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    Donnerstag, 15. Juni 2017

    Heute oder neulich oder so war ich verabredet, unausgesprochen zum Zweck des Näher-Kennenlernens aber schon schnell ist klar: das wird nichts. Nichts zum Einhaken, jeder Satz gleitet ab und steht für sich, es gibt nichts, wo wir ineinandergreifen.

    Noch vor ein paar Jahren konnte ich sowas ganz gut drehen, irgendwas rauslocken, irgendwas zum Anknüpfen finden. Das ist weg. Ob das Können wirklich weg ist, weiß ich nicht, vielleicht fehlt auch die Energie zum Wollen. Und letztendlich: wozu auch.

     
    Vielleicht haben Sie es nicht verlernt, sondern es lag wirklich an der anderen Person. Vielleicht gab es da wirklich nichts.
     
    Wenn, dann lag es ja am Zusammenspiel. Sowas liegt nie nur an einer von beiden.

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    Bei mir ist das meist eher ein "man könnte, wenn man wirklich wollte, ist aber zu anstrengend"-Gefühl.

    Dennoch (?) gleichzeitig die Enttäuschung, dass sich keine unmittelbare Verbindung einstellt, dieses Mini-Verlieben, das es früher öfter gab.

    Hm.
     
    Ja, die Anstrengung. Dass es nicht weiter geht und einer müsste schieben oder ziehen, die Verklemmung lösen, aber keiner macht es.

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    Wozu
    Seit ich im Vorort wohne, wo alle anders sind als ich, kenne ich es kaum noch, das gleich eine Verbindung da ist.

    Aber es gibt ein "Wozu" für mich: Je mehr ich mich mit den komischen Menschen hier auseinander setze, die so grundsätzlich andere Werte haben als ich, dass ich am Anfang kaum glauben konnte, dass das noch dieselbe Welt sein soll und nur 30km entfernt von meiner alten, desto mehr merke ich, dass es sie doch gibt, die Anknüpfungspunkte. Und wenn ich sie finde, dann freuen sie mich umso mehr.

    Jetzt verbindet mich die Liebe zum Brotbacken mit der gläubigen Katholikin, die Schwierigkeiten als arbeitende Frau in einer Männerdomäne mit der AFD-wählenden Russlanddeutschen, die Toleranz gegenüber Muslimen und nicht-Heteros mit der Hausfrau.

    Wozu? Um zu gucken, wohin das führt.
     
    Ja, das verstehe ich gut. Ich meinte auch nicht, dass mich Unterschiede abschrecken. Und Sympathie (also aus meiner Sicht gesprochen - aber ich denke, aus ihrer auch, sonst hätte sie das Treffen vermutlich nicht angeregt) auch. Aber es ergab sich kein Gespräch über das ganz Offensichtliche (wer was bestellt etc.) hinaus, kein Annähern - nicht im Sinne von einem Annähern der Positionen (die vermutlich gar nicht mal unterschiedlich sind) - sondern im Sinne des Kennenlernens. Es ergab sich nicht von selbst und ich konnte es auch nicht herbeiführen, nicht das Oberflächliche aufbrechen. Das ist es, was ich meinte. Das konnte ich mal sehr gut. Vielleicht bin ich gerade zu müde, immer den schwierigen Weg zu nehmen.
     
    Das verstehe ich auch. Ich kann das auch nur, wenn die Energie dafür gerade reicht. Manchmal ist auch der leichte Weg der richtige.

    Aber das meinte ich eigentlich: Das es eben ein schwerer Weg ist und Energie kostet. Aus meiner Sicht viel mehr, wenn man sehr unterschiedliche Werte hat. Denn dann muss man einiges umschiffen, bevor man zum Eingemachten kommt. Das geht nie bei der ersten Begegnung über Oberflächlichkeiten hinaus, oft erst nach Jahren. Und man stellt sich häufiger die Frage. Will man das überhaupt? Warum will man Menschen kennenlernen, die mehr dagegen als dafür sind? Gegen Muslime, gegen Chaos, gegen Homosexualität, gegen das Dicksein, gegen gewaltfreie Erziehung.

    Und da denke ich halt inzwischen: Ja, ich will. Wenn die das wollen, dann will ich auch. Weil das meinen Horizont manchmal mehr erweitert, als mit denen zu sprechen, zu denen gleich eine Verbindung da ist.

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