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    Freitag, 4. November 2022
    4.11.22 - Herzregenreise Tag 1

    Um 4 Uhr ist Frau Herzbruch aufgestanden, also wenn man Übertreibung als Stilmittel abzieht vermutlich gegen 5 Uhr. Die Arme. Sie hat es mir schon ungefähr 27 Mal gesagt, ich habe offensichtlich noch nicht die zufriedenstellende empathische Replik darauf gefunden, also üben wir weiter. Mal sehen wie lang.

    Ich selbst bin um 5:45 aufgestanden, ich wurde wach ohne Wecker, es ist ja meine richtige Zeit jetzt, da werde ich zu solchen Zeitpunkten wach und fühle mich fit. Um kurz vor 7 ging mein Zug, um kurz vor 8 wollte ich in Frankfurt in den ICE mit Frau Herzbruch drin umsteigen, während ich noch in Offenbach am Bahnsteig saß, meldete Frau H "Personenschaden", bei mir selbst gab es kurz darauf "Ungeplanter Halt auf freier Strecke", in Frankfurt wurde mir der Herzbruch-ICE mit "Verspätiung wegen verspätetem Personal aus vorheriger Fahrt" angekündigt und letztendlich ging sich aber alles wunderbar aus. Alles und insgesamt, nur selbstgemachte Eile gab es, weil wir im Gespräch ("Ratschen!" schimpfte der bayerische Zugbegleiter) zwei Um- bzw. Einstiege, auf die wir uns jeweils eine knappe Stunde hätten vorbereiten können, fast verpassten und rennen mussten. Und die Türen blockieren. Und all das. Wie Passagiere des Grauens, die am Vormittag schon mit Bierflaschen unterwegs sind und dann im 6-er Abteil 4 Stunden ununterbrochen reden. Über vieles: über Karl Lauterbach und Christian Drosten, die Jobsituation, Musk, Twitter, Mastodon, Geschenke, Wammerl, Kleidung, diverse gemeinsame Bekanntschaften, Reisen, Geld, Gesprächsstrategien, Telefone, Headsets, Adventsplanung und so weiter.

    Gegen Ende der 10-stündigen Zugfahrt wurden wir ein wenig müde, also so die letzte halbe Stunde. Es folgte dann eine weitere halbe Stunde, über die wir nicht sprechen - wir haben uns in dieser halben Stunde gegen einen seriösen, kompetenten und guten Rat entschieden, in vollem Bewusstsein, und daraus etwas gelernt. Danach trafen wir in unserem Apartment ein. Das Apartment ist super, klagen kann man nur auf hohem Niveau, natürlich gelingt uns aber auch das, das Internet ist nämlich nicht so schnell wie zu Hause. Dennoch gelang es uns, sofort zwei Essensreservierungen zu machen, eine für heute Abend, eine für morgen Mittag, wir waren nämlich sehr hungrig, so hungrig, dass wir vor dem Essen auch noch in den Supermarkt gingen und diverse Snacks kauften. Wie unterschiedlich dieselben Menschen zu verschiedenen Zeitpunkten sein können - genau jetzt in diesem Moment können wir uns beide nämlich nicht vorstellen, jemals wieder etwas zu essen, die Reservierung morgen werden wir wohl verfallen lassen und die Lebensmittel, die wir im Supermarkt gekauft haben werden hier im Kühlschrank verrotten. Daran können wir aber nichts ändern, aktuell ist Bewegung unmöglich, Frau Herzbruch hat schon Sekundenschlaf, das kann aber auch von dem Podcast kommen, den sie mit mir hören wollte und als ich sagte, dass ich den ziemlich langweilig findet sagte sie, das habe sie sich schon gedacht, ich sollte ihn eher zu Metazwecken hören. Nunja. Jetzt ist er aus, Der junge Mann, der uns in das Apartment einwies, klärte übrigens höchst elegant die Frage, ob wir in einem Bett schlafen oder in zwei verschiedenen Zimmern, wir ließen uns zwei verschiedene Zimmer einrichten, es kann aber auch sein, dass sich hier heute niemand mehr bewegen kann und Frau Herzbruch aus dem Sekundenschlaf in Tiefschlaf übergeht und ich vor Schwäche von der anderen Hälfte ihres Bettes, auf der ich sitze und tippe, nicht mehr hochkomme. Was vorerst nicht schlimm wäre, gegessen, wie gesagt, wird ja nicht mehr und wir haben so gut wie alle Pläne für diese Reise schon erledigt, müssen eigentlich nur noch Granatringe kaufen, das war es schon, die gibt es sicher am Bahnhof, also kein Problem, wenn wir bis Montagmorgen reglos verharren, denke ich. Vielleicht können wir irgendwen anrufen, der den Sekt aus dem Kühschrank ans Bett bringt.

     
    wie immer ist alles von Ihnen wunderbar, und auch jetzt noch die Reise nach Prag - das macht viele Unannehmlichkeiten wett, (kommender Winter usw. ) jedenfalls so lange ich Ihre Texte lese. Danke mal wieder

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