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    Montag, 18. Juli 2022
    Arbeit, minutenweise

    Jemand fragt in der täglichen Blogcontentliste, was ich eigentlich minutengenau (!) im Büro gemacht habe und ich dachte, das sei heute gefragt - in Wirklichkeit ist das aber erst morgen. Nun habe ich mir aber heute die Mühe gemacht und das aufgeschrieben und auch, wenn es ein eher ruhmloser Tag war möchte ich mir diese Mühe nicht (jedenfalls nicht zeitnah) nochmal machen. Und außerdem hat mir Fragmente für morgen den Besuch einer Autowaschanlage vorgeschlagen, das hat Priorität vor allem anderen.

    Was habe ich also heute minutengenau im Büro gemacht?

    Ich kam um 9:10 Uhr an, wurde von der Rezeptionistin nicht erkannt, vermutlich weil ich Kontaktlinsen statt Brille und damenhafte sommerliche Kleidung trug. So absurd fing es schon an. Ich schaute (wie jeden Morgen) am Empfang vorbei, die Kollegin war am Telefon, also winkte ich nur und ging wieder weg, dann fiel mir aber ein, dass ich den Baufortschritt in einem Konferenzraum kontrollieren wollte und ging wieder zurück. Sie war jetzt nicht mehr am Telefon, schaute mich sehr konsterniert an und sagte, sie habe beim Hereinwinken gar nicht gewusst, wer ich eigentlich bin.

    Der Baufortschritt war okayisch, nicht im Verzug aber auch nicht freudig überraschend. Die ausgewählte Wandfarbe sieht gut aus, immerhin.

    Um 9:17 Uhr war ich an meinem Schreibtisch und in meiner Tür stand die IT um mir von Vorfällen der letzten 3 Tage (ich hatte Freitag frei) zu berichten. Auch dabei nichts Freudig-Überraschendes.

    Nahtlos abgelöst wurde dieses Gespräch um 9:34 Uhr von einem Personalgespräch über ein Problem. Das Problem können wir nicht lösen, auch nicht beeinflussen, können aber die Folgen abmildern, der Plan dazu stand um 9:48 Uhr und dann kam eine Kollegin mit in New York eingekauften Keksen mit Marshmallows drin, sagte, man solle keinesfalls einen ganzen auf einmal essen, berichtete mir von ihrer Dienstreise (nach New York), ich aß den Keks ganz, er war vorzüglich und dann war mir sehr schlecht und ich wollte nach Hause gehen oder mich auf den Fußboden legen. Es war nun 9:57 Uhr.

    9:57 - 10:05 Krankmeldung I mit Covid und Einleitung entsprechender Maßnahmen.

    10:05 - 10:21 Krankmeldung II mit Covid und Einleitung entsprechender Maßnahmen.

    Dann verschaffte ich mir - wie gesagt, ich hatte Freitag Urlaub - einen Überblick über die eingegangenen Mails (bis 10:49 Uhr) und die eingegangene Post (bis 11 Uhr).

    11:00 - 11:10 Telefonat mit schon letzter Woche an Covid erkrankter Person und Frage nach dem Befinden - es geht ihr schlecht.

    Anschließend befasste ich mich mit Rechnungen. Also: Genehmigung von Zahlungen (oder auch nicht, je nachdem). Das unterbrach ich für ein geplantes Meeting um 11:30 Uhr, das die Neuverhandlung des Mobilfunkrahmenvertrags zum Thema hatte, wir sind damit in der dritten Runde und ich war bisher nicht zufrieden mit den Ergebnissen, heute aber schon, so dass wir noch einige Feinheiten absprachen und die Kollegin sich dann um das Vertragswerk kümmern konnte. Das ging bis 12 Uhr, danach weiter mit den Zahlungen bis 13:15 Uhr (unterbrochen von ab und an jemandem Informationen zurufen, Funktionen erklären, Daten nennen, jeweils nicht länger als 1-2 Minuten), dann Mittagessen.

    Das Mittagessen waren Orechiette in einer Soße aus getrockneten Tomaten mit angeblich Artischocken, die ich aber nicht finden konnte, Dessert eine Aprikosencreme mit irgendeinem abseitigen Kraut darin (Estragon?) und Erdbeeren obendrauf.

    13:55 Ende der Pause und Begrüßung eines neuen Mitarbeiters, der morgens gekommen war und in dessen Plan jetzt halt vorgesehen war, mich kennenzulernen und diverse Themen mit mir durchzugehen. Das ging bis 14:30 Uhr.

    Diverse Personalthemen (zwei neue Verträge, eine Gehaltsanpassung, eine Kündigung, eine Vertragsverlängerung, ein unbezahlter Urlaub), auch das mit nebenher verschiedene kurze Fragen beantworten und Leute in die richtige Richtung schubsen, bis 15:48 Uhr, danach Übermittlung der Gehaltsdaten für Juli an das Steuerbüro mit Rückfragen zu betrieblicher Altersvorsorge und (unzusammenhängend) Beihilfe im Nebenbeschäftigungsverhältnis (bis 16:30 Uhr).

    Danach ging ganz unverhältnismäßig viel Zeit dafür drauf, einem neuen Mitarbeiter in New York zu erklären, wie wir in Deutschland anteilige Gehaltszahlungen und anteiligen Urlaub berechnen (bis 17:10 Uhr!). Dafür würde danach mir etwas erklärt, nämlich vom nOC die Konzernstruktur eines Kunden, damit die AML/KYC-Compliance richtig läuft (und die Rechnung(en) richtig an die verschiedenen Gesellschaften gestellt werden) (bis 17.18 Uhr) und mit diesem Wissen versuchte ich dann noch einem Kollegen in London klarzumachen, dass eine Aufteilung 42:13 nicht bedeutet, dass eine Gesellschaft 42% und eine 13% zahlt sondern, naja, ist ja klar, aber war erstaunlich schwer zu vermitteln. Geglaubt hat er mir wohl bis zum Ende nicht, aber immerhin getan, was ich gesagt habe (ich habe nach wie vor die irrsinnige Annahme, dass Hintergrundwissen vermitteln besser ist als anweisen aber manchmal geht mir die Zeit aus). Es war nun 18:10 Uhr.

    Mittlerweile war der neue Rahmenvertrag für die Handys (aus dem Meeting um 11:30 Uhr) da, also nochmal drübergelesen, alle Änderungen abgehakt und unterschrieben. Versendet um 18:36 Uhr.

    Als letztes sortierte ich noch die Termine für morgen und klebte mir ein Post-it mit den Sachen, die dringend-auf-jeden-Fall-zuerst gemacht werden müssen auf die Tischplatte (mache ich immer, damit ich mich nicht morgens in Mails oder Telefonaten verfranse). Feierabend um 18:47 Uhr.

    Zusammengefasst:
    160 eingegangene Mails (wie gesagt, Freitag hatte ich frei), 44 gesendete Mails, 57 eingegangene Anrufe (davon 31 angenommen, Rest an den Empfang durchlaufen lassen), 17 selbst vorgenommene Anrufe. (das habe ich nicht per Hand gezählt, es gibt ein Tool dafür!)

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