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    Samstag, 9. November 2013
    Blogging November - 740

    Sprechen wir über Fahrradschlösser.

    Mir sind schon diverse Fahrräder geklaut worden. Zum einen hängt das sicherlich damit zusammen, dass ich vergleichsweise häufig mit dem Rad unterwegs bin, das Rad ist ja mein übliches Fortbewegungsmittel. Ein bisschen ist es aber sicher auch Pech, denn ich fahre schon immer gebrauchte Schrammelräder, bei denen jetzt nicht gleich einsichtig ist, warum man die Mühen der Entwendung überhaupt auf sich nehmen sollte. Einmal parkte ich sogar mein Rad mit dem von Pe gemeinsam vor dem Schwimmbad, wir schlossen sie mit demselben Schloss ab. Als wir zurückkamen, war das Schloss durchgesägt, mein Schrammelrad war weg und Pes zwei Wochen altes Rennrad stand noch da. Versteh einer die Fahrraddiebe.

    Auch in neuerer Zeit wurden mir zwei sichtbar alte, gebrauchte Räder neben vielen schönen anderen an der S-Bahn-Station weggeklaut. Auf meine Verwunderung hin erklärte mir die Polizei, dass es wohl um den Kindersitz gegangen wäre - es würden überproportional viele Räder mit Kindersitzen gestohlen, die ließen sich deutlich besser weiterverkaufen als das Rad selbst. Und den Sitz abbauen wäre aufwendiger, als das Schloss zu knacken. Außerdem müsste man den Sitz dann ja tragen, das wäre unbequem.

    So weit, so gut. Ich habe also immer drauf geachtet, ein einigermaßen sicheres Schloss zu verwenden, auch wenn es mich ärgerte, für das Schloss mehr zu bezahlen als für das Rad. Aber man möchte es den Leute ja auch nicht zu leicht machen.

    Allerdings habe ich heute gelernt: das geht gar nicht, das nicht zu leicht machen. Irgendwann letzte Woche ging mein Fahrradschloss nämlich nicht mehr auf. Warum weiß ich nicht, sämtliche Maßnahmen versagten. Es beschäftigte sich ein Kreis von etwa 15 Personen insgesamt rund 10 Stunden mit dem Versuch, das Schloss per Schlüssel zu öffnen - ohne Erfolg. Glücklicherweise haben wir einen Nachbarn, der alles an Werkzeugen und Maschinendingsdas hat, was man sich so vorstellen kann. Und was er nicht hat, bringt er von der Arbeit mit. Auf meine Frage, ob er Fahrradschlösser knacken könne, reagierte er ähnlich verwundert, wie wenn ich gefragt hätte, ob er mit Messer und Gabel essen kann. Wir verabredeten uns für heute Morgen.

    Gegen 11 Uhr klingelte er und fragte: "Flex oder Brecheisen?" Flex stellte ich mir spektakulärer vor, man will ja auch etwas erleben. Der Nach bar probierte auch noch einmal erfolglos mit dem Schlüssel und sagte dann - mittlerweile beschutzbrillt: "Geh mal ein Stück zurück". Und noch bevor ich drei Schritte rückwärts gegangen war, war das Schloss auf. Ich war erfreut und verärgert zugleich - erfreut, nicht nochmal endlos im Regen an einem Schloss herumfummeln zu müssen, verärgert, rund 50 Euro für einen 3-Sekunden-Fahrradschutz ausgegeben zu haben.

    In unserem Hof gibt es mehrere seit Jahren verlassene Fahrradschlösser. Ich wollte jetzt auch mal. Möglicherweise war die Blitzöffnung meines Panzer-Kettenschlosses einfach dem handwerklichen Geschick das Nachbarn geschuldet. So bekam ich Brille und Handschuhe gereicht, und ich war tatsächlich nicht ganz so schnell wie der Nachbar - ich habe bestimmt ganze 6 Sekunden gebraucht. Dann wurde ich mitgerissen. Zapp, ein Kabelschloss. Zapp, ein Bügelschloss. Zapp, zapp, zapp. Am Ende ließ ich mir noch den Bolzenschneider geben, mal ausprobieren. Auch zapp. Alles Markenschlösser.

    Ich sag mal so: ich selbst benutze jetzt ein schnödes Zahlenschloss aus dem Supermarkt. Es ist nämlich einfach alles total egal.

     
    Leider weiß ich nicht, was das Copenhagen Wheel kostet, aber Smartphone-Lock wäre vielleicht was :-)
    http://senseable.mit.edu/copenhagenwheel/
     
    Die Bikesharing-Räder der Bahn sind ja auch mit irgendwas gesichert, das man per Handy freischalten kann.

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    genau dieses problem ist der grund, dass ich meine beiden geliebten schlammspringer genau gar nicht als transportmittel nutze, obwohl ich das grundsätzlich sehr gern täte.
    meine stadt gehört zu den hochburgen des fahrradklaus, und es ist hier ebenso wie bei Ihnen - egal, was es für eins ist, ein rad wird geklaut.
    zum heulen.
    ich benutze daher gar kein schloss, sondern nehme sowohl den falken als auch scottie nach dem fahren mit rein. (übrigens auch daheim.) wenn das nicht geht, ist die alternative (leider) der motorisierte individualverkehr.
    dass das mit-reinnehmen a) eine luxusmöglichkeit ist, für die man den nötigen platz braucht, und b) auch wieder probleme mit sich bringt (was tun mit einem völlig verschlammten bike nach einer entsprechenden geländerunde?), ist mir auch klar.

    es ist kompliziert. (wie fast alles.)
     
    Das führt für mich die gesamte Idee des Radfahrens ad absurdum, weil ich nicht fahre, um Sport zu treiben oder aus Genuss, sondern aus ganz pragmatischen Gründen um ein Ziel möglichst unkompliziert zu erreichen. Wenn ich das Rad dann immer bei Fuß halte, ist das alles nicht mehr so praktisch. Ich glaube, an meinem Arbeitsplatz würde das auch nicht gern gesehen ;-)

    Meine Fahrräder sind immer alle versichert. Insofern ist es zumindest kein materieller Verlust. Und da ich, wie gesagt, aus Pragmatismus fahre, ist die emotionale Bindung auch meist nicht so hoch (wobei ich das jetzige schon ganz gern habe...)

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    ernüchternd
     
    allerdings.

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