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    Sonntag, 26. Juli 2020
    Versicherung gegen Tiere (und Duzen, vielleicht)

    Zu gerne wäre ich bei den Sitzungen dabei gewesen, in denen die Allianz Direct beschlossen hat, die Online-Kunden ab sofort zu duzen. Ohne dabei gewesen zu sein, kann ich mir nämlich absolut nicht erklären, wie dieser Irrsinn zustande kam.

    Jedenfalls habe ich heute eine neue KFZ-Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Nicht ausschließlich wegen des Duzens natürlich - wegen des Duzens dachte ich ein paar Tage lang, das Schreiben wäre irgendeine merkwürdige Werbung, aber dann war es doch so dick, dass ich genauer hinschaute und es war eine Kündigung verbunden mit einem neuen Vertragsangebot. Neben der Anrede war darin das Überraschende der Preis. Ich war überrascht und enttäuscht.

    Und wer hätte gedacht, dass es so viel Spaß macht, nach einer neuen Versicherung zu schauen. So viele interessante Themen zu bedenken! Von den rechtlichen Fragestellungen - ist die alte Versicherung schon gekündigt? Offiziell wohl ja, wobei "so eine" Kündigung vermutlich nicht gemeint ist? - bis hin zu persönlichen Präferenzen - planen Sie, in Ihrer Freizeit an Veranstaltungen teilzunehmen, bei denen es darum geht, die Höchstgeschwindigkeit Ihres Fahrzeuges zu erreichen? Nunja. Bisher nicht. Aber wenn man so fragt, vielleicht? Ich wüsste spontan zwar nicht, wozu, aber ich weiß bei vielen Dingen nicht wozu und probiere sie dann einfach mal aus.

    Auch interessant das Thema "Tiere". Manche Versicherungen versichern nur Zusammenstöße mit bestimmten Tieren, nämlich "Haarwild". Ob es das schon gibt, dass Versicherungsnehmer*innen nach einem Unfall mit einem Schaf (kein Haarwild) sich irgendwo noch schnell einen Hasen irgendwo beschaffen, um einen Haarwildunfall zu inszenieren? Das merken natürlich die Sachverständigen. Es ist kompliziert. Aber eben auch spannend!

    Ganz falsch lag ich bei meinen Gedanken über den Abschnitt "Bisse durch Tiere". Nilpferde oder Krokodile stellte ich mir vor und welchen Schaden die anrichten könnten, wenn sie in eine Karosserie beißen. Aber gemeint war Kleinzeugs wie Marder, die Leitungen anknabbern.

    Nunja. Mal sehen, ob die neue Versicherung mich auch duzt.

    Samstag, 25. Juli 2020

    Ich hatte irgendwas Spannendes geträumt, als heute Morgen der Paketmensch klingelte, aber ich kann mich nicht mehr erinnern. Versuche es immer wieder, es war ein interessanter Traum, vielleicht kann ich ihn heute Nacht weiterträumen.

    Dafür war der Tag komplett ereignislos. Und dafür bin ich aufgestanden.

    Multiszenisch!

    Gestern Abend las ich noch einige Rezensionen zu Nasenhaartrimmern. Das kam durch einen Zufall zustande, nein, eigentlich eher durch einen Algorithmus: ich hatte wohl ein oder mehrere Produkte gekauft, für die sich auch die Käufer*innen von Nasenhaartrimmern interessieren und so wurde mir ein solches Gerät empfohlen.

    Ich gebe zu, ich war nicht uninteressiert. Mein Nasenhaarwuchs ist zwar nicht sonderlich stark ausgeprägt aber ich sah auf den ersten Blick, dass manche*r das Gerät wohl auch zum Trimmen der Augenbraue verwendet. Coronabedingt war ich seit irgendwann Anfang März nicht mehr zum Augenbrauenzupfen und ich sage mal so: ich habe zwar noch keine Monobraue, aber das ist nur meinen widerstrebenden Eigenbemühungen zu verdanken, die mir dazu noch schlechte Laune bereiten.

    Ich las also mit mäßigem bis etwa 65%igem Interesse und erfuhr dabei - ich muss sagen, mit sehr großem Erstaunen - dass das Nasentrimmgerät sogar multiszenisch angewendet werden kann. Als Beispiele waren das Bad und das Schlafzimmer genannt, ich bin unsicher, ob damit wirklich die Räume der Wohnung benannt wurden oder ob eher Bade- und Schlafzimmerszenen imaginiert werden sollten. Ich konnte beides, aber das tut hier nichts zur Sache, viel faszinierter war ich von dem Begriff "multiszenisch", für den ich mir gleich noch sehr viel mehr Anwendungsmöglichkeiten vorstellen konnte, als für den Nasenhaartrimmer an sich und beschloss also, es in meinen aktiven Wortschatz aufzunehmen. Gleich am nächsten Tag wollte ich das üben, und zwar drei Mal.

    Heute war der nächste Tag. Ich hatte natürlich alles längst vergessen, sprach aber am frühen Abend beruflich mit einer Person über das Fitness-Studio. Die Person beklagte den Umstand, dass die Vertragsraten, die ich erhandelt hatte, ihr weiterhin kein Handtuch bescheren und sie das Handtuch also weiterhin schon morgens einpacken muss, wenn sie abends nach der Arbeit zum Fitness-Studio geht, was nachvollziehbarerweise eine Herausforderung, wenn nicht gar eine Zumutung darstellt. Das Handtuch habe ich aber aus einer Historie heraus nicht mit hineinverhandelt, diese Historie ist der Person auch bestens bekannt, wir haben schon sehr häufig und sehr lang über Handtücher gesprochen. Ich sagte also gerade "Es tut mir leid, ich kann da nichts für Sie tun, aber wissen Sie, gehen Sie das doch mal mit Ihrer ganz persönlichen überzeugenden Wirkung an, also im Fitness-Studio, das kriegen Sie doch sicher hin, Sie müssen das als Spiel betrachten!" Woraufhin mir die Person beschied, das habe sie ja bereits versucht und sei auch bei einer jungen Mitarbeiterin beinah am Ziel gewesen, ein paar Mal hätte es schon ein kostenfreies Handtuch gegeben, dann sei diese junge Mitarbeiterin aber verschwunden und nun wären da nur lauter junge Männer und die Situation dadurch in höchstem Maße erschwert. Gleich zeigte ich mich hilfsbereit, ich sagte. "Finden Sie dort doch mal heraus, wer der P ist, den kenne ich recht gut. Sie dürfen ihn herzlich von mir grüßen und vielleicht kommen Sie dann ja ins Gespräch über ein Handtuch!" Die Person war erfreut und begeistert, das sei ein guter Ansatz, man könne das durchaus auch mal so versuchen. Und da viel mir das schöne Worte "multiszenisch" wieder ein und ich antwortete: "Das denke ich auch! Sie müssen diese Sache multiszenisch angehen! Das wird schon klappen, berichten Sie mir gerne!" 1/3!

    Später saß ich am Bahnsteig. Viele Menschen trugen Masken, wenige Menschen nicht, auf den Bildschirmen über dem Gleis wurde auf Masken hingewiesen und auf Abstand und die Dame, die mit mir auf einer Bank saß, sagte trübe: "Ich glaube nicht, dass wir das jemals in den Griff kriegen, was glauben Sie denn?" - "Ich glaube, wir haben das schon viel besser im Griff als vor ein paar Monaten, weil wir immer mehr wissen", sagte ich. - "Aber bis zu einem Impfstoff werden wir nichts mehr machen können und ob es einen Impfstoff geben wird ist ungewiss!", gab die Dame zu bedenken. "Das stimmt, wir wissen nicht, ob es einen Impfstoff geben wird - aber das das ist doch nicht das einzige ausschlaggebende, es wird viel geforscht und das wirkt sich auf so vieles aus: wir wissen besser über Übertragung und damit über Schutz bescheid, vielleicht werden hilfreiche Medikamente gefunden oder die Risikofaktoren klarer, es wird nie nur eine einzige Sache sein, auf die es, wir sollten das multiszenisch betrachten!" - Multiszenisch 2/3

    Auf dem Heimweg war ich nachdenklich. Ich plante keine weiteren Konversationen mit Fremden mehr und in einem Gespräch mit Mann oder Kind die dritte Verwendung einzubringen erschien mir wie Pfuschen. Ich holte bei den Nachbarn noch ein Paket ab, der Nachbar war aber kurz angebunden. Auch bei dem Paket, das ich zu späterer Stunde für andere Nachbarn annahm und das sie auch noch abholten, bot keine überzeugende Gelegenheit.

    Aber ich hatte Glück! Es kam eine berufliche Mail, auf die ich sowieso noch reagieren musste, wenn ich nicht alles mögliche verzögern und anderen Unannehmlichkeiten bereiten wollte, die Mail befasste sich mit der Frage, wie die Rechnungen, die ich freigegeben hatte, sich mit meiner zuvor eingereichten Kostenplanung zu einer Nullsumme zusammenrechnen würden. Als Spoiler: gar nicht. Aber "mit gutem Gewissen" gar nicht, denn nur nicht, wenn man auf dieses eine spezielle Projekt schaut, das deutlich über dem Budget liegt. Was ich aber in Kauf genommen hatte, weil durch die vorgenommene Änderung drei andere Projekte deutlich unter dem für sie jeweils geplanten Budget liegen, das wäre sonst nicht möglich gewesen. Wenn man also nicht nur auf einen kleinen Teil schaut sondern auf das große Ganze, dann gab es durch die Änderung Einsparungen und das erklärte ich unter der wunderbaren Verwendung der in diesem Moment - vielleicht erfundenen - englischen Übersetzung "we should not simply look at one budget item, it is a polyscenic situation and quite complex". 3/3.

    Und bisher hat noch niemand "bullshit" geantwortet, vielleicht komme ich sogar damit durch.

    Donnerstag, 23. Juli 2020

    Ok, das heute Donnerstag war erklärt immerhin, wieso der Kühlschrank so leer ist. Und dass der 23. Juli ist erklärt, wieso ich das Gefühl habe, ich könnte gut mal wieder zum Friseur gehen.

    Ich bin ein wenig aus der Zeit gefallen. Ich glaube, es liegt daran, dass jetzt schon so viele Wochen keine fixen Termine sind - die meisten nicht, weil sie schlicht entfallen und die wenigen, die stattfinden sind durcheinander geraten, weil alle anderen auch durcheinander geraten sind. Mit dem Gesangslehrer spreche ich z.B. jetzt die nächste Stunde immer ab und die Putzfrau schreibt jeden Sonntag "wann soll ich nächste Woche kommen" und ich antworte "wann du willst", es ist ein einziges Durcheinander, weil es nie so genau auf einen Tag ankommt, Schule war schon ewig nicht, alles irgendwie fluide.

    Ich werde mir einen Rhythmus erfinden müssen.

    Mittwoch, 22. Juli 2020
    Heute ist Dienstag

    Frau Fragmente sitzt in ihrem Schlafzimmer und bloggt, ich sitze an meinem Schreibtisch und blogge über Frau Fragmente.

    Heute ist angeblich Mittwoch. Ich schreibe das hier mal so hin. Ich persönliche dachte den ganzen Tag über, es sei Dienstag, alle Indizien deuteten darauf hin, ehrlich gesagt bin ich noch immer nicht überzeugt, dass Mittwoch ist, so ein Kalender kann viel behaupten.

    Ich habe dienstags Gesangsstunde und ich hatte heute Gesangsstunde. Morgen kommt die Putzfrau und sie kommt immer mittwochs. Ich sehe Frau Fragmente immer mittwochs und ich habe sie vor exakt 6 Tagen gesehen. Sie sehen, wo ich herkomme mit meiner Ansicht, dass heute Dienstag ist.

    Aber egal. Frau Fragmente hatte einen beschissenen Tag. Dafür wirkt sich aber recht fröhlich und lacht viel. Ich glaube, es gibt sehr unterschiedliche Arten von beschissenen Tagen, nämlich zum einen solche, die das Leben angreifen, die mit Krankheit, Existenzangst, Verlustangst einhergehen. Das sind die wirklich schlimmen Tage, die man den Leuten ansieht: trüber Blick, graues Gesicht, geknickte Haltung.

    Dann gibt es noch die Tage, die das Ego angreifen, an denen man wie ein Depp dasteht, und das vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Die Tage sieht man den Leuten auch an, aber etwas anders, also jedenfalls den guten Leuten, mit denen ich mich zu umgeben pflege. Sie sehen dann leicht gestresst aus aber eben nicht mit der Trauer der wirklich schlimmen Tage in Blick und Haltung, sondern mit der kleinen Portion Irrsinn und Wildheit im Blick und "a ready laugh", denn es kommt ja jetzt echt schon auf nichts mehr an, da kann man auch einfach lachen.

    So einen Tag hatte Frau Fragmente heute, sie wird darüber schreiben, sie ist aber unzufrieden und hat schon einmal alles gelöscht. Ich bot an, ich könne ja über ihren Tag schreiben und sie über meine Wochentagsproblematik. Beides hatten wir schließlich schon voreinander ausgebreitet. Ich hätte sehr, sehr gerne über ihren Tag geschrieben, der Text wäre höchst unterhaltsam geworden. Mal sehen, ob Frau Fragmente das auch hinkriegt, oder ob sie heute selbst daran scheitert. No pressure!

    Ich selbst hatte heute zwei Erfolgserlebnisse. Zum einen esse ich gerade ein ziemlich leckeres vegetarisches Schnitzel. Schmeckt kein bisschen wie Schnitzel, aber wie Chicken Nuggets und somit ziemlich gut.

    Das zweite ist, dass ich zwei Schränke erfolgreich verschenkt habe. Eine ziemlich lange Geschichte, ich fasse sie kurz:

    M beschloss vor ein paar Monaten, dass sie keine Schränke in ihrem mehr benötigt, ich war höchst verärgert und verbot die Entfernung der Schränke, M beließ die Schränke in ihrem Zimmer aber räumte sie völlig leer, für ca. 4 Wochen Pattsituation.

    Dann sagte ich "okay die Schränke können weg" und M hatte keine Zeit mehr, sich darum zu kümmern (weitere 4 Wochen Stillstand), gestern Abend dann Showdown: M und ich zerren Schränke durch die Wohnung, um sie anderen Bestimmungen in anderen Zimmern zuzuführen, Scheitern auf ganzer Linie, ein Schrank fällt (fast aufs Kind), Ganzkörperschmerzen bei mir am nächsten Tag und der Entschluss, dass die Schränke besser heute als morgen die Wohnung verlassen müssen, denn jetzt reicht es, ich will sie nicht mehr sehen.

    Also kam heute Abend ein junge Pärchen, die ihre erste Wohnung beziehen nach dem Studium (quasi Bilderbuch-Kleinanzeigen-Situation) und holten pünktlich die Schränke ab, freuten sich sehr, M sich auch, sie putzt nun das Zimmer und fragt höflich an, ob sie das Bügelbrett wohl dort aufstellen dürfe. Nicht fragen, lächeln und nicken. Nun wurde ein Bild mittig über dem Bügelbrett ausgerichtet und ich glaube, alles ist gut.

    So. Ich wünsche noch einen schönen Dienstagabend.


    Dienstag, 21. Juli 2020

    Ich muss mir endlich merken, dass ich das vegetarische Hackfleisch von Dingens Garden komplett abscheulich finde, denn ich habe jetzt schon zum dritten Mal ein Gericht damit gekocht, dass ich so widerlich finde, dass ich es nicht essen kann.

    Herr N und M fanden es aber lecker, immerhin, das Zeug muss nicht weggeworfen werden aber ich habe das Gefühl mir brennen schon beim Riechen die Augen davon und ich möchte das keinesfalls auch nur probieren. Sehr eigenartig. Das hat im Geruch so eine gewisse Note, vor der ich davonrennen will.

    Also muss ich es mir endlich merken: vegetarisches Hackfleisch, grüne Plastikschale mit Papier drum, Garden irgendwas steht drauf, nie wieder kaufen.

    November seit 5293 Tagen

    Letzter Regen: 07. September 2020, 22:30 Uhr