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    Dienstag, 7. Oktober 2014
    Blogging November - 1071

    Als ich gerade die Katzenklos grundreinigen wollte, klingelte das Telefon. Nun gehe ich normal nie ans Telefon, wenn ich die anrufende Nummer nicht kenne, aber es war eine Handynummer und das Kind außer Haus, das weiß man ja nie.

    Frau N: Novemberregen?!

    Mann: Guten Tag, spreche ich mit Frau Novemberregen? (Callcentergeräusche im Hintergrund)

    Frau N: (seufzend) Ja. Aber Sie verschwenden nur Ihre Zeit, lassen Sie uns wieder auflegen.

    Mann: Ich verschwende doch nicht meine Zeit, wenn ich mit einer so netten jungen Dame plaudere!!

    Frau N: (macht Würgegeräusche)

    Mann: Ich rufe an von Irgendwas-mit-DVDs-und-Musik-und-Computerspielen, sie haben vor einiger Zeit an einem Gewinnspiel von uns auf der Straße teilgenommen.

    Frau N: Das kann ich mir nicht vorstellen.

    Mann: Doch, ich habe ihr Kärtchen hier. Vielleicht wollte Ihnen auch jemand was Gutes tun und hat es für Sie ausgefüllt, es geht immerhin um den Gewinn eines Kleinwagens!

    Frau N: Ach und dieser jemand hat auch gleich zugestimmt, dass meine Daten für Werbezwecke verwendet werden.

    Mann: Zum Glück, sonst könnte ich Sie mit meiner guten Neuigkeit heute gar nicht anrufen. Ich habe sogar zwei gute Neuigkeiten für Sie!

    Frau N: Zwei Kleinwagen?

    Mann: Nein, aber am Kleinwagen sind Sie auch schon ganz, ganz nah dran!

    Frau N: Wie nah denn?

    Mann: Wir verlosen den Ende des Jahres.

    Frau N: Achso, zeitlich nah dran, ich dachte, von der Wahrscheinlicheit her. Wie nah bin ich denn von der Wahrscheinlichkeit her dran?

    Mann: Auch schon ganz nah!

    Frau N: Wie viele ausgefüllte Kärtchen haben Sie denn?

    Mann: Wie viele Kärtchen wir haben?

    Frau N: Ja, damit wir die Wahrscheinlichkeit ausrechnen können. Ich würde eher sagen, sie sinkt über die Zeit, oder? Weil Sie ja immer mehr ausgefüllte Kärtchen erhalten. Insofern ist "schon nah dran" eigentlich nicht richtig, Sie müssten sagen "schon etwas weiter weg".

    Mann: Also, ich drücke Ihnen jedenfalls ganz fest die Daumen! Und heute habe ich zwei andere Preise für Sie, die Sie auch schon ganz sicher haben!

    Frau N: Ah.

    Mann: Freuen Sie sich?

    Frau N: Ich weiß nicht. Ich habe Sie eben gegoogelt und Sie haben nichts im Angebot, das mich interessiert.

    Mann: Ich habe aber etwas ganz anderes für Sie. Eine Reise!

    Frau N: Ach. Eine Reise.

    Mann: Ja. Und sogar für 2 Personen. Wo möchten Sie denn gerne hinreisen?

    Frau N: Ich möchte im Moment gar nicht verreisen.

    Mann: Der Gutschein gilt ja auch noch 2 Jahre. Ich würde doch sagen, ich schicke Ihnen den einfach mal zu! Nicht war? Es ist ja alles ganz unverbindlich. Sie könne sich das dann mal in Ruhe anschauen.

    Frau N: Wenn Sie möchten.

    Mann: Es gibt nur einen Haken!

    Frau N: Ach.

    Mann: Ihre Reisebegleitung bin ich!

    Frau N: Ach.

    Mann: 2 Personen. Sie und ich. Das war natürlich ein Scherz. Haha.

    Frau N: Haha.

    Mann: Kochen Sie gerade nebenher?

    Frau N: (das Katzenklo reinigend) Genau.

    Mann: Das höre ich. Was gibt es denn Gutes?

    Frau N: Spaghetti Bolognese.

    Mann: Kochen Sie ruhig weiter, während wir sprechen, es muss ja alles fertig sein, wenn Ihr Mann heimkommt.

    Frau N: So ist es.

    Mann: Nun dann zu Ihrem zweiten Preis: wir schenken Ihnen eine zweijährige kostenlose Mitgliedschaft bei uns! Wie viel Geld geben Sie denn monatlich aus für DVDs, Musik und Spiele?

    Frau N: Gar keins.

    Mann: Hahaha! Aber Frau N., Sie wissen schon, dass Raubkopien strafbar sind?

    Frau N: Wollen Sie mir etwas unterstellen?

    Mann: Nur ein Scherz, nur ein Scherz. Sie bekommen dann ganz unverbindlich unseren Katalog geschickt.

    Frau N: Ach, den bekommt man bei Ihnen nur als Mitglied?

    Mann: Die Mitgliedschaft hat noch weitere Vorteile, unser Geschäftsmodell ist [blablabla], dadurch haben wir Preise, die um bis zu 50 oder 60 Prozent unter dem Marktpreis liegen. Wenn Sie also im Monat 100 Euro für Musik ausgeben, sparen Sie mindestens 50 Euro ein. Jeden Monat! Das sind im Jahr auch schon 600 Euro!

    Frau N: Aber ich gebe ja 0 Euro aus.

    Mann: Das macht ja nichts, falls Sie dann doch mal etwas brauchen, sparen Sie bares Geld! Sie gehen ja kein Risiko ein. Wenn die kostenlose Mitgliedschaft dann nach 2 Jahren endet, laufen Sie auch nicht in eine Kostenfalle oder so. Sie zahlen dann weiterhin nichts, es bleibt alles genau so, dass Sie nur eben weiterhin den Mindestumsatz von 49,99 Euo im Quartal haben.

    Frau N: Jetzt haben Sie mich verloren.

    Mann: Kein Problem, Frau N., kein Problem. Ich schicke Ihnen das am besten alles einfach mal schriftlich zu. Dann können Sie sich das in Ruhe anschauen und entscheiden, ob das was für Sie ist. Ganz unverbindlich.

    Frau N: Ja, machen Sie das mal.

    Mann: Dann lassen Sie uns die Daten kurz abgleichen - ja, stimmt alles. Sind Sie denn Sparkassenkunde oder eher bei der Volksbank?

    Frau N: Wie bitte?

    Mann: Bei welcher Bank sind Sie denn

    Frau N: Warum wollen Sie das denn jetzt wissen?

    Mann: Das muss ich im Begrüßungsschreiben angeben.

    Frau N: Warum das denn?

    Mann: Das ist doch immer so, Frau N. Bestellen Sie manchmal online?

    Frau N: Gelegentlich.

    Mann: Dann müssen Sie doch auch Ihre Bankverbindung angeben.

    Frau N: Aber doch erst bei der Bestellung, nicht, wenn ich die Internetseite anschauen möchte.

    Mann: Es ist aber ja wie eine Bestellung, nur eine kostenlose Bestellung eben. Wir schicken Ihnen ja ein Begrüßungspaket mit dem Reisegutschein und einen 10-Euro-Gutschein und auch schon zwei DVDs, damit Sie sehen, dass wir Qualität verkaufen, und noch viel mehr, da müssen wir schon wissen, dass Sie auch eine Bonität haben! Ich will Ihnen nichts unterstellen, aber wir hatten schon Kunden, die haben dann einfach nicht gezahlt!

    Frau N: Aber Sie schicken mir doch Geschenke, muss ich für die etwas bezahlen?

    Mann: Natürlich nicht, aber für später, wenn Sie dann bestellen.

    Frau N: Für später kann ich meine Bankverbindung später angeben.

    Mann: Wir machen das immer vorab, dann hat man alles geregelt und Sie müssen sich um nichts mehr kümmern.

    Frau N: Was machen Sie denn vorab?

    Mann: Wie ich schon sagte, wir prüfen Ihre Bankverbindung.

    Frau N: Sie prüfen meine Bankverbindung? Denken Sie nicht, dazu bräuchten Sie mein Einverständnis? Oder ein berechtigtes Interesse, das stärker wiegt als das Schutzbedürfnis meiner Daten?

    Mann: Das ist natürlich alles rechtlich abgesichert bei uns.

    Frau N: Ach so. Und wie genau?

    Mann: Also, da bin ich überfragt, ich bin ja nur ein kleiner Angestellter, das entscheiden Leute, die höher stehen als wir.

    Frau N: Ahja. Und wissen Sie, wie die Prüfung meiner Bankverbindung vor sich geht? Wer macht das?

    Mann: Ähm... ein Notar!

    Frau N: Ein Notar?!

    Mann: Ja, das wird durch einen Notar geprüft.

    Frau N: Ahja. Und wenn dann der, ähm, Notar herausfindet, dass ich nicht kreditwürdig bin, bekomme ich keine Geschenke?

    Mann: Ähm, also das ist doch ein sehr theoretischer Fall, Sie müssen ja auch nicht reich sein, wir prüfen das nur sehr grob...

    Frau N: Ihnen ist doch sicher bekannt, dass Sie die Gewinnspielpreise nicht von einem Kauf abhängig machen dürfen?

    Mann: Das machen wir ja auch nicht, aber ich darf Ihnen den Brief ohne Ihre Bankverbindung gar nicht schicken.

    Frau N: Nein?

    Mann: Davon haben Sie sicher auch gehört, man darf keine Proforma-Briefe verschicken.

    Frau N: Davon habe ich überhaupt noch nie gehört.

    Mann: Proforma-Briefe. Das ist Lateinisch. In den Briefen müssen alle Ihre Daten stehen, das wurde bei Gericht so beschlossen!

    Frau N: Die Post muss mir persönlich adressierte Werbung auch einwerfen, wenn ich am Briefkasten einen Aufkleber mit "keine Werbung" habe. Das ist aber auch das einzige, was in Bezug auf unsere Situation hier interessant ist.

    Mann: Frau N., aber es ist ja alles ganz unverbindlich. Ich schicke Ihnen das alles einfach zu und Sie schauen ganz in Ruhe, mit Ihrem Mann!

    Frau N: Wenn Sie es mir ohne Bankverbindung schicken, gerne.

    Mann: Frau N, ich habe es doch gerade erklärt. ABer ich erkläre es Ihnen auch gerne noch einmal. Ich kann Ihnen die Unterlagen nur mit Ihrer Bankverbindung schicken! Sonst entgeht Ihnen alles! Zwei Jahre kostenlose Mitgliedschaft, alle Vorteile und die Reise auch!

    Frau N: Nicht so schlimm.

    Mann: Und dafür haben wir jetzt fast 20 Minuten telefoniert?!

    Frau N: Ich habe gleich am Anfang gesagt, dass Sie Ihre Zeit verschwenden. Auf Wiederhören!


    Das Katzenklo war dann auch blitzblank.

    _______________________
    Heute aussortiert: Alte Weiterbildungsunterlagen, zerknautschte Papierreste, alte Ordnerrückenschilder, morsche Gummibänder.

     
    Da haben Sie aber verdammt lange ausgehalten (um es mal positiv zu formulieren ;-)). Naja, Katzenkloreinigen allein ist ja auch langweilig.
    Armer, armer Kerl und dabei war er soooo lustig!
     
    Und das Beste ist: In der Zeit konnte der Typ keine älteren Leute anrufen und denen den Mist andrehen.
     
    Gut, dass Sie das so sagen, ich hatte erst ein etwas schlechtes Gewissen. Aber als Retterin der älteren Leute sehe ich mich natürlich gern. Außerdem hätte man seinen Redefluss sowieso nur mit Gewalt stoppen können.

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    Wenn wir das jetzt alle so handhaben, dürfte sich das Geschäftsmodell über kurz oder lang erledigt haben. Und man ist von der Hausarbeit abgelenkt. Super.
     
    Das mit der Ablenkung war mein Hauptanliegen. Beim Kochen rufe ich ja öfters Frau Herzbruch an, aber wen ruft man beim Katzenklo-Reinigen an? Man weiß es nicht.
     
    Nächstes Mal, wenn ich noch unterwegs bin und mal kein ähhh Callcenterboy :-) anruft, ruf doch mich an. Ich langweile mich schließlich im Stau auch und lass mich gerne ablenken.

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    Und blos ja alles als gute Ehefrau mit dem Ehemann besprechen! Schliesslich ist er ja das Familienoberhaupt und überhaupt... grrr..wenn ich das lese stellen sich mir gleich die Nackenhaare auf!

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    Man muss sich …
    … vor allem mal überlegen, da gibt es Leute, die schulen in CallCentern Leute, damit sie so „professionell” auf die Einwände eingehen (aka Bullshit labern). Und diese Leute wurden von den hiesigen Jobcentern in solche Jobs getrieben – der Scheiß ist quasi vom Steuerzahler, also von Euch, mit quer finanziert.

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    Ich hätte ja gedacht, dass es nach dem "es muss ja alles fertig sein, wenn Ihr Mann heimkommt" ungefähr so weitergeht:

    Frau N: (rumpelndes Geräusch)

    Mann: Hallo? Frau N.? Sind Sie umgefallen? Habe ich was falsches gesagt? Hallo?!
     
    Herrlich, ich muss so lachen. Aber ja, das wäre typischer gewesen.

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    So lustig zu lesen, und der trockene Humor zwischen den Zeilen, genau mein Ding!
     
    Die mit Abstand lustigste Stelle ist:

    "Bestellen sie manchmal online?" - "Gelegentlich."

    Aber das können Außenstehende natürlich nicht wissen. Ein Jammer!

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    *tränenwegwisch* DU denkst Dir das doch AUS?! Herrjeee.. Woher nimmst Du die Geduld für so Gespräche? ;O)

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    Ich
    vermute ja, dass das fliegende Spaghettimonster (andere Religionen nutzen andere Namen) Sonntags mit einer langen Liste potentieller Irrer auf dem Sofa sitzt und sich per Zufall einen raussucht. Der wird dann per Gedankenblitz dazu genötigt, entweder Frau N. anzurufen, ihr in der S-Bahn zu begegnen, oder auf dem Car-Sharing-Parkplatz auf sie zu warten. Und wir haben unsere Unterhaltung.

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    heute hatte ich das Vergnügen...
    Anruf eines Internetgewinnspiels: Hallo sprech ich da mit xyi?
    Also ich rufe an um Ihnen zu sagen, dass Sie unter den 20 letzten Teilnehmern der Endrunde sind und ich nur mal schnell den Hauptgewinn mit Ihnen besprechen wollte. Nehmen Sie lieber das Geld oder das Auto?

    Nach dem ich dankend abgelehnt habe und sagte, es wäre nur mal im Zuge eines langweiligen Nachmittags zur Teilnahme gekommen, entgegnet mir der nun angepisste Anrufer, das gäbe Konsequenzen und er gibt das jetzt seiner Rechtsabteilung. Ich könne doch nicht einfach so an einem Gewinnspiel teilnehmen und dann nicht mitmachen wollen.


    Habe herzliche gelacht

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