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    Freitag, 29. Februar 2008

    Last Call - stimmen Sie doch mal ab.

    Donnerstag, 28. Februar 2008
    Sirup, Spässken, Schnaps

    Einer dieser Siruptage. An denen man sich fühlt, als stünde man bis zum Hals in diesem klebrigen Zeug und alles, was man anfasst, geht zäh. Schlafen scheint nur noch müder zu machen und ständige gedankliche wie körperliche Präsenz bei der kranken Mademoiselle lässt kein Luftschnappen zu. Alles, das sonst leicht von der Hand geht, haftet plötzlich und hängt nach - vielleicht einfach, weil die kurzen Leermomente zwischendrin nicht vorhanden sind.

    Vielleicht aus dem Grund am Abend den Weg ins Büro so sehr genossen. An nichts zu denken und einfach zu gehen, den Schritt an niemanden anpassen zu müssen. Den Kopf zwischen die Knie stecken und die Musik aufdrehen, sonst nichts.

    Ich weiß nicht, warum diese kleinen, fremdverusachten Abweichungen im Alltagsablauf mich momentan so umhauen. Vielleicht, weil das ganze Konstrukt mit Arbeit und Kind auch nach drei Jahren noch ungewohnt und wackelig ist. Oder vielleicht, weil ich gerade alles stabiler sehe, und jeder dieser Zwischenfälle diesen Optimismus Lügen straft. Oder vielleicht - achwasweißdennich und ich hab auch gar keine Lust, weiter darüber nachzudenken, denn ich langweile mich gerade sehr beim Herumjammern.

    Eigentlich wollte ich nur sagen, dass man sich an solchen Tagen am besten irgendwo einen riesigen Kaffee im Pappbecher holt und beim Betreten des Rapunzelturms den Hintereingang nimmt. Da am Sicherheitsstand, wo man eigentlich nicht reinsoll, aber ich darf das, weil ich nämlich an Weihnachten und so denke und den Herren dort schon viel "Spässken", wie man zu Hause sagt, bereitet habe. Als ich beispielsweise mal versuchte, einen ausgewachsenen Golden Retriever in einem Umzugskarton durch das Drehkreuz zu schmuggeln. Was auch gelang, also nicht das mit dem Schmuggeln, aber das mit dem durch das Drehkreuz. Nach einigem Spässken und einigem Schnäppsken. Oder so.

    Faden verloren. Stimmung gewonnen. Passt.

    Mittwoch, 27. Februar 2008

    Ein sehr merkwürdiger Traum letzte Nacht, in dem das Bett ein Fahrrad ist, das mit irrsinniger Geschwindigkeit über die Autobahn fegt. Mein schwarzer Wollschal wird dringend zum Bremsen benötigt, ist aber unauffindbar. Mehrfach das Bett und die Decken durchwühlt auf der Suche nach dem Schal, mich verzweifelt umgeschaut, auf den rasenden Boden unter mir und die gegenüberliegende Wand, in die wir schmettern werden, wenn ich nicht bald bremse.

    Nach ein paar Minuten erst konnte ich mich zusammenreißen und schlichtweg aus dem Bett aufstehen, "rasender Fußboden, Albernheiten" vor mich hinmurmeln und mir dabei selbst nicht so recht trauen. Mit Herzrasen in die Küche gewankt und ins Bad, aber der gefühlte Alkohol verursacht kein Übergeben, ein Blick auf die Uhr, kurz vor 3. Ach, einfach weiterschlafen.

    Nein, ich möchte das nicht gedeutet haben.

    Dienstag, 26. Februar 2008

    Drei Personen beratschlagen seit knapp 10 Minuten, ob sie mir eine Briefmarke geben können, obwohl ich kein Formular ausgefüllt habe. Es ist letztendlich wirklich egal, auch die Sache mit dem Formular, ich kam nur gerade vorbei, erinnerte mich, dass ich die Briefmarke brauche, und hatte keins dabei. Neugierde, wie dieser Fall gelöst wird, hält mich davon ab, nun einfach eins holen zu gehen. Hat mir übrigens auch noch niemand vorgeschlagen.

    ***

    An manchen Tagen, so wie heute, ist das Loslassen dann plötzlich so einfach. Da, wo ich sonst alle Konzentration aufbringen muss, um im Gleichgewicht zu bleiben, nicht nach der einen oder anderen Seite auszuticken. So ein bisschen wie ein Seiltänzer - nicht in der Show mit komischen Glitzerklamotten, sondern beim Training, mit den schonmal genannten zerschlissenen Jeans und dem schwarzen T-Shirt. Wildes mit-den-Armen-Rudern und verkrampfter Blick. Und an irgendeinem Tag geht man dann einfach hoch auf das Seil und läuft drüber, ohne einen weiteren Gedanken, so what.

    ***

    Am Wochenende Multi-Kulti-Selbstversuch. Die allerbeste Kindergartenfreundin der Mademoiselle N. hat eingeladen. Wenn ich richtig verstanden habe, für Sonntag nachmittag, und die Adresse wurde mir notiert. Die Familie kommt aus Pakistan(?), wie die Kinder sich untereinander genau verständigen, weiß ich nicht, jedenfalls spricht die Mutter kein Deutsch. Aber irgendwie meine ich, es gäbe Kaffee(?). Bei der Vereinbarung des Treffens haben wir viel gelacht, das ist ja schonmal international. Naja, außer in China oder so, aber da kommt sie definitiv nicht her. Also bin ich gespannt und nehme mir fest vor, Socken ohne Löcher anzuziehen und irgendwas Unverfängliches mitzubringen.

    ***

    Ja, ich weiß, ich prokrastiniere. Aber ich hab mir das heute verdient.


    An manchen Tagen stehe ich morgens an der Ampel und denke, dass alles etwas leiser ist als sonst. Manchmal liegt es dann daran, dass eine Erkältung im Anzug ist und die Ohren schon dicht sind. Manchmal (naja, selten, und das fällt mir meistens vorher auf), hat es geschneit. Manchmal ist es der Tag-des-trockenen-Straßenbelags nach viel Regen und den damit verbundenen nervenden Auto-fährt-durch-Pfütze Geräuschen. Manchmal sind die Nerven auch einfach nur etwas besser als sonst. Gehen wir mal in unsäglichem Optimismus davon aus, dass letzteres heute zutrifft.

    ***

    Heute Abend steht ein Gespräch an. Eins der solchen, die den Großbuchstaben verdienen. Bis dahin wird es helfen, nicht allzu viel darüber nachzudenken. Ich halte nämlich wenig von detaillierter Gesprächsvorbereitung. Gut, die Eckpunkte sollten vorher klar sein, aber die lassen sich bei den allermeisten Sachverhalten ja auf 3 bis maximal 5 Dinge reduzieren. Diese ganze Sache mit innerlich mehrfach durchgeprobten Dialogen hingegen finde ich wenig sinnvoll, denn wenn es dann so weit ist, versucht man verzweifelt, das Drehbuch abzuwickeln. Im besten Fall gelingt es und man langweilt sich fürchterlich. Das ist aber selten, meistens gerät man ins Stammeln, wenn der andere sich unverschämterweise nicht an den ihm (zuvor, innerlich) zugewiesenen Part hält, oder man zieht einfach sein Ding durch, ohne die tatsächliche Reaktion des anderen zu berücksichten. Situationsunangemessen. Besser ist es, gut zuzuhören das Gespräch auf das abzustimmen, was tatsächlich gesagt wird, nicht auf das, was man erwartet.

    Also mache ich mir bis dahin einen möglichst schönen Tag. So in etwa nach dem Konzept der Henkersmahlzeit. Nur, dass es nicht mein Kopf ist, der rollt.

    ***

    An anderer Stelle scheinen die Hinweise aber nun endlich angekommen zu sein und ein Plan wurde fallen gelassen. Mit der Bemerkung, dass es sowieso "mehr so ein Machtspielchen" war. Manches muss ich nicht verstehen. Wozu soll ich mich denn auf Machtspielchen einlassen, wenn ich mit dem Rücken zur Wand stehe? Da gehe ich doch einfach leise einen Schritt zur Seite, und wer dann unbedingt vorbeipreschen muss, der möge es krachen lassen.

    Montag, 25. Februar 2008

    Es liegt mir im Magen und widerspricht allem in mir, die Unmöglichkeit, etwas sagen oder fragen zu können. Einfach den Mund halten zu müssen und zuzuschauen, oder auch nicht, wobei es schwer bis unmöglich ist, auszublenden. Ich würde so gern eine Hand reichen, aber es geht einfach nicht, und ich möchte Gift und Galle spucken vor Wut, in diese Situation gebracht worden zu sein. Letztendlich sind die Windverhältnisse aber derart, dass mir deutlich mehr als die Hälfte des Gespuckten gleich wieder im Gesicht landen würde.

    Sehr verfahren. Sehr traurig.

    Freitag, 22. Februar 2008
    Käffchen?

    Heute morgen angesichts der Offerte "Täglich tückisches Frühstück" im Dönerladen in Gedankengänge verfallen. So ein Frühstück kann es ja tatsächlich in sich haben, und der Dönermann ist sowieso speziell. Ich denke ich sollte dort wenn überhaupt dann in wehrhafter Begleitung den Tag beginnen. Oder vielleicht die Lokalität drei Häuser weiter wählen, die "grosses Früchtstück" und "sehr grosses Früchtstück, mit drei Eis" anbietet. Drei Eis am Vormittag ist wahrhaft luxuriös. Dort würde ich, vielleicht, mit dem Kind einkehren.

    Letztendlich war es aber der Zusatz "Spiegel oder gebratem", der mich dann (gedanklich) völlig umriss. Nicht nur, weil "Spiegel oder gebratem" beim Ei ja ein ähnlicher Unterschied ist wie "gerührt oder geschüttelt". Sondern auch, weil es mir die schöne -em Endung sehr antat, denn sie erinnerte mich an eine wunderschöne und mir leider unbekannte Sprache, die Sätze in der Art von eis espigal jelinek gebratem palanim jasgid nemsat enthalten würde. Fragen Sie mich nicht, was das heißen soll, aber ich könnte in dieser Sprache ganze Fernsehsendungen moderieren. Außer, dass ich natürlich nicht im Fernsehen auftreten möchte. Ich trete allenfalls in Linienbussen auf, dort aber in gänzlich anderem sprachlichen Ausdruck und mit wenig konkreter Zielgruppe, aus der sich auch noch niemand angesprochen fühlen möchte.

    Eigentlich dachte ich aber gerade über etwas völlig anderes nach, als das Frühstück tückisch zuschlug. Darüber, dass es manchmal freundlicher ist, unfreundlich zu sein, auch wenn es einem selbst nicht schmecken will. Gerührtes Spiegelei gibt es halt nicht.

    Ja, und das alles tatsächlich vor dem ersten Kaffee.

    Donnerstag, 21. Februar 2008
    Dann müssen wir das mal im Internet nachschauen, gell...?

    Bei der Zubereitung von Schweineschnitzeln:

    Mademoiselle N., 3 Jahre, auf ein Poster in der Küche zeigend, auf dem Beavis abgebildet ist: Lebt der?
    Frau N: Nö, das ist doch nur ein Bild.
    Mlle: Aber das ist ein Mensch.
    Frau N: Nee, den gibt es in echt nicht. Nur als Bild oder als Puppe. Nicht aus Fleisch und Blut, wie Menschen.
    Mlle: Bin ich auch aus Fleisch und Blut?
    Frau N: Ja.
    Mlle: Bist Du auch aus Fleisch und Blut?
    Frau N: Ja.
    (Die Fragen, ob Papa, Oma, Opa, sämtliche Kindergartenfreunde und Nachbarn ebenfalls aus Fleisch und Blut sind werden ebenfalls bejaht.)
    Mlle: Ist der Löwe im Zoo auch aus Fleisch und Blut?
    Frau N: Ja - der ist aber ein Tier.
    Mlle: Warum ist der kein Mensch?
    Frau N: Weil - ähm, der kann ja nicht sprechen.
    Mlle: Wie die A.? (Kindergartenfreundin, mangelhafte deutsche Sprachkenntnisse)
    Frau N: Nee, nee, die A. spricht doch nur eine andere Sprache, die kann doch sprechen.
    Mlle: Wie der S.? Ist der ein Tier? (Kindergartenfreund, Integrativkind, sprachbehindert)
    Frau N: Himmel, nein! Der S. kann nur so nicht sprechen, ist halt nicht jeder gleich.
    Mlle: Warum ist denn der Löwe kein Mensch?
    Frau N: (schwitzend) der hat doch Fell und sieht ganz anders aus!
    Mlle.: Ahja. (kurze Bedenkzeit) - Mama, ist das Fleisch da in der Pfanne so Fleisch wie in uns drin?
    Frau N: Ja, schon, aber das ist kein Menschenfleisch. Das ist vom Schwein.
    Mlle.: Das sieht gar nicht aus wie ein Schwein.
    Frau N: Das ist ja kein ganzes Schwein, das wäre ja viel zu groß, das ist nur ein Stück.
    Mlle: Wo ist denn der Rest vom Schwein?
    Frau N: Beim Metzger oder bei wem anders in der Pfanne oder so.
    Mlle: Ist das tot?
    Frau N (entschlossen): Jepp!
    Mlle (nach kurzer Überlegung): Ja, weil wenn das nicht tot wäre, dann würde das ja immer wegrennen, wenn wir es essen wollen, gell?
    Frau N (erleichtert): Genau!
    Mlle: Wer hat das denn tot gemacht?
    Frau N: Der Metzger.
    Mlle: Darf man das denn tot machen?
    Frau N (stark schwitzend): Ähm, der Metzger darf das...
    Mlle: Wie macht man denn ein Schwein tot?
    Frau N: Öh - weiß ich gar nicht...
    Mlle: Dann müssen wir das mal im Internet nachschauen, gell?

    (...)

    Frühstückskrümel

    • Ausgeschlafen weil, einfach so, 1,5 Stunden verpennt. Und das hat noch nichtmals wer bemerkt. Wäre ich nicht so fit, würde mich das vermutlich deprimieren.
    • Morgens in der Bahn gedankenverloren anstelle eines Brillenputztuches ein Kondom aus der Tasche gezogen und ausgepackt. Den Irrtum aber noch rechtzeitig vor dem Wischen bemerkt. Trotzdem nicht mehr getraut, den gegenübersitzenden Mann zu fragen, was das für ein knubbeliger Gegenstand ist, den er in der Reißverschlusstasche seiner Wollmütze (!) hat. Statt dessen nur gestarrt und gegrübelt. Ob das die bessere Lösung war, erscheint mir im Nachhinein fraglich.
    • Gestern beim Sport einer älteren Dame (keine Mitarbeiterin sondern Kundin!) geholfen, die Anzahl der Kleiderbügel in jedem Spind zu kontrollieren. Warum weiß ich nicht, aber es schien ihr wichtig zu sein. Festgestellt, dass ich trotz ausreichender Bügelanzahl in meinem Spind die Sachen immer einfach reinschmeiße.
    • Auch gestern auf der Jagd nach einem Unterhemd (das Alter, der Rücken, Sie wissen schon...) nur Mist zu unverschämten Preisen entdeckt. Jeans gefunden, die billiger als die Hemden war. Gekauft. An der Kasse mit Blick auf das Modell, das ich gerade trug, mitleidig gefragt worden, ob ich die neue direkt anziehen möchte. Löcher an den Knien und Flecken aus grasgrüner und pinkfarbener Glitzerknete scheinen out zu sein...
    • ...'n paar kleine querschlagende Kopfproduktionen...
    • Muss unbedingt Geburtstaggeschenke kaufen. Februar/März ist anstrengend in der Hinsicht.
    • "roppe, kloppe, spritze" am 22.4. Huarrr!

    Dienstag, 19. Februar 2008
    Sicherheitsrisiken, ganz unsubtil:

    Wenn die neuen Bildschirme im Büroturm gegenüber so groß sind, dass ich von hier problemlos mitlesen kann.

    Gebrechenscontent

    Knackig kalt ist es draußen, und immer, wenn es so kalt ist, lässt mein Körper freundlicherweise noch einmal mit kleinen Sticheleien mein Leben an mir vorüberziehen - mit orthopädischer Schwerpunktsetzung. Also für die Nachwelt:

    1. Mittelfinger, rechts, Busunfall neulich, genaue Verletzung ungeklärt, weitgehend ignoriert,

    2. Ringfinger, rechts, Fußballunfall mit 9/10 Jahren, gestaucht, Ende der Blockflötenkarriere (kein Verlust),

    3. Daumen, rechts, Sturz von einer Statue im Hofgarten (Alkoholeinfluss), schon was her, genaue Verletzung ungeklärt, weitgehend ignoriert,

    4. Rippen, 3 rechts 2 links, Kombination aus Tragetuch-Stillhaltung-Kälte-allgemein-mieser-Verfassung vor 3 Jahren, blockiert, ärztlich behoben (mehrfach),

    5. Lendenwirbel L2, Bettunfall, vor ca. 11 Jahren, "verrutscht", eingerenkt und noch ein halbes Jahr Spaß dran gehabt,

    6. Knöchel links und rechts, diverse Male (grob geschätzt 20), beim Fechten, beim Badminton, beim Fußball, bei Spaziergängen nachts im Park, bei Spaziergängen tags im Park, auf Treppen, beim Sprung von Mauern, im Sandkasten, im Sand am Meer, auf Wiesen, einfach so auf glattem Asphalt, mein ganzes Leben lang, umgeknickt und überdehnt, die ersten Mal noch ärztlich versorgt (dappiger Verband und 2 Wochen nicht duschen oder so), seither konsequent ignoriert bis auf beim letzten Mal, das war schlimmer, und knackt auch nach 4 Monaten noch munter vor sich hin.
    Dasselbe auch mit den Handgelenken, nur dass ich selten bis gar nicht auf den Händen gehe, also das Risiko geringer ist und eher durch Heben einer schweren Pfanne (die meisten Unfälle passieren im Haushalt!) oder Bierkästen oder auch mal ein Ball davor oder sonstige Überbeanspruchung. Verwende jetzt beim Sport dafür so ein Spezialkraftmaschinendings. Komme mir sehr wichtig vor. Da sitzen sonst nur die ganz krassen Sportler dran, alle anderen machen dann doch eher Bauch-Beine-Po statt Unterarmtraining...

    So, das war es glaube ich. Ansonsten bin ich gesund. Eine Erkältung krieg ich nur alle paar Jahre mal.

    Montag, 18. Februar 2008
    Reizüberflutung

    Ich mag es ja eher simpel. Zum Beispiel mag ich Essen, so wie es ist, lieber als hundertmal aufgemotzt, und ich mag keinen Schnickschnack, der in der Wohnung herumsteht. Weil ich mich von den ganzen Gegenständen immer angesprochen fühle - wie die Zeitung von vor drei Tagen "och liiiiiiieees mich doch noch" raschelt und wie das Bild von der Schwiegermutter "ruf mich aaaaaaan" flüstert* und wie die Kerze romantische Abende anmahnt. Das fällt vermutlich unter den Überbegriff "Wahrnehmungsstörung", denn ja, ich habe eine, und zwar leide ich am Gegenteil der selektiven Wahrnehmung. Kennt jemand einen Fachbegriff?

    Nunja. Ich gewöhne mich langsam an die Flut der Haarspängelchen, die in unserer Wohnung Einzug gehalten hat, und an glitzernde Perlen überall und allerorts. Auch an das ganze Industriefutter, allein die vier Sorten "Cerealien", über die ich immer gespottet habe, und von den knallbunten Lollis, rot-orange-gelben Puffreiskugeln und Brausetütchen mal ganz abgesehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder sowas brauchen. Und habe sowieso erstaunlich selten Migräneanfälle in der letzten Zeit. Was aber auch mit der Beißschiene gegen das Zähneknirschen zusammenhängen kann.

    Manchmal, ja. Manchmal ist mir dann nach Frauentausch. Mit irgendeiner kinderlosen Singlefrau, die keinen Deko-Fimmel hat sondern eher so eine Feng-Shui-Wohnung. Leere und glatte Flächen. Und nur der ganz eigene Dreck. Genau eine benutzte Kaffeetasse und ein Joghurtlöffel. Nur Dinge in der Wohnung, die mich selbst persönlich angehen. Das schöne am Familienleben ist ja, dass man immer jemanden hat. Dass man, auch wenn man allein ist, nie allein ist. Und genau das ist auch das furchtbar anstrengende daran.


    ______
    *Herr N. und Frau V., mir ist bewusst, dass wir kein Bild der Schwiegermutter zu Hause aufgehängt haben. Aber es geht hier um atmosphärische Verdichtung. Künstlerische Freiheit. Keine Sozialkontrolle, bitte.

    Yo, Sherlock!

    Mail mit höchster Priorität an alle Rapunzelturmbewohner:

    "...wie von uns festgestellt wurde, wird der Fahrradraum [...] derzeit von einigen Mitarbeitern als Winterquartier / Lagerstätte für Fahrräder zweckentfremdet. Dies lässt sich u.a. daran erkennen, dass sich auf den nicht durchweg genutzten Zweirädern erheblich mehr Staub abgelagert hat, als bei den dauerhaft genutzten Rädern."

    Ich kann nicht genau erklären warum, aber die Mail hat mich vor Lachen unter den Tisch geschmissen. Vermutlich, weil es hier heute sonst wenig zum Lachen gibt.

    Wie Sodbrennen...

    ...fängt es an, mich unglaublich zu nerven und zum ersten Mal frage ich mich auch, genervt, ob das nicht alles auch anders hätte laufen können. Um die Ungerechtigkeit dieser Frage weiß ich im selben Moment.

    Ob ich das wirklich kann, frage ich mich. Oder ob ich das wirklich will. Und wenn ja, warum.

    Und erkenne dann, dass das doch alles furchtbar egal ist. Dass mir einfach unterwegs die Leichtigkeit abhanden gekommen ist. Ein bisschen hier, ein bisschen da, wie es halt so ist. Also aufhören, wie ein Schimpanse auf Speed gedanklich zwischen den verschiedenen Ästen der Möglichkeiten herumzuhüpfen. Statt dessen Tunnelblick vermeiden. Und Kleeblätter pflücken.

    Sonntag, 17. Februar 2008
    Kleeblatt

    Bevor es nun kippt, die drei kleinen Glücksmomente für heute:

    • Die endlich komplett geleerte Shampoo-Flasche, die seit über einer Woche auf dem Kopf herumwackelt und mir mehrmals täglich durch Umkippen unsagbar auf die Nerven geht. Weg damit, was für ein Glück, da hab ich mich richtig von Herzen gefreut. Für's nächste Mal: auch mit Restmenge entsorgen. Die Ersparnis des negativen Umweltsau-Karmas wird mehr als aufgehoben durch die Hassgefühle, die das Geräusch beim Aufprall der Flasche auf den Boden regelmäßig hervorbringt.
    • Der sehr alte Herr beim Bäcker, der am Fenster am Stehtisch einen Kaffee trank, und dabei so wirklich schick zurecht gemacht und in wunderbarer Pose stand, dass ich ihn zunächst für eine Schaufensterpuppe hielt. Das war restlos schön. Spontan verliebt.
    • Die Tussentrulla im Zoo, die ihre Kinder grundlos daueranbrüllte, dann unachtsam einen Schritt zurück trat und mit beiden 10cm-Stilettoabsatz-Stiefeln mehr als knöcheltief im Schweinemist versank. Grinsen pur.

    November seit 7239 Tagen

    Letzter Regen: 06. Januar 2026, 22:39 Uhr