• Privatbloggen an: novemberregen @ gmail.com
  • | Twitter: @novemberregen
    Montag, 6. März 2017
    Im Konjunktivland

    Das Buch, das wir gestern besprachen - The first Fifteen Lives of Harry August - da geht es so grob um jemanden, er immer wieder lebt. Er stirbt, zapp, wird er wieder neu geboren und kann sich an alles erinnern. Wie bei "Und täglich grüßt das Murmeltier", nur eben ein ganzes Leben.

    Was wir anders machen würden, wenn wir so jemand wären, war die letzte Frage die gestern jemand stellte. Und noch immer bin ich ganz erstaunt, dass die allermeisten nur davon sprachen, welche anderen Studiengänge sie wählen würden, welches andere, weitere Wissen für sich suchen, für das jetzt vielleicht nicht genug Zeit ist.

    Ich würde so vieles anders machen. Total und komplett und wie man den Sog eines ganz anderen Lebens nicht spüren kann, frage ich mich jetzt. Nicht als Wunsch oder als Sehnsucht, eher mechanisch, wie wenn man im Meer steht und die Welle kommt und dann geht das Wasser zurück und zieht und zieht und zieht.

    Ich würde ein Leben leben so wie jetzt und eins das total auf Karriere ausgerichtet ist und eins als Hausfrau und Mutter mit so vielen Kindern wie möglich, eins als Bäuerin vielleicht, eins in einem handwerklichen Beruf und eins, in dem ich gar nichts mache, eins in dem ich trinke oder Drogen nehme (das hatte ich gestern noch ausgeschlossen wegen kein Interesse, aber andererseits, in so einer Situation: warum denn nicht?) und eins in dem ich spiele und vielleicht eins in dem ich Verbrecherin bin - Mörderin wollte ich erst schreiben aber das würde ich vermutlich nicht übers Herz bringen, wobei ich nicht weiß, nach wie vielen Leben man da abstumpfen würde. Als Entwicklungshelferin vielleicht eines, oder anderweitig wohltätig, eins in der Wissenschaft, eins mit ganz vielen Tieren, eins allein, eins mit einer Partnerin, eins mit einem Partner, eins in einer alternativen Wohnform und auf jedem Kontinent eines sowieso, ich würde das alles durchprobieren, wo ist das Risiko, wenn es völlig unterträglich ist, gibt es ja die Notbremse. Der Wert so eines Lebens nimmt ja auch rapide ab, wenn es unendlich verfügbar ist. Und zapp, ein neuer Versuch.

    Grauenhafte Vorstellung, andererseits. Ich wäre irgendwann so unendlich müde.

     
    Vor allem muesste man jedesmal erstmal durch eine komplette Kindheit durch. Je-des-mal!
    Absolute Horrorvorstellung. Das waere nur ertraeglich, wenn die Erinnerung an die vorigen Leben jeweils erst mit 15 oder so einsetzt.

    Dann waere ja auch die Frage, startet man immer am selben Punkt oder zeitlich fortlaufend reinkarnierend? Ersteres boete ja ganz andere Moeglichkeiten als letzteres.

    Ach ja, extrem spannendes Thema.

    Kommentar beantworten

     
    Für mich wäre das eine absolute Horrorvorstellung. Mir reicht schon das eine Leben, das man dafür vorwärts leben und rückwärts verstehen darf.

    Kommentar beantworten

     
    Es würde wohl bei all den genannten Lebensentwürfen wohl der Reiz fehlen, da nichts, rein gar nichts, ein wirkliches Risiko bedeuten kann.

    Es wäre wohl alles beliebig.

    Kommentar beantworten

     
    Die Idee finde ich spontan spannend, weil ich mir das schon öfter ausgemalt habe, wie es wäre, noch ein anderes Leben zu führen, nicht anstatt, sondern add on - und so ähnlich ist die Idee in dem Buch ja angelegt, wenn ich das richtig verstehe.
    Ich würde dann nämlich schrecklich gerne mal alle möglichen Menschen aus meiner eigenen Umgebung sein. Ich wäre gerne mal meine eigene Mutter und würde mich selber als Kind erleben wollen. Ich wäre aber auch gerne mal mein eigenes Kind und wüsste dann, wie ich mich als Mutter sehe. Wenn ich dann noch das Leben meines Mannes führen könnte, wüsste ich auch, wie ich als Frau so bin. Und meine Nachbarin wäre ich auch gerne mal und die Kassiererin bei Aldi, die immer so gute Laune hat und stets mit mir rumwitzelt. Genauso neugierig wäre ich darauf, wie es sich anfühlt, wenn man über, neben und unter mir arbeitet.
    Ich glaube, das spannendste dabei wäre für mich, mich selber immer wieder aus anderen Perspektiven zu erleben, denn das ist eine Frage, die ich mir regelmäßig stelle: Was sehen die anderen Menschen wohl in mir?
     
    Auch spannend, aber im Buch ist das nicht vorgesehen, da ist man immer man selbst. Man kann nur unterschiedliche Dinge tun.

    Kommentar beantworten

     
    Man würde doch nie ein völlig anderes Leben wählen, wenn man sich bereits daran erinnern würde, was man dann stattdessen verpassen würde, das einem das Herz berührt hat.
     
    Man verpasst doch nichts, wenn man mal ein anderes Leben lebt, weil man zwar immer nur ein Leben in einem Moment leben kann, aber eben viele verschiedene Leben in vielen verschiedenen Momenten. Und da man nach diesem Modell extrem viele Momente zur Verfügung hat, kann man es sich auch leisten, alles mögliche mal auszuprobieren.
    Ist wie mit Schuhen: Ich kann immer nur ein paar Schuhe gleichzeitig tragen und natürlich habe ich ein Paar Lieblingsschuhe, für die würde ich in ein brennendes Haus rennen, um sie zu retten, aber trotzdem gibt es auch Tage, wo ich sie nicht trage, sondern andere Schuhe, die mir vielleicht viel weniger gefallen und auch noch unbequem sind, aber eben mal Abwechslung bedeuten.
    Ich bin mit meinem Leben, so wie ich es bisher gelebt habe, rundum zufrieden und würde es gegen nichts anderes eintauschen wollen, aber genau das muss ich ja auch nicht, ich kann es komplett behalten und trotzdem zusätzlich noch andere Leben ausprobieren. Ist doch eine spannende Vorstellung, oder nicht?
     
    Ja, so sehe ich das auch. Man kann ja was anderes ausprobieren und dann noch unendlich viele Male danach die präferierte Lebensweise.

    Kommentar beantworten

    November seit 4114 Tagen

    Letzter Regen: 29. Juni 2017, 06:37 Uhr