloss, mich auf das Allerwesentlichste zu konzentrieren: kein Wassertröpfchen auf der Brille. Ich hasse Wassertröpfchen auf der Brille. Würde ich mit trockener Brille ankommen, wäre noch alles gut, es hätte alles seinen Sinn und seine Richtigkeit und mein Entschluss, zum Sport zu gehen mit Kopfschmerzen und durch Sauwetter wäre durch die trockene Brille per se gerechtfertigt. Achja, eigentlich hätte ich beim Sport natürlich Kontaktlinsen tragen wollen aber egal. Ich steckte meinen Kopf tiefer in die traurige Tulpe. An der letzten Kreuzung fuhr ein Auto recht dicht am Gehweg vorbei, der Mantel war dann auch nass.

    Aber die Brille nicht. Beim Sport angekommen warf den Schirm sofort in den Mülleimer, hielt die Brille triumphierend gegen das Licht und: kein Tröpfchen. Ha. Gewonnen.

     
    Weißer Hund im Schlamm
    Ein paar Stunden vor Ihnen hatte ich mich unter gleichen Wetterbedingungen durchgerungen in die Hundeschule zu gehen. (Das geht eher nur ohne Schirm.) 15 Hunde 60 Minuten lang im Schlamm neben dem Fluss, im alten Laub, miteinander, übereinander, untereinander. Kein schöner Anblick, wenn man weiß, dass man eigentlich einen weißen Hund hat. Zuhause den vormals weißen Hund in die Dusche gesteckt, bis ich ihn wiedererkennen konnte. Danach waren wir beide total erledigt. Mehr Sport muss nicht sein.
     
    Aber der Hund hatte sicher Spaß!
     
    Jammer, Jammer, Vorschlaghammer
    Den Hundeschlamm kenne und liebe ich auch. Vergangenheit, aber schöne Vergangenheit.

    Jammer, Jammer, Vorschlaghammer hieß bei mir "im-mer-schön-im-Rhyth-mus-blei-ben!-Im-mer-schön-im-..." wenn ich mit dem Fahrrad bei Gegenwind, Regen, Schneetreiben vor x-Jahren täglich ins Office fuhr.
    Habe ich beibehalten. Sobald beim Bergwandern die Steigungen kommen, heißt es wieder: Immer schön im Rhythmus bleiben.
    Anderer Anlass, anderer Anker, aber auch ein Mantra, das hilft.

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    die Geschichte mit der Brille war sehr spannend, ich hab mir am Ende sogar echt Sorgen gemacht ob trocken oder doch :D

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