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    Dienstag, 23. Oktober 2012
    Blogging November - 358

    Uni hat sich auch nicht so sehr verändert in den letzten 10 Jahren. Gut, auch bei mir hat sich nicht verändert, dass ich erst eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn aufwache und in eine gewisse Eile gerate, aber ich bin ja auch krank. Und musste auch noch inoffiziell fahren, ich mag nicht sagen "schwarzfahren", denn ich habe ja eine Jahreskarte, nur lag die zu Hause - ich bin krank, das passiert sowas, ich war schon stolz, dass ich an den Haustürschlüssel gedacht habe, aber Geldbörse, meine Güte - wurde also auch von niemand anderem genutzt, war nur eben bei der Fahrt nicht dabei. Ich habe das Beförderungsentgelt entrichtet und war Eigentümer einer Fahrkarte, nur eben nicht Besitzer, wobei es auch keinen anderen Besitzer gab, zwischen mir und der Fahrkarte war sozusagen nur das Naheverhältnis gestört, oder: Ich hatte einen gültigen Fahrausweis, nur halt gerade nicht da. Sie sehen, es beschäftigt mich immer noch enorm, ich hätte es der Kontrolle natürlich auch (natürlich erfolglos) exakt so erklärt, es kam aber keine, umso besser, auf dem Rückweg habe ich dann ein Ticket gekauft, um nicht länger über diesen Sachverhalt nachdenken zu müssen, mein Seelenfrieden ist mir € 4,10 wert (sagt mal, RMV, seid ihr eigentlich noch von dieser Welt, € 4,10 für 5 Stationen S-Bahn???!). Gut, wir können fortfahren. (€ 4,10!!!! Alle irre!!)

    Ich würde übrigens anregen, dass irgendwelche reichen Mäzene, naja, also Absolventen, die es sich leisten können und ihre Universität in sentimentaler Erinnerung behalten - naja, gut, wer sollte das sein... - also falls es so Leute gäbe, könnten sie ja Patenschaften für Räume übernehmen und dort dafür sorgen, dass die Tische und Stühle mal instand gesetzt werden und das Linoleum korrekt befestigt. Das würde zur Lernatmosphäre beitragen. [Das war subtile Kritik.]

    Jedenfalls: Die Studenten haben sich auch gar nicht verändert, ich war konstant damit beschäftigt, meine Kommilitonentypen von früher im Seminarraum von Frau Herzbruch wiederzufinden. Es gab die Mädchen mit so Kettchen und Spängchen, es gab die Mädchen, die um 14 Uhr aussehen wie frisch aus dem Bett gefallen, es gab den Seniorstudenten, es gab eine mit Hennahaaren und Notizen in pinkfarbener und lila Tinte, es gab die Cliquenhühner und die Einzelgänger und die Austauschstudenten, alles wie immer. Mich selbst habe ich auch gefunden, Frau Herzbruch sagte später, diese Studentin sei ihr aufgefallen, weil sie mal ein Tier mit in die Veranstaltung brachte, sich aber nicht meldete, als zur Erläuterung eines Beispiels gefragt wurde, ob jemand zufällig ein solches Tier besäße. Das könnte wirklich ich sein, ich habe auch nie gern auf Offensichtliches nochmal hingewiesen.

    Mit der Lehre an sich hatte ich viel Spaß, es war allerdings ein bisschen wie Perlen vor die Säue, denn die Studentenschaft befand sich noch am Anfang der Ausbildung und konnte den subtilen Linguistenscherzen der Vortragenden nicht folgen. Ich schon, jetzt nicht aus spezieller Cleverness sondern schlicht, weil ich dasselbe auch mal studiert habe.

    Bei der Verteilung der Arbeitsaufgaben wurde es schwierig. Bis nächste Woche einen Vortrag vorbereiten? Ohgottogott! Ein Thema nehmen, das man jetzt nicht unter den persönlichen Favoriten gehabt hätte? Umhimmelswillen! Aus Sicht von ein paar Jahren Berufserfahrung, in denen man sich ständig einen präsentationsfähigen Überblick über Sachverhalte, deren Existenz man weder erahnt noch erhofft hätte verschaffen muss, und zwar nicht bis nächste Woche sondern bis allerspätestens morgen, war das schon auch amüsant.

    Ich bin etwas traurig, dass ich das alles nicht weiter verfolgen kann. Aber sicher wird mir davon erzählt. Ansonsten muss ich mir vielleicht dienstags ab und an Urlaub nehmen.




    Heute vor zig Jahren:

    Nachmittags sind wir bei mir und schreiben ins Tagebuch.

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