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    Mittwoch, 31. August 2016
    Regeln

    Ich habe heute die aktualisierte Schulordnung von Mademoiselles Schule gelesen, genau gesagt hab ich sie gegen die alte Fassung gelesen. Ich interessiere mich bekanntlich enorm für Regeln. Eigentlich war der Vergleich Mademoiselles Hausaufgabe, aber ich war so mitgerissen, dass ich das einfach für sie gemacht habe (mit pinkfarbenem Textmarker). Dann wollte ich das Ergebnis am Abendbrottisch zur Diskussion stellen, hat aber keinen interessiert. Daher nun hier!

    Neu ist folgende Passage: Für Fehltage direkt vor oder nach den Ferien braucht man in jedem Fall ein ärztliches Attest. Das finde ich verwirrend gerade mit Bezug auf den Eintrag von gestern, da die Kinder ja, qed, an diesen Tagen unmittelbar vor/nach den Ferien offenbar eher sowieso nicht benötigt werden. Also ich würde jedenfalls die Schultage vor/nach den Ferien ernster nehmen, wenn da etwas stattfände.

    Auch neu in der Schulordnung ist eine Ergänzung zum Thema Handys: Handys und verwandte Geräte (das ist schlau formuliert, finde ich), müssen auf dem gesamten Schulgelände ausgeschaltet sein, sonst werden sie eingezogen und am Ende des Schultages zurückgegeben. Jetzt die neue Passage: Das Ende des Schultages wird für diese Fälle allgemein auf 15:30 Uhr festgesetzt. Hach, mich interessieren ja immer die Geschichten hinter solchen Zusätzen.

    Ähnlich beschäftigt hat mich schon im letzten Jahr der Zusatz zum Verbot von Rollschuhen, Skateboards, Inlinern und Heelys: Diese müssen auf dem Schulgelände in Taschen transportiert werden. Man sieht es regelrecht vor sich, das dieser Formulierung vorangegangene Streitgespräch auf dem Schulhof ("Ich bin aber nicht gefahren, ich habe das Skateboard nur getragen und es war mir gerade aus der Hand gefallen und weggerollt und damit es niemanden verletzt, hab ich es mit dem Fuß gestoppt!").

    Der Geschichtslehrer hat noch eigene FAQ zu seinem Unterricht ausgeteilt. Ein Punkt: ob die Verwendung von Handys im Unterricht zur Recherche erlaubt ist. Nein, ist sie nicht. Auch da weiß man ziemlich genau, was wohl vorgefallen ist.

    Sonst keine Neuerungen. Man darf sich weiterhin nicht im Fahrradkeller aufhalten, dazu hätte ich noch gern die Story, und Ballspielen darf man zwar in der Osthälfte des Hofes, aber muss dennoch vorsichtig sein (ich denke, das wird in den nächsten Jahren konkretisiert). Und harte Gegenstände darf man nicht werfen. Als Beispiel sind hier ausgerechnet Eicheln genannt. Auf dem Schulgelände sind aber, wenn ich es richtig im Kopf habe, nur Ahornbäume. Es ist also anzunehmen, dass auch diese Regel auf einer konkreten Begebenheit beruht, bei der jemand eine Eichel mit auf das Schulgelände brachte und dann kam es zu einem Zwischenfall. Schade, dass diese Geschichten nicht mitüberliefert wurden.

     
    Bei uns wurde im Fahrradkeller ja geraucht. Ganz klassisch also.
     
    Hachja. :-)

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    Das mit dem Ende des Schultages
    ... hing bei uns mit dem Arbeitsende der Sekretärin zusammen.
    Es wollte sich halt niemand anderes mit dem "Problem" befassen.
     
    Ah! Das kann gut sein.

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    attest
    Das mit dem Attest wegen selbständig verlängerten Ferien kann ich absolut nachvollziehen. Selbst wenn an den letzten Tagen nix Wesentliches mehr passiert, ist trotzdem Schulpflicht. Wenn Eltern nun "weil's billiger wird" ein paar Tage früher in den Urlaub fahren/fliegen, macht das Beispiel Schule (pun intended) und dann ist die Schule schon Tage und Wochen vorher leergefegt.
    Verwundert mich jetzt, dass Sie das verwirrt, gerade wenn Sie Regeln wichtig finden (ich auch).
    An der Schule meiner Kinder werden in dieser Zeit Bücher getauscht, Klassenfahrten oder Praktika gemacht, also durchaus die Zeit produktiv genutzt. Allerdings gab es auch schon negative Ausreißer mit "tagelang nur Filme gucken". Aber da können die Eltern ja meckern.

    An einer benachbarten Grundschule hab ich mal davon gehört, dass bei Mitschülern die Eltern eigenmächtig die Ferien um mehr als zwei Wochen vorher *und* nachher verlängert haben, damit sich der Heimatbesuch auch richtig lohnt.
     
    Und ich kann, seit wir selbst betroffen sind, diese Eltern verstehen. Wie so oft, je besser man jemanden kennt.

    - der Preis. Natürlich. Wir sprechen hier ja oft von Familien, die nicht gerade im Geld schwimmen. Und das ist Familienbesuch, kein Urlaub, den man sich aussucht, der Vorwurf "aber mein Urlaub ist auch teuer" trifft da nur bedingt
    - die Zeit. Man besucht Familie, die weit entfernt wohnt und die man nur selten sieht (einmal im Jahr oder seltener). Man versucht also, diese Beziehungen zu stärken, zu erneuern, wieder aufzunehmen. Das braucht Zeit. Und wenn man sich den teuren Flug schon mal geleistet hat, dann muss es sich auch wirklich richtig und eben auch zeitlich lohnen.
    - das Klima. Bei uns sind Besuche in den langen Sommerferien leider nicht möglich. Denn das sind ja oft Orte, die nicht mit Pool am Meer liegen, wo man 35-40 Grad so halbwegs aushalten kann. Sondern Orte irgendwo im Hinterland mit ohne Klimaanlage und ohne Wind. Ich halte das im Sommer tatsächlich einfach nicht ausm
    - die Flugdaten. Dann fliegen wir also in den zweiwöchigen Frühjahrs- oder Herbstferien. Und siehe da, der Flieger hin geht erst am Montag und zurück schon am Freitag. Super, bleiben ja noch entspannte 12 Tage (minus 2 wg. An- und Abreisetag). Und das für
    - viel Familie. Die Familien, die besucht werden wollen, sind oft etwas größer als der deutsche Durchschnitt. Selbst wenn man alle nur je einmal sehen will, ist man gut unterwegs.

    Und schon schreibt man für jedes seiner drei Kinder Bettelbriefe an die Schule, bekommt Antragsformulare zurück (jede Schule hat natürlich ihr eigenes Vorgehen dafür) und verzweifelt ein bisschen an der Bürokratie.
     
    Das mag ja alles sein, aber erfahrungsgemäß fallen den Leuten im Villenviertel auch immer gute Gründe ein, warum sie früher los müssen und/oder später zurückkommen.

    Der Direx am hiesigen Gymnasium im Millionärsghetto könnte da Geschichten erzählen...
     
    gesetze muss man einhalten
    Ich kann die Argumentation nachvollziehen, aber ich sehe nicht ein, dass sich die Eltern selbst aussuchen, welche der deutschen Gesetze sie befolgen und welche nicht.
    Regeln gelten für alle, und das ist dann halt Schicksal, wenn man die zahlreiche Verwandtschaft nicht bis ins siebte Glied besuchen kann, weil die Zeit nicht reicht.
    Auf diese Weise kann man die Kinder in der Schule nämlich auch ausgrenzen, wenn die anderen wahlweise neidisch oder wütend auf die "Verlängerer" sind.
     
    Ich kann die einen wie die anderen verstehen - ja, wäre schön, flexibler reisen zu können, geht aber nicht weil man nicht zig Ausnahmen machen kann. Was ich nicht verstehe: wenn alle kommen sollen, wieso findet dann nichts statt. Das macht es ja wahrscheinlich erst frustrierend. Der Grund für die Regel (Schulpflicht, Grund für Schulpflicht: Schule ist wichtig weil Bildung/Lernen wichtig ist) wird halt ausgehöhlt, wenn nur Trallalla passiert und ich denke, da darf man sich nicht wundern, wenn die Regel hinterfragt wird.

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    Heelies! Ein englischer Name für die "Fersenroller". Lesen bildet eben doch am besten, vielen Dank.
     
    Bei "Fersenroller" hätte ich spontan an Pediküre gedacht.

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    Ich bin da ja noch nicht so firm, kommt bestimmt noch, aber bis dahin: Was hätte es denn für Konsequenzen, wenn das in diesem Fall geforderte Attest nicht beigebracht werden könnte?
     
    Also die Schule kann einen Verweis / Zeugnisseintrag / Strafarbeit verängen. Bei mehrmaligen oder davor schon anderem Fehlverhalten kann das Schulamt / Ordnungsamt eingeschaltet werden und die können ein Verwarnungsgeld verhängen.

    Blöder ist, wenn die einfach am Check-In am Flughafen warten und die Genemigungen kontrollieren. Aufhalten dürfen die nicht, aber das Verwarngeld ist dann sicher.

    Welche Variante teurer ist, halte ich aber dennoch für offen ;-)

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    Ihr Vorgehen ist Schulbuch-Geschichtswissenschaft: Ich erinnerte mich sofort an ein Seminar "Augsburg im späten Mittelalter", in dem wir anhand von Zunftvorschriften und -verboten rekonstruierten, was wohl vorgefallen war und sie jeweils bedingt hatte.
     
    Auch hach :-)

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