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    Sonntag, 14. August 2016
    Ali Eskandarian - Die Goldenen Jahre

    Nachdem ich neulich sagte, dass ich nicht bei einem Lesekränzchen oder so mitmachen möchte, wurde ich gleich am nächsten Tag Mitglied in einem solchen. Manchmal weiß ich auch nicht. Das erste Buch, das wir gemeinsam lasen, war:

    Ali Eskandarian - Die Goldenen Jahre

    Ali Eskandarian war ein iranischer Singer-Songwriter, der aus dem Iran in die USA emigrierte, weil seine Musik im Iran verboten war. In den USA befasste er sich mit Sex & Drugs & Rock'n Roll und schrieb zusätzlich an einem Buch, nämlich Die Goldenen Jahre, das posthum veröffentlicht wurde. Das Buch ist stark autobiographisch, der Protagonist heißt ebenfalls Ali und ist ein iranischer Singer-Songwriter, der aus dem Iran in die USA ausgewandert ist und dort als Musiker/Künstler lebt.

    Ich dachte, die politischen Hintergründe, die Lage für Musiker im Iran, die Emigration und die Kunst allgemein sind schon spannende Themen und daher das Buch möglicherweise sehr interessant. Ist es aber leider nicht. Es ist einfach eine Aneinanderreihungen von Szenen, in denen jemand Hunger hat und dann Drogen nimmt und dann Sex hat oder erst Drogen nimmt und dann Hunger bekommt und dann Sex hat oder vielleicht erst Sex hat und dann Drogen nimmt und dann hungrig wird und so weiter. Mehr ist eigentlich nicht. Das alles führt auch nirgendwohin. Was natürlich durchaus der Realität entsprechen kann, aber dann einfach nichts ist, das mich als Erzählung in Buchlänge fesselt. Ali Eskandarian kann man da vermutlich keinen Vorwurf machen, er wurde nämlich zusammen mit weiteren Bandmitgliedern von einem ehemaligen Kollegen erschossen, bevor das Buch fertig war. Irgendwer anders hat das Manuskript zu einem (vermeintlich) fertigen Buch zusammengestellt und einem Herausgeber zukommen lassen.

    Andere Menschen finden das Buch besser als ich (wenn auch niemand aus dem Lesekränzchen): Ali Eskandarian gilt als der neue Kerouac, dem Buch wird Potential als neues Kultbuch zugeschrieben, das die verschiedensten Themen einer verlorenen Generation anspricht. Leider konnte ich nichts davon darin sehen.

    Falls jemand neugierig ist, verschenke ich mein Exemplar gerne.

     
    Hehe: meins steht schon im Bücherschrank vor der [huch?] evangelischen Kirche.

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    Ich habe Interesse. Danke
     
    Mail mal wohin, dann schick ich es los.
     
    falls Sie dran denken, könnten Sie kurz sagen [hier zB?], wie Sie das buch fanden - das wäre toll!
     
    Bin ich gemeint?

    Danke, Frau November! Mach ich wieder gut. Demnächst. Mail haste. Merci!
     
    Ja, du bist gemeint, wie ich es finde weiß rebekkam schon (ist auch im Lesekreis bzw jetzt untertreibe ich, sie ist Master of Lesekreis).
     
    Mir war klar, dass du nicht gemeint sein konntest, weil du doch darüber bloggtest, also über deine Meinung zum Buch.

    Ich wollte nur meine Verwunderung zum Ausdruck bringen, dass jemand, den ich nicht kenne, meine Meinung interessieren könnte zu einem Buch. Das ist für mich neu. Verrückte Sache, dieses Internet auch. :-)
     
    Ich war mir kurz nicht mehr ganz sicher, ob ich überhaupt klar gesagt hatte, wie ich das Buch fand. Aber ich denke, es ging schon daraus hervor.
     
    :) und ich bin viel zu sehr hinterher, um an passender stelle "ja, DU bist gemeint!1" einzuwerfen. aber ja, DU bist gemeint, cabman ;)!
     
    So. Danke nochmal Frau Novemberregen. Das Buch kam Donnerstag an, ich habe es dann Freitag/Samstag gelesen und teile deine Einschätzung:

    Eine Aneinanderreihung von Erfahrungs-oder Begnungsfragmenten einer Person, deren Beschreibungen es zu keiner Zeit schafft, einen Identifikationsrahmen zu entwickeln. Die völlig fehlenden Charakterisierungen der Akteure könnte man durchgehen lassen, würde sich deren Sein und Tun in einem differenziert beschriebenen Kontext des Handlungsmilieus erklären. Tut es aber nicht. Es bleibt eigentlich nur die beschreibende Wiedergabe dessen, was man teilweise in Blogs schon viel besser gelesen hat. Kultbuch? Bestimmt nicht. Mag an mir liegen, aber ich alles von Bukowski gelesen, alles von Pedro Juan Gutiêrrez und fast alles von Hubert Selby jr. und einiges von Miller, Ian McEwan und Irvine Welsh, Kerouac oder Edward StAubyn. Mit denen verglichen zu werden ist aber auch was schwer.

    Ansonsten war mein Hochlicht zum Thema Buch dieses Jahr bisher: Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell. 1500 Seiten in 2 Wochen, die einen danach sehr alleine lassen. Könnt ihr ja mal in Eurem Club vorschlagen, oder Horcynus Orca von Stefano DÁrrigo, dass will ich nämlich immer kaufen und trau mich nicht. ;-)

    PS: was lest ihr denn gerade? Ich könnte mich ja dann virtuell dazu gesellen, also gleich wenn ich den Ausversehenkauf Ein feiner dunkler Riss fertig habe, also so ab übermorgen.
     
    Danke - schade, dass es dir auch nicht gefallen hat.

    Horcynus Orca, puh. Von Die Wohlgesinnten hab ich mehrfach Gutes gehört. Das Thema schreckt mich aber.

    Momentan lesen wir Railsea (Gleismeer) von China Miéville, ganz anderes Genre also. Das Hangout dazu ist glaub ich am 19.9. und soweit ich weiß sind Teilnehmer immer willkommen, die Chefin rebekkam wird uns aber sicher Näheres sagen, wenn sie mal wieder vorbeischaut. Einige lesen Englisch, einige Deutsch, der Vergleich ist sicher spannend weil viel über Sprache läuft.
     
    buchempfehlungen: danke, beide bücher klingen sehr interessant!!

    railsea: ich glaube, wir lesen jetzt doch alle englisch - die dompteuse ist ja erstmal raus und aesche wollte auch englisch, dachte ich.

    und ja, cabman, gern beim lesekreis mitmachen! :) hast du einen googlemail-account? wir hatten uns via hangout getroffen. falls du wirklich teilnehmen möchtest, könnte ich dich, falls du twitter hast [?], in die "orga-DM-gruppe" mit aufnehmen.

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