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    Samstag, 24. Juni 2017

    Die Zeit rast geradezu, wenn man nur so auf dem Sofa sitzt. Es ist schier unglaublich. Gut, es mag daran liegen, dass ich zunächst einmal nachts mindestens 11 Stunden schlafe und auch gerne nochmal ein Mittagsschläfchen einlege. Und auch daran, dass alles etwas länger dauert. Ein Glas Wasser holen ist sonst eine Angelegenheit von ca. 15 Sekunden. Momentan schätze ich das 10fache. Wenn man das hochrechnet läppert es sich natürlich. Ich bin noch nicht einmal dazu gekommen, die Zeitung zu lesen!

    Definitiv gibt es aber schon einen sekundären Krankheitsgewinn in Form einer neuen Geste: mit der Krücke einen herumliegenden Socken aufangeln und dem Verursacher auf eben dieser verächtlich unter die Nase halten. Sodann mit einem Schlenker aus dem Handgelenk die Socke in eine passende Richtung (z.B. Kinderzimmer) davonschleudern. Ich bin schon sehr gut im Sachen-per-Krücke-schleudern, ganz nebenher lassen sich auch Lichtschalter sehr gut so bedienen und Oberlichter schließen und Chipstüten aus dem oberen Schrankfach hangeln. Das war noch vor einer Woche alles viel schwieriger.

    Dann ist mir noch etwas aufgefallen in punkto sekundärer Krankheitsgewinn: Ich neige ja ein bisschen zu orthopädischen Problematiken. Mit diversen Sehnenscheidenentzündungen (beide Arme), Bänderdehnungen (beide Füße) und letztes Jahr Rücken mit Folge Bein kann ich schon aufwarten. Und ich stelle zu meinem Erstaunen fest, dass diese Problematiken ein ganz unterschiedliches Ansehen genießen. Sehnenscheidenentzündungen sind eine Tippsenerkrankung, hat keinerlei Stellenwert und wird belächelt. Verknackste Füße zeugen von Ungeschicklichkeit. Rücken ist ganz schlimm - signalisiert Gebrechen, Alter, Übergewicht, Unsportlichkeit, all das. Mit Rücken kann man Mitleid ernten, viel Mitleid, aber sonst nichts. Hingegen Kreuzband bzw. Unhappy Triad: das ist eine typische Sportverletzung, da schwingt schon fast Wagemut mit, entsprechend sind die Reaktionen darauf. Probieren Sie es aus. Nee, lieber nicht, probieren Sie was anderes aus, das interessiert mich wirklich, aber ich traue mich (noch) nicht, es selbst auszuprobieren: Kommt man vom Fußboden wieder hoch (wenn man sich dort hingelegt oder hingesetzt hat), wenn ein Bein gestreckt bleiben muss, ohne Hilfsmittel? Wie geht das? Bitte testen Sie mal, ich bin momentan nicht so risikofreudig, habe aber häufiger als gedacht Dinge am Fußboden zu erledigen und wüsste für die nächsten Tage gern Bescheid. Und mich von der Familie unter Gejaule vom Boden zerren lassen möchte ich mich nicht, das macht ja das ganze Krankheitsansehen zunichte.

     
    Früher war aber Kreuz schon große Auszeichnung. Mit kaputten Bandscheiben vom Malochen haste an der Theke schon das Anrecht auf die erste Bestellung gehabt. Ganz früher waren noch die Einbeinigen die Chefs. Die wurden aber dann von den 68ziger in die Tonne der ewig Gestrigen getreten. Erblinden auf einem Augen wie der Goadfather und auf dem anderen Hochrisikopatient kann gar nix. Da herrscht nur betretenes Schweigen und Angst das des Licht ganz ausgeht.

    Heute sind die PlatzhirschInnen eindeutig gerissenes Kreuzband, kaputtes Innenband und Meniskus auch durch. Natürlich nicht von Büroarbeit. Freizeitunfälle sind ja die neuen Arbeitsunfälle. Befällt aber fast nur Lichweltmenschen. Schattenweltmenschen tut natürlich auch alles weh. Vom Nix tun;-) Diese Erfahrung machen sie ja auch gerade sehr wahrscheinlich. Bald wird ihr Hinterteil ziemlich durchgelegen sein.

    So ich bin jetzt aber auch schon Bettfertig. Mir ist gerade ein Anekdote eingefallen, passt nicht zum Thema aber erzähl ich schnell. Wir hatten einen in unserem beschaulichen Städtchen der kam mit dem Pferd ins Gasthaus. Ka Spaß. Stand der Gaul an der Theke.
     
    mit einem gestreckten bein ist einfach: arschlings bis zu einem adäquaten behelf (sofa, fauteuil) rutschen, dann mit dem rücken anlehnen, ellbogen aufstützen, gesundes bein anwinkeln und hochhieven. hab ich für sie getestet.

    schlimmer finde ich ja: zwei füsse mit liegegips. niedersetzen kein problem, aber aufstehen nur mit: vorne stütze installieren, nach vorne kippen, knie in passendem winkel positionieren, dann mit einem wupp nach vorne kippen. gerne mit zahnschutz. hab ich auch für sie getestet.
     
    Herr Schizophrenist, sollte ich noch jemals eine Kneipe eröffnen, werden Hunde keinen Zutritt haben, aber Pferde schon. Danke für die Inspiration.
     
    Aha, Herr Schizophrenist, statt für mich wie erbeten ein bisschen Bodenturnen aufzuführen erzählen Sie mir was vom Pferd. Sie Anarchist.

    Frau Kelef, beide Beine Gips ist natürlich fürchterlich, da gibt es nichts zu reden.
     

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    Kein Problem! Das gesunde Bein anwinkeln, über das kranke hieven, sich über die Hüfte (der kranken Seite) drehen, mit den Armen abstützen und sich mit Armen und dem gesunden Bein hochdrücken (hope it makes sense)
     
    Ah, ja, so kann es gehen. Ich dachte auch bereits: das kranke nach vorn ausstrecken, auf das gesunde knien, dann nach hinten wippen so dass das gesunde auf der Fußsohle landet und hochdrücken - das kranke nach vorn gestreckt, der Hintern auf der anderen Seite als Gegengewicht.

    Ich warte noch ein paar Tage mit meinen Tests.

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    Anmerkung zu beidseitigen Sehnenscheidenentzündungen
    Den Spaß habe ich auch unbedingt mitmachen müssen und wurde lange wegen falscher Tennistechniken gehänselt. Nachhaltig. Mir wurde sogar unterstellt ich würde die eigentliche Ursache (übermäßige Renovierungsarbeiten aka. ~80 Jahre alte Tapeten von der Wand kratzen, die mit Leim aus der Jahrhundertwende verklebt waren und damit resistent gegen moderne Tapetenlösungmittel sind) erfinden.
     
    Sehen Sie, sehen Sie!!

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    Ich hatte ja vor zwei Jahren mal Fuß (Knochenzyste am Fersenbein), den musste man nun auch ständig hochlagern, am besten über Herzhöe. Das geht eigentlich nur liegend. Da ich bei den Internationalen Auf-dem-Sofa-liegen-Weltmeisterschaften vermutlich den letzten Platz belegen würde, war das eine schwere Aufgabe. Ich habe dann fünf Wochen lang Mario Kart gespielt, das geht auch im Liegen.

    Eigentlich durfte ich keinen Schritt ohne die beiden Krücken machen. Da kriegt man den Tag auch gut rum.

    Von mir gute Besserung!
     
    Ah, auch nicht schön. Ich darf "schmerzadaptierte Vollbelastung". Das ist schon eine große Erleichterung. Aber halt nicht das Knie beugen.

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    Ich biete gebrochenes Sprunggelenk mit Gelenkbeteiligung Anfang Februar diesen Jahres. Zwei Wochen 10 kg belasten, dann vier Wochen 20 kg. Da man ader das Knie beugen kann, ist das Aufstehen nicht so schlimm. Schimmer war, dass es im Garten passiert ist und niemand zu Hause war. Ich hab erstmal zehn Minuten gelegen, bis zum Glück der Nachbar in seinen Garten kam und mir hoch geholfen hat. Den Freund hatte ich schon angerufen, der war schon auf dem Weg. Aber Rettungsdienst hätte das Tor eintreten müssen, war alles brav abgeschlossen. Ich bin lange Zeit nur duschen gegangen, wenn der Freund zu Hause war, weil ich Angst hatte aus zu rutschen und wieder da zu liegen. Das prägt doch schon ein bisschen. Zum Glück war vom Opa noch der alte Toilettenstuhl im Haus, mit dem bin ich dann durch die Wohnung gerollert. Ich musste ja zwei Krücken benutzen, da kann man sich nicht mal ein Glas Wasser holen, weil man keine Hand frei hat.
     
    Krücken sind scheiße, das kann man nicht anders sagen. Ich habe heute morgen in der Physio die ersten Schritte ohne gemacht. Soll sie noch unterstützend weiterverwenden die nächsten Tage, aber ab und an ohne ist ok. Sprich: ich kann wieder Kaffeetassen tragen - das Leben geht weiter! ;-)
     
    Wenn die Krücken-Zwang-Zeit zu lang ist, lohnt sich ggf. die Anschaffung von Achselgehstützen. Ich kann nur mit denen überhaupt kurz stehen und bin echt froh, dass es diese Variante gibt! Ich brauch sie, weil ich nur "eingeschränkte Rumpfkontrolle" hab, wenn man das Problem aber nicht hat, steht man ja viel stabiler und sicherer, dazu ist ja bei den meisten noch ein nutzbares Bein übrig, das dürfte auch viel ausmachen! Mit den Achselgehstützen kann man stehen und hat dann trotzdem die Hände dabei frei! Kann den Alltag leichter machen!
     
    Guter Tipp, danke, aber ich werde sie ja gerade schon los. Und ja, ich kann tatsächlich natürlich auf dem gesunden Bein gut stehen. Das etwas Blöde ist, dass das gesunde Bein eben vor weniger als einem Jahr das kranke Bein war, deshalb kriege ich da gerade ganz schön Muskelkater. Aber das ist natürlich nicht so schlimm. Und ja auch bald schon alles wieder vorbei.
     
    Fiese Kombination!
    Wenn ein Bein noch nicht wieder ganz fit ist, und dann das andere nicht mehr nutzbar ist! Gemein!
    Schön, zu lesen, dass es wieder bergauf geht!

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    Nun.
    1) Auf dem Boden sitzen, den Rücken aufrecht, die Beine gestreckt (geht ja eh nicht anders) und leicht gespreizt. Hände frei.
    2) Das gesunde Bein so anwinkeln, daß man mit der Mitte des Gesäßes schon fast auf der Ferse sitzt. Das kranke Bein bleibt gestreckt auf dem Boden. Die Zehen des gesunden Fußes am gesunden Bein zeigen ganz leicht in Richtung der Zehen des Fußes am kranken Bein.
    3) In einer langsamen, fließenden Bewegung den Oberkörper nach vorne nehmen. Die Hände waagerecht nach vorne ausstrecken. Das kranke Bein immer noch gestreckt leicht vom Boden anheben.
    4) Durch diese Gewichtsverlagerung kippt man leicht nach vorne und rutscht so mit dem Gesäß vollends auf die Ferse des Fußes am gesunden Bein. Die fließende Bewegung wird durch simples Aufstehen auf einem Bein vollendet. Dabei rechtzeitig die Arme und das kranke Bein sinken lassen, das gibt zusätzlichen Schwung.

    Das funktioniert tatsächlich. Mademoiselle wird es beweisen können.
     
    Ah, Mist, zu spät gelesen, um es mir vom Kind heute noch vorführen zu lassen. Diese Methode klingt mir, als wäre da doch ganz schön viel Muskelkraft im gesunden Bein erforderlich. Ich habe etwas Sorge, irgendwohin wegzukippen - naja irgendwohin wäre egal, aber auf das kaputte Bein wäre blöd ;-)
     
    Der Herr N führt es mir jetzt vor! :-)

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