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    Mittwoch, 22. Juli 2020
    Heute ist Dienstag

    Frau Fragmente sitzt in ihrem Schlafzimmer und bloggt, ich sitze an meinem Schreibtisch und blogge über Frau Fragmente.

    Heute ist angeblich Mittwoch. Ich schreibe das hier mal so hin. Ich persönliche dachte den ganzen Tag über, es sei Dienstag, alle Indizien deuteten darauf hin, ehrlich gesagt bin ich noch immer nicht überzeugt, dass Mittwoch ist, so ein Kalender kann viel behaupten.

    Ich habe dienstags Gesangsstunde und ich hatte heute Gesangsstunde. Morgen kommt die Putzfrau und sie kommt immer mittwochs. Ich sehe Frau Fragmente immer mittwochs und ich habe sie vor exakt 6 Tagen gesehen. Sie sehen, wo ich herkomme mit meiner Ansicht, dass heute Dienstag ist.

    Aber egal. Frau Fragmente hatte einen beschissenen Tag. Dafür wirkt sich aber recht fröhlich und lacht viel. Ich glaube, es gibt sehr unterschiedliche Arten von beschissenen Tagen, nämlich zum einen solche, die das Leben angreifen, die mit Krankheit, Existenzangst, Verlustangst einhergehen. Das sind die wirklich schlimmen Tage, die man den Leuten ansieht: trüber Blick, graues Gesicht, geknickte Haltung.

    Dann gibt es noch die Tage, die das Ego angreifen, an denen man wie ein Depp dasteht, und das vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Die Tage sieht man den Leuten auch an, aber etwas anders, also jedenfalls den guten Leuten, mit denen ich mich zu umgeben pflege. Sie sehen dann leicht gestresst aus aber eben nicht mit der Trauer der wirklich schlimmen Tage in Blick und Haltung, sondern mit der kleinen Portion Irrsinn und Wildheit im Blick und "a ready laugh", denn es kommt ja jetzt echt schon auf nichts mehr an, da kann man auch einfach lachen.

    So einen Tag hatte Frau Fragmente heute, sie wird darüber schreiben, sie ist aber unzufrieden und hat schon einmal alles gelöscht. Ich bot an, ich könne ja über ihren Tag schreiben und sie über meine Wochentagsproblematik. Beides hatten wir schließlich schon voreinander ausgebreitet. Ich hätte sehr, sehr gerne über ihren Tag geschrieben, der Text wäre höchst unterhaltsam geworden. Mal sehen, ob Frau Fragmente das auch hinkriegt, oder ob sie heute selbst daran scheitert. No pressure!

    Ich selbst hatte heute zwei Erfolgserlebnisse. Zum einen esse ich gerade ein ziemlich leckeres vegetarisches Schnitzel. Schmeckt kein bisschen wie Schnitzel, aber wie Chicken Nuggets und somit ziemlich gut.

    Das zweite ist, dass ich zwei Schränke erfolgreich verschenkt habe. Eine ziemlich lange Geschichte, ich fasse sie kurz:

    M beschloss vor ein paar Monaten, dass sie keine Schränke in ihrem mehr benötigt, ich war höchst verärgert und verbot die Entfernung der Schränke, M beließ die Schränke in ihrem Zimmer aber räumte sie völlig leer, für ca. 4 Wochen Pattsituation.

    Dann sagte ich "okay die Schränke können weg" und M hatte keine Zeit mehr, sich darum zu kümmern (weitere 4 Wochen Stillstand), gestern Abend dann Showdown: M und ich zerren Schränke durch die Wohnung, um sie anderen Bestimmungen in anderen Zimmern zuzuführen, Scheitern auf ganzer Linie, ein Schrank fällt (fast aufs Kind), Ganzkörperschmerzen bei mir am nächsten Tag und der Entschluss, dass die Schränke besser heute als morgen die Wohnung verlassen müssen, denn jetzt reicht es, ich will sie nicht mehr sehen.

    Also kam heute Abend ein junge Pärchen, die ihre erste Wohnung beziehen nach dem Studium (quasi Bilderbuch-Kleinanzeigen-Situation) und holten pünktlich die Schränke ab, freuten sich sehr, M sich auch, sie putzt nun das Zimmer und fragt höflich an, ob sie das Bügelbrett wohl dort aufstellen dürfe. Nicht fragen, lächeln und nicken. Nun wurde ein Bild mittig über dem Bügelbrett ausgerichtet und ich glaube, alles ist gut.

    So. Ich wünsche noch einen schönen Dienstagabend.


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