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    Mittwoch, 26. August 2020
    Urlaub Tag 5



    Frau Fragmente sitzt an meinem Küchentisch und bloggt, ich sitze ebenfalls an meinem Küchentisch - ja, mit Spitzendeckchen - und blogge über Frau Fragmente. Es ist schon wieder Corona, bzw. immer noch, ich meine: es gibt schon wieder eine coronabedingte Veränderung. Während wir ja die letzten Woche zusammen Essen gingen, mal in der einen Stadt und mal in der anderen, sagte Fragmente gestern zu mir am Telefon "Ich hatte eigentlich gedacht, wir gehen Steak essen, aber angesichts der Infektionszahlen nehmen wir davon Abstand und ich schlage vor, ich komme zu Dir nach Hause und wir bestellen die Vorspeisenplatte von diesem syrischen Lieferdienst". Ich sagte "ja".

    Wir haben dieses kurze Telefonat vorhin noch einmal analysiert. Kurzfassung: beide waren wir der Ansicht, es war ein sehr gutes Gespräch mit sehr gutem Ergebnis. Langfassung: Fragmente war der Ansicht, sie habe mich gefragt, ob ich Steak essen gehen möchte. Ich hingegen hatte den Steak-Part eher als Smalltalk-Einleitung des Gesprächs verstanden, wie einen kleinen Einblick in Fragmentes Gedankenwelt, der aber von mir keinerlei Kommentar oder Entscheidung verlangte, ähnlich wie "ich habe mir gedacht ich ziehe heute Socken an" oder "heute hab ich mal Müsli gefrühstückt statt Brot". Wie wir überhaupt auf dieses Thema, wie Teile des Gesprächs zu deuten wären, kamen, schreibt glaube ich Fragmente heute. Vielleicht aber auch nicht, dann ist es auch egal.

    Ich wollte jedenfalls über meinen Arm schreiben. Ich habe seit ein paar Wochen Schmerzen im linken Arm, Oberseite Unterarm, ich glaube Muskelschmerzen. So etwas in der Art hatte ich vor Jahren auch schon einmal am rechten Arm, damals habe ich dann die Computermaus umgestellt auf linkshändige Benutzung und bin seither Linksmäuserin. Meine erste Idee war daher, die Maus wieder nach rechts zu versetzen. Es trat jedoch keine Besserung ein.

    Nun bin ich schon seit 5 Tagen gar nicht im Büro und der Arm wird schlimmer statt besser. Lösung 1: sofort Urlaub abbrechen und zurück ins Büro. Lösung 2: weitere Ursachenforschung. Ich entschied mich für Lösung zwei, irgendwann ist ja auch Rente und dann will man nicht immer Armschmerzen haben. Ich dachte scharf nach und kam zu dem nur logischen Schluss, dass es sich bei der belastenden Tätigkeit um eine handeln muss, die ich häufiger zu Hause als im Büro ausübe. Schmerzen verspürte ich heute z.B. beim Halten der Bratpfanne. So oft habe ich in den letzten 5 Tagen aber gar nicht gekocht, dass das ausschlaggebend sein könnte, ich vermute eher eine Belastung durch sich ständig wiederholende Mikrobewegungen statt durch Gusseisen. Ich beobachtete weiter und Verdacht liegt nun auf a) Handy und b) Kindle. Handy benutze ich im Urlaub viel häufiger als sonst (denn sonst ja schonmal rund 8 Stunden außerhalb der Schlafenszeit rein gar nicht). Kindle benutze ich aber noch viel häufiger im Urlaub nämlich sicherlich plus satte 6 Stunden. Dass "Kindle halten" anstrengend ist, habe ich sofort anfangs festgestellt und einen Pop Socket draufgeklebt, aber vielleicht hilft das nicht. Wir gehen aber jetzt weiter nach dem Ausschlussverfahren vor: erst einmal werde ich das Handy die nächsten Tage ausschließlich mit rechts festhalten. Wenn das keine Besserung bringt, muss ich mir etwas Neues zum Lesen überlegen.

    "Bist du schon fertig und surfst auf Twitter?" fragt Fragmente mich gerade, weil ich unsinnige Kommentare ausstieß, also nicht unsinnig an sich aber mit dem Verfassen eines Blogtextes nicht auf Anhieb vereinbar. Tatsächlich hatte ich gerade eine kleine Pause gemacht. Schreiben ist tendenziell immer ein bisschen langweilig, finde ich, weil man das, was man schreibt, ja schon weiß, außer man tippt ganz unglaublich schnell, dann ergeben sich manchmal Dinge, mit denen man nicht gerechnet hätte. Also bei mir jedenfalls.

    Fragmente hat heute einen guten Haarschnitt bzw. eine gute Frisur, ich glaube, es ist nicht neu geschnitten worden, das hätte sie erwähnt. Ansonsten alles wie immer, schwarze Kleidung, wo ich das erwähne, fällt mir ein, dass ich vergessen habe, mich umzuziehen bevor sie kam und eine Sporthose trage. Ich habe vorgestern den Kleiderschrank aufgeräumt und sehr viel aussortiert (2 Umzugskartons zur Kleiderspende und 3 Säcke in den Müll), unter anderem habe ich beim Aufräumen festgestellt, dass ich 10 Sporthosen besitze. Das ist eine stattliche Zahl für eine Person, die derzeit ja gar keinen Sport betreibt und auch so gut wie nie Sportkleidung zu Hause trägt sondern einfach immer die normale Alltagskleidung oder halt gleich Schlafanzug. Ich habe daher die Sporthosen auf 5 reduziert, das ist immer noch viel aber sie haben verschiedene Längen, wenn auch keine 5 verschiedenen Längen (aber drei!) und weil mir für die 5 Sporthosen aus dem aufräumbegleitenden Videochat schon deutlich Hohn und Spott entgegenschlug habe ich beschlossen, jetzt WAS ZU BEWEISEN und diese Sporthosen nämlich zu tragen. Das tat ich heute. Ich war damit sogar im Hof, kurz mit dem Gemüsemann plaudern und dann die Gemüsekiste hochtragen. Ich fühlte mich sehr dynamisch, so dynamisch dass ich, wenn ich die Armschmerzen nicht schon länger hätte, glatt denken würde, sie kommen von der Sporthose, weil ich mich darin irgenwie anders bewege, sportlicher halt, vielleicht mit besonders ausholenden Armbewegungen und im Vorbeigehen ab und an mal den Küchentisch hochstemmen oder so.

    Was noch. Fragmente denkt nach. Dabei habe ich ihr noch gar nicht die 1-Million-Euro-Frage gestellt. Ich knabbere noch an der Antwort von Frau Herzbruch, die mir irgendwie ausweichend erschien. Vielleicht bin ich heute jemand anders als gestern und möchte das alles doch gar nicht so genau wissen.

    Auch dieses Thema - heute wer anders sein als gestern, vulgo: sich umentscheiden - kommt heute vielleicht bei Frau Fragmente vor. Ich bin echt sehr gespannt, wir gingen diese Themen vorhin alle am Tisch durch und ich glaube, ich konnte an der einen oder anderen Stelle noch etwas Salz in die Suppe werfen.

    So, jetzt finde ich kein Ende, was immer das Problem ist, wenn man gar kein Thema hat, dann weiß man ja auch nicht, wann es vorbei ist. Egal, lesen Sie jetzt halt einfach bei Fragmente weiter.

    November seit 5302 Tagen

    Letzter Regen: 07. September 2020, 22:30 Uhr