Alle Pläne für heute scheiterten, denn ein ganzes Team wurde von "Magendarm" dahingerafft. Fast ein ganzes Team. Last Woman Standing ist "Neue Mitarbeiterin 2". Da sie ja am Anfang des Monats krank war, war heute gerade erst ihre erste Arbeitswoche um, so dass ich etwas Hemmungen hatte, sie gleich ein ganzes Team vertreten zu lassen. Ich setzte mich also zu ihr - nachdem ich alle Türklinken und sonstige Touchpoints desinfiziert hatte.
Wir hatten dann viel Spaß und einen recht wilden, aber auch zufriedenstellenden Tag. Ich war bei vielen ihrer Fragen zu Arbeitsabläufen überrascht, dass ihre dazu noch niemand eine unkomplizierte Lösung verraten hatte. Sie war überrascht, wie viel ich telefoniere.
Am Vormittag hatte ich noch zwei Termine, der erste war mit einem Versicherungsmakler, den ich einbestellt hatte, weil mir die Versicherung an einem einzigen Tag über 60 Briefumschläge mit insgesamt mehr als 20 cm Post zugestellt hatte. Das möchte ich nicht und hatte keinerlei Absicht, das alles durchzulesen und zu sortieren, das hatte ich dem Makler - telefonisch natürlich! - mitgeteilt und dass er dafür eine Lösung finden möge. Seine Lösung war, dass er vorbeikommt und das alles durchsieht und sortiert und eine Zusammenstellung macht. Was ich für eine hervorragende Idee halte, denn niemand hier wird 60 Rechnungen/Gutschriften für einen einzigen Sachverhalt bearbeiten.
Das Treffen war mittelmäßig erfolgreich, was nicht am Makler lag und nicht an meiner Unterstützung durch zur Verfügung stellen von Textmarkern, Büroklammern und Kaffee. Es lag daran, dass noch ungefähr ein Drittel der zugehörigen Unterlagen fehlte, also nochmal 20 Briefe. Der Makler wird sich kümmern, dass ich nicht weiter behelligt werde.
Der zweite Termin war ein Vortrag zu Transaktionen im Verteidigungssektor, das war sehr, sehr interessant.
Am Abend ging ich schwimmen. Es war ein hervorragendes Schwimmerlebnis. Zunächst schwamm ich ohne die Kurzflossen, das war schon supergeschmeidig und als ich dann nicht mehr so viel Lust hatte, nahm ich die Flossen dazu und hatte das Gefühl, durch das Becken zu fliegen.
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Ein sehr ruhiger Tag. Wir mussten uns alle noch von gestern erholen.
Bei mir kam nichts so richtig in Fluss. Die erste Tageshälfte ging, dann war mir zu warm, ich war hungrig und würde sehr, sehr müde. Also brach ich am späteren MIttag zu einem Spaziergang auf, der jedoch auch nichts besser machte. Ab 16 Uhr war ich damit befasst, „gleich zu gehen“. Es ist gar nicht so einfach, die Sachen zusammenzuräumen und alle Programme zuschließen, wenn man unkonzentriert ist, ständig beginnt man doch wieder etwas, verfranst sic hier und verzettelt sich dort, dann ruft wieder jemand an oder es kommt eine Mail und man kann ja nochmal kurz. Und so weiter. Gegen 18 Uhr schaffte ich es, das Büro zu verlassen.
Der Heimweg weckte mich auch nicht auf. Die erste Hälfte legte ich mit der Bahn zurück, die zweite mit dem Rad, dabei suchte ich noch drei Geschäfte auf für dringend benötigte Sachen, nämlich zum einen Bargeld (für Papa N), zum zweiten Leckerli (für die Katze) und drittens Tulpen, für mich, die gab es aber nicht mehr bzw. nur noch in einem Entwicklungsstatium, in dem der Kauf nicht mehr lohnend ist.
Neben immer noch viel Müdigkeit stellten sich auf dem Rückweg Ganzkörperschmerzen ein. Dieses Symptomatik habe ich auf meinem Notizzettel unter „Migräne!“ vermerkt. Es fühlt sich aber kein bisschen nach Migräne an. Es fühlt sich auch nicht nach Magendarm an, das im Büro umgeht (4 Betroffene) und auch nicht nach grippalem Infekt, der ebenfalls im Büro umgeht (3 Betroffene). Es fühlt sich an wie Müdigkeit und Schmerzen nach einem körperlich sehr anstrengenden Tag. Den hatte ich aber keineswegs, ich hatte einen reinen Rumsitztag. Und immer, wenn ich überlege, was mir jetzt wirklich gut tun würde, dann ist das nicht etwa Bett oder heiße Dusche oder sowas, sondern: schwimmem.
Ich bin gespannt, was daraus wird. Schwimmen gehen werde ich morgen.
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Am 9. Arbeitstag vor dem Urlaub dachte ich morgens, achja, es löst sich alles gut auf, ich werde in den nächsten Tagen alle mittleren Themen abschließen und alle großen Themen in die richtige Richtung schubsen und alle kleinen Themen umleiten, alles sehr entspannt. Und ging mit Fragmente zum Lunch.
Als ich zurückkehrte, ging es jemandem nicht gut, die Person wollte sich ein wenig hinlegen und dachte dann – wohl weil es ihr ja nicht gut ging – auch wirklich nicht gut nach, schloss die Tür von innen ab und ließ den Schlüssel stecken. Als die beauftragte Person eine halbe Stunde später die Lage evaluieren wollte, fiel das auf. Auf Anrufe, Rufen und Klopfen (später: gegen die Tür hämmern) keine Reaktion. Also wurde ich involviert und beschloss Dinge, es wurde erst sehr hektisch und dann sehr laut und dann sehr professionell. Dann war alles unter Kontrolle. „So lernt man sich kennen“, sagte die neue Mitarbeiterin, die zum Kreise der unmittelbar Involvierten gehörte. Sie sah nicht abgeschreckt aus.
Viel mehr war dann nicht. Nach so einer Aktion funktioniert mein Gehirn nicht zum Abarbeiten mittlerer und kleiner Themen, das muss ich hinnehmen und habe auch Verständnis dafür. Wir saße also zusammen, tranken Kaffee und freuten uns, als der benachrichtigte Notfallkontakt aus dem Krankenhaus berichtete, dass die Situation stabil ist und nichts dagegen spricht, dass sich alles wieder zum Guten wendet.
So ist es auch hier bei einem kleinen Abenteuer geblieben. Ich schätze das sehr. Wie gesagt, nur kleine Abenteuer dieses Jahr!
Ich fuhr Uber nach Hause, weil ich mir nicht vorstellen konnte, noch mehr Zeit unter vielen Menschen (also in der Bahn) zu verbringen, erwischte allerdings einen Fahrer, der noch bevor ich angeschnallt war „Und, wie geht es dir?“ fragte. Mein Gehirn war überfordert, die Situation einzuordnen, also fragte ich nach ob jetzt einfach eine gesellschaftliche Konvention erwünscht sei oder ein längeres Gespräch, woraufhin der Fahrer anbot, Musik anzumachen. Er schaltete spanischen Rap ein, Morad, das hatte ich neulich schonmal, da hatte ich den Fahrer gefragt, ob er spanisch spricht, worauf er antwortete, er käme aus Afghanistan. Der Fahrer heute kam aus Osnabrück, also frage ich, ob er eventuell Struwen kennt (ok, Osnabrück ist schon Niedersachsen aber ja doch noch recht nah an Münster dran), kannte er aber nicht. Er sei wegen der Arbeit hier, sagte er, man habe ihm das Angebot gemacht und es würde ihm in Frankfurt besser gefallen als in Osnabrück, er würde vermutlich bleiben. Spanisch spricht auch er nicht.
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