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    Mittwoch, 2. Februar 2022
    02022022

    Während ich damit beschäftigt war, überfordert zu sein und mir Sorgen zu machen, hat sich ein Teil meines Kopfes selbstständig gemacht. Wenn man nicht auf alles ständig aufpasst, echt jetzt mal!

    Dieser (hoffentlich) kleine Teil meines Kopfes hat irgendwo eine falsche Abzweigung genommen, ist auf Abwege geraten und nun da unterwegs, wo die Rationalität endet und eine gewisse Zwanghaftigkeit beginnt. Ich bin zum Glück jetzt gerade nicht mehr ganz so überfordert, konnte diesen Zwischenfall also feststellen, bin über natürlich höchst unerfreut, jetzt diese schlechte Kopfsache vorzufinden um die ich mich wohl auch noch kümmern muss.

    Ich beschreibe es etwas mehr im Detail:

    Heute Morgen zum Beispiel wachte ich auf, ich hatte gut geschlafen ohne Alpträume und dachte deshalb beim Aufwachen nicht, wie sonst in der letzten Zeit, "Ach du meine Güte noch ein Tag". Naja ich dachte auch nicht, wie bei mir eigentlich üblich "Hurra, hurra, ein neuer Tag wie supertoll!!!", da sind wir noch nicht. Aber immerhin dachte ich: "Okay." Vielleicht sogar auch: "Okay!"

    Ich ging, weil ich etwas in Eile war, zum Wäscheständer, um die bürotaugliche, aber unauffällig gedeckte Kleidung anzuziehen, die ich halt auch in den letzten Wochen getragen hatte und dachte dann: Moment mal, ich kann auch was ganz anderes anziehen, sowas mit Farbe, die dann zu den Schuhen passt oder dem Nagellack, den ich dann auftragen könnte. Die Mehrheit in mir fand das eine super Idee und hatte Lust darauf, aber dann sagte dieser kleine Teil im Kopf sehr langezogen: "Naaaaa... also wenn das mal gut geht..."

    Was da wie nicht gut gehen sollte, konnte ich mir logisch denkend nicht erschließen. Ich dachte aber ungefähr 10 Minuten darüber nach, ärgerte mich anschließend über die Zeitverschwendung und zog bockig andere Kleidung als die letzten zwei Wochen an und lackierte mir die Fingernägel rot. "Man sollte lieber nicht übertreiben...", sagte der komische kleine Teil im Kopf dazu, ich machte extra noch glänzenden Top Coat auf die Nägel.

    Später im Büro kam ich aus dem Aufzug. Im betreffenden Stockwerk gibt es zwei Eingangstüren, eine links, eine rechts, da ich immer eine Runde gehe, ist völlig egal, welche ich nehme. Es gibt aber auch zwei Aufzugreihen und wenn man aus der linken kommt, ist es zweckmäßig, die linke Eingangstür zu nehmen, kommt man hingegen aus der rechten, nimmt man natürlich die rechte. Die Aufzüge sind nach einem bestimmten System programmiert, das ich nicht verstehe, aber das ganz überwiegend dazu führt, dass ich links ankomme. Daher war ich die letzten Wochen immer zur linken Tür hineingegangen.

    Heute kam ich rechts an, stand folglich vor der rechten Tür und der kleine Teil im Kopf sagte: "Man sollte lieber links hineingehen, das hat sich in letzter Zeit bewährt... Besser nichts riskieren..."

    Der kleine entglittene Teil im Kopf spricht immer sehr unkonkret, auf den Punkt bringen lässt er sich ungern, er bevorzugt Passivformen oder das "man" und lässt Sätze gern mit ... enden. Es muss sich bei ihm um einen komischen Rest Ursuppe handeln, der aktiviert wird, wenn im System zu lange "Gefahr" gemeldet wurde. Vielleicht war es früher in der Höhle zweckmäßig, keine neuen Pflanzen zu verkosten, wenn der Gesundheitszustand gerade nicht so optimal war und keine bisher unbekannten Wege durchs Gebüsch auszuprobieren, wenn man körperlich nicht ganz auf der Höhe war. Das mag alles sein, ich betrachte es mit einem gewissen Verständnis aber kann jetzt auch nicht bei jedem Gang durchs Büro oder beim Blick in den Kleiderschrank ein irgendwie genetisch gespeichertes Urprogramm mitdenken.

    Ich ging übrigens natürlich rechts. Und ab morgen möchte ich nicht eine Sekunde darüber nachdenken, wo ich überhaupt hineingehe und wo ich möglicherweise am Vortag hineinging und was irgendwelche Kleidung mit irgendwas zu tun haben könnte. Das ist mir wirklich alles zu blöd und ich habe keinerlei Interesse an diesen Überlegungen.

     
    spannend, zu beobachten, wie in Not- und Gefahrenzeiten Aberglauben entsteht. Und bei Hexenverfolgung endet... oder war das ein Durchgangsstadium, das sich dann verkleidet hat?

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    Liebe Fr. Novemberregen, kenn ich, was Sie da ins Internetz schreiben. Insbesondere den letzten Satz des Eintrages 01022022 möchte ich in Schönschrift unterschreiben.

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