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    Montag, 22. Oktober 2007
    Trust I seek and I find in you

    Man sagt ja, dass Freundschaft wachsen müsse. Ich finde das gar nicht. Ich schließe meine Freundschaften Knall auf Fall und von jetzt auf gleich. Und ich bin damit noch nie auf die Nase gefallen. Von Freunden spreche hier, nicht von Bekannten. Von Leuten, denen man in die Augen sieht und weiß, dass sie einen im Idealfall für den Rest des Lebens begleiten. Mal näher dran, mal weiter weg, aber deshalb nicht weniger wichtig.

    Ich beklage mich immer mal wieder, dass in meinem Fall eher das "weiter weg" zutrifft. Aber ich glaube, ich habe mich wirklich nicht zu beklagen. Wenn ich - wie letztens nachts - im Traum den absoluten persönlichen Super-GAU produziere, leichtfertig selbstverschuldet und unglaublich dumm, fallen mir beim panischen Aufwachen fünf Personen ein, an die ich mich wenden könnte. Die mir nicht helfen könnten, denn da wäre nichts zu helfen, aber die da blieben statt sich angewidert abzuwenden. Die zwar hilflos, aber nicht überfordert wären und die die Misere mit mir aushalten würden. Die nicht kritiklos wären, sondern mit vermutlich schärferer Zunge als der Rest der Welt verbale Kopfnüsse für unerträgliche Blödheit verteilen würden - aber immer zu mir stünden.

    Interessanterweise kommen diese fünf Personen aus meine verschiedensten Lebensbereichen und -phasen. Und sie kennen einander, stehen sich aber bestenfalls gleichgültig gegenüber. Teilweise können sie einander jedoch auf den Tod nicht ausstehen.


    • Heute zum ersten Mal in diesem Jahr die Winterjacke getragen. Es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, dass ich beim Griff in die Tasche nicht die erwarteten alten Taschentücher, ertaste, sondern eine Muschel und eine halbe Hand voll feinem Sand.
      Man sollte sich öfter solche Überraschungen vorbereiten.
    • Kein gutes Bauchgefühl und der Eindruck, dass ein Kreis sich schließt, oder richtiger: dass ich einen Kreis schließe. Durch viele kleine Handlungen und Entscheidungen, unbewusst und beinahe unbemerkt von mir selbst. (Ich kann das recht gut, Dinge unbemerkt von mir selbst erledigen.) Der Gedanke, dass es so sein könnte, macht mich traurig, aber auf eine abwartende Weise traurig. Ich habe den Anfang nicht gesteuert und werde den Teufel tun, mich am Ende einzumischen.
    • Nonsense-Kommunikation am Kiosk:

      Kioskmann (mit Blick auf den leeren Buggy, den ich schiebe): Wo ist denn Ihre Füllung??
      Ich (gespielt erstaunt): Wie? Oh, Huch!!!
      KM: Tja, man gewöhnt sich ja auch so an die Dinger, die wachsen einem ja fast an und sind die Kinder dann aus dem Haus geht man mit dem leeren Wagen spazieren...
      Ich: Ja, und ohne kommt man dann auch kaum noch vorwärts, man wird ja nicht jünger.
      KM: Einmal das goldene Blatt und die Apotheken-Rundschau?
      Ich: Ach, nee, doch lieber das aktuelle Frankfurt geht aus...

    Sonntag, 21. Oktober 2007
    Anonym

    Hier ist es ja anonym. Deshalb poste ich dieses hier für jemanden, der anonym bleiben möchte.

    Samstag, 20. Oktober 2007
    Supergau

    Um kurz nach Mitternacht fällt nach dem 3. oder 4. Schluck das letzte (und erste) gekühlte Bier aus der Hand.

    Zwei Möglichkeiten:

    a) Es sollte einfach nicht sein.
    b) Jetzt erst recht.

    Waaaaaaaaaaaaaaaaahhhh!!


    [Nachtrag: Variante b), und dann nach der Hälfte des Glases wegen "genug" entsorgt.]

    Freitag, 19. Oktober 2007
    Plan

    10:22 der Restfamilie am Zug winken.
    Dann zum Ticket Vorverkauf schlendern und denen die Hölle heiß machen dort mal freundlich nachfragen.
    Danach Wochenmarkt, unbedingt frische Feigen sowie diesen hammerscharfen angemachten Frischkäse und Sesamringe kaufen. Irgendwo an den Markt setzen und statt Mittagessen frühstücken.
    Auf dem Rückweg Brille richten lassen und einen kurzen Streifzug durch Drogerie und Supermarkt. Unbedingt Mäusekäufig sauber machen.
    Dann zum Sport, je nach Befindlichkeit gefolgt von Mittagsschlaf, Lesen oder Internet.
    Snack bestehend aus frischen Feigen, hammerscharfem angemachten Frischkäse und Sesamring.
    Gegen 17:30 Umziehen, Anmalen und auf zum Abendprogramm.

    Vielleicht läuft das auch alles ganz anders ab. Nicht, dass das schlimm wäre.

    [Aktueller Stand 13:33 Uhr: Bei der Sache mit dem Mäusekäfig angekommen. Das mit den Tickets verlief unerwartet zeitunaufwändig und ergab sogar noch eine Kaffeeeinladung. Allerdings festgestellt, dass dringend die ganze Wohnung komplett aufgeräumt werden muss. Ersatzweise müssen Wege vom Eingang zur Couch (für Frau Violinista) und von der Couch zum Kühlschrank (für die Getränkeversorgung) geschaffen werden. Mal sehufräumen dauert aber lang. Dafür isses jetzt hier echt scen, wie das zeitlich hinkommt. Dafür hab ich den Snack schon erledigt. Ich bin gut! Sport scheint zeitlich noch möglich.]

    [15:41 Uhr: Boah, Aufräumen dauert aber lang. Dafür isses jetzt hier echt schick. Jetzt reiß ich die Fenster auf und geh zum Sport und wenn ich wieder komme, hach, dann auf die Couch und Füße hoch und Musik an... nur nicht einschlafen, um kurz nach 7 fährt der Zug.]

    Schlafgeschichten

    Ein Stöckchen vom Herrn Chauvi


    1. Lieblings-Schlafklamotte?
    Na. My corporate nightie natürlich.

    2. Lieblings-Bettwäsche?
    Die Decke darf nicht zu schwer sein und der Bezug darf sich keinesfalls statisch aufladen. Sonst ist mir alles egal.

    3. Lieblings-Schlafposition?
    Auf dem Bauch, das linke Bein angewinkelt, Kopf auf dem rechten ausgestreckten Arm, linke Hand unterm Kinn. Fast stabile Seitenlage.

    4. Hast du ein Einschlafritual?
    Augen zu machen.

    5. Hast du ein Kuscheltier, Knuddelkissen o.ä.?
    Nein.

    6. Was machst du, wenn du nicht schlafen kannst?
    Kommt so gut wie nie vor. Falls doch, stehe ich wieder auf und tu so als wäre Tag.

    7. Wie groß ist dein Bett?
    2x2m, aber ich teile es mit 1-2 Personen.

    8. Wie viele Kissen hast du?
    Ich habe eins, das ich aber nicht benutze.

    9. Linke oder rechte Seite?
    Egal. Schon mehrere Schlafpartner durch spontanen Wechsel in Verwirrung gestürzt.

    10. Wie lässt du dich wecken?
    Der eine Wecker, den ich schon immer habe, oder durch das Kind.

    11. Stehst du direkt auf oder bleibst du liegen?
    Im Normalfall springe ich sofort aus dem Bett. Ernsthaft. Ich hasse es, geweckt zu werden, und unternehme alles, damit es mir an einem morgen keinesfalls mehrfach passiert.

    12. Dein erster Gedanke am Morgen?
    (?)

    13. Was machst du, um wach zu werden?
    Nichts spezielles. Früher oder später erreiche ich diesen Zustand von selbst.


    Ich werfe das weiter an Frau Violinista und an die Frau Lunally und an die Frau Pandora.

    Donnerstag, 18. Oktober 2007
    Eheszene

    Herr N: Boaaaah dieses Kind!! Sagt man mal irgendwas, was ihr nicht in den Kram passt, schmollt sie gleich stundenlang beleidigt vor sich hin!!

    Frau N: Jo. Wie Du.

    Herr N: schmollt seit nunmehr gut einer Stunde beleidigt vor sich hin.

    Katastrophen pflastern ihren Weg...

    Nun denn, die Meldung des Tages für heute ist dann wohl, dass das Urmel von Mademoiselle verschollen ist. Ohne das Urmel geht hier nichts. Das Urmel weckt Mademoiselle morgens und macht abends das Licht aus. Zuletzt wurde es gesehen, als es im Kindergartensandkasten eingebuddelt wurde.

    Bis jetzt halten wir uns gut. Ich habe angeordnet, dass wir spielen, dass Urmel seine Mama abholt, weil diese zu Besuch kommen will. Das dauert halt ein paar Tage. Beide kommen dann per Postpaket zurück. Muss dann jetzt mal die Rechnung des Online-Shops der Augsburger Puppenkiste zahlen...

    Seufz.

    Tropfen

    • Zwei Taschen, ein Kind und eine Schubkarre (!) auf dem Fahrrad zu transportieren, ist schwierig. Kommt noch ein instabiler Fuß dazu wird das Ganze... nunja.
    • Dem Kollegen auf halber Strecke eine SMS geschickt: "Komme später wegen Gegenwind". Antwort: "Liege auch noch im Bett wegen Schwerkraft". Ts!
    • Meine Sorglosigkeit macht mir Sorgen.
    • Angesichts der Wolkenlage draußen werde ich meine Regentheorie wohl heute einer genaueren Überprüfung unterziehen können.
    • Und ansonsten bin ich schlecht gelaunt, der Kreislauf kommt trotz 10km Rad fahren und ordentlich Kaffee nicht in Schwung, ich friere trotz dicker Strick- und Fleecejacke, der Fuß knackt bei jeder Bewegung und der Chef hat mich am Telefon eiskalt erwischt.

    Mittwoch, 17. Oktober 2007
    Alles nur im Kopf

    "Alles ist gut, alles ist gut", sage ich mir immer wieder aber es dringt nicht durch. Es passiert mir manchmal, dass ich gewisse Ereignisse nur annehme, mir nur vorstelle, und schon wird ein Gedankenprozess in Gang gesetzt, der das nur Vorgestellte der Situation nicht mehr beachtet, der Bestand aufnimmt, analysiert, bewertet, entscheidet. Ganz real, in meinem Kopf. Bewertet, wo das objektive Maß fehlt und entscheidet, was ich nie entscheiden möchte. Durch jede wache Minute zieht sich dieser Gedankenstrom und findet erst sein Ende, wenn er alle Ecken, auch dreckigsten und unangenehmsten ausgeleuchtet hat und komplett zu Ende geführt wurde, zu welchem Ende auch immer, an dem die Entscheidung steht. Die Entscheidung, die ich treffen muss, in meinem Kopf.

    Dann dümpeln die Gedanken wieder in ruhigeren Gewässern aber die Erinnerung bleibt, und das Wissen über einen weiteren Teil von mir, den ich so genau eigentlich gar nicht kennen wollte.

    Für nichts und wieder nichts. Alles nur im Kopf.

    Schieben wir das mal auf PMS...

    Your Score: Sociopath

    You are 100% Rational, 42% Extroverted, 71% Brutal, and 71% Arrogant.

    You are the Sociopath! As a result of your cold, calculating rationality, your introversion (and ability to keep quiet), your brutality, and your arrogance, you would make a very cunning serial killer. You are confident and capable of social interaction, but you prefer the silence of dead bodies to the loud, twittering nitwits you normally encounter in your daily life. You care very little for the feelings of others, possibly because you are not a very emotional person. You are also very calculating and intelligent, making you a perfect criminal mastermind. Also, you are a very arrogant person, tending to see yourself as better than others, providing you with a strong ability to perceive others as weak little animals, so tiny and small. You take great pleasure in the misery of others, and there is nothing sweeter to you than the sweet glory of using someone else's shattered failure to project yourself to success. Except sugar. That just may be sweeter. In short, your personality defect is the fact that you could easily be a sociopath, because you are calculating, unemotional, brutal, and arrogant. Please don't kill me for writing mean things about you! I have a 101 mile-long knife! Don't make me use it!

    Link: The Personality Defect Test

    Dienstag, 16. Oktober 2007
    Last order (für heute)

    • Beim Sport gewesen zwecks Aggressionsabbau. Half nicht. Fühle mich jetzt aggressiv und sportlich.
    • Die ganz zierliche Freundin heute mit dem Babybauch. Ich weiß wirklich nicht, wie das gehen soll. Sie passt in den Bauch beinah selbst komplett rein, also schätzungsweise. Das ist beängstigend!
    • Ich hab nicht die geringste Ahnung, wie nah er mir wirklich ist.
    • Bei einem Gedankenexperiment am eigenen Leib festgestellt, dass auch bei Fragen nach richtig und falsch, bei denen die Antwort klar vorgegeben scheint, eigentlich trotzdem alles eine Frage der Perspektive ist.
    • Angenehme Ereignisse, die in den nächsten Wochen definitiv eintreten werden: die Putzfrau wird kommen, die Wespen auf dem Balkon werden verschwinden, das Pochen in den Heizungsrohren wird aufhören, der Fuß wird mich nicht weiter nerven.
    • Unangenehme Ereignisse, die in den nächsten Wochen definitiv eintreten werden: keine.
    • Laune: hätte allen Grund, besser zu sein. Wer hätte das nicht. Eben. Und genausowenig schert sie sich darum.

    Selbstüberschätzung

    Auf der Landstraße vor einem Blitzer panisch abbremsen. Mit dem Fahrrad.

    Rad


    • Mein Chef benimmt sich wie ein wichtigtuerischer Lackaffe, dem es Spaß macht, anderer Leute Arbeit zu verzögern.
      Ich denke ich sollte ihm das sagen. Die Bemerkung ist ja sogar ansatzweise konstruktiv. Ich falle nicht in die "immer"-Falle und sage auch nicht "Sie sind", sondern "Sie benehmen sich". Bin aber nicht sicher, ob er meine Kompetenzen bezüglich Konfliktsprache zu würdigen weiß.
    • Rechnungen, Rechnungen, Rechnungen.
    • Der Motivation wäre auch geholfen, wenn mal jemand meinen aufgestockten Stundenvertrag abzeichnen würde. Ich sitz' hier doch nicht wegen der Aussicht! (Wobei... naja.)


    • An Tagen wie heute ist anonym sein das einzige, was noch irgendwie geht.
    • Wenn der Fuß wenigstens ordentlich Gebrechenscontent hergeben würde... Wobei - tut er vielleicht bald wieder, nachdem ich mich heute für die hohen Schuhe "entschieden" habe.
    • "Entschieden" ist das falsche Wort, ich habe heute gar nichts entschieden und werde vermutlich heute auch nichts mehr entscheiden, heute ist einer dieser blöden Tage die die Regie übernehmen und man stolpert ihnen hinterher, so gut es geht, und weiß schon, dass man früher oder später den Halt verliert und dann hinterhergeschleift wird, vorwärts, rückwärts oder seitwärts, dabei irgendwie versuchen sollte, den Kopf oben zu halten.
    • "He, Tag, halt mal an, ich wollte doch..." möchte man schreien, aber das nützt nichts, der hört nichts, der rast einfach weiter, nach mit die Sintflut, denkt er sich wohl, und irgendwie kann man ihn ja auch verstehen.
    • Früher oder später war heute gegen Viertel nach Sieben. Momentan macht der Tag Kaffeepause und ich nutze das, um den mentalen Sturzhelm aufzusetzen.

    Montag, 15. Oktober 2007
    Schlafen

    Herr Ref möchte von mir Tipps zum Ausschlafen.

    Also ich sage gleich vorweg: schlafen kann ich gut. Ich bin Frau Anti-Einschlaf-Problem. Tatsächlich schlafe ich normalerweise ein, sobald ich ein paar Minuten lang nichts mache. Das liegt nicht an einer chronischen Übermüdung, sondern ist ein Mechanismus, der mich vor Langeweile schützt. Bevor ich mich langweile, bin ich immer schon eingeschlafen.
    Ich kann in jeder Situation schlafen: auf Dienstreisen neben dem Chef im Auto, auf Parties (nüchtern!), im Kino, beim Warten auf die Bahn, und ja, ich bin auch schonmal beim Sex eingeschlafen. Ist doch besser, als sich dabei zu langweilen. Das ist natürlich schon eeeewig her.

    Ausschlafen stellt ebenfalls kein größeres Problem dar, denn ich bin auf lediglich zwei Geräusche konditioniert, die mich zuverlässig aufwecken: das spezielle biep-biep-biep-biep-biep-biep-BIEP meines Weckers, der mich seit meiner Erstkommunion begleitet, und das Wort "Mama" in einer besonderen Tonlage geäußert. Alles andere geht an mir vorüber. Wenn ich schlafe, schlafe ich.

    Hier also die buchstabierten Ausschlaftipps einer Expertin:

    Abschalten. Ganz bewusst. Kann man lernen. Weltbewegende Probleme kann man tagsüber wälzen. Soll geschlafen werden, schaltet man das Verdrängungsmodul ein.

    Umziehen. Im Zweifelsfall schläft es sich in kuschliger Schlafkleidung besser als in Strumpfhose und Stiefeln.

    Sacken lassen. Sich selbst. Ins Kissen, in die Matratze, egal. So richtig spürbar.

    [edit: oh, zwei vergessen. Da war ich wohl schon zu müde. Schnell nachreichen:

    Genießen. Das Gefühl, jetzt abzuschalten. Den Tag, sich selbst, alles.

    Enstpannen. Jeder auf seine Art, und derer gibt es viele.]

    Snack vorm Schlafen. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Hungrig ins Bett ist doof und kann zu vorzeitigem Erwachen führen.

    Creme. Sonst fängt irgendwann das Gesicht an zu jucken.

    Haare kämmen. Und sowieso auch Zähne putzen und waschen. Das sind Rituale.

    Lauschen. Auf die Geräusche im Haus. Sehr beruhigend. Egal wie laut die sind. Ich bin im Bett und habe damit nix zu tun. Das entspannt mich.

    Augen zu.

    Fenster auf.

    Einkuscheln.

    Nichts weiter.

    Es nehme sich dieses Stöckchen wer mag. Ich gehe nämlich jetzt schlafen.

    Freitag, 12. Oktober 2007
    Die Effizienz der Gebrechen

    Ich finde, wenn man schon irgendein Leiden hat, sollte man auch unbedingt ausführlich darüber berichten. Wozu ist das sonst gut. Insofern werden hier nun Wochen Tage des Gebrechenscontents ausgerufen.

    Kommen wir daher zur aktuellen Lage den Fuß betreffend. Als ich das Ding gestern abend gegen acht Uhr dann artig hochlegen und schonen wollte, erwies sich dies als so unangenehm, dass ich doch eine Amputation ins Auge fasste. Aber keine Sorge - ich bin ja vernünftig, und beschloss, die Sache im wahrsten Sinne des Wortes auszusitzen. Also für den Abend jetzt. Lediglich eine Pizza erhumpelte ich mir noch, schön wäre auch noch ein Bier dazu gewesen, doch hätte das den doppelten Weg bedeutet, musste ich mich doch mit einer Hand an Möbelstücken abstützen während ich in der anderen die Nahrung balancierte.
    Später im Bett konnte ich zwischen den Schmerzen, die die aufgelegte Decke verursachte und den Schmerzen beginnender Erfrierungen wählen. Der Entscheidung entging ich, indem ich kurzerhand einschlief. Achja, das Stöckchen dazu kommt noch.

    Bei Weckerklingeln war der Fuß - so ohne Brille und im Dunkeln - gefühlt monströs und absolut unbeweglich. Nachdem ich mich laut fluchend und Verwünschungen ausstoßend warmgehumpelt hatte, ging es aber dann doch ganz gut. Sah mich jedoch nicht in der Lage, mich stante pede (Kalaueralarm) zu den streikbetroffnenen S-Bahn-Wartenden zu gesellen sondern ging den Arbeitsweg lieber per Fahrrad an. Da braucht man den Fuß ja gar nicht wirklich. Und als ich auf halbem Wege schlapp machen wollte, fiel mir auf, dass ich just an dieser Mainbiege im 8. Monat schwanger beschlossen hatte, das Joggen bleiben zu lassen und erst zu einen späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen. Eine Frau, ein Wort. Später ist irgendwann. Jetzt erstmal Rad fahren.

    Mir begegnete dann ein Boxer - also kein Hund, sondern ein menschlicher Boxer, was ich daran erkannte, dass auf seinem T-Shirt die Aufschrift "Boxcamp Dingensstraße" (Dingensstraße ist die, wo ich wohne) stand. Tatsächlich erinnerte ich mich, das Gebäude schon einmal von außen gesehen zu haben. So eine Sportgelegenheit gleich um die Ecke ist ja immer etwas Tolles, und so sah ich mich bereits als Boxcampmitglied wie Rocky Balboa durch den Morgennebel joggen-boxen. Achja - wichtig: wir sprechen hier von konditionellem Boxen! Auch in meinem Morgennebelfantasien hab ich keine Lust, was auf die Nase zu bekommen. Ich erinnerte mich daran, dass ich sogar einmal mit einer Freundin darüber sprach, gemeinsam konditionell zu boxen. Die regelmäßigen Gespräche darüber entwickelten sich jedoch eher Richtung konditionelles Biertrinken.

    Egal, irgendwann war ich an dieser Mainbiege vorbei und sah einen Statuensockel auf der Wiese stehen, mit Treppchen, Gewächs davor und einer Plakette, auf der stand "ICH". Das fand ich prima. Werde bei Gelegenheit dort vorbeijoggen gehen und mich auf dem Sockel fotografieren lassen.

    Kurze Zeit später - ich wollte gerade wieder schlapp machen - tauchte dann die Skyline aus dem Nebel auf. Das hat ja schon was. Ich kam mir gleich vor wie beim New York Marathon, ach, was sag ich, wie beim Ironman mindestens! So strampelte ich beschwingt im niedrigesten Gang die Brückenauffahrt hinauf (im Stehen fahren geht mit so einem Fuß nicht) und war kurze Zeit später im Rapunzelturm.

    35 Minuten hat die Fahrt gedauert. Ich war die allererste im Büro. Alle, wirklich alle anderen steckten im Stau oder im Streik. Goldmedaille. Zur Belohnung die erste Stunde Telefonzentrale, bis irgendwer eintraf dem ich das aufdrücken konnte. Herzlichen Dank!

    Donnerstag, 11. Oktober 2007
    Zipperlein

    Ich bin ja jemand, der keine Geduld für Krankheiten hat. Also für Krankheiten anderer schon, aber für eigene nicht. Früher habe ich mich deshalb, wenn mal irgendein Zipperlein auftrat, ins Bett gelegt und geschlafen, bis alles verschwunden war. Aus familienorganisatorischen Gründen ist diese hervorragende Bewältigungsstrategie momentan nicht möglich. So dass ich nun, wenn mal was ist, alle erdenklichen Gegenmittel zusammentrage, anwende, und die Angelegenheit dann verdränge. (Ich bin berühmt für meine Erkältungscocktails.) Irgendwann ist es dann vorbei.

    Als ich heute morgen mit Kind im Arm auf der Treppe fehl trat, kam mir auch als erstes in den Sinn, einfach gleich vor Ort liegen zu bleiben und mehrere Tage zu schlafen. Nein - vorher gratulierte ich mir noch zu der hervorragenden Landung. Zwar einige Stufen weiter unten, aber das Kind und die Tüte mit dem Joghurt noch sicher und unverletzt im Arm und auch sonst schien alles unter Berücksichtigung der Umstände sehr geordnet und sauber. Bis ich dann feststellt, dass mein rechter Fuß sich unter mir und allem befand und das in einem Winkel, der bei meinen allabendlichen gymnastischen Übungen bislang nicht vorkam. Als ich den Fuß herauszog, dachte ich an das mehrtägige Schlafen, an Ort und Stelle. Aber ich dann wieder darauf stand (naja, sagen wir zu 30%) entschied ich mich für Verdrängung. Das klappte gut, bis ich das Kind per Fahrrad im Kindergarten abgeliefert hatte und die Treppen zur S-Bahn herunterhasten wollte. Das ging nämlich einfach nicht, weil mich ein komisches Geräusch im Fuß nachhaltig verunsicherte. Ich bin empfindlich, was Geräusche angeht. Insbesondere, wenn sie meinem Körper (Ausnahme: Mund und evtl. Nase, in Ausnahmefällen Magen) entstammen.

    So entschied ich mich, den nahegelegenen Unfallarzt meines Vertrauens aufzusuchen. Der hatte aber Urlaub und verwies als Vertretung auf den ebenfalls nahegelegenen Orthopäden meines begründeten Misstrauens. Dieser war erkrankt und verwies als Vertretung auf einen mir unbekannten Arzt etwas weiter weg. Dieser sagte mir, er sei kein Unfalleingansarzt und ich solle einen vierten Arzt, noch weiter weg, aufsuchen. Nun war zu diesem Zeitpunkt aber das Ende meiner Geduld mit diesem Zipperlein erreicht, so dass ich mich zu einer kurzen Bestandsaufnahme entschloss. Der Fuß hatte mich mittlerweile per Fahrrad an alle Enden der Stadt transportiert. Ihn zu drehen oder voll zu belasten ist nicht angenehm, aber durchaus möglich und alle Zehen können noch zappeln. Mir war zum zähneklappern kalt und schwindlig, was ich aber auf eine ausgedehnte Fahrradtour (mittlerweile war ich 45 Minuten unterwegs) ohne Kaffee oder Frühstück in Bürooutfit bei herbstlich-kühler Witterung zurückführte. Das Geräusch im Fuß - ein kehliges Schnappen - entsteht vermutlich, wenn sich eine zur Ausführung der Bewegung notwendige Sehne über den zweiten Knöchel, der schräg unterhalb des eigentlich Knöchels neu gewachsen ist (und übrigens novemberregenblau ist), bemüht. Ja, dachte, ich kann da erstmal abwarten, was passiert. Ich habe mir noch nie einen Knochen gebrochen, aber das fühlt sich bestimmt anders an. Und alles andere regelt sich ohne Arzt vermutlich genauso schnell wie mit.

    So begab ich mich unter humpeln und fluchen zum Rapunzelturm und lasse mich seither mit hochgelegtem Fuß bedienen und bedauern. Ab Feierabend wird dann verdrängt.

    November seit 7240 Tagen

    Letzter Regen: 06. Januar 2026, 22:39 Uhr