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    Freitag, 17. Februar 2017
    Bahnbeobachtungen

    Erstens. Man kann über die jungen hipsterigen Männer sagen, was man will, aber das Bahnfahren beherrschen sie aus dem Handgelenk. Zapp den Kaffeebecher auf das Tischchen gestellt, zapp die Tasche oben in die Ablage geschwungen, zapp den Mantel vor dem Hinsetzen ausgezogen (nicht wie ich, im Sitzen dann herauswinden) - die Mütze bleibt natürlich auf dem Kopf und zapp mit einer schlangenhaften Bewegung in die hinterste Ecke des Vierersitzes gewunden, Kopfhörer in die Ohren und so sitzen sie dann da unbeweglich bis sie aussteigen müssen. Kein Gekrame und Gehibbele, keine Leberwurstbrote oder Klogänge. Die Generation Profibahnfahrer.

    Zweitens, eigener Erfahrungshorizont: Wenn man eine Papierzeitung in der Bahn ausklappt wird man im Jahr 2017 ungefähr genauso verächtlich gemustert, wie wenn man am Handy die Tastentöne anhat.

     
    Vielleicht gilt die Papierzeitung bald als "vintage", dann ist sie wieder hip. Hätte von Vinyl ja auch keiner gedacht vor fünfzehn Jahren.
     
    Papierzeitungen sind viel schönere Objekte als
    Ipads (okay, nicht jetzt die BILD) - wenn auch vielleicht etwas unpraktisch. Aber hier dominieren beim Hipster wohl noch so Pseudo-Öko-Beweggründe, von wegen die armen Bäume.
     
    Weil der Strom fürs iPad ja aus der Steckdose kommt.
     
    Naja so schön ist die Papierzeitung nicht, wenn man die erstmal einen Tag lang in der Tasche herumgetragen hat.

    Ich finde die Papierzeitung - ist mir gestern aufgefallen - enspannt. Weil die so reduziert ist. Keine weiterführenden Lilnks, keine Zusatzinfoklickkästen, keine Kommentare und so weiter. Online fühle ich mich da eher getrieben, noch über den Artikel Hinausgehendes mitzulesen, das wird dann immer mehr und immer komplexer, aber wenn ich das drumherum nicht mitlese fühle ich mich so, als hätte ich mittendrin aufgehört. Bei der Papierzeitung kann ich irgendwann "fertig" sein. Das ist ein sehr schönes Gefühl.
     
    Je nach Themengebiet kann das aber auch sehr unbefriedigend sein. Mir fehlen dann jeweils weitere Ausführungen weil Fragestellungen nicht abgeschlossen werden.
    Oder ich versuche verspätet mich über ein Thema zu informieren - aber ich erhalte nur die Kurztexte dies das weitere Vorgehe/Problem/etc. beschreiben, jedoch fehlt mir der Einstieg und die wichtigsten Grundinformationen.

    Daher bin ich kein wirklicher Fan der Papierzeitung musste ich feststellen.

    ***

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    Boah, Zeitung in der Bahn geht - neben Apfel essen - echt GAR NICHT! :D Zeitungsleser sind bei mir Hassobjekt Nummer 2 (nach Zuggästen, die unbedingt die ganze Zeit telefonieren müssen). :D
     
    Was ist das Problem bei einem Apfel? Ich finde Ei- und Leberwurstbrotesser sind störender und die Dauertelefonierer enervierender.
     
    Das mit dem Apfel ist ein individuelles Problem. ;-)
     
    :D Das hast du schön gesagt.
     
    Als Kind zu häufig die Blend-a-med-Reklame mit dem Apfel im TV gesehen?

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    Für mich gehört "Papierzeitung lesen" zum Bahnfahren dazu.Ich kaufe dann immer extra vorher mehrere verschiedene -- wann hat man schon einmal so viel Zeit? Komische Blicke habe ich noch nicht bekommen -- oder aufgrund intensiven Lesens nicht bemerkt? Aber vielleicht sind Bahnreisende ab Berlin ja auch etwas anders gestrickt ...
     
    Ich bin nur S-Bahn gefahren, nicht Fernzug. Vielleicht deshalb?
     
    Jetzt geht das Volk auch noch auf die Papierzeitungen los!!!
    Als ich vor über zwanzig Jahren einmal wöchentlich wegen Zusatzstudium nach Bochum fahren musste, habe ich mich im Interregio immer über die Massen von Schülern und Malochern amüsiert, die ohne Ausnahme ALLE mit der Blödzeitung in die Bahn stiegen. Jetzt fahre ich kaum noch ÖPNV, nur im Großstadturlaub und da finde ich, dass die Smartphones die ganze nonverbale Kommunikation töten. Bei der Zeitung konnte auch mal einer mitlesen, gelegentlich kam man ins Gespräch. Ach ja, alt werden ist die Hölle. Aber jung sterben ist auch nicht besser
     
    Das liegt vielleicht einfach daran, dass sie weniger im ÖPNV unterwegs sind. Ich fahre mehrmals täglich und habe ständig Kommunikation, nicht nur nonverbal sondern auch höchst verbal. Da kann ich Kopfhörer, Handy und Zeitung/Buch gleichzeitig verwenden, das hilft alles nix.

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