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    Donnerstag, 19. Januar 2017
    Kein Aufzuggespräch

    Frau N steigt in sehr kleinen Aufzug für maximal 4 Personen.

    Ein Mann mit Gitarre kommt um die Ecke gerannt - Frau N hält die Hand vor die Lichtschranke. Mann steigt ein.

    Frau N: Hallo.

    Mann: -

    Eine Frau mit einer riesigen McDonald's-Tüte kommt um die Ecke gerannt - Frau N hält die Hand vor die Lichtschranke. Frau steigt ein.

    Frau N: Hallo.

    Frau: -

    Es ist sehr eng.

    Frau N: Also wenn wir jetzt steckenbleiben haben wir immerhin Essen und Musik.

    Mann und Frau: -

    Aufzug hält.

    Frau N: Tschüß.

    Mann und Frau: -


    Was ist mit den Leuten?

     
    Und ich möchte ein weiteres Mal gerne die Geschichte aus Sicht der beiden anderen hören... ;)
     
    hungerast und stimmbandüberbeanspruchung

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    Die hatten Angst, als Irre verbloggt zu werden. Tja. Sollten vielleicht ihre Strategie überdenken.
     
    Was für ein unerfreulicher Kommentar!
     
    Oh. Das ist schlecht, dass Sie sich mit unerfreulichen Kommentaren herumschlagen müssen. Noch schlechter, dass ich diejenige bin, die dafür verantwortlich ist. Ganz schlecht, dass ich keine Ahnung habe, worin die Unerfreulichkeit besteht. Können Sie mir weiterhelfen?
     
    Na dass die herausgefunden haben, dass ich sie verblogge und jetzt einfach alle nichts mehr sagen. Das ist doch unerfreulich. Worüber soll ich dann schreiben?!

    Sie können nichts dafür, Sie sind ja nur die Überbringerin der Nachricht. Ich nehme Ihnen das nicht übel ;-)
     
    Puh, sehr erleichternd, danke.

    Was "worüber schreiben" betrifft: Der Oberchef redet noch mit ihnen?
     
    Ja, sicher :-)

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    Was ist mit den Leuten?

    Die werdens halt eiliger gehabt haben und keinen Bock auf Enge im Fahrstuhl, was ist daran mysteriös?
     
    Na ja, auf ein freundliches "Hallo" kann man ja trotzdem mit einem solchen antworten und sich auch ein Lächeln abringen, wenn man schon mit einer stinkigen stark riechenden McDonald's-Tüte in einen schmalen Aufzug steigt. Mal abgesehen davon, dass die beiden es Frau Novemberregen zu verdanken hatten, noch in den Fahrstuhl hinein gekommen zu sein und nicht warten zu müssen. Ein "Dankeschön" wäre da schon angebracht gewesen. Man muss ja keine Gespräche führen, aber ein bisschen Höflichkeit hat noch nie jemandem geschadet.
     
    @mark793 versteh ich als Erklärung nicht, die sind ja eingestiegen und die Zeit im Fahrstuhl vergeht so oder so.

    @arboretum Da, wo ich herkomme nennt man das "stickum" ;-)
     
    Ich kenne "stiekum" mehr als "heimlich".

    Ansonsten ja, teilweises Missverständnis meinerseits. Im Grunde haben Sie ja nur einmal den Betrieb aufgehalten, also kein Grund, dass beide Mitfahrer muffelig sind.
     
    Gefühlt ist da für mich ein Unterschied zwischen Adjektiv und Substantiv. Etwas stickum tun hat die Konnotation von Heimlichkeit. Ein Stickumer ist aber einer, der das Maul nicht aufkriegt.

    Ich habe den Betrieb schon durchaus zweimal aufgehalten. Aus meiner Perspektive gesehen.

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    Ich bin ganz Ihrer Meinung Frau N.!
    Ich war gestern in einem Discounter und grüßte die Kassiererin wie ich es immer mache. Sonst wird man auch freundlich zurück gegrüßt, gestern wurde mir nicht geantwortet. Das fand ich unfreundlich, wahrscheinlich besonders, weil es dort sonst anders läuft.

    Es gibt aber Reaktionen auf Freundlichkeit, die mich dann doch so verwirren, dass ich erstmal nicht verärgert sein kann: Jemand sieht, dass ich in ein Geschäft will, überholt mich sprintent, denn mit Rolli bin ich um einiges schneller als der Durchschnittsfußgänger, nur um mir die Tür rechtzeitig aufhalten zu können. Natürlich finde ich das sehr nett und bedanke mich dafür, was diesen Menschen aber zu verwirren scheint, zumindest entnahm ich das seinem Blick und offenstehenden Mund, als hätte er gerade ein Wunder gesehen. Sehr merkwürdig! Verstehe ich nicht. Ist auch nicht nur einmal passiert, muss also irgendwie doch eine gängige Reaktion auf ein "Vielen Dank!" sein...

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    Mir ist gerade in der Sozialpsychologie das Thema untergekommen, und ich musste sofort an Ihren Beitrag denken.

    Hintergrund: es geht um die Erläuterung der Begrifflichkeiten Konformität und normatives Verhalten. Als Beispiel wird auf dieses Experiment in einem Fahrstuhl verwiesen.

    Wir verhalten uns in solchen Situationen aber tatsächlich gar nicht bewusst konform, sondern unbewusst. Würde man die jeweilige Person fragen, ob sie sich in ihrem Verhalten an den anderen orientiert hat, würde sie sehr wahrscheinlich antworten: nein, es war einfach bequemer so.

    Jetzt ist so eine Fahrstuhlsituation für uns eine psychologisch relevante, und zwar in der Hinsicht, dass unsere personale Distanz sehr minimiert wird im Vergleich zu einer Situation ohne räumliche Einschränkung (dort ist die Nähe die wir automatisch wählen zw. 1 bis 1,5 m). Es gibt sehr viele und unterschiedliche kulturelle Normen, wie mit dieser Distanzreduktion umgegangen wird. In den USA beispielsweise wird die Reduktion durch ganz viel Reden geklärt. Es gilt als Norm einfach irgend etwas zu reden. Ungewöhnlich ist es hier, NICHT zu reden.

    In Deutschland wiederum ist genau das Norm, nämlich NICHT zu reden und sich gegenseitig zu ignorieren. Was mich jetzt ebenso verwundert wie Sie, weil ich auch ein sehr großer Fan von Fahrstuhlgesprächen bin, ich begegne in der Arbeit da auch immer wieder den gleichen Leuten und mach da gern mal ein Schwätzchen, vor allem wenn ich die Person sympathisch finde. Auffällig ist aber auch für mich, dass in den seltensten Fällen dieses Faible erwidert wird.

    Sprich: wir als Fahrstuhlredner werden in Deutschland in dieser Situation als nicht normativ erlebt. Wir verstoßen gegen eine Norm, was den anderen in der Form aber vermutlich auch nicht bewusst ist. Nur wissen sie dann vielleicht einfach nichts mit unserem Verhalten anzufangen.
     
    Das ist ein sehr, sehr schönes Experiment, ich glaube, ich sollte das nächste Woche mit ein paar Kolleginnen im Rapunzelturm durch führen. Besonders am Ende hab ich sehr gelacht.

    Im Rapunzelturmaufzug wird übrigens ständig geredet, Small-Talk eben, also eher wie Sie es für die USA beschreiben. Dort herrscht aber ja auch ein sehr internationales Umfeld. Wahrscheinlich bin ich durch die Arbeit dort anders sozialisiert als in bundesdeutschen Aufzügen üblich ist.
     
    Falls Sie das echt durchführen: auf die Story freu ich mich schon jetzt!

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