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    Montag, 18. Februar 2008
    Reizüberflutung

    Ich mag es ja eher simpel. Zum Beispiel mag ich Essen, so wie es ist, lieber als hundertmal aufgemotzt, und ich mag keinen Schnickschnack, der in der Wohnung herumsteht. Weil ich mich von den ganzen Gegenständen immer angesprochen fühle - wie die Zeitung von vor drei Tagen "och liiiiiiieees mich doch noch" raschelt und wie das Bild von der Schwiegermutter "ruf mich aaaaaaan" flüstert* und wie die Kerze romantische Abende anmahnt. Das fällt vermutlich unter den Überbegriff "Wahrnehmungsstörung", denn ja, ich habe eine, und zwar leide ich am Gegenteil der selektiven Wahrnehmung. Kennt jemand einen Fachbegriff?

    Nunja. Ich gewöhne mich langsam an die Flut der Haarspängelchen, die in unserer Wohnung Einzug gehalten hat, und an glitzernde Perlen überall und allerorts. Auch an das ganze Industriefutter, allein die vier Sorten "Cerealien", über die ich immer gespottet habe, und von den knallbunten Lollis, rot-orange-gelben Puffreiskugeln und Brausetütchen mal ganz abgesehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder sowas brauchen. Und habe sowieso erstaunlich selten Migräneanfälle in der letzten Zeit. Was aber auch mit der Beißschiene gegen das Zähneknirschen zusammenhängen kann.

    Manchmal, ja. Manchmal ist mir dann nach Frauentausch. Mit irgendeiner kinderlosen Singlefrau, die keinen Deko-Fimmel hat sondern eher so eine Feng-Shui-Wohnung. Leere und glatte Flächen. Und nur der ganz eigene Dreck. Genau eine benutzte Kaffeetasse und ein Joghurtlöffel. Nur Dinge in der Wohnung, die mich selbst persönlich angehen. Das schöne am Familienleben ist ja, dass man immer jemanden hat. Dass man, auch wenn man allein ist, nie allein ist. Und genau das ist auch das furchtbar anstrengende daran.


    ______
    *Herr N. und Frau V., mir ist bewusst, dass wir kein Bild der Schwiegermutter zu Hause aufgehängt haben. Aber es geht hier um atmosphärische Verdichtung. Künstlerische Freiheit. Keine Sozialkontrolle, bitte.

     
    Ich mag es sehr gern minimalistisch und aufgeräumt. Andere würden es eher als klinisch und kühl beschreiben. Aber eine klare Umgebung lässt meine Aufmerksamkeit und Ruhe bei den essentiellen Dingen. Draußen flackert, scheppert und schreit alles nach Aufmerksamkeit. Wenn in meinen vier Wänden etwas nach Aufmerksamkeit verlangt, soll es meiner Zeit, die ich den Dingen widme, einen Sinn geben. Und wenn es nur Löcher in die Luft gucken ist. Ist ja auch inspirierend.
     
    Ja, genau so. Also theoretisch. Praktisch nicht. Praktisch laufe ich aus Geschäften raus, weil ich mit den ganzen Optionen überfordert bin, und wünsche mir zu Hause ein eigenes Zimmer, in dem nichts ist. Naja, ein Laptop vielleicht ;-)
     
    Ist das wahr? Lässt sich eirichten, wenn Du dann glücklicher bist!
     
    Klares jein.
     
    Jein? Ich kann so nicht arbeiten };-)

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    ...mir ist bewusst, dass wir kein Bild der Schwiegermutter zu Hause aufgehängt haben.
    Das wär ja auch noch schöner. Wobei die Begriffe Reizüberflutung und Grosselternbesuch bei mir zumindest als Synonym durchgehen würden );-)
     
    "das wäre ja noch schöner" hatte ich erst auch noch geschrieben, aber habe mich dann zensiert. So geht das... *seufz* ;-)

    Das Synonym ist richtig.

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    ....Gegenteil der selektiven Wahrnehmung...

    'Inklusive' Wahrnehmung?
    Aber Frauentausch ist auch keine Lösung :-) Da geht's immer nur ums Putzen. Und ums Putzen. Und ums Putzen manchmal auch.
     
    inklusive Wahrnehmung

    Nie gehört, aber klingt gut.

    Nee. Also Putzen, nee.

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