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    Freitag, 12. Juli 2019

    Dass ich heute Abend erledigt bin, hatte ich vorausgesehen, aber dass ich so erledigt bin dann doch wieder nicht.

    Der Tag begann entspannt, es ist der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub aber dank Assistentin und lange vorbereiteter Aufgabenverteilung war alles unter Kontrolle - so unter Kontrolle sogar, dass ich um 11 Uhr erstmal zum Friseur aufbrach. Mit Leihfarrad, ich dachte kurz über Leihroller nach aber war in Eile und daher nicht experimentierfreudig. Ein andermal. Beim Leihfahrrad ging der dritte Gang aber nicht so richtig, war egal aber beim Abstellen meldete ich trotzdem rasch per App den Defekt.

    Beim Friseur auch alles entspannt, ich kann zur Frisur jetzt nach drei Wiederholungen einfach "wie immer" sagen, er fragte nur nach, ob er die eine Seite unten drunter evtl. mal lang lassen solle statt anrasieren und da sagte ich halt "nein auf gar keinen Fall" und dann entschieden wir uns noch gegen Strähnchen, weil wegen der Sonne eh schon alles ausgebleicht ist. Im Winter dann wieder.

    Für den Rückweg wollte ich wieder das Leihfahrrad nehmen, es stand noch da, ließ sich aber nicht öffnen wegen "defekt". Den hatte ich natürlich selbst gemeldet, trotzdem komisch, man kann nämlich auswählen zwischen großen Defekten, die das Fahren unmöglich machen und kleinen Defekten, mit denn man trotzdem fahren kann. Ich hatte einen kleinen Defekt ausgewählt - das habe ich schon öfters mal gemacht (verbogener Korb, abgebrochener Ständer, fehlender Griff) und konnte das Rad immer danach noch verwenden. Ich bildete mir ein, dass wohl gerade ein Fahrradreparierer unterwegs war zu diesem Rad, quasi sofort schon da, so dass man es daher jetzt nicht an einen anderen Ort fahren sollte. Kurz überlegte ich, auf das Eintreffen des Fahrradreparierers zu warten und zu schauen, ob er eher der Typ Ayurveda oder eher der Typ Herablassung ist. Zum Glück konnte ich mich noch rechtzeitig regulieren, außerdem stellte vor dem Bürogebäude gegenüber vom Friseur gerade wer anders ein Leihfahrrad ab, das ich schnell übernahm.

    Auf dem Rückweg kaufte ich noch schnell für eine Kollegin und mich Mittagessen, um den letzten Arbeitstag zu feiern: Vitello-Tonnato-Sandwich Lachs-Linsen-Salat, Meatball-Salat, Mousse au Chocolat. Gespeist wurde in meinem Büro dabei machten wir Übergabe.

    Dann erledigte ich Reste - noch hier und da etwas aktualisieren, ein paar Anweisungen verteilen, Sachen elektronisch und aus Papier so ablegen, dass andere sie finden, Mails wegsortieren. Und dann verbrachte ich eine ganz unangemessen lange Zeit damit, Nahrungsmittel in meinem Büro zusammenzusuchen, um sie mit nach Hause zu nehmen - gut 3 Wochen sind lang! Angebrochene Packungen mit Trockenfrüchten und Nüssen, angefangene Müsli-Packungen, Joghurt, Himbeeren, Heidelbeeren, eine Banane, zwei Stück Käsekuchen, das Vitello-Tonnato-Sandwich war auch noch übrig, eine halbe Packung Milchschnitte, die ich selbst schon von einer Urlauberin übernommen hatte und die kein anderer wollte. Eine Tasche mit Fachlektüre, die mich interessiert, aber für die ich nie Zeit habe im Büro, raffte ich auch noch zusammen. Und dann dachte ich, ach ja, ich habe noch den einen oder anderen privaten Brief im Büro liegen, den ich morgens aus dem Briefkasten dorthin mitgenommen und dann aus irgendwelchen Gründen dort gelassen hatte, das könnte ich auch mal mitnehmen - nachdem ich den Schrank kritisch gesichtet hatte wurden daraus zwei komplette Einkaufsstoffbeutel voller Papier. Es kann nur einen logischen Schluss daraus geben: ich muss öfters Urlaub machen, dann sammelt sich gar nicht erst so viel an (denn ich mache dieses Aufräumen vor jedem Urlaub).

    Für den Urlaub habe ich einerseits nichts vor, andererseits enorm viel. Ich will unbedingt jeden Tag ausschlafen und auch immer zwischenschlafen, wenn ich müde bin, dann möchte ich jeden Tag viel lesen, ein bisschen auf dem Balkon sein (wenn es nicht zu warm ist), ein bisschen draußen herumlaufen (wenn es nicht zu warm ist), jeden Tag irgendwas in der Wohnung regeln, dessen vollendete Regelung mich erfreut und irgendwas erledigen, dessen vollendete Erledigung mich freut. Außerdem möchte ich Dinge unternehmen (welche genau ist noch unklar) und mit dem Kind und Herrn N viel plaudern (möchten die beiden vermutlich eher nicht) und die Katzen viel streicheln (völlig unklar, ob die das möchten oder nicht, das werde ich merken).

    Mit diesen Plänen im Kopf kündigte ich Herrn N an, dass ich dann jetzt wohl bald mal nach Hause kommen würde (es war schon fast 19 Uhr), darauf antworte er, dass er in einen Autounfall verwickelt war, ich bekam umgehend Schnappatmung und alle Pläne zerbrachen in Milliarden Stückchen. Als ich es dann aber geschafft hatte, seine Nummer zu wählen, klang er recht entspannt und fast gut gelaunt am Telefon, was genau geschehen war konnte ich zwar so schnell nicht herausfinden, aber es war niemand verletzt und alles ungefährlich und meine Anwesenheit wurde nicht benötigt oder gewünscht. Also nahm ich meine zig Taschen, fuhr nach Hause und versuchte, mich mental wieder in zurück in die Urlaubsstimmung zu schieben. Das dauerte allerdings zwei oder drei Stunden.

    Jetzt ist dieser Vorgang aber abgeschlossen, das Sandwich mittlerweile auch gegessen, ebenso die Himbeeren, der Joghurt und eine Milchschnitte und die Bürotasche habe ich schon entleert.

    Alles ist gut.

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