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    Sonntag, 20. November 2022
    20.11.22

    Heute ist Totensonntag. Habe mich gerade gefragt, ob der immer am 20.11. ist, lassen Sie mich einfach zurück, das hat keinen Sinn mehr, nur damit Sie es jetzt nicht auch googeln müssen verrate ich aber: es ist immer der letzte Sonntag vor dem Advent und es ist ein stiller Feiertag (wenn auch kein gesetzlicher Feiertag), so dass der Weihnachtsmarkt an diesem Tag zu hat. Daher weiß ich das überhaupt, dass heute Totensonntag ist, ich war nämlich mit M (im Regen) auf dem (geschlossenen) Weihnachtsmarkt und wir waren sehr erstaunt, die Security gab dann Auskunft. Kann man natürlich sagen "meine Güte wegen sowas hat der Weihnachtsmarkt zu" aber dann muss man auch sagen "meine Güte wegen sowas gibt es überhaupt Weihnachtsmarkt", ich bin schon still. Ist ja ein stiller Feiertag.

    Per GoogleDoc wird gewünscht, dass ich über die Hessen schreibe. Erbarme! Über hessische Eigenarten. Nein, Eigenheiten. Was ist das eigentlich der Unterschied? Das google ich jetzt nicht auch noch, ich habe für heute ausreichend zur allgemeinen Bildung beigetragen.

    Ich kann über die Hess*innen nicht so viel sagen. Hier im Rhein-Maingebiet sind nicht so viele echte, die meisten kommen irgendwo anders her, aus anderen Ländern, aus anderen Bundesländern und zusätzlich ist Hessen ziemlich groß, wenn man aus Nordhessen kommt ist das hier bestimmt auch schon wie Ausland. Man trinkt hier Apfelwein, den finde ich ekelhaft, man trinkt auch generell Wein, finde ich auch ekelhaft, Sie wissen ja, nur Getränke, die heiß sind oder Kohlensäure enthalten für mich und bitte ohne Obst, Gemüse oder Grünzeug darin. Man isst Handkäs, nunja, kann man machen, schön ist, dass überall schon (geographisch gemeint, nicht zeitlich) Laugenbrezeln mit Butter verfügbar sind, man sagt hier immer, dass in Hessen besonders viel gefeiert wird aber als Rheinländerin kann ich da jetzt im Vergleich keine übersteigerte Feierlaune feststellen.

    Als ich nach Hessen kam - das ist ja jetzt schon ein Weilchen her - kam am ersten Tag nach Ankunft jemand für handwerkliche Arbeiten in der Küche, die Arbeiten gelangen nicht, er kündigte Rückkehr für den nächsten Tag an und ich rief abends völlig aufgelöst Papa N. an und erbat seine umgehende Anreise, weil der Handwerker völlig unverständlich aber auf jeden Fall enorm unfreundlich sprach.

    Alle in Hessen waren unfreundlich zu mir, als ich hier ankam. Auf dem Wochenmarkt, in den Läden, einfach überall, alle unfreundlich, ausnahmslos, hassten mich vielleicht sogar! Es dauerte ein paar Monate, bis ich bemerkte, dass mir das nur so vorkam, wegen des Dialekts. Wir Rheinländer*innen singen ja beim sprechen, es geht munter auf- und ab mit viel Melodie und Betonung und hier in Hessen wird eher mit wenig Mundöffnung vor sich hingenuschelt, es klang für mich alles sehr desinteressiert und abweisend.

    Als ich das verstanden hatte, dass das nur der Dialekt ist, ging es besser, mittlerweile kann ich den Dialekt auch, nicht perfekt, hier sagt mir immer noch jede Woche zweimal irgendwer "Sie sind aber auch nicht von hier!" aber wenn ich frisch in Düsseldorf ankomme sage mir Freund*innen dort jetzt "wie sprichst du denn??" und es dauert ein paar Stunden, bis alles wieder normal ist.

     
    Ja, das ging mir ähnlich, als ich Anfang der 80er zum Arbeiten nach Frankfurt/Darmstadt kam. Unfreundliche, barsche Redeweise, so habe ich es empfunden, obwohl die Bayern, mein eigener Volksstamm, ja auch nicht gerade als besonders gesprächig gelten. Plus immer die Bemerkungen, wie kalt es in Bayern wäre - als ob ich vom Nordkap kommen würde.
    Aber inzwischen überwiegt in meiner Erinnerung das hessische "sch", das ich im Lauf der Zeit als recht anziehend empfand (Ärscher statt Ärger z. B.)und das ich bei einem Gespräch mit Fremden immer noch sofort zuordnen kann.

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    Ich hatte genau das gegenteilige Gefühl, ich habe die Hessen, also die, die so wirkten, als würden sie schon lange oder immer da wohnen, immer als sehr freundlich empfunden. Aber ich war ja auch nur unter der Woche da und habe sicherlich nicht alle Alltagsbegegnungen mitgenommen. Aber die, mit denen ich zu tun hatte, waren immer so uneingeschränkt und angenehm freundlich, auf so eine unverbindliche Art, da habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht.

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