- "Wir lösen hier jedes Problem!", sagte die junge Dame beim Optiker sehr überzeugt, und ich dachte mir, ach, das ist gut, das merk ich mir, da komme ich mal mit ein paar Sachen vorbei. Dann fiel mir ein, dass mein Problem dort ja tatsächlich behoben wurde, sogar auch schon zum 4. Mal, immer dasselbe Problem. Die sind wirklich gut darin. Nur nicht auf Dauer.
- Dem Kind beim Abendessen zugeschaut, wie es mit halboffenem Mund befüllt mit Tomatenbutterbrot schmatzt und weltzufrieden die Umgebung mustert. Es angeschaut, dieses Kind, mein Kind, als ganz eigenen Menschen mit ganz eigenem Kopf, die Abendbrotsituation am Küchentisch und festgestellt, dass es noch immer nicht ganz durchgedrungen ist, dass das alles nicht vorübergehend* ist. Dass es manchmal ein Gefühl ist, als spielten wir Vater-Mutter-Kind. Ist das normal?
(*Vorübergehend dann natürlich letztendlich schon, aber so - hoffentlich - langfristig war das nicht gemeint.)
- Morgens dem Coffee-to-go nachgetrauert, den ich im September 1994 am Düsseldorfer Hauptbahnhof nicht getrunken habe.
But was that love in your eye I saw
or the reflection of mine?
(Text ergooglen lohnt.)
Wenn etwas mies läuft und keiner spricht es aus, sinkt die Chance, dass es besser wird, beträchtlich. Was ist daran so schwer zu begreifen?
Nach einem lauten, lärmenden Wochenende: zusammengerollt, ganz friedlich, im Dunkeln, im Warmen, ganz bei mir. Selbstgenügsam, nur ich, wie in einem warmen Meer in einer mondlosen Nacht. Friedlich. Ich.
Morgens erinnere ich mich an das Gefühl, früher, wenn ich von einer längeren Reise zurück kam, allein. Alles auf Null gesetzt, aufgeräumt, geordnet. Ich stehe in der Küche und auf dem Tisch ein Kuchen und erwartungsvolle Gesichter, mir war als hätte immer die Sonne geschienen, an diesen Tagen, in meinem Zimmer alles an seinem Platz, kein Chaos auf dem Schreibtisch, nur ein ordentlicher Stapel Post, die ich noch nicht anfassen möchte, noch einen Moment in dem Nullzustand bleiben, dem sauberen, klaren, in dem der Kopf noch keine To-Do-Liste entwirft, in dem die Nachrichten und Nachfragen der anderen in meiner Welt noch nicht existieren, kein angefangenes Buch neben dem Bett, kein Rest Essen vom Vortag im Kühlschrank, keine angefangene Wasserflasche auf dem Tisch.
Ich fühle mich zu Hause und trotzdem fremd, anders, und eigentlich will ich kein Wort sagen, in diesem Moment, kein Wort, das dann wieder ein anderes ergibt und ein Gespräch und mich ins Hier und Jetzt hineinzieht, unwiderruflich, mir einen Teil dessen abschleift, was ich, während ich fort war, neu gefunden habe, es dem Alltag angleicht, einpasst, was notwendig ist, was in Ordnung ist, aber noch nicht gerade jetzt, einen Moment noch, nur einen kleinen Moment möchte ich noch das Fremde im Vertrauten fühlen, bestaunen, bewundern, bevor es ein Teil von mir, ganz, wird.
Reisen verändert.
Was ne Woche. Achso, ist erst Montag. Naja.
(legense los)
Das Versagen sämtlicher Strategien und Pläne und was übrig bleibt ist nur schrittweises Vorantasten per Bauchgefühl: was geht gerade, was geht gerade nicht, was fühlt sich gerade richtig an. Mit dem Erfolg, dass ich jetzt in das gestiefelt bin, was ich gestern per Gong zum out-of-limits erklärt hatte. Bravo.
Löffeln und schlucken und löffeln und schlucken und das Scheißding scheint ein Tischlein-deck-dich zu sein. Mit ganz speziellem Sahnehäubchen aus handgefertigter Eigenproduktion.
Und wofür das alles? Für - wirklich - nix.
nochn bischn corazón, damit die Frau V. schimpfen kann ;-)
- Tut mit leid, dass das so viel heute ist, aber irgendwo muss es ja hin!
- Nach ca. 2 Stunden relativer Ruhe geht das Ganze wieder von vorne los. Das ist wirklich absurd und ich fange nun an, mich selbst dabei zu langweilen. Immerhin schaue ich jetzt nicht mehr ständig aufs Blackberrydingens. Eine gute Regelung. Nein, gut ist anders. Aber es hilft.
- Beim Memory grandios verloren. Ich war nicht bei der Sache.
- Ich sprach letztens schon von einem meiner Ichs in einer dieser Parallelwelten, das Autofahrerin ist, mit so einem ordentlichen, sauberen Wagen und einem praktischen Klappkorb im Kofferraum. Dieses Ich ist kinderlos und kauft in großen Supermärkten mit riesigem Parkplatz ein, und zwar immer nur kleine Packungsgrößen. Ein weiteres Ich da draußen irgendwo kann dieses Dramontische so richtig gut. Sie hat pastellfarbene Bettwäsche und auch eine Tagesdecke, und wenn "was ist" (was oft ist) wirft sie sich theatralisch auf eben dieses Bett mit Tagesdecke und vielen Kissen und bricht in viele Tränen aus. Sie ist klein, brünett und zierlich. Oh, wie würde sie mir auf die Nerven gehen, wenn ich die kenne würde...
- Und ich kann überhaupt nicht genug betonen, wie sehr dieser verklemmte Hals mich nervt. Ich bin nah dran, den Kopf abzuhacken, was auch eindeutige weitere Vorteile hätte! Dieses Mistding!
- Heute Abend Sport. Danach Biolek-Imitation. Nur ohne Spucken.
- Langsam wird es wirklich Zeit, dass die Putzfrau wieder kommt. Aber die hat Grippe. Also die richtige. Wie mehrere im Büro übrigens auch. Das ist spannend, ich bin nämlich geimpft und wollte schon immer mal wissen, ob das was taugt. Wobei ich noch nie eine Grippe hatte, auch in ungeimpften Jahren nicht. Ich kann immer nur mit orthopädischem Gebrechenscontent aufwarten. Armselig. Gehe heute zum Sport.
- Das mit dem "schlapp lachen" war eine Fehleinschätzung. Morgen vielleicht.
- Grenze gefunden. Ah, hier also. Mal schauen, ob man die noch schieben kann. Morgen vielleicht.
- "Gang-Bang-Bag" nicht fotografiert, obwohl Kamera dabei. Keine Lust. Morgen vielleicht.
- Tsapp - wie das Magnet am Kühlschrank.
- Wenn ich schlau gewesen wäre, hätte ich die Knirscherschiene von heute Nacht gleich drin gelassen.
- Denke über Sprachwechsel nach.
- Ich glaube, in Wirklichkeit könnte ich mich schlapp lachen. Ich will nur noch nicht.
- Vielleicht wäre es gut, mich zu sammeln zwecks der Überlegung, welche der diversen Persönlichkeitsfraktionen das hier denn nun gerade schreiben soll. Allerdings haben die gerade Party und wie das dann immer so ist, keiner fühlt sich zuständig, alle sind besoffen, im Wohnzimmer wird getanzt, in der Küche philosophiert und im dunklen Flur geknutscht.
- Invertschwätzen ist, einen Punkt sehr klar zu machen, ohne ihn überhaupt zu erwähnen.
- Der Hals ist wieder unbeweglich, immerhin habe ich nun aber die Sicherheit, dass er sich mit Schmerztabletten oder Alkohol problemlos entkrampfen lässt. Überlege, ob es psychosomatische Punkte zu bedenken gäbe, sehe aber keine. (Wenn, dann liegen die also rechts von mir, dahin kann ich nämlich nicht gucken...).
- Wenn ich jetzt auf die Mail antworte, dann häng ich wieder drin.
- Vielleicht bin ich zu nett? Das war auch alles ganz anders geplant! Nämlich so, dass ich ein bisschen herumspiele, statt auch noch goldene Brücken zu bauen. Fühlte sich aber gerade passend an, nett zu sein.
- Und das mit dem Träumen, nachts, das ist auch nicht fair, wirklich nicht.
Der Januar ist nun tatsächlich rum und ich habe das Gefühl, dass das Stottern und Ruckeln und gelegentliche Absaufen des Motors sich damit auch gegeben hat. Fühle mich nun, als säße ich an- aber noch nicht überwärmt hinter dem Steuer, knackte mit den Knöcheln und überlegte mir gutgelaunt, wohin die Reise nun gehen soll. Auch der zu Jahresanfang furchterregend leere Kalender füllt sich, sogar schon bis zu dem Punkt, an dem es viel wird, an dem geschoben werden muss, an dem ich beginne, mich über Lücken zu freuen.
Nachdem die Flemm von meiner Wohnzimmercouch verschwunden, ist ein neuer Gast gekommen, der seinen genauen Namen nicht nennt, aber ganz offensichtlich zur selben Familie gehört mit Zufriedenheit, Gelassenheit und Glück. In manchen Momenten, in gar nicht mal so wenigen, sieht man ihm auch um die Augen herum an, dass Spaß und Flaps direkt blutsverwandt mit ihm sind. Eine angenehme Melange. Wie er nun heißt, ist mir ehrlich gesagt egal, ich muss nicht alles wissen. Er tut mir gut.
Dabei ist es gar nicht mal so, dass irgendetwas anders wäre als vorher. Aber wie das halt so ist: das meiste steht und fällt mit der Wahrnehmung und Bewertung, zwei Schlüsselbegriffe, immer wieder und immer wieder. Was mich vor kurzem piekste ist nicht mehr wichtig, oder vielleicht doch wichtig aber akzeptiert, oder vielleicht auch amüsant. Oder so eine Mischung. Oder ich habe vergessen, worum es überhaupt ging. Und freue mich einfach.
- Ich frage mich ja schon, ob das jetzt die äußerst subtile Einleitung zu einem gut aufgezogenen Plan ist. Zuzutrauen wäre es ihm, und ich wäre vor Bewunderung für das Konstrukt noch nichtmals ärgerlich. Warum das überhaupt nötig ist, ist mir allerdings schleierhaft. Gehört vielleicht dazu. Egal. Ich bin neugierig, was die Woche noch bringt.
- Gestern abend und heute morgen und immer wieder zwischendurch bemerkt, wie wohl ich mich mit dem "neuen" Layout fühle. Vielen Dank noch einmal, Frau Diagonale. Es passt, es passt einfach wunderbar, rundum.
- Gedacht, dass es eine Art von Traurigkeit gibt, die keine Spitzen hat und nichts von Verzweiflung, Wut oder Angst. Die einfach da ist, irgendwo, aber überhaupt nicht daran hindert, glücklich zu sein. Die dazugehört und, so an sich, "ok" ist.
- Meine Karnevalsabneigung schwächelt. Nach dem unglaublichen Glücksgefühl zu Jahresbeginn 2001, diesem rheinländischen Irrinn entronnen zu sein, erwäge ich nun, mir im nächsten Jahr für eine Heimreise Urlaub zu nehmen.
- Auch spaßig, dass die Kollegin "wusste", dass ich heute Kreppel (Krapfen, Berliner, Pfannkuchen) mitbringe. Denn ich wusste das selbst nicht, bis ich beim Bäcker stand, und habe das auch in den letzten Jahren nicht gemacht. Fand aber heute morgen einen Zettel auf meiner Tatstatur vor, auf dem steht: "Danke für die Kreppel, die Du Rosenmontag mitbringen wirst. Ich weiß das." Etwas irritierend, aber letztendlich funktioniert mein Kopf ja ganz genauso. Ich bin es nur nicht gewohnt, am "receiving end" zu sein. Jedenfalls traf sie gerade ein und nahm sich triumphierend gleich zwei.



