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    Donnerstag, 22. September 2022
    Verkehrsmitteldilemma

    Heute hätte ich die Goldschatulle, also das Auto, abholen können aber nur bis 18 Uhr und da ich bis 18:15 Uhr in der falschen Stadt in einem Call festhing, ging das dann eben nicht. Naja. Ich hätte es mit dem Zweitschlüssel dort vom Hof fahren können und morgen früh zum bezahlen auftauchen, diesen Vorschlag wollte ich um 17:58 Uhr am Telefon unterbreiten aber da hob keiner mehr ab und eigenmächtig wollte ich es nicht tun, weil ich niemanden nervös machen will denn, wie gesagt: Goldschatulle.

    Also wird das alles irgendwie morgen stattfinden. Wobei das höchst kompliziert ist, ich habe nämlich auch das Fahrrad am Büro stehen, weil ich heute mit dem Rad dort hingefahren bin aber nicht mehr zurück, auch wieder aus einer Vielzahl komplexer logistischer Überlegungen, die aber eher die nahe Zukunft im Fokus hatten als den nächsten Tag.

    Nun steht also das Rad am Büro, das Auto auf dem Werkstatthof und morgen soll irgendwie beides bei mir zu Hause im Hinterhof landen, zwischendrin muss ich aber zum Büro hin und vom Büro aus auch noch weiter woanders hin, wo man nicht parken kann (also ich jedenfalls nicht, ich kann ja nur parken, wenn entweder viel Platz ist oder ich sehr schlecht gelaunt bin, beides ist für den Termin nicht zu erwarten) und was zu Fuß zu weit weg und mit ÖPNV nervig ist, also will ich da mit dem Rad hinfahren und ich könnte dann mit dem Rad gleich weiter nach Hause nach dem Termin, das wäre elegant, es wäre aber auch wieder deutlich nach 18 Uhr, so dass ich das Auto morgens abholen muss.

    Aber was mache ich dann morgens mit dem Fahrzeug? Ich könnte es mit ins Büro nehmen, ja, aber dann würde es da übers Wochenende stehen, das wäre für mich okay aber für M nicht, ich kann M aber nicht die Karte zur Tiefgarage geben weil das die Eintrittskarte zum Büro ist und das ist natürlich alles verboten. Ich könnte mit dem Rad zu dem Abendtermin hinfahren und auch wieder zurück zum Büro und das Rad dann da stehen lassen und mit dem Auto zurück, dann steht aber das Rad das Wochenende über am Büro und das stört zwar M nicht, aber sehr wahrscheinlich mich. Es ist wirklich unglaublich, welchen anstrengenden Überlegungen das Leben mich immer wieder unterwirft!

    Vermutlich ist dieses Dilemma nur lösbar, wenn ich morgens sehr früh zur Autowerkstatt fahre (Bus oder Taxi), dann das Auto nach Hause fahre, dann zur S-Bahn gehe, damit ins Büro fahre, dort mit dem Rad zum Termin und vom Termin auch wieder zurück. Dann wären abends alle Verkehrsmittel (also alle, für die ich zuständig bin) da, wo sie hingehören, der Weg zu diesem Ziel wirkt auch mich aber nur wenig elegant.

    Ich werde das aber erstmal so einplanen. Vermutlich ist morgen sowieso wieder alles anders.

    Mittwoch, 21. September 2022
    Niere

    8:25 - Anruf von der Autowerkstatt

    Ich: Novemberregen?
    Autowerkstatt: (aufgelegt)

    (Dann andere wichtige Termine)

    9:30 - Ich rufe die Autowerkstatt an

    AW: Autowerkstatt Dingens, hallo!
    Ich: Hallo, hier ist Novemberregen, ihr habt mich vorhin angerufen.
    AW: Meister, Frau N ruft an!
    Meister: Ja dann sprich doch mit ihr!
    AW: Die habe ich ja eben nicht erreicht, sprichst Du jetzt mit ihr?
    Meister: Nein, sprich du mit ihr.
    AW: Ich habe dich ja eben nicht erreicht.
    Ich: Du hast mich erreicht aber dann einfach aufgelegt!
    AW: Wie auch immer, du hast ja ein Auto hier bei uns.
    Ich: Ja, ich weiß.
    AW: Also das Auto mit der kaputten Kupplung.
    Ich: Ja, ich weiß.
    AW: Also wir haben da jetzt die Getriebeglocke abgemacht.
    Ich: Ja, ich weiß.
    AW: Willst du mal vorbeikommen?
    Ich: Ist das Auto fertig?
    AW: Nein, noch nicht.
    Ich: Dann will ich nicht vorbeikommen.
    AW: Aber das wäre schön, wir könnten uns das mal gemeinsam anschauen.
    Ich: Ihr müsst das alleine reparieren, dabei kann ich euch nicht helfen!
    AW: Ja, also, das wird dann etwas teurer weil da ist nochwas.
    Ich: Okay, was kostet es denn?
    AW: Also da ist (irgendwas Unverständliches, das ich vergessen und auch verdrängt habe).
    Ich: Okay, was kostet es denn?
    AW: Das kannst du dir ja mal angucken.
    Ich: Davon wird es vermutlich nicht weggehen.
    AW: Nein. Aber nicht, dass du denkst, dass wir uns das ausdenken.
    Ich: Wir lassen seit über 20 Jahren die Autos bei euch reparieren, wenn ich denken würde, ihr denkt euch was aus, dann müsste ich ja auch immer vorher das Benzin und das Öl raussaugen sicherheitshalber.
    AW: Also sollen wir reparieren?
    Ich: Kriege ich für was immer es kostet von euch ein besseres Auto?
    AW: Nein.
    Ich: Na dann.
    AW: Wir machen nur das Material und nur die Arbeitsstunden vom Azubi, dann lernt der was wenn der mitmacht, dauert dann nur etwas länger.
    Ich: Okay.
    AW: Und wir schenken dir einen Ölwechsel.
    Ich: Super. Bis wann muss ich die Niere denn verkauft haben?
    AW: Morgen sollte es fertig werden.
    Ich: Dann gibt es heute für mich noch viel zu tun, lass uns auflegen.
    AW: Alles Gute für die OP!

    Dienstag, 20. September 2022
    Zahnfee

    Am Vormittag war ich unglaublich genervt, weil ALLE mich mir irgendwelchen Petitessen behelligen, dabei habe ich doch, wie sagt man, Besseres zu tun. Ich habe wirklich ein paar große Themen auf dem Tisch, nicht nur für mich groß und dann kommt wer mit verlorenen Schlüsseln und wer anders mit Urlaub verschieben und noch wer mit Kabel verlegt und ich bin für all das auch gar nicht zuständig, nur alle Zuständigen haben ja Corona und deshalb muss ich mich mit Krempel befassen. Ich bin sehr, sehr genervt.

    In diesem Genervtheitszustand ging ich zur Zahnärztin, aber nur wegen professioneller Zahnreinigung. Ich glaube nicht an professionelle Zahnreinigung, hatte mich aber irgendwie überreden lassen, das gleichzeitig mit der nächsten Kontrolle zu machen und weil ich ja schon dreimal abgesagt hatte, wollte ich heute nicht noch weiter kompliziert sein. Zumal ich schon den Coronatest vergessen hatte, also nicht vergessen abzulegen (bestanden, also negativ) aber vergessen, ein Foto zu machen. Ich war kurz versucht, auf Twitter um ein Bild von einem negativen Test zu bitten, als es mir vor der Tür der Praxis einfiel. Aber wenn ich genervt bin, bin ich ja auch immer gleich konfrontativ, also erklärte ich beim Hereinkommen, dass mein Test negativ war aber ich kein Foto habe und das mit dem Foto sowieso auch Quatsch ist. Die Sprechstundenhilfe sagte "Frau N., wir kennen Sie doch. Gehen Sie einfach durch."

    Die Zahnreinigung war dann halt Zahnreinigung, da ich generell keine Beschwerden habe, tat auch nichts weh, ich wurde für gutes Putzen gelobt aber ausführlich nach Zahnbürstenart, Zahnpastasorte und weiterem Zahnreinigungszubehör befragt, meine Antworten waren nicht alle optimal, ich bekam sehr, sehr viele Tipps und sagte dann irgendwann "Hören Sie, das ist mir alles zu anstrengend, ich will nicht einkaufen gehen und ich will mir auch nichts merken, schreiben Sie es einfach alles so auf einen Zettel, dass ich es bei Amazon bestellen kann und dann ist beim nächsten Termin hier alles perfekt."

    "Das mache ich und ich packe Ihnen von allem eine Probe in ein Tütchen", sagte die Zahnreiniungsfrau, oder nennen wir sie Zahnfee, denn als nächstes sagte Sie "und dann lege ich Ihnen ein angewärmtes Tuch über die Augen und Sie können ein bisschen entspannen, während ich Ihre Zähne sandstrahle". Sie sagte nicht "sandstrahlen" aber genau war das, was sie tat. Ich glaube, das Tuch war nur gegen Erblindung aber egal, es war alles sehr angenehm, ich schlief kurz ein und wachte erst wieder auf, als ich mein Probentütchen bekam. Zum nächsten Termin werde ich per Mail eingeladen.

    Auf dem Weg nach Draußen lief ich noch der Zahnärztin selbst über den Weg und sie erinnerte mich an ihren Vorschlag von irgendwann früher im Jahr, oben links an drei Zähnen die Füllung neu und hübsch und mit weißem Keramik zu machen, die Krankenkasse hatte diesen Vorschlag auch schon genehmigt. "Wollen Sie nochmal in die Karibik dieses Jahr?" lag mir schon auf der Zunge aber dann fragte ich "kann ich dann auch so ein angewärmtes Tuch über die Augen kriegen?" und die Zahnärztin bejahte.

    Ich denke, ich lasse das machen. Mehr meine Ruhe als mit diesem Tuch über den Augen im Behandlungsstuhl sehe ich ansonsten in diesem Jahr nicht mehr für mich am Horizont.

    Montag, 19. September 2022
    Zerrinnende Zeit

    Die Zeit rinnt mir durch die Finger. Oder ich habe zu viel zu tun, ich weiß nicht genau. Überall sind Baustellen. Die Hausverwaltung hat nun veranlasst, dass jemand kommt wegen des Rauchmelders. Da der aber ja mittlerweile in der Vogelfutterdose auf dem Balkon liegt und mich nicht mehr stört, ist auch jedes Gefühl von Dringlichkeit aus meinem Inneren gewichen - wenn da wer kommte müsste wer zu Hause sein und die Sache mit der Futterdose ist möglicherweise erklärungsbedürftig, ich habe keine Lust auf (und keine Zeit für) diese ganzen Umstände.

    Dem Auto muss ich auch hinterhertelefonieren, heute fragte ich nach, was es denn wohl so machen würde und es steht auf dem Hof der Werkstatt mit defekter Kupplung (also selber status quo wie seit Donnerstagnacht), der Meister hat es sich schon angeschaut und wird sich mit einer Kostenschätzung "gleich" melden. Gleich bedeutet wohl nicht am selben Tag. Ich zögere, zu drängeln, da ich das Auto ja nicht brauche, andere brauchen ihres sicher viel dringender, z.B. um zur Arbeit zu kommen. Aber ich hätte die Autosache einfach gerne erledigt. Vermutlich drängele ich morgen doch.

    Dann habe ich morgen einen Termin zur Zahnreinigung, das kommt mir - weil mir ja die Zeit durch die Finger rinnt - höchst ungelegen. Ich habe den Termin aber schon 3x verschoben. Einmal kam beruflich etwas dazwischen, einmal kam mit Mama etwas dazwischen, einmal hatte ich Corona. Jetzt ist nichts außer verrinnender Zeit, was man so hört wird das, je älter man wird, nicht besser, also sollte ich den Termin morgen wahrscheinlich wahrnehmen.

    Heute habe ich Essensreste aus dem Kühlschrank weggeworfen. Zum einen die restlichen 1 Milliarde Portionen von dem Glasnudelsalat von neulich. Den hätte ich gerne noch gegessen aber ich war ja unterwegs und alles kam durcheinander. Zum zweiten den Rest von dem Essen, dass mein Vater mir nach dem langen Krankenhaustag eingepackt hat - das habe ich auf der Couch gegessen und bin dabei eingeschlafen, als ich nachts irgendwann aufwachte und ins Bett taumelte stellte ich es nicht mehr weg, am nächsten Morgen packte ich es pro forma in den Kühlschrank, aber hatte nicht mehr wirklich Appetit darauf. Ich habe mir neulich schon versehentlich ein Cantuccini mit der kleinen Katze geteilt, das brauche ich bei weiterem Essen nicht.

    Sonntag, 18. September 2022
    Erstverschlimmerung

    Im Rahmen meines Projekts "keine Lebensmittel wegwerfen" habe ich gerade den Gefrierschrank durchsortiert. Man sagt ja: "es muss schlechter werden bevor es besser werden kann". Daran halte mich mich jetzt fest.

    Es ist nämlich so: vor längere Zeit (anhand des Ablaufdatums an den Verpackungen schätze ich: Juni 2021) habe ich eine halbe Kuh bestellt, also abgepackte Fleischstücke vom Rind, bio, und es wird dann irgendwie nach Bedarf geschlachtet oder fragen Sie mich nicht, man muss länger darauf warten, irgendwie hatte mich das Konzept damals überzeugt. Die Kuh kam an, ich fror sie ein, wir probierten das Hackfleisch und waren sehr froh, wir probierten die Würste und 2 von 3 waren nicht froh, wir probierten andere Fleischstücke, sie waren sehr zäh und niemand war mehr froh.

    Mein Plan war dann, die Kuh eher unauffällig in Eintopf- oder Schmorgerichten unterzubringen. Dazu muss man das Fleisch natürlich rechtzeitig auftauen, dazu muss man daran denken, was fällt leichter, als Essen, das nicht ganz so doll war aber recht viel Geld gekostet hat, gründlich zu verdrängen?

    Wegen meines neuen Projekts (und weil überraschend Besuch kommt, kleiner Scherz) habe ich die Kuh gerade gesichtet und festgestellt, dass nun auch noch das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Bei allem Schmerz über verschwendete Lebensmittel und auch noch Fleisch: ich sehe mich kein Fleisch essen, dass mir nicht schmeckt und auch noch über das Mindesthaltbarkeisdatum ist. Kuh has left the building. Also gleich, ich bin noch im Pyjama, aber sie steht schon an der Tür.

    Ansonsten erfreuliche Verhältnisse im Eisfach, da sind nur Dinge mit regelmäßigem Umschlag drin und drei Tupperdosen mit unidentifizierbaren fertigen Speisen (aber ohne Eiskristalle oder Gefrierbrand), die ich aber demnächst auftauen und sehr wahrscheinlich auch essen werde, ich habe nämlich schon vor längerem mit mir selbst abgemacht, nur Reste einzufrieren, die besonders lecker waren.

    Neben dem Fleisch habe ich nur eine Tüte mit gefrorenen Bananenscheiben weggeworfen, die Bananen waren im Sommer über den Punkt und ich dachte, ganz sicher möchte ich sehr bald Smoothies oder Bananenmilch machen, natürlich wollte ich das dann aber zu keinem Zeitpunkt, weil ich ja generell nur Getränke mit Kohlensäure oder Heißgetränke (die aber auch kalt) trinke. Okay, eine einzelne vereiste Scheibe Brot, die wohl aus einer Tüte gerutscht ist, kam noch weg. Vielleicht hätte ich die aufheben und an die Vögel verfüttern können. Nächstes Mal, ich mache den Beutel mit dem Fleisch jetzt nicht wieder auf.

    Deutlich überversorgt waren wir noch mit Kühlpacks. Ich bekomme öfters Kühlpacks und denke mir, naja, eins kann man mal im TK haben, falls mal was ist. Diesen Gedanken habe ich wohl gegelmäßig. Ich habe 20 Kühlpacks entsorgt (bzw. noch nicht, sie tauen auf und ich werde damit die Blumen gießen, sehen Sie mal so nachhaltig bin ich heute Morgen also abgesehen davon, dass ich ca 3 kg Fleisch wegwerfe!) und drei eingefrorene kleine Plastikpfandflaschen mit Leitungswasser, die hatte ich im Sommer eingefroren, weil ich dachte, man sollte ja eigenlich immer ein Kühlpack eingefroren haben aber es war gerade keins zur Hand, das ich hätte einfrieren können. Nunja.

    Wir sind mit Speiseeis, Brot, Fisch und TK-Gemüse und TK-Obst sehr gut aber im Rahmen des Sinnvollen ausgestattet und ich fand nun Platz, um den ungekochten Reis, der über Crowdfarming per Paket kam, einzufrieren, weil ich ja immer Angst vor Motten habe. TK-Kräuter sind auch noch alle sortiert und frisch, ich bin zufrieden (wenn ich das Fleisch weiter verdränge).




    UPDATE: das Fleisch ist wieder eingefroren denn es gibt eine super Lösung: Fiene bekommt das als Barf gefüttert.

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    Letzter Regen: 25. September 2022, 21:48 Uhr