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    Donnerstag, 23. Mai 2013
    Blogging November - 569

    In der Bahn saß mir heute morgen ein Mann und eine Plastiktüte gegenüber, die gehörten aber nicht zusammen. Das erfuhr ich aber erst, als der Mann - ohne Tüte - ausstieg und ich ihm "Tschuldigung - ihre Tüte!" hinterherrief. Es sei nicht seine Tüte, rief er zurück.

    Die drei ältere Damen vom Nebenvierer erzählten mir, die Tüte läge dort schon, seit sie am Start der Bahnlinie eingestiegen seien. Die wäre wohl schon ein paar Mal hin und her. Da hätte sicher wer sein Frühstück vergessen, der Arme (man nahm wohl automatisch an, es habe sich um einen Mann gehandelt)! Ob das wirklich Frühstück wäre, ob sie nachgeschaut hätten, fragte ich. Das hatte niemand, es wäre aber doch sicher so. Vielleicht wäre aber auch was ganz Wichtiges drin - Unterlagen, Kalender, Telefon - ich gucke mal, sagte ich. "Vieleicht ist es auch eine Bombe!", sagte die eine ältere Dame von nebenan schaudernd. "Naja, dann gucken wir lieber jetzt als später?, schlug ich vor. "Kommt auf die Art der Bombe an", drehte sich ein Herr von zwei Vierer weiter um, und ich schwöre, er sah wie ein Physiker aus.

    Neulich im Büro hatten wir auch ein Objekt im Kühlschrank. Eine Kollegin beobachtete das Objekt über mehrere Monate, in denen niemand Anstalten machte, es zu essen oder nach Hause zu tragen. Es handelte sich um eine Papiertüte, darin eine Plastiktüte, darin etwas in Alufolie, unter der Alufolie Frischhaltefolie, darunter nochmal eine dünne Tüte, darunter Zeitungspapier - dann verlor die Kollegin die Nerven und schaltete die Krisenbeauftragte für alle Lebenslagen, also mich, ein. Ich schaute und dachte: ein Unterarm! Vielleicht habe ich es auch laut gesagt. Jedenfalls meldete sich im Folgenden niemand, als ich fragte, wem es gehört. Zwei Tage später warf ich es morgens genervt in den Papierkorb, um es am Mittag wieder aus selbigem unter Kaffeefiltern, Orangenschalen und kalten Nudeln herauszusuchen und das Zeitungspapier zu öffnen sowie die darunterliegende Lage Küchenrolle: ein mumifiziertes Baguette.

    In der Plastiktüte in der Bahn war übrigens Strickzeug. Die wirkliche Frage ist aber, finde ich, was bloß bei der Evolution passiert ist, dass ein halber S-Bahn-Waggon voller Leute ohne jegliche Neugier durch die Welt fährt.

     
    Wir schmeißen fast jeden Freitag nachmittag alles aus dem Abteilungskühlschrank, was noch drin ist.

    Haben Sie die Frage auch im S-Bahn-Waggon gestellt?
    [Ich habe heute nur hörbar in der Bahn rumgepöbelt, weil eben Laienbahnfahrer sich oft so schrecklich unverschämt benehmen!]
     
    Nein, ich habe fremde Leute in der Bahn nicht gefragt, ob bei ihnen bei der Evolution was schief gelaufen ist.

    Abteilungskühlschrank leer machen ist grundsätzlich gut, aber viele Dinge halten doch viel länger als eine Woche? Bei uns gibt es dafür kein Verfahren, manchmal macht es wer, aus welchem Anlass weiß ich nicht, weil mich diese Motivation noch nicht überkam. Wenn's mal passiert berichte ich!

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    Unneugierige Zugfahrer - wo gibts denn sowas ; ))


    Letzte Woche gabs in der innerstädtischen Firmenküche wohl auch einen Kühlschrankunfall.
    Jedenfalls war die Tür sperrangelweit offen (und es hat sehr gemuffelt). Dabei hängt nun eh schon quasi überall der Hinweis, daß man nix im Kühlschrank lassen soll oder nur mit Namen.

    Die Sache mit Namen auf Sachen hat einmal um den Block so gar keinen Erfolg. Da hat mir die Rezeptionistin - ganz süß - aus der Pause ein Joghurt mitgebracht und extra mit meinem Namen versehen in den Kühlschrank gestellt.

    Ein bis zwei Wochen später, als ich es essen wollte (und langsam sollte), haben wir uns auf die Suche gemacht. Tja... nix da. Nicht einmal ein Ersatz oder ein Zettel mit "´tschuldigung, hatte Hunger/ werde ersetzen/ besten Dank/ hat gut geschmeckt".

    Geht gar nicht, find ich. So viele Leute haben zur Küche nun auch keinen Zutritt und das bisserl Anstand könnte man sich schon noch leisten.
     
    Es gab bei uns mal eine Mango-Lassi-Explosion, noch vor meiner Zeit im Rapunzelturm, aber man spricht heute noch andächtig von der verformten und aufgeplatzten Plastikflasche und vom Geruch.

    Weggekommen ist mir glaube ich noch nichts.
     
    Der Mamazwerg ist ja mal verurlaubt und hat im Kühlschrank eine Zucker/Honigmelone (weiß nimmer, was es war) gelassen. Ohne Hinweis, ich sollte doch bitte mal Essen retten, wegwerfen oder sonst was.

    Irgendwann während meiner Pflanzensitterzeit hab ich doch mal die Tür aufgemacht und stand einer explodierten und über den ganzen Innenraum (+ Inhalt) verteilten, sich zersetzenden, Melone gegenüber.
    Ich weiß bis heute nicht, wie lange ich geflucht hab, als ich dann - blieb mir wenig andres über - den Kühlschrank gereinigt hatte. Seitdem darf nichts mehr ohne vorherige Warnung im Kühlschrank bleiben oder der Mamazwerg darf selbst die Konsequenzen saubermachen ; )
     
    Mein Vater hatte damals vor seiner Herz-OP einen überreifen Käse im Kühlschrank liegen gelassen, der wiederum nicht mehr einwandfrei kühlte. Wie weiland der korsische Käse bei Asterix hätte auch dieser Käse Schiffe in die Luft sprengen können. Es stank grauenhaft. Wir entdeckten das Malheur, als wir vor seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus seine Wohnung putzen wollten. Mein Schwager Kaktus wurde buchstäblich grün im Gesicht und flüchtete ins Freie, nachdem ich nichtsahnend nur einmal kurz die Kühlschranktür geöffnet hatte.
     
    Das allerekligste was mir in der Hinsicht mal passiert ist: im Kühlschrank war ein Becher Sahne umgefallen und ausgelaufen. Das habe ich natürlich weggeputzt. Was ich aber nicht wusste: es war auch Sahne in das Kondenswasserablaufloch geflossen.

    Wochen später roch es in der Küche leicht dezent nach Erbrochenem. Keiner außer mir konnte das riechen, aber ich wurde beinah verrückt davon und habe alles abgesucht. Einige Zeit später konnte es dann aber wirklich jeder riechen, und wir haben so einiges auseinander genommen bis ich feststellte: das kommt von hinterm Kühlschrank. Und dann: das kommt vom Kühlschrank, aber von hinten. Dort ist ja diese Auffangschale, in der das Wasser dann normalerweise verdunstet, nur die Sahne eben nicht. Der Zugang war schwierig, mit Instrumenten so gut wie unmöglich, es ging nur per Hand. Ich war kurz davor, das gesamte Ding schlichtweg abholen zu lassen, habe es dann aber doch gereinigt. Den Gestank habe ich kaum von den Händen gekriegt, eine Mischung aus Einweichen/Sterillium/Zucker-Olivenöl-Abreibungen/Zitronensaft/Bimsstein hat dann nach mehreren Stunden endlich Wirkung gezeigt.
     
    Ich kann alle Ihre Geschichten noch toppen. Trauen Sie sich?
     
    Bitte schreiben Sie es schonmal auf. Ob wir uns trauen, es zu lesen, entscheiden wir dann. :-)
     
    Aus Jugendschutzgründen schreibe ich das erst nach 18 Uhr:

    Ich hatte vor vielen Jahren, während ich in Italien lebte, mein damaliges Zimmer untervermietet. Es war eine charmante Fachwerkbruchbude, in der nicht nur Menschen lebten, sondern auch Mäuse. Die versuchte man halt mit Lebendfallen zu fangen und setzte sie dann aus (wahrscheinlich fing man immer dieselbe Maus). Wer eine lebhafte Phantasie hat, kann eigentlich jetzt schon das Weiterlesen einstellen.

    Der letzte Untermieter zog ca. eine Woche aus, bevor ich zurückkommen wollte. Es war August 2003, dieser superheiße Sommer. Er hatte, wohl um noch alles in Ordnung zu bringen, vor dem Kühlschrank (zugegeben, es ist keine wirkliche Sachen-im-Kühlschrank-Geschichte) eine Falle aufgestellt. Und vergessen. Es war dann auch schon lange keine Lebendfalle mehr. Die Entsorgung ging nur mit einer großen Tüte, die von weitem geworfen wurde... Der Gestank war zwar nach einigen Tagen verflogen, aber ich konnte mich wochenlang in der Küche nur sekundenlang aufhalten, um mir schnell was aus dem Kühlschrank zu holen und musste dann hektische Ablenkmanöver starten, um dieses Bild... Uääärggs.
     
    Das ist sehr rücksichtsvoll, danke.

    War das auch schon mit Maden und so?! Jedenfalls roch es bestimmt sehr schlecht, und da es vor dem Kühlschrank stattfand, zählt es auch als Kühlschrankgeschichte (meins war ja dahinter).

    Ich gehe jetzt was trinken.
     
    Die Erinnerung daran, ob mit Maden oder nicht, habe ich versoffenverdrängt. Und ja, es roch ganz ganz ganz schlimm.

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    Also für mich ist morgens in S-Bahn oder Bus schon die Haltestellendurchsage am Rande des Information Overflow.
     
    Vor meinem geistigen sehe ich Sie jetzt in der Bahn mit Sonnenbrille, Watte in den Ohren und hochgeklapptem Mantelkragen. :-)
     
    Oh, ein gärtner-agent. Cool.

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